{"id":8426,"date":"2005-10-25T00:00:00","date_gmt":"2005-10-24T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20051025-01n"},"modified":"2005-10-25T00:00:00","modified_gmt":"2005-10-24T22:00:00","slug":"parisbruessel-interessante-vorschlaege-fuer-eine-reform-der-verarbeitungsbeihilfen-fuer-flachs-und-hanf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/parisbruessel-interessante-vorschlaege-fuer-eine-reform-der-verarbeitungsbeihilfen-fuer-flachs-und-hanf\/","title":{"rendered":"Paris\/Br\u00fcssel: Interessante Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine Reform der Verarbeitungsbeihilfen f\u00fcr Flachs und Hanf"},"content":{"rendered":"<p><b>Die im Jahr 2000 in Br\u00fcssel beschlossene Regelung sieht vor, dass die Verarbeitungsbeihilfen f\u00fcr Kurzfasern im Wirtschaftsjahr 2006\/07 von derzeit 90 EUR pro Tonne auf Null gesenkt und die Beihilfen von Flachs-Langfasern von 160 auf 200 EUR pro Tonne erh\u00f6ht werden (vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/eu-kommission-und-europaparlament-finden-grundsatzkompromiss-fuer-flachs-und-hanf\/\" >2000-06-26<\/a>). Damals war zudem beschlossen worden, dass die EU-Kommission nach vier Jahren das gesamte System der Beihilfen und Anbauquoten f\u00fcr den Anbau und die Verarbeitung von Flachs und Hanf auf den Pr\u00fcfstand stellt, d.h. von unabh\u00e4ngiger Seite evaluieren l\u00e4sst. <\/p>\n<p>Dies ist nun erfolgt und die EU-Kommission steht vor der Frage, ob die alten Regelungen weiterhin Bestand haben oder ob man dem Votum der Evaluatoren folgen und entscheidende Punkte neu regeln solle. Aber alles der Reihe nach &#8230;<\/b><\/p>\n<p>Im Sommer 2004 schrieb die EU-Kommission die Untersuchung <b>&#8220;Evaluation of the Common Market Organisation for flax and hemp&#8221;<\/b> aus, auf die sich in der Folge drei Antragsgruppen bewarben. Der Auswahlprozess zog sich unerwartet in die L\u00e4nge und erst Anfang des Jahre 2005 wurde endg\u00fcltig entschieden, dass der Auftrag zur Evaluierung an den franz\u00f6sischen Wirtschaftsberater <a href=\"http:\/\/www.ey.com\/global\/content.nsf\/France\/home\" >Ernst &#038; Young (Paris)<\/a> ging, der die Arbeit dann zusammen mit dem Pariser Agrar-Consulting-Unternehmen &#8220;AND International&#8221; durchf\u00fchrte. Wesentlicher Anteil der Arbeit waren Interviews mit Landwirten, Verb\u00e4nden, Faseraufschlussunternehmen und Weiterverarbeitern in ganz Europa. Die Studie stellt die bislang umfassendste und aktuelleste Erhebung und Analyse der Flachs- und Hanfwirtschaft in Europa dar.<\/p>\n<p>Allerdings ist die Studie bislang leider nicht verf\u00fcgbar. Es kursiert lediglich eine Kurzfassung auf Franz\u00f6sisch. Laut Kommission soll die Studie aber bald in voller L\u00e4nge auf Englisch und Franz\u00f6sisch zu erhalten sein. Dennoch werden die wichtigsten Ergebnisse und vor allem die Reformvorschl\u00e4ge in Expertenkreisen bereits heftig diskutiert.<\/p>\n<p>Ende September 2005 wurden in Br\u00fcssel erstmalig die Ergebnisse von Mr. Renault (AND International), der EU-Kommission und den Vertretern der Mitgliedsl\u00e4nder vorgestellt. Wichtigste Eckpunkte sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Autoren sehen im Flachs-Langfaserbereich eine starke Abh\u00e4ngigkeit von der Nachfrage aus China. Sollte die Nachfrage zur\u00fcckgehen, steht der Flachs-Langfaserbereich vor Absatzproblemen, die den Bereich destabilisieren k\u00f6nnen.