{"id":8407,"date":"2005-08-26T00:00:00","date_gmt":"2005-08-25T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20050826-07n"},"modified":"2005-08-26T00:00:00","modified_gmt":"2005-08-25T22:00:00","slug":"grosse-aufregung-um-erschoepfte-importquoten-fuer-chinesische-textilien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/grosse-aufregung-um-erschoepfte-importquoten-fuer-chinesische-textilien\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfe Aufregung um ersch\u00f6pfte Importquoten f\u00fcr chinesische Textilien"},"content":{"rendered":"<p><b>Etwa 65 Mio. Bekleidungsteile chinesischen Ursprungs &#8211; von der Damenbluse bis zur Warnweste &#8211; liegen in Zolll\u00e4gern der EU fest. In den ersten Monaten diesen Jahres erh\u00f6hten sich die Importmengen aus dem Reich alarmierend im deutlich zweistelligen Prozentbereich. Vor allem auf Dr\u00e4ngen der Mitgliedsl\u00e4nder mit (noch) relevanter Textilindustrie, insbesondere Italien, Spanien und Portugal hat sich die EU am 10. Juni in direkten Verhandlungen mit China auf eine Quotierung der Importe in die Gemeinschaft geeinigt.<\/b><\/p>\n<p>In den letzten Wochen wurden bei einer Reihe von Produktgruppen die vereinbarten Quoten ausgesch\u00f6pft, so dass die dar\u00fcber hinaus gehenden Waren beim Zoll liegen blieben. Dies, nachdem in einer Reihe von Produktgruppen bereits im August 110% des Vorjahresimportes erreicht waren! In den restlichen Bereichen liegt derzeit die Quotenaussch\u00f6pfung etwa zwischen 78 und 95%.<\/p>\n<p>Ein Aufschrei der Entr\u00fcstung vor allem aus den west- und nordeurop\u00e4ischen Handelsl\u00e4ndern lie\u00df nicht lange auf sich warten: in einem Schreiben einiger Fachminister an die EU-Kommission wurden massive Verluste des Bekleidungshandels, Preissteigerungen f\u00fcr Verbraucher, Versorgungsl\u00fccken, unverk\u00e4ufliche Saisonware und gar Abbau von Arbeitspl\u00e4tzen im Handel (!) in unmittelbare Aussicht gestellt.<\/p>\n<p>Bei genauerem Hinsehen erwiesen sich viele der Argumente der Lobbyisten als eher d\u00fcnn:<br \/>Was die ung\u00fcnstige Gesch\u00e4ftssituation des Einzelhandels angeht, so sehen Fachleute den verregneten Sommer als um ein Vielfaches gravierender an als vor\u00fcber gehend aus chinesischer Produktion nicht verf\u00fcgbare Massenartikel.<\/p>\n<p>60 Mio. Teile im Zoll f\u00fcr die gesamte EU sind in Relation zu den rund 2 Mrd. Bekleidungsteilen, die j\u00e4hrlich allein in Deutschland \u00fcber den Ladentisch gehen, sehr \u00fcberschaubar. Als einzige erkennbare Versorgungsl\u00fccke wurden Warnwesten &#8211; im Einkaufspreis einige zehn Cent &#8211; identifiziert, die aufgrund entsprechender neuer Verkehrsverordnungen verst\u00e4rkt nachgefragt wurden.<\/p>\n<p>Von Preissteigerungen f\u00fcr den Verbraucher kann \u00fcberhaupt keine Rede sein, haben sich doch im bisherigen Jahresverlauf zumindest in Deutschland im statistischen Warenkorb die Preise f\u00fcr Bekleidungstextilien verbilligt. <\/p>\n<p>Was schlie\u00dflich unverk\u00e4ufliche Saisonware angeht, so werden in den hier relevanten Monaten Juli und August kaum noch Sommerwaren ausgeliefert; viel mehr l\u00e4uft die Auslieferung der Wintersaison an: die daf\u00fcr bestimmten Waren werden aus meteorologischer Sicht und allgemeiner Lebenserfahrung durchaus noch einige Zeit saisonal gefragt sein. <\/p>\n<p>Die Frage des Verlustes an Arbeitspl\u00e4tzen im Handel ist angesichts des tats\u00e4chlichen Umfanges der Einschr\u00e4nkungen eher ein schlechter Scherz (oder ein Beispiel f\u00fcr dreiste Lobbyarbeit). Tats\u00e4chlich sind vor allem Discounter betroffen, die ohnehin einen niedrigen spezifischen Arbeitskr\u00e4ftebedarf haben.<\/p>\n<p>Ob an anderer Stelle, n\u00e4mlich in den s\u00fcdeurop\u00e4ischen Textill\u00e4ndern \u00fcber eine Quotierung der Chinaimporte tats\u00e4chlich Arbeitspl\u00e4tze gerettet werden k\u00f6nnen, bleibt angesichts des zunehmenden Downtradings im Handel fraglich: genau so wie in Teilen von Lebensmittelhandel, Konsumg\u00fctern oder Medien einem nicht unbetr\u00e4chtlichen Anteil von Verbrauchern wesentliche Qualit\u00e4tsbegriffe abhanden gekommen sind, so ist dies auch bei Textilien l\u00e4ngst geschehen. Diesen Massenmarkt wird die europ\u00e4ische Textilindustrie auf auch absehbare Zeit nicht mehr bedienen.<\/p>\n<p>Nur wo gehobenes Design, ein angemessenes Preis\/Leistungs-Verh\u00e4ltnis, eine schl\u00fcssige Produktgeschichte UND Qualit\u00e4t zusammen treffen, bleibt die Nische f\u00fcr eine innergemeinschaftliche Produktion bestehen. Und daf\u00fcr sollten die Handelsl\u00e4nder besser streiten als f\u00fcr eine durchsichtige Lobbyaktion.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: ob nun Warengruppen umdefiniert oder neu verteilt werden oder aber Quoten dieses Jahres mit denen des n\u00e4chsten Jahres verrechnet werden; eine Einigung wird in wenigen Wochen wenn nicht gar Tagen erzielt sein.<\/p>\n<p>Die chinesischen Hersteller haben mit dem ihnen eigenen Pragmatismus l\u00e4ngst auf die Situation reagiert: Sie lagern \u2013 ob real oder virtuell &#8211; ihre Produktion in andere asiatische Staaten aus. Mit Spannung erwarten Experten, wie zuk\u00fcnftig das tats\u00e4chliche Herstellungsland festgestellt werden soll&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Etwa 65 Mio. Bekleidungsteile chinesischen Ursprungs &#8211; von der Damenbluse bis zur Warnweste &#8211; liegen in Zolll&auml;gern der EU fest. 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