{"id":83937,"date":"2021-01-18T07:32:22","date_gmt":"2021-01-18T06:32:22","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=83937"},"modified":"2021-01-16T12:24:01","modified_gmt":"2021-01-16T11:24:01","slug":"power-to-liquid-das-potenzial-an-ueberschuessigem-strom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/power-to-liquid-das-potenzial-an-ueberschuessigem-strom\/","title":{"rendered":"Power to Liquid: Das Potenzial an &#8220;\u00fcbersch\u00fcssigem&#8221; Strom"},"content":{"rendered":"<p>Da in letzter Zeit immer wieder eine Debatte \u00fcber Synthetik-Treibstoffe (\u201ePower to Liquid\u201c, PtL) als Alternative zu batterieelektrischen Autos aufkommt, hier eine kleine Rechnung.<\/p>\n<p>Unstrittig ist zun\u00e4chst einmal, dass die direkte Verwendung von Strom zum Fahren um ein Vielfaches energieeffizienter ist als der Umweg \u00fcber chemische Stoffe. Muss der Strom daf\u00fcr zus\u00e4tzlich erzeugt werden, handelt es sich bei PtL also um eine ziemliche Energieverschwendung.<\/p>\n<p>Aber man k\u00f6nne, argumentieren PtL-Bef\u00fcrworter, daf\u00fcr ja auch \u201e\u00fcbersch\u00fcssigen\u201c \u00d6ko-Strom nehmen. Schlie\u00dflich w\u00fcrden bei viel Wind und wenig Nachfrage immer wieder Windr\u00e4der abgeschaltet. Das bedeutet, die Betreiber m\u00fcssen ihre Anlagen vom Netz nehmen, bekommen den nicht erzeugten Strom aber trotzdem verg\u00fctet. Da sei es doch sinnvoller, ihn zur Erzeugung brennbarer Kohlenwasserstoffe zu verwenden.<\/p>\n<p>Das ist prinzipiell richtig. Doch wieviel \u201e\u00fcbersch\u00fcssigen\u201c Strom gibt es \u00fcberhaupt? \u00dcber welche Gr\u00f6\u00dfenordnung reden wir hier?<\/p>\n<p>Ausfallarbeit<br \/>\nLaut Bundesnetzagentur fielen im Jahr 2019 rund 6482 GWh an \u201eAusfallarbeit\u201c an, \u00fcberwiegend bei der Windkraft. Ursache daf\u00fcr war aber nicht mangelnde Nachfrage, sondern ein Engpass im Netz \u2013 und zwar \u201ezu rund 83 Prozent im \u00dcbertragungsnetz bzw. in der Netzebene zwischen \u00dcbertragungs- und Verteilernetz\u201c.<\/p>\n<p>Nun ist das allein kein Argument gegen SynFuels. Man muss sich allerdings klar machen, dass man die Fabriken dann in der unmittelbaren N\u00e4he der Windr\u00e4der aufbauen und das fertige Produkt per Pipeline oder Tanklaster im Rest der Republik verteilen m\u00fcsste \u2013 was die Energiebilanz entsprechend belastet.<\/p>\n<p>Ob das wirklich effizienter ist als Netzausbau oder lokale Stromspeicher? Und lie\u00dfe sich mit dem Strom nicht durch Sektorkopplung etwas Kl\u00fcgeres anstellen? Lassen wir dies mal dahingestellt und wenden uns der Frage zu, wieviel E-Sprit man mit der vorhandenen Ausfallarbeit herstellen kann.<\/p>\n<p>Die Basis daf\u00fcr bietet eine <a href=\"http:\/\/www.lbst.de\/news\/2016_docs\/161005_uba_hintergrund_ptl_barrierrefrei.pdf\" target=\"_blank\">Studie der Ludwig-B\u00f6lkow-Systemtechnik<\/a> f\u00fcr das Umweltbundesamt. 2016 hat sie am Beispiel einer Fabrik mit einer Jahreskapazit\u00e4t von 100.000 Tonnen durchgerechnet, wieviel Strom man mit welchen Methoden zur Erzeugung von synthetischem Kerosin ben\u00f6tigt. F\u00fcr Diesel und Benzin d\u00fcrften die Zahlen vergleichbar sein.<\/p>\n<p>Effizienz<br \/>\nDer effizienteste Pfad ist danach die Hochtemperatur-Elektrolyse im Verbindung mit der Fischer-Tropsch-Synthese. Einen entscheidenden Einfluss hat auch, woher das ben\u00f6tigte Kohlendioxid stammt. Liegt bereits in konzentrierter Form vor \u2013 etwa aus der Aufbereitung von Biogas, aus der Abscheidung von fossilen Kraftwerken oder aus der Zement-Produktion \u2013 kommt die Studie im besten Fall auf einen Wirkungsgrad von 64 Prozent. Konkret: 613 MWh f\u00fcr 32,8 Tonnen Kerosin, also 53,5 kg\/MWh. Muss das CO2 erst aus der Luft gefiltert werden, sind es nur 39 kg\/MWh.<\/p>\n<p>(F\u00fcr eine Well-to-Wheel-Bilanz muss man davon nat\u00fcrlich noch den Wirkungsgrad des Verbrennungsmotors ber\u00fccksichtigen, ca. 35 bis 45 Prozent. Schon ohne die Aufwendungen f\u00fcr den Transport des Treibstoffs k\u00e4me also auch im optimistischsten Szenario maximal ein Drittel der eingesetzten elektrischen Energie an der Achse einen Autos an. In der Literatur findet man deutlich niedrigere Werte. Bei einem E-Auto d\u00fcrfte der Wirkungsgrad Well-to-Wheel im 80-Prozent-Bereich liegen.)<\/p>\n<p>Steckt man den gesamten 2019 abgeregelten \u00d6kostrom in eine optimale PtL-Produktion (und hat man genug konzentriertes CO2 zur Verf\u00fcgung), kommt man bestenfalls auf knapp 350.000 Tonnen Kerosin. Der Kerosinverbrauch allein der deutschen Luftfahrtgesellschaften betrug im selben Jahr rund 9,1 Millionen Tonnen (11,4 Milliarden Liter). Mit PtL k\u00f6nnte man also etwas mehr als 3,8 Prozent des Bedarfs decken.<\/p>\n<p>Noch niedriger ist die Quote, wenn man sich den Stra\u00dfenverkehr ansieht: 2019 wurden in Deutschland rund 38 Millionen Tonnen Diesel und 28 Millionen Tonnen Benzin verbraucht. Mit PtL aus der Ausfallarbeit lie\u00dfen sich folglich gerade einmal 0,6 Prozent davon erzeugen. Kann man nat\u00fcrlich machen, ist aber kein nennenswerter Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrs.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da in letzter Zeit immer wieder eine Debatte \u00fcber Synthetik-Treibstoffe (\u201ePower to Liquid\u201c, PtL) als Alternative zu batterieelektrischen Autos aufkommt, hier eine kleine Rechnung. Unstrittig ist zun\u00e4chst einmal, dass die direkte Verwendung von Strom zum Fahren um ein Vielfaches energieeffizienter ist als der Umweg \u00fcber chemische Stoffe. 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