{"id":84322,"date":"2021-01-29T07:26:02","date_gmt":"2021-01-29T06:26:02","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=84322"},"modified":"2021-02-04T13:58:20","modified_gmt":"2021-02-04T12:58:20","slug":"in-einem-kreislauf-oekopapier-energie-und-duenger-aus-silphie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/in-einem-kreislauf-oekopapier-energie-und-duenger-aus-silphie\/","title":{"rendered":"In einem Kreislauf: \u00d6kopapier, Energie und D\u00fcnger aus Silphie"},"content":{"rendered":"<p>Welcher Verbraucher k\u00fcmmert sich schon im Detail darum, woraus seine Papierverpackungen gemacht sind? Ist ja eigentlich auch egal, solange sie \u201e\u00f6ko\u201c sind. Das stimmt allerdings so nicht ganz, denn auch f\u00fcr Recyclingpapier mussten B\u00e4ume gef\u00e4llt werden. Eine Alternative k\u00f6nnte Papier aus dem Korbbl\u00fctler Durchwachsene Silphie werden: Die Firma Silphie-Paper hat gemeinsam mit Partnern ein regionales und dezentrales Konzept entwickelt, mit dem sie Faserstoffe f\u00fcr ein neuartiges Graspapier gewinnt und dabei auch noch W\u00e4rme- und Energie sowie N\u00e4hrstoffe f\u00fcr Naturd\u00fcnger erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Die Produktionsst\u00e4tte f\u00fcr das so genannte Silphie-Papier gibt es in Lenningen am Rand der Schw\u00e4bischen Alb schon seit 150 Jahren; als Papierfabrik Scheufelen musste diese aber 2018 Insolvenz anmelden. Ein Jahr sp\u00e4ter war jedoch schon bereits ein Nachfolgeunternehmen am Start: Die Silphie Paper GmbH, die es sich zu hundert Prozent zur Aufgabe gemacht hat, Papiere aus alternativen Fasern zu entwickeln und zu produzieren. Mit Erfolg: Dieser Tage werden mit Hilfe der alten Scheufelen-Papiermaschinen schon t\u00e4glich mehrere Tonnen des neuartigen \u00d6kopapiers hergestellt.<\/p>\n<p>Kernst\u00fcck der umweltfreundlichen Fasern aus Lenningen ist die Durchwachsene Silphie, eine gelb bl\u00fchende, mehrj\u00e4hrige Pflanze, die urspr\u00fcnglich aus Nordamerika stammt. \u201eWir forschen schon seit vier Jahren an der Verwendung von j\u00e4hrlich nachwachsenden Pflanzen f\u00fcr die Papierherstellung. Insbesondere mit Blick auf den Ersatz von Zellstoffen aus \u00dcbersee und der schnellen Kompensation der bei der Zellstoffproduktion entstehenden CO2-Emissionen\u201c, berichtet Stefan Radlmayr, gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter der Silphie-Paper.<\/p>\n<p>Dabei stie\u00df man vor zwei Jahren gemeinsam mit den Projektpartnern aus dem Energiepark Hahnennest wegen des hohen Zellulosegehalts von 40 Prozent auf die Silphie als Rohstoff f\u00fcr die Papierproduktion. Schon damals hatte der Energiepark Hahnennest ganz neue Anbaukonzepte f\u00fcr den Korbbl\u00fctler entwickelt. \u201eDie Silphie w\u00e4chst schnell und wird bei uns in Deutschland zunehmend als Energiepflanze wie der Mais kultiviert\u201c, sagt Radlmayr. \u201eAber nach dem Anbau sind im Gegensatz zum Mais fast keine Herbizide und Pestizide mehr erforderlich. Dadurch sind die bl\u00fchenden Silphie-Felder hervorragende Insekten- und Bienenweiden und f\u00f6rdern generell die Biodiversit\u00e4t. Durch ihre tiefen Wurzeln kommt die Silphie au\u00dferdem mit unregelm\u00e4\u00dfigen Regenf\u00e4llen gut klar und tr\u00e4gt schnell zu einer Verbesserung der Humusschicht bei.