{"id":8322,"date":"2005-09-26T00:00:00","date_gmt":"2005-09-25T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20050926-04n"},"modified":"2005-09-26T00:00:00","modified_gmt":"2005-09-25T22:00:00","slug":"nova-kongressbericht-materialica-2005-produkte-aus-nachwachsenden-rohstoffen-mehrfach-ausgezeichnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-kongressbericht-materialica-2005-produkte-aus-nachwachsenden-rohstoffen-mehrfach-ausgezeichnet\/","title":{"rendered":"nova-Kongressbericht: MATERIALICA 2005 &#8211; Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen mehrfach ausgezeichnet"},"content":{"rendered":"<p><b>Die <a href=\"http:\/\/www.materialica.de\/\" >MATERIALICA<\/a> versteht sich als branchen\u00fcbergreifender &#8220;Marktplatz&#8221; f\u00fcr innovatives Product Engineering. Fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig nimmt der &#8220;Bereich Plastics &#038; Composites World&#8221; den gr\u00f6\u00dften Teil ein und bildet so einen ad\u00e4quaten Rahmen f\u00fcr die Pr\u00e4sentation von Halbzeugen und Bauteilen f\u00fcr die Branchen Automotive, Aerospace, Maschinenbau, Sport, Medizin und Konsum. Sie stellt den Dialog zwischen Produktentwicklern und -Managern, zwischen Designern, Eink\u00e4ufern und Anwendern, zwischen Herstellern und Lieferanten her &#8211; \u00fcber alle Verfahren und Werkstoffanwendungen hinweg. Fachbesucher finden hier Materialien und Verfahren f\u00fcr die Verbesserung und die schnelle Serienreife ihrer Produkte sowie alle n\u00f6tigen Partner auf einer einzigen Plattform.<\/b><\/p>\n<p>Der MATERIALICA Design Award<\/p>\n<p>Hier haben Designer und Materialhersteller die M\u00f6glichkeit, neue Wege und innovative Vorgehensweisen bei der Gestaltung Sonderschau &#8220;MATERIALICA Design Show&#8221; Spezialthemen f\u00fcr die Entwicklung und Entwicklung von Produkten und dem Einsatz von Materialien vorzustellen. Den sinnlich-emotionalen Qualit\u00e4ten eines Materials, wie Optik, Haptik, Geruch, Klang, die f\u00fcr den Markterfolg entscheidende Bedeutung haben k\u00f6nnen, wird hier Rechnung getragen. Die MATERIALICA Design Show pr\u00e4sentierte die Gewinner.<\/p>\n<p>Auf dieser Messe mit hochkar\u00e4tigem Fachpublikum aus der Automobil-, Luft- und Raumfahrtindustrie, sowie aus der Medizintechnik und vom Design pr\u00e4sentierten insgesamt alle Anbieter ausschlie\u00dflich Spitzenprodukte.<\/p>\n<p>Zum Publikumsmagneten wurde der Stand der Firma <a href=\"http:\/\/www.barkcloth.de\/\" >Bark Cloths<\/a> aus Ebrinngen. Die bereits mit dem iF-Design-Award 2005 des renommierten &#8220;International Forum Design&#8221; ausgezeichneten Produkte \u00fcberraschten nicht nur Metall orientierte Maschinenbauer: Auch eine Gruppe junger Designer diskutiert angeregt \u00fcber eine Jacke, die auf den ersten Blick wie Leder erscheint, und \u00fcber eine Auto-Mittelkonsole mit Holz-Flair. <\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20050926-04\/Bark_Cloth_01k.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Rinde\"\/>Und damit lagen die Studenten richtig: Bartex ist tats\u00e4chlich echtes Holz! Genauer gesagt, die aufbereitete Rinde des Feigenbaums (ficus natalensis). Das Material wird vorrangig in Uganda, aber auch in S\u00fcdamerika in Handarbeit geerntet, mit Holzkl\u00f6ppeln mehrere Tage lang weich geklopft und schlie\u00dflich zu einem flachen Tuch ausgetrieben und vern\u00e4ht. So entstehen astlose, Vlies-\u00e4hnliche Bahnen von unbegrenzter Dimension. Die dauerhafte Flexibilit\u00e4t und die ungew\u00f6hnliche Haptik inspirierten bisher Mode- und Textildesigner: Neben Jacken, Kleidern und H\u00fcten wurden Geldb\u00f6rsen und sogar Teppiche pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Mit dem HPL-Beschichtungshersteller Dekodur als Partner ist es nun gelungen, das Naturmaterial in rechtwinklige Plattenformate mit standardisieren Eigenschaften zu bringen. Dazu wird das Rindentuch mit High-Tech-Phenol- und Aminoplastpapieren unter hohem Druck gepresst und seine Oberfl\u00e4che durch \u00d6l, Lack oder ein Overlay gesch\u00fctzt. Der Weg in den Massenmarkt der Plattenwerkstoffindustrie f\u00fcr Innenausbau und M\u00f6belbau ist damit offen.