\n<\/li>\n<li>Es wird bef\u00fcrchtet, dass der Wegfall der Kurzfaser-Verarbeitungsbeihilfen den Hanfbereich massiv treffen und destabilisieren w\u00fcrde, da die geplanten Beihilfe\u00e4nderungen beim Hanf in vollem Umfang zum Tragen kommen w\u00fcrden &#8211; Hanf wird im Gegensatz zu Flachs fast ausschlie\u00dflich in der Gesamtfaserlinie verarbeitet, bei der nur Kurzfasern und keine Langfasern produziert werden. Deshalb wird empfohlen, die Kurzfaserbeihilfe auf jetzigem Niveau zu belassen oder das gesamte Beihilfesystem zu reformieren (s.u.).\n<p>Gleichzeitig werden in der Studie interessante Potenziale f\u00fcr den Einsatz von Kurzfasern gesehen, mit der Einschr\u00e4nkung, dass sich die neuen, innovativen Anwendungen (z.B. Verbundwerkstoffe) volumenm\u00e4\u00dfig langsamer entwickelt h\u00e4tten als erwartet. Diese neuen Sektoren ben\u00f6tigten noch Zeit f\u00fcr ihre Marktentwicklung.<\/p>\n<\/li>\n<li>Die Autoren halten eine unterschiedliche Beihilfe f\u00fcr kurze und lange Fasern weder \u00f6konomisch f\u00fcr gerechtfertigt noch f\u00fcr marktorientiert. Sie f\u00fchren eine Reihe negativer Effekte der jetzigen Regelung auf und kommen zu dem Fazit: &#8220;Alle diese Gr\u00fcnde sprechen also f\u00fcr eine Fusion der Beihilfen f\u00fcr lange Flachsfasern und Kurzfasern in eine einzige Beihilfe f\u00fcr die Verarbeitung von Flachs- und Hanffasern. Ggfs. k\u00f6nnte diese Beihilfe auf andere Faserpflanzen ausgedehnt werden.&#8221;\n<p>Es wird in diesem Kontext auch diskutiert, die H\u00f6he der zu zahlenden Verarbeitungsbeihilfe nicht mehr auf Basis der produzierten Fasern, sondern auf Basis des aufgeschlossenen Strohs zu berechnen. Hierdurch k\u00f6nnte dann auch die Regelung entfallen, dass die produzierten Fasern einen Sch\u00e4bengehalt von unter 25% aufweisen m\u00fcssen, damit \u00fcberhaupt eine Beihilfe gezahlt wird. (<b>Anmerkung:<\/b> Die Vorschl\u00e4ge \u00e4hneln in vielen Aspekten den Reformvorschl\u00e4gen, die die &#8220;European Industrial Hemp Association (EIHA)&#8221; bereits im Jahr 2002 in die Diskussion gebracht hat; siehe <a href=\"http:\/\/www.eiha.org\/\" >www.eiha.org<\/a>)<\/p>\n<\/li>\n<li>In Bezug auf Anbauquoten bzw. nationale Garantiefl\u00e4chen schlagen die Autoren ein flexibleres System vor, das sich nicht an den Anbauzahlen der Vergangenheit orientiert, sondern an den aktuellen Marktentwicklungen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Insgesamt sind die Ergebnisse und Vorschl\u00e4ge der Evaluatoren f\u00fcr die technische Kurzfaserwirtschaft, und damit vor allem f\u00fcr die Hanfwirtschaft, als sehr positiv zu bewerten. Auf dieser Basis k\u00f6nnte in ganz Europa ein Ausbau der Hanfproduktion angegangen werden, um die weiter steigende Nachfrage der Industrie nach Naturfasern verst\u00e4rkt mit einheimischen Faserpflanzen zu decken und weniger mit Jute- und Kenaf-Exporten aus Asien.<\/p>\n<p>In ersten Stellungnahmen zeigte sich auch die Flachs-Langfaserwirtschaft mit den Analysen und Vorschl\u00e4gen einverstanden, was zun\u00e4chst verwundert, da sich den Vorschl\u00e4gen nach die Beihilfen f\u00fcr die Langfasern ja deutlich reduzieren w\u00fcrden. Offenbar scheint aber die Mischkalkulation mit prosperierten gleichen Beihilfen f\u00fcr lange und kurze Fasern insgesamt auch f\u00fcr die Flachswirtschaft aufzugehen.