{"id":8421,"date":"2005-10-25T00:00:00","date_gmt":"2005-10-24T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20051025-06n"},"modified":"2005-10-25T00:00:00","modified_gmt":"2005-10-24T22:00:00","slug":"in-holz-und-getreide-steckt-energie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/in-holz-und-getreide-steckt-energie\/","title":{"rendered":"In Holz und Getreide steckt Energie"},"content":{"rendered":"<p><b>Heizen mit Weizen &#8211; was sich wie ern\u00e4hrungstechnischer Frevel anh\u00f6rt, ist aus Sicht vieler Bauern eine echte Alternative. Auch Holz wird &#8220;einfach so&#8221; zur Energieversorgung verbrannt.<\/b><\/p>\n<p>Landwirt Karlfried Cost aus Frankfurt-Niedererlenbach hat kein Problem damit, seine Ernte zu verbrennen: Der Preis, der f\u00fcr sein Getreide gezahlt werde, sei auf ein unertr\u00e4glich niedriges Niveau gefallen. &#8220;Getreide hat einen Wert von fast Null&#8221;, klagt er. 90 Euro pro Tonne bekomme er von der M\u00fchle. Cost verfeuert deshalb Getreide von seinen Feldern in einer tschechischen Versuchsanlage &#8211; und heizt damit sein Wohnhaus.<\/p>\n<p><b>Ethische Bedenken<\/b><\/p>\n<p>Biomasse ist in ihrer ganzen Palette als Energielieferant geeignet, meint auch die Klimaschutz-Expertin der Umweltstiftung WWF, Regine G\u00fcnther. Getreide geh\u00f6re prinzipiell ebenso dazu wie Holz, Raps oder Zuckerr\u00fcben. Aber: Anders als Raps oder R\u00fcben wurde Getreide bisher ausschlie\u00dflich als Nahrungs- und Futtermittel angebaut. K\u00f6rner sind als Brennstoff nicht zugelassen. Neben technischen Schwierigkeiten gibt es auch ethische Bedenken.<\/p>\n<p>Das Verfeuern eines seit biblischen Zeiten wichtigen Nahrungsmittels ist f\u00fcr viele Menschen ein Problem. Der katholische Moraltheologe Michael Rosenberger aus Linz konstatiert ein &#8220;emotionales Nein&#8221;, kommt aber zu dem Schluss, dass es keine Argumente gibt, die prinzipiell gegen den Anbau von Weizen zur Energieerzeugung sprechen. Die emotionalen Bedenken seien jedoch ein hilfreiches Warnsignal vor allzu gro\u00dfer Euphorie \u00fcber die Chancen nachwachsender Rohstoffe.<\/p>\n<p><b>L\u00f6sung f\u00fcr Entsorgungsproblem<\/b><\/p>\n<p>Auf 6,9 Millionen Hektar bauen deutsche Landwirte Getreide an, davon sind 3,7 Millionen Hektar Brotgetreide (Weizen und Roggen). F\u00fcr die Bauern w\u00e4re die Erlaubnis, Getreide zur W\u00e4rmegewinnung zu nutzen, die L\u00f6sung f\u00fcr eine ganze Reihe von Problemen: Derzeit bekommen die Landwirte nach Angaben des hessischen Bauernverbandes h\u00f6chstens zehn Cent f\u00fcr ein Kilogramm Backweizen. F\u00fcr Futtergetreide werde noch wesentlich weniger gezahlt, sagt Pressesprecher Bernd Weber. Au\u00dferdem wissen die Landwirte nicht, wohin mit minderwertigen Qualit\u00e4ten: Auf M\u00fclldeponien darf es seit Juni nicht mehr gebracht werden. Bleiben nur die M\u00fcllverbrennung oder Kompostierung.<\/p>\n<p><b>Getreide und Holz mischen<\/b><\/p>\n<p>Die Gegenrechnung sieht folgenderma\u00dfen aus: 2,5 Kilogramm Weizen haben den Heizwert von einem Liter \u00d6l. Allerdings gibt es technische Probleme. Uwe Fritsche vom \u00d6ko-Institut Darmstadt meint, Getreide k\u00f6nne als Brennstoff mit Holz nicht mithalten. Noch sei keine Technik auf dem Markt, die mit Verbrennungs-R\u00fcckst\u00e4nden wie Kohlenwasserstoffen oder Kohlenmonoxid fertig werde. Wegen des hohen Stickstoffgehalts der Getreidek\u00f6rner seien auch die Stickoxidemissionen problematisch. Vielversprechend seien aber Versuche, Getreide gemischt mit Holzhackschnitzeln zu verbrennen.<\/p>\n<p><b>Pelletsnachschub gesichert<\/b><\/p>\n<p>Holzpellets brennen auch ohne Getreidebeimischung gut. &#8220;Dieses wertvolle Nebenprodukt der Holzindustrie wird immer bedeutender f\u00fcr die Beheizung von Wohnungen und Gro\u00dfeinrichtungen&#8221;, sagt Helmut Schellinger, Vertriebschef von Deutschlands gr\u00f6\u00dftem Holzpellets-Werk. Es steht auf dem S\u00e4gewerksgel\u00e4nde der kleinen Gemeinde Dold in Buchenbach im Hochschwarzwald. Das Werk verarbeitet 35 Lastwagenladungen Holz pro Tag. Das ergibt 35.000 Tonnen Pellets im Jahr. Damit k\u00f6nnen mehr als 15.000 Haushalte mit W\u00e4rme versorgt werden.<\/p>\n<p>G\u00fcnstige Perspektiven f\u00fcr Holz sieht auch der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Forstkammer Baden- W\u00fcrttemberg, Martin Bentele: &#8220;Deutschland ist Europas Waldmeister, was Vorr\u00e4te und guten Zuwachs des Waldes angeht.&#8221; Zudem w\u00fcrden nur zwei Drittel des Waldzuwachses in Deutschland tats\u00e4chlich geerntet. Die H\u00e4lfte der deutschen Haushalte k\u00f6nnten mit dem Heizstoff Holz versorgt werden, wenn man nur das tats\u00e4chlich nachwachsende Holz aus dem Wald n\u00e4hme, sagt Bentele. Die Menge an Rohstoff sei bei nachhaltiger Nutzung gesichert.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/getreideverbrennung-energiekorn-als-chance-fuer-die-landwirtschaft\/\" >2005-09-29<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Heizen mit Weizen &#8211; was sich wie ern&auml;hrungstechnischer Frevel anh&ouml;rt, ist aus Sicht vieler Bauern eine echte Alternative. 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