{"id":84124,"date":"2021-01-25T07:32:43","date_gmt":"2021-01-25T06:32:43","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=84124"},"modified":"2021-01-20T11:40:47","modified_gmt":"2021-01-20T10:40:47","slug":"proteine-aus-raps-resten-bereichern-technik-und-industrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/proteine-aus-raps-resten-bereichern-technik-und-industrie\/","title":{"rendered":"Proteine aus Raps-Resten bereichern Technik und Industrie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie lassen sich Umwelt und Ressourcen in einer k\u00fcnftigen Wirtschaftsweise bestm\u00f6glich schonen? K\u00f6nnen in einer Bio\u00f6konomie nat\u00fcrlich vorkommende Proteine zu neuen Produkten f\u00fchren? Welche innovativen Verfahren und Rezepturen bedarf es dazu in der Industrie? Diese Fragen stellte die Innovationsallianz Techno-funktionelle Proteine (TeFuProt) bei ihrer Gr\u00fcndung 2012. \u201eViele Unternehmen k\u00f6nnten modifizierte Proteine als Komponenten f\u00fcr innovative Produkte und in ihren Prozessen verwenden\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Axel H\u00f6hling, der Koordinator des Konsortiums. Manche Proteine verbessern etwa die Flie\u00dfeigenschaften von Farben, andere eignen sich als Schaumbildner oder binden \u00d6l und Wasser. Darauf aufbauend wollte die Allianz zun\u00e4chst erd\u00f6lbasierte chemische Inhaltsstoffe durch Proteine ersetzen. In Folge entwickelten sie neue innovative Produkte, wie biologisch abbaubare Folien f\u00fcr die Verpackungsindustrie oder die Landwirtschaft.<\/strong><\/p>\n<h3>Sehenswerte Bilanz vorgestellt<\/h3>\n<p>Zum Abschluss des Projektes Ende 2020, nach Jahren erfolgreicher gemeinsamer Forschungs- und Entwicklungsarbeit, pr\u00e4sentierten die Kooperationspartner ihre sehenswerte Bilanz. Als nat\u00fcrliche Proteinquelle hatte sich die Allianz auf Reststoffe aus der Raps\u00f6l-Gewinnung fokussiert. Allein in Deutschland fallen j\u00e4hrlich mehr als f\u00fcnf Millionen Tonnen Raps-Schrot und Raps-Presskuchen an. Diese proteinhaltigen Reste enthalten Bitterstoffe und sind deshalb nur begrenzt als Tierfutter geeignet. F\u00fcr die menschliche Ern\u00e4hrung scheiden sie g\u00e4nzlich aus. Ihre Nutzung als Proteinquelle f\u00fcr eine st\u00e4rker biobasierte industrielle Produktionsweise konkurriert also nicht mit der Erzeugung von Nahrungsmitteln \u2013 ein wichtiges Prinzip der deutschen Bio\u00f6konomiestrategie.<\/p>\n<h3>Keine Konkurrenz zur Nahrungsmittel-Erzeugung<\/h3>\n<p>Seit 2014 arbeiteten insgesamt 15 Unternehmen, zwei Hochschulen und ein Fraunhofer-Institut mit dem Ziel zusammen, aus Raps-Resten ein biologisches Vorprodukt zu gewinnen und daraus unterschiedliche technische Endprodukte, Vorkomponenten oder Additive zu entwickeln. Die Kooperation hat bisher zu sieben m\u00f6glichen Produkten oder Produktgruppen mit positiver \u00d6kobilanz gef\u00fchrt. Derzeit werden Hersteller gesucht, erkl\u00e4rt Projektkoordinator H\u00f6hling. Zu den innovativen biobasierten Produkten z\u00e4hlen<\/p>\n<ul>\n<li>bioabbaubare Folien, als Verpackungsmaterial etwa f\u00fcr Waschmittelportionen oder als Pflanzfolien,<\/li>\n<li>Faserplatten aus Produktionsresten, Bindemittel mit Rapsprotein modifiziert,<\/li>\n<li>Flammstabile Isoliersch\u00e4ume f\u00fcr die Bauwirtschaft oder Formschaum f\u00fcr Verpackungen,<\/li>\n<li>Faserschutz und Farb\u00fcbertragungsinhibitoren in \u00d6ko-Waschmitteln,<\/li>\n<li>Komponenten in Bindemitteln,<\/li>\n<li>Additive in Universalreinigern f\u00fcr Holzoberfl\u00e4chen,<\/li>\n<li>Verdickerkomponenten f\u00fcr Schmierstoffe oder Binder f\u00fcr Gleitlacke.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die nach der Proteingewinnung verbleibenden Reststoffe dienen in den oben genannten Faserplatten oder in biologisch abbaubaren Pflanzgef\u00e4\u00dfen als F\u00fcllstoffe. Daher weisen Vorprodukte und Endprodukte eine positive \u00d6kobilanz auf, denn im Gesamtprozess fallen keine Produktionsreste an. Zudem optimierten die Entwickler das Gewinnungsverfahren und erreichten eine neuartige Qualit\u00e4t der Endprodukte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_84126\" aria-describedby=\"caption-attachment-84126\" style=\"width: 545px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-84126\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/47104abg_de545a403f47273.jpg\" alt=\"47104abg_de545a403f47273\" width=\"545\" height=\"327\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/01\/47104abg_de545a403f47273.jpg 1156w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/01\/47104abg_de545a403f47273-300x180.