\u201c<\/p>\n<p>Komplette Verwertung der Silphie m\u00f6glichst vor Ort<br \/>\nEin weiterer, ganz wesentlicher Pluspunkt in der \u00d6kobilanz des Silphie-Papiers: Den Rohstoff f\u00fcr die Papierproduktion erschlie\u00dft sich das Unternehmen, indem die gesamte Herstellung einen geschlossenen Kreislauf bildet.<\/p>\n<p>\u201eDie geernteten Pflanzen werden in einer vom Partner AGRES Systems GmbH entwickelten und gebauten Steam-Explosion-Anlage an der Biogasanlage des Energieparks Hahnennest in Ostrach nahe Sigmaringen aufgeschlossen\u201c, erkl\u00e4rt der Unternehmer. \u201eDas ist eine L\u00f6sung, wie sie in vielen Biogasanlagen stattfinden k\u00f6nnte. So w\u00fcrden sie wie der Energiepark zu einer kleinen Zellulose-Faserstofffabrik. Andere Stoffe wie Zucker und Proteine dienen wie bisher der Produktion von Energie aus Biogas und W\u00e4rme. Der G\u00e4rrest geht dann wieder auf die geernteten Felder zur\u00fcck und wird dem Boden als nat\u00fcrlicher D\u00fcnger zugef\u00fchrt. Da die zugeh\u00f6rige Lieferkette im Wesentlichen heute schon besteht und klimapositiv ist &#8211; also der Gesamtprozess weniger CO2-Emissionen verursacht, als durch die j\u00e4hrlich nachwachsende Biomasse gebunden werden, gestaltet sich er sich damit als \u00e4u\u00dferst umweltbewusste Faserproduktion, die zudem aber auch noch wettbewerbsf\u00e4hig und kosteneffizient ist.\u201c<\/p>\n<p>Eine solche Innovation l\u00e4sst sich jedoch nicht allein realisieren: Als Partner hat die junge Firma neben dem Energiepark Hahnennest und der AGRES Systems auch noch ein f\u00fchrendes Lebensmittel-Handelsunternehmen gewonnen: die Schwarz-Gruppe, deren Tochterfirma OutNature GmbH die Vermarktung der Silphie-Papiere \u00fcbernimmt und f\u00fcr die Innovation erst k\u00fcrzlich mit dem Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie \u201eNeues Material\u201c ausgezeichnet wurde. Bei der Entwicklung der fertigen Produkte \u2013 der Verpackungen f\u00fcr den Einzelhandel und Konsumg\u00fcter \u2013 kooperiert man auch noch mit der Hochschule der Medien in Stuttgart.<\/p>\n<p>Rei\u00dffestes \u00d6ko-Material eignet sich f\u00fcr Verpackungen<br \/>\nUnter diesen Bedingungen wird das Silphie-Papier nun schon seit September 2020 produziert. Derzeit werden t\u00e4glich ca. zehn Tonnen Fasern nach Lenningen transportiert. \u201eDas ist im Moment noch nicht so viel, wie wir uns w\u00fcnschen w\u00fcrden\u201c, meint Radlmayr. \u201eWir d\u00fcrfen aus genehmigungsrechtlichen Gr\u00fcnden leider nur eingeschr\u00e4nkt produzieren. Aber wir sind guter Hoffnung, dies bald auf eine Tagesproduktion von 50 Tonnen steigern zu k\u00f6nnen. Das wird dann schon wieder eine gut funktionierende, innovative kleine Papierfabrik sein, ganz in der Tradition der Papierfabrik Scheufelen.