<\/p>\n<p>Noch ist allerdings vollkommen offen, ob die EU-Komission dem Votum von Ernst &#038; Young folgen wird. Mr. Kolodziejak vom Evaluation-Board der EU-Kommission betonte allerdings in einem Meeting mit dem europ\u00e4ischen Bauernverband COPA, dass das Board aufgrund der sehr positiven Umwelteffekte durch den Hanfanbau die europ\u00e4ische Hanfbranche deutlich unterst\u00fctzen wolle.<\/p>\n<p>Das gerade erw\u00e4hnte Meeting fand am 7. Oktober 2005 in Br\u00fcssel auf Einladung von COPA statt und brachte Mr. Renault (AND International), Vertreter der EU-Kommission und Vertreter von europ\u00e4ischen Verbands- und Unternehmensvertretern zusammen. In einem Entwurfspapier mit dem Titel <b>&#8220;Vorschl\u00e4ge von COPA und COGECA zur Erschlie\u00dfung von Entwicklungsperspektiven f\u00fcr den Sektor Flachs und Hanf in der EU&#8221;<\/b> positionieren sich die Verb\u00e4nde sehr positiv zu Flachs und Hanf; hierbei spielen &#8220;Umweltnutzen&#8221; und &#8220;Entwicklungspotenziale&#8221; ein wesentliche Rolle. <\/p>\n<p>Die Vorschl\u00e4ge von Ernst &#038; Young zur Reform der Beihilfe werden explizit unterst\u00fctzt: &#8220;Daher schlagen COPA und COGECA die Aufrechterhaltung einer Verarbeitungsbeihilfe ohne Unterscheidung nach L\u00e4nge oder Eigenart der Faser vor. Sie machen auch den Vorschlag, das auf kurze Fasern anwendbare Abschlagsystem f\u00fcr Unreinheiten abzuschaffen und durch eine Strohbeihilfe zu ersetzen.&#8221;<\/p>\n<p>Die neuen Reformvorschl\u00e4ge finden also bis jetzt schon breite Unterst\u00fctzung. Entscheidend aber wird letztendlich die Position der einzelnen Mitgliedsl\u00e4nder im Ministerrat sein.<\/p>\n<p>COPA und COGECA schlagen zudem weitere interessante Ma\u00dfnahmen zur Unterst\u00fctzung der Flachs &#8211; und Hanfwirtschaft vor:<\/p>\n<ul>\n<li>Steuervorteile wie die Reduzierung der Umsatzsteuer f\u00fcr die Verwendung von Naturfasern\/-produkte.\n<\/li>\n<li>Verbesserung\/Anpassung der Rechtsvorschriften im Bereich der Umwelt- und Abfall-Gesetzgebung.\n<\/li>\n<li>Verbesserung\/Anpassung von Normen im Bereich Textil, D\u00e4mmstoffe, Verbundwerkstoffe, Spezialpapiere etc.\n<\/li>\n<li>Flachs- und Hanfkulturen sollten im Rahmen der Agrarumweltma\u00dfnahmen angesichts des geringen Betriebsmittelverbrauchs dieser Kulturen und ihrer positiven Auswirkung auf die biologische und landschaftliche Vielfalt f\u00f6rderf\u00e4hig sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Spannende Zeiten f\u00fcr die Flachs- und Hanfwirtschaft. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten!<\/p>\n<p><b>Das n\u00e4chste Branchenmeeting der Hanfwirtschaft findet in Deutschland statt: Third International Conference of the European Industrial Hemp Association, November, 28th &#8211; 29th 2005 in H\u00fcrth\/Cologne; weitere Informationen und Anmeldung unter <a href=\"http:\/\/www.eiha.org\/\" >www.eiha.org<\/a>.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die im Jahr 2000 in Br&uuml;ssel beschlossene Regelung sieht vor, dass die Verarbeitungsbeihilfen f&uuml;r Kurzfasern im Wirtschaftsjahr 2006\/07 von derzeit 90 EUR pro Tonne auf<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[],"class_list":["post-8426","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8426","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8426"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8426\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8426"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8426"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8426"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=8426"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}