{"id":8345,"date":"2005-09-15T00:00:00","date_gmt":"2005-09-14T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20050915-08n"},"modified":"2005-09-15T00:00:00","modified_gmt":"2005-09-14T22:00:00","slug":"die-zukunft-baut-auf-holz-vorbehalte-gehoeren-ins-museum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/die-zukunft-baut-auf-holz-vorbehalte-gehoeren-ins-museum\/","title":{"rendered":"Die Zukunft baut auf Holz &#8211; Vorbehalte geh\u00f6ren ins Museum"},"content":{"rendered":"<p><b>Einst brachten deutsche und englische Zimmerleute den Holzbau nach Amerika, wo er bis heute boomt. Durch technische Entwicklungen und aufgrund seiner hervorragenden \u00d6ko-Bilanz erlebt Holz auch in Deutschland seit einigen Jahren eine Renaissance. Immer mehr H\u00e4user werden in Holzbauweise errichtet.<\/b><\/p>\n<p>In den vergangenen Jahrzehnten wurden hierzulande die weltweit h\u00f6chsten Holzbaustandards entwickelt. &#8220;Keine zweite Bauweise in Deutschland verf\u00fcgt \u00fcber eine so gute und fl\u00e4chendeckende Qualit\u00e4tssicherung und G\u00fcte\u00fcberwachung wie der moderne Holzbau&#8221;, erl\u00e4utert Prof. Dr.-Ing. Stefan Winter vom Lehrstuhl f\u00fcr Holzbau und Baukonstruktion an der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen. Nahezu alle Holzhausbauer, die Fertighausindustrie ebenso wie die Zimmereibetriebe, unterliegen einer Eigen- und Fremd\u00fcberwachung. Dar\u00fcber hinaus sind viele Firmen Mitglieder in G\u00fcte- und Qualit\u00e4tsgemeinschaften.<\/p>\n<p><b>Holz \u2013 der biogene Leitbaustoff der Zukunft<\/b><\/p>\n<p>Energie sparendes Bauen und die so genannten \u00d6ko-Indikatoren spielen eine immer wichtigere Rolle im Bauwesen: Wie hoch ist der Energieaufwand f\u00fcr die Herstellung eines Geb\u00e4udes? In welchem Ma\u00dfe belastet die Errichtung eines Bauwerks vom ersten Spatenstich bis zum Einzug die Umwelt? &#8220;Solche Fragen gewinnen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise in Zukunft weiter an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund wird auch die Bedeutung des Werkstoffs Holz aufgrund seiner positiven \u00d6kobilanz weiter steigen&#8221;, ist Winter sicher. <\/p>\n<p>Vollholz f\u00fcr den modernen Holzbau wird technisch getrocknet und hat daher einen sehr niedrigen Feuchtegehalt. Aus diesem Grund sieht das Baurecht bei den \u00fcblichen Konstruktionen des Ein- und Mehrfamilienhauses keinen vorbeugenden chemischen Holzschutz mehr vor. Der baulich konstruktive Holzschutz macht ihn entbehrlich. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise ein ausreichender Dach\u00fcberstand, abgeschr\u00e4gte Tropfkanten und ein ausreichender Abstand des Holzes vom Erdreich. <\/p>\n<p>Moderne Holzh\u00e4user haben \u00fcbrigens mit alpiner Blockhausromantik nichts gemein. Die Fassadengestaltung ist unabh\u00e4ngig vom Werkstoff des Tragwerks. Holzh\u00e4user k\u00f6nnen verklinkert, verputzt oder mit Holz-Glas-Fassaden gestaltet werden. Die Fertighausindustrie liefert 90 Prozent ihrer H\u00e4user mit Putzfassaden. <\/p>\n<p><b>Hoher Werterhalt bei langer Lebensdauer<\/b><\/p>\n<p>Ob Holz, Stein oder Beton \u2013 die Gesamtnutzungsdauer wird heute f\u00fcr alle Ein- und Zweifamilienh\u00e4user gleicherma\u00dfen bei 80 Jahren angesetzt. Die technische Lebensdauer eines modernen Holzhauses betr\u00e4gt sogar 150 bis 200 Jahre. Winter: &#8220;Es gibt auch 500 Jahre alte Fachwerkh\u00e4user, deren technische Lebensdauer noch lange nicht abgelaufen ist.&#8221; <\/p>\n<p>Einige Banken bewerten moderne Holzh\u00e4user inzwischen sogar h\u00f6her als Geb\u00e4ude in Massivbauweise. Denn immer mehr Geldinstitute ber\u00fccksichtigen bei der Beleihung bzw. Finanzierung, ob die Errichtung eines Hauses unter einem Qualit\u00e4tssicherungssystem erfolgt. &#8220;Und dies ist bei Holzbauten eher der Fall als im traditionellen Massivbau&#8221;, so Winter. &#8220;Durch den geregelten Prozess bei Holzbauten k\u00f6nnen Kreditgeber davon ausgehen, dass das Haus auch fertig gebaut wird.