\u201c Bisher stand die Herstellung des Silphie-Papiers noch unter der \u00dcberschrift \u201eForschung und Entwicklung\u201c, aber dies soll sich schon bald \u00e4ndern: \u201eOutNature hat mit der Vermarktung des Produkts bereits begonnen. Nicht nur innerhalb des Schwarz-Konzerns, sondern auch an externe Kunden\u201c, sagt der Unternehmer, der derzeit in seiner Firma bereits wieder 35 Mitarbeiter am Standort besch\u00e4ftigt. \u201eDann k\u00f6nnte man die Papiermaschinen auch durchg\u00e4ngig arbeiten lassen und m\u00fcsste sie nicht immer mit gro\u00dfem Aufwand hochfahren.\u201c<\/p>\n<p>Ganz \u201ebaumfrei\u201c ist das neuartige Papier noch nicht. Derzeit betr\u00e4gt der Anteil der Silphie-Faser an jeder Tonne Papier aber schon 50 Prozent. Vor vier Jahren lag bei den ersten Versuchen mit Grasfasern in Zusammenarbeit mit der Firma Creapaper GmbH der Anteil noch bei 20 Prozent und war mit viel Aufwand verbunden. \u201eUnser Ziel ist aber auch gar nicht der komplette Ersatz von Zellstoff\u201c, sagt Radlmayr. \u201eWir wollen einfach nachweisen, dass alternative, aufgeschlossene und regional gewonnene Fasern eine zukunftsweisende und vor allem klimaneutrale Quelle f\u00fcr den rasant steigenden Faserbedarf sein k\u00f6nnen, gerade auch f\u00fcr die sogenannten \u00d6koverpackungen. Und die Herausforderung mit regionalen Fasern zu arbeiten, ohne die Funktionalit\u00e4t des produzierten Papiers in Frage zu stellen, fanden wir angesichts der gro\u00dfen Scheufelen-Papiermachertradition von Anfang an spannend. Heute ist aus dieser Vision ein Papier geworden, das sehr rei\u00dffest und stabil ist und sich deshalb zum Beispiel besonders gut f\u00fcr Verpackungen wie Schalen oder Faltschachteln eignet.\u201c<\/p>\n<p>Alternative Fasern aus Lenningen rechnen sich wieder<br \/>\nDie Fasern an sich seien aber letztlich nicht die entscheidende Innovation, betont Radlmayr: \u201eAlternative Fasern sind in der Papierherstellung nat\u00fcrlich schon lange vor Zellstoff bekannt. Sie werden aber nur noch selten genutzt, weil sie einfach in der Herstellung bei gleicher Funktionalit\u00e4t gegen\u00fcber dem Baum-Zellstoff lange Zeit nicht mehr konkurrenzf\u00e4hig waren. Die Idee der Kaskadennutzung der Silphie zur Faser- und Energieherstellung, die Einbindung der Steam-Explosion-Technologie auf einer Biogasanlage und in eine bestehende Lieferkette des Rohstoffs sei daher das entscheidende Argument f\u00fcr das neue Konzept. Denn wie bei Zellstoff wird damit die Rohstoffquelle auch gleichzeitig die Energiequelle, bietet aber auch noch den Mehrwert der G\u00e4rrestverwertung als D\u00fcnger f\u00fcr die Silphie-Felder. Ein Musterbeispiel f\u00fcr das Schlagwort der \u201eCircular Economy\u201c, der Kreislaufwirtschaft.<\/p>\n<p>In den n\u00e4chsten Monaten wollen die Papiermacher aus Lenningen das Silphie-Papier noch weiter optimieren. Neben der M\u00f6glichkeit, den Anteil an Silphie-Fasern zu erh\u00f6hen, wird beispielsweise gemeinsam mit der Hochschule der Medien an speziellen Beschichtungen gearbeitet, die die strengen Hygienevorschriften erf\u00fcllen sollen, die an die Verpackung von Nahrungsmitteln gestellt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welcher Verbraucher k\u00fcmmert sich schon im Detail darum, woraus seine Papierverpackungen gemacht sind? Ist ja eigentlich auch egal, solange sie \u201e\u00f6ko\u201c sind. 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