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20050926-04\/Moralt_Balsa_Light_02.jpg\" align=\"right\" style=\"margin-left:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Platte\"\/>Ebenfalls in der Kategorie &#8220;Material&#8221; wurde die Firma <a href=\"http:\/\/www.moralt-tischlerplatten.de\/\" >Moralt<\/a> ausgezeichnet. Deren leichte Tischlerplatten sind &#8220;schwer&#8221; im Kommen: Die Premium-Platte &#8220;Lightwood Balsa Deco&#8221; hat eine Mittellage aus Balsa, beidseitig kaschiert mit D\u00fcnn-MDF oder Absperrfurnier. Die eigentliche Innovation dieser Sandwichplatte ist jedoch nicht das Material an sich, obwohl die beachtliche Gewichtsklasse von 150 kg\/m<sup>3<\/sup> erreicht wird, neu ist die senkrechte Anordnung der Fasern (Kopfholz), wodurch erheblich gr\u00f6\u00dfere Druckkr\u00e4fte aufgenommen werden k\u00f6nnen. Damit ist es inzwischen m\u00f6glich diese Platten per Direktbeschichtung mit Kunstharzoberfl\u00e4chen und strapazierf\u00e4higen Hochdruckschichtstoffplatten zu versehen. Das Verfahren ist aus der herk\u00f6mmlichen Spanplattenherstellung \u00fcbernommen. <\/p>\n<p>Ein weiterer Vorteil gegen\u00fcber konventionellen Wabenplatten ist, dass selbst bei geschweiften Formen problemlos eine dekorative Kante aufgebracht werden kann. Selbst Postforming-Ummantelungen von gew\u00f6lbten Kanten sind m\u00f6glich; aufw\u00e4ndige Rahmenkonstruktionen sind nicht erforderlich.<br \/>Bei entsprechend starken Deckschichten k\u00f6nnen selbst M\u00f6belf\u00fc\u00dfe montiert und Verbindungsmittel ohne weitere Verst\u00e4rkung der Mittellage aufgesetzt oder eingelassen werden. Damit wird der erh\u00f6hte Materialpreis im Fertigungsprozess wieder aufgefangen. <\/p>\n<p>Zwar ist die monatliche Produktionsmenge von z.Zt. 30-40 m<sup>3<\/sup> noch verschwindend gering, jedoch bieten sich vielf\u00e4ltige Einsatzm\u00f6glichkeiten \u00fcberall dort, wo &#8220;Masse&#8221; gleichbedeutend ist mit Energiekosten oder Zuladungsverlusten, z.B. im Nutzfahrzeugausbau, im Bootsbau und im Caravaning. Auf Seiten der Anwender werden M\u00f6belmonteure und Messebauer im Sinne des Wortes &#8220;erleichtert&#8221; sein, dass wuchtige, bis zu 98mm starke Platten nun sogar alleine geh\u00e4ndelt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Abseits des Design-Awards waren die an der <a href=\"http:\/\/www.tu-dresden.de\/biw\" >TU Dresden<\/a> entwickelten, r\u00f6hrenf\u00f6rmigen Formholzprofile ein echter Blickfang auf der Materialica. Auf den ersten Blick erscheinen sie wie \u00fcbliche, formverleimte Objekte, tats\u00e4chlich ist die Basis ein echtes Hightech-Material.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20050926-04\/TU_Dresden_01.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"R\u00f6hren\"\/> <img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20050926-04\/Knoten.jpg\" align=\"right\" style=\"margin-left:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Knoten\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Bild 1: Textilbewehrte Formholzrohre, links: CFK, rechts: GFK lackiert &#8211; Bild 2: R\u00e4umlicher Verbindungsknoten im Modell<\/p>\n<p>Der Entwicklung vorausgegangen waren folgende \u00dcberlegungen: Erstens wird Rundholz bei rechteckigen Querschnitten nur unzureichend ausgenutzt. Zweitens ist das typische Fl\u00e4chentr\u00e4gheitsmoment im Ingenieurholzbau oft zu niedrig. Drittens besteht Holz im wesentlichen aus einer polymeren Ligninmatrix.<\/p>\n<p>Zur Optimierung dieses traditionellen Werkstoffes entwickelte die Gruppe um Professor Dr.-Ing. Peer Haller ein spanloses, thermomechanisches Umformverfahren, das sich auf folgende Schritte zusammenfassen l\u00e4sst:<\/p>\n<p>1.\tErhitzen des Fichtenholzes auf ca. 140\u00b0C<br \/>2.\tVerdichten mit 5MPa senkrecht zur Holzfaser auf ca. 50%, wodurch sich die Holzzellen wechselseitig falten<br \/>3.\tVerformen des nun elastischen Materials<br \/>4.\tlangsames Abk\u00fchlen, wobei das Lignin erneut plastifiziert<\/p>\n<p>F\u00fcr die Rohre werden prismatische Querschnitte gepresst, die kreisf\u00f6rmig angeordnet und verleimt werden. Diese Formteile k\u00f6nnen zur weiteren Stabilisierung oder als Schutz vor direkter Bewitterung mit Carbon- oder Glasfaser textilbewehrt werden. (Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/hitze-bringt-holz-in-form\/\" >2004-02-02<\/a>.)