{"id":84048,"date":"2021-01-22T07:26:12","date_gmt":"2021-01-22T06:26:12","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=84048"},"modified":"2021-01-19T12:53:36","modified_gmt":"2021-01-19T11:53:36","slug":"nachhaltiger-laermschutz-3d-gedruckte-pilze-als-schallabsorber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nachhaltiger-laermschutz-3d-gedruckte-pilze-als-schallabsorber\/","title":{"rendered":"Nachhaltiger L\u00e4rmschutz: 3D-gedruckte Pilze als Schallabsorber"},"content":{"rendered":"<p>Wird in Ihrem B\u00fcro viel telefoniert? Spielt Ihr Nachbar oft laute Musik? Vielen Menschen f\u00e4llt es schwer, sich bei L\u00e4rm zu konzentrieren. Forscher nutzen jetzt pilzbasierte Materialien, um f\u00fcr angenehme Ruhe zu sorgen.<\/p>\n<p>Dass Pilze mehr sind als gesunde Lebensmittel, will das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut f\u00fcr Bauphysik IBP beweisen. Sie forschen an pilzbasierten Materialien, aus denen sich umweltfreundliche Schallabsorber herstellen lassen. Denn bisherige Akustikelemente aus Mineralfasern und Kunststoffsch\u00e4umen sind meist wenig nachhaltig und lassen sich nur schwer recyceln.<\/p>\n<p>Ideengeber f\u00fcr den Pilz-Schallschutz ist Julia Krayer, Projektleiterin am Fraunhofer Umsicht. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeitet seit Jahren an Biomaterialien. \u201eIm Rahmen der Materialentwicklung stehen pflanzliche Substrate und Pilzmyzel im Fokus\u201c, sagt sie. Das Myzel besteht aus einem feinen Geflecht fadenf\u00f6rmiger Hyphen, w\u00e4chst in der Natur unterirdisch und kann, je nach Art, eine Gr\u00f6\u00dfe von \u00fcber 1 km2 erreichen.<\/p>\n<p>Offene Zellw\u00e4nde nehmen Schall auf<br \/>\nF\u00fcr das Projekt z\u00fcchten Krayer und ihre Kollegen die Myzelf\u00e4den im Labor. Das Pilzmyzel wird zun\u00e4chst mit einem pflanzlichen Substrat bestehend aus Stroh, Holz und Abf\u00e4llen aus der Lebensmittelproduktion vermischt und danach mit einem 3D-Drucker in eine beliebige Form gedruckt. \u201eDaraufhin wird das gesamte Substrat von den Myzelf\u00e4den durchwachsen und bildet so eine feste Struktur\u201c, erkl\u00e4rt Krayer.<\/p>\n<p>Sobald das Myzel das feink\u00f6rnige Substrat durchdrungen hat, wird das Produkt im Ofen getrocknet, um den Pilz abzut\u00f6ten. Das auf diese Weise entstandene Material verf\u00fcgt \u00fcber offene Zellw\u00e4nde, kann dadurch Schall aufnehmen und eignet sich mit gedruckten Porenstrukturen sehr gut als Schallabsorber.<\/p>\n<p>Porenstruktur durch 3D-Drucker anpassen<br \/>\nNeben dem hohen Wirkungsgrad, den positiven Faktoren der Nachhaltigkeit sowie der Ressourcenschonung bringen die pilzbasierten Schallabsorber weitere Vorteile mit sich. \u201eDurch die feste, vom Pilzmyzel durchwachsene Struktur w\u00e4ren in Zukunft Schallabsorber aus deutlich d\u00fcnneren Schichten m\u00f6glich\u201c, erkl\u00e4rt Roman Wack, Projektpartner von Julia Krayer und Mitarbeiter des Fraunhofer IBP in Stuttgart.<\/p>\n<p>Der Einsatz des 3D-Druckers erm\u00f6glicht dabei eine im Vorhinein geplante Porenstruktur im Inneren des Absorbers: Sie l\u00e4sst sich durch den Drucker gezielt herstellen und somit im Laufe der Forschung optimieren. Die Entwickler erwarten hierdurch einen perfektionierten Schallabsorber, der die derzeit verf\u00fcgbaren Produkte \u00fcbertrifft und zus\u00e4tzlich aus nachwachsenden Rohstoffen besteht.<\/p>\n<p>Aktuell steht jedoch die Anfertigung der nachhaltigen Schallabsorber im Vordergrund. Die Mitarbeitenden des Fraunhofer Umsicht produzieren deshalb verschiedene Prototypen, die anschlie\u00dfend am Fraunhofer IBP getestet werden.<\/p>\n<p>Kleidung und M\u00f6bel aus Pilzen?<br \/>\nDas pilzbasierte Material kann aber nicht nur im Akustikbereich verwendet werden. \u201eDie Endprodukte w\u00e4ren wohl ebenfalls als D\u00e4mmmaterial einsetzbar\u201c, sagt Krayer. \u201eJedoch br\u00e4uchte es hier noch intensivere Forschung.\u201c<\/p>\n<p>Auch lie\u00dfe sich Pilzmyzel zur Herstellung von Werkstoffen wie Leder, Gewebe und Plastik einsetzen. Aus den pilzbasierten Stoffen k\u00f6nnten so in Zukunft nicht nur Schallabsorber und D\u00e4mmmaterial entstehen, sondern ebenfalls Kleidungsst\u00fccke, M\u00f6bel sowie Kapselungen bei Elektroger\u00e4ten. Die Forschungsarbeit auf diesem Gebiet hat bereits begonnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wird in Ihrem B\u00fcro viel telefoniert? Spielt Ihr Nachbar oft laute Musik? Vielen Menschen f\u00e4llt es schwer, sich bei L\u00e4rm zu konzentrieren. Forscher nutzen jetzt pilzbasierte Materialien, um f\u00fcr angenehme Ruhe zu sorgen. 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