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/01\/47104abg_de545a403f47273-1024x614.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/01\/47104abg_de545a403f47273-600x360.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 545px) 100vw, 545px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-84126\" class=\"wp-caption-text\">Proteinhaltige Reste bei der Gewinnung von Raps-\u00d6l \u00a9 HENADZY \/ stock.adobe.com<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Allianz verpflichtete sich von Anfang an dem Ziel, nicht nur zu einer st\u00e4rker biobasierten, sondern auch zu einer zirkul\u00e4ren Produktionsweise beizutragen. Daher betrachtete sie auch den sogenannten \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck der Entwicklungen. Eine begleitende Studie zeigte, dass die \u00d6kobilanz f\u00fcr die stofflich-industrielle Nutzung von Raps-Proteinen im Vergleich mit der Nutzung von tierischen Proteinen erwartungsgem\u00e4\u00df besser abschneidet. Dies galt indes auch im Vergleich mit pflanzlichen Soja- oder Sonnenblumen-Proteinen, etwa in Hinblick auf Klimaeffekte oder den Land- und Wasserverbrauch.<\/p>\n<h3>Es geht nicht ohne weiteres, Erd\u00f6l zu ersetzen<\/h3>\n<p>Die erste Herausforderung war es, die Proteine m\u00f6glichst effektiv und anwendungsgerecht aus den Raps-Resten zu gewinnen, berichtet H\u00f6hling. \u201eEine wichtige Frage an die kooperierenden Unternehmen zu Beginn war: Welche Struktur und Eigenschaften m\u00fcssen die Proteine besitzen, damit sie in ihre aktuellen oder k\u00fcnftigen Prozesse und Produkte passen?\u201c Jahrelange Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der Kooperationspartner folgten. H\u00f6hling, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter der ANiMOX GmbH in Berlin, betont: \u201eEs gelingt eben nicht ohne weiteres, Erd\u00f6l zu ersetzen.\u201c Die Forscherinnen und Forscher seines Unternehmens und des Fraunhofer-IVV in Freising modifizierten die gewonnenen Raps-Proteine und statteten sie mit neuen, techno-funktionellen Eigenschaften aus. So konnten sie als Grund- oder Zusatzstoffe in den vielf\u00e4ltigen technischen Produkten der Kooperationspartner verwendet werden.<\/p>\n<h3>Arbeit folgt der Bio\u00f6konomiestrategie der Bundesregierung<\/h3>\n<p>Die an TeFuProt beteiligten Unternehmen kamen aus so unterschiedlichen Branchen wie der Kunststoff-, der Pigment-, der Lack-, der Papier-, der Bohr\u00f6l-, der Schmierstoff-, der Bindemittel- und der Reinigungsmittelindustrie. In einigen dieser Bereiche hat die Anwendung biologischen Wissens zum Teil eine lange, vorindustrielle Tradition \u2013 diese ist aber in den letzten hundert Jahren der Kohle- und Erd\u00f6lchemie oftmals verloren gegangen und wird jetzt wiedergewonnen.<\/p>\n<p>Die von der Allianz geleistete Arbeit folgt der Bio\u00f6konomiestrategie der Bundesregierung: In allen wirtschaftlichen Sektoren soll die Erzeugung, Erschlie\u00dfung und Nutzung biologischer Ressourcen, Prozesse und Systeme dazu dienen, Produkte, Verfahren und Dienstleistungen f\u00fcr ein zukunftsf\u00e4higes Wirtschaftssystem bereitzustellen. Die Bio\u00f6konomie birgt das Potenzial f\u00fcr nachhaltige L\u00f6sungen, die Ressourcen schonen und gleichzeitig Wohlstand schaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie lassen sich Umwelt und Ressourcen in einer k\u00fcnftigen Wirtschaftsweise bestm\u00f6glich schonen? K\u00f6nnen in einer Bio\u00f6konomie nat\u00fcrlich vorkommende Proteine zu neuen Produkten f\u00fchren? Welche innovativen Verfahren und Rezepturen bedarf es dazu in der Industrie? 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