&#8221; Dar\u00fcber hinaus werden in Zukunft bauphysikalische Eigenschaften wie Heizung und Energieverbrauch st\u00e4rker in die Wertermittlung einflie\u00dfen. Hier schneidet der Holzbau ebenfalls besser ab als vergleichbare Massivbauweisen, weil Holzh\u00e4user in der Regel weniger Energie verbrauchen. <\/p>\n<p><b>Kein h\u00f6heres Brandrisiko<\/b><\/p>\n<p>Der Brandschutz ist kein Grund, auf ein Holzhaus zu verzichten. Holzh\u00e4user erf\u00fcllen wie alle anderen Bauweisen die geltenden Brandschutzanforderungen. Das Konstruktionsmaterial Holz wird in der Regel mit nicht brennbaren Gipsplatten verkleidet. Aber auch massive Holzbauteile, wie Balken und St\u00fctzen, brennen normalerweise nicht ganz ab. Sie verkohlen nur an der Oberfl\u00e4che. Holz hat von Natur aus eine geringe W\u00e4rmeleitf\u00e4higkeit. Dadurch beh\u00e4lt die Geb\u00e4udekonstruktion auch unter hohen Temperaturen lange Zeit ihre Festigkeit. Weltweite Untersuchungen belegen, dass durch eine erh\u00f6hte Holzverwendung kein erh\u00f6htes Brandrisiko besteht. Denn das Brandentstehungsrisiko h\u00e4ngt nicht vom Konstruktionsmaterial eines Hauses ab, sondern von der Innenausstattung, vom Alter und Verhalten der Bewohner, vom Zustand der Elektroinstallationen und \u00e4hnlichen Faktoren.<\/p>\n<p>Diese Erkenntnisse haben zu einer \u00c4nderung der Musterbauordnung gef\u00fchrt, die derzeit in den einzelnen Landesbauordnungen umgesetzt wird. Statt bislang drei- sind jetzt bis zu f\u00fcnfgeschossige Wohngeb\u00e4ude in Holzbauweise erlaubt. In der Schweiz sind seit Januar 2005 sogar Holzbauten bis zu sechs Geschossen und Fassadenverkleidungen aus Holz bis zu acht Geschossen gestattet. <\/p>\n<p><b>Hoher Schall- und W\u00e4rmeschutz<\/b><\/p>\n<p>Moderne Holzkonstruktionen von W\u00e4nden und Decken sind vielschichtig aufgebaut und so aufeinander abgestimmt, dass die Schall\u00fcbertragung optimal vermindert werden kann. So k\u00f6nnen selbst die Anforderungen an erh\u00f6hten Schallschutz problemlos erf\u00fcllt werden. Auch die W\u00e4rmed\u00e4mmung kann Platz sparend in der Wandkonstruktion untergebracht werden. Entsprechend gering sind die Wanddicken. Dies bedeutet einen geringeren Fl\u00e4chenverbrauch. Das hei\u00dft: Bei gleichen U-Werten (das ist der W\u00e4rmedurchlasskoeffizient \u2013 fr\u00fcher k-Wert) und gleichen W\u00e4rmed\u00e4mmeigenschaften sind im Regelfall die Holzkonstruktionen deutlich d\u00fcnner als massive W\u00e4nde und beanspruchen damit weniger Konstruktionsfl\u00e4che. Hinzu kommt die geringe W\u00e4rmeleitf\u00e4higkeit von Holz. Winter: &#8220;Mit kaum einem anderen Baustoff ist es so leicht, eine w\u00e4rmebr\u00fcckenfreie und hochged\u00e4mmte Geb\u00e4udeh\u00fclle zu konstruieren wie mit Holz.&#8221; Insofern ist es folgerichtig, dass f\u00fcr viele Passivh\u00e4user Holz oder Holzwerkstoffe als Konstruktionsmaterial gew\u00e4hlt werden. <\/p>\n<p>Aufgrund seiner \u00f6kologischen Vorteile wird das Holzhaus der Zukunft in der Lage sein, die f\u00fcr seinen Bau aufgewendete Energie zur\u00fcckzugeben, indem es mit Solarenergie oder anderen Energiegewinnungstechniken kombiniert wird. Insbesondere wenn es im innerst\u00e4dtischen, mehrgeschossigen Bereich, zum Beispiel in einer Baul\u00fccke, eingesetzt wird, kann es als Energiegewinnhaus sogar den denkmalgesch\u00fctzten Mauerwerksnachbarn mitversorgen. Winter: &#8220;Durch die Kombination des biogenen Baustoffs Holz, der allein schon bei der Herstellung und Gewinnung energiearm ist, mit Energiegewinnungstechnologien werden unsere H\u00e4user in Zukunft eher kleine Energiefabriken statt Energieverbraucher sein.&#8221; Auf dieses Ziel arbeitet die Forschung intensiv hin.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/verbaende-rufen-zu-neuer-holzkultur-auf-deutschland-als-forst-und-holzstandort-staerken\/\" >2005-09-01<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/holzhaeuser-halten-feuer-laenger-stand\/\" >2005-08-16<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/heute-geplant-morgen-gebaut-schnelle-und-wirtschaftliche-bauweise-mit-holz\/\" >2005-07-08<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Einst brachten deutsche und englische Zimmerleute den Holzbau nach Amerika, wo er bis heute boomt. 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