<\/p>\n<p>Generell dominierten carbonfaserverst\u00e4rkte Kunststoffe den gro\u00dfen Bereich &#8220;Plastics &#038; Composites&#8221; auf der Materialica. Viele Hersteller berichteten zwar im Gespr\u00e4ch von eigenen Versuchen und Erfahrungen mit Naturfasercompounds, sie haben diesen Zweig aber aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden (zun\u00e4chst) nicht weiter verfolgt. Technisch liegen die naturfaserverst\u00e4rkten Kunststoffe &#8211; verglichen mit Spezialkunststoffen &#8211; oftmals am unteren Ende der Erwartungen. So beklagte ein Hersteller die geringe Elastizit\u00e4t, ein anderer sieht nur begrenzte M\u00f6glichkeiten im Versch\u00e4umen und im Einsatz bei hohen Temperaturen. Die Zugfestigkeit von Carbon- oder Glasfaser k\u00f6nne ebenfalls nicht erreicht werden. <\/p>\n<p>Die Firma <a href=\"http:\/\/www.menzolit-fibron.de\/\" >Menzolit<\/a> warb immerhin mit einem Poster f\u00fcr seine BIO-BMC, Composit-Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen, insbesondere aus Getreideschnitt. Auf Anfrage war zu erfahren, dass man aber auch hier die Einsatzbereiche von Bio-Kunststoffen vorrangig im unteren Marktsegment sieht, vielleicht sogar nur dort, wo eine lange Lebensdauer gar nicht erw\u00fcnscht ist, wie bei Pflanzhilfen und Geo-Anwendungen.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20050926-04\/NF-Koffer.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Koffer\"\/>Ein Aktenkoffer aus den Naturfasern Hanf (50%) und Kenaf (50%) der als Matrix das BASF-Duroplast Acrodur verwendet, fand sich beim <a href=\"http:\/\/www.ivw.uni-kl.de\/\" >Institut f\u00fcr Verbundwerkstoffe GmbH<\/a> aus Kaiserslautern. Die Firma <a href=\"http:\/\/www.dittrichvliesstoffe.de\/\" >Dittrich Vliesstoffe<\/a> (Ramstein-Miesenbach) hatte dieses Modell bereits auf der <a href=\"http:\/\/www.eiha.org\/press-release-conf2-de.htm\" >eiha-Konferenz 2004<\/a> pr\u00e4sentiert und seinerzeit eine ganze Produktreihe mit Aktentaschen, Brillenetuis etc. in Aussicht gestellt. An dieser Stelle diente das sch\u00f6ne St\u00fcck allerdings eher den Vergleichs-Schl\u00fcssen mit einem Konkurrenzmodell aus Carbonfasern.<br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Die Materialica wird von nahezu allen befragten Ausstellern als &#8220;(fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig) kleine, aber sehr feine Fachmesse&#8221; bezeichnet. Im Mittelpunkt steht das Material. Entweder wird ein bestehendes Material in eine neue Anwendung \u00fcberf\u00fchrt, oder f\u00fcr eine bestehende Anwendung wird ein neues material gesucht und entwickelt. So werden immer wieder Prozesse optimiert , technische Eigenschaften modifiziert \u2013 und letztlich Ertr\u00e4ge maximiert. Daher ist die Materialica keine Verkaufsmesse im engeren Sinne, sondern eine Plattform f\u00fcr die Beschaffung und Einsatz von Halbzeugen, Bauteilen sowie Verfahrensl\u00f6sungen f\u00fcr die n\u00e4chste Produktgeneration. <\/p>\n<p>Im Rahmen eines integrierten Forums liefen w\u00e4hrend der gesamten Messezeit Vortr\u00e4ge und Diskussionen rund um Material-Innovationen. Ein Schwerpunktthema bildete die Nano-Technologie. Daneben wurde in diesem Jahr erstmals ein eigenst\u00e4ndiger Kongress auf hohem Niveau f\u00fcr &#8220;Composites in Automotive und Aerospace&#8221; geschaffen. Die Themen Naturfasern und nachwachsende Rohstoffe sucht man im Programm jedoch vergebens.<\/p>\n<p>F\u00fcr das n\u00e4chste Jahr bietet der Veranstalter MunichExpo mit der <a href=\"http:\/\/www.composites.de\/\" >COMPOSITES<\/a> (10.-12. Oktober 2006) ein neues Messekonzept, das eindeutig die Verbundwerkstoffe in den Fokus stellt. Vielleicht wagen sich dann mehr Hersteller von NR-Verbundwerkstoffen oder  Wood-Plastic-Composites nach M\u00fcnchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die MATERIALICA versteht sich als branchen&uuml;bergreifender &#8220;Marktplatz&#8221; f&uuml;r innovatives Product Engineering. 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