{"id":83180,"date":"2020-07-26T07:22:58","date_gmt":"2020-07-26T05:22:58","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=83180"},"modified":"2020-12-22T14:08:29","modified_gmt":"2020-12-22T13:08:29","slug":"phytomining-metalle-gewinnen-mit-pflanzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/phytomining-metalle-gewinnen-mit-pflanzen\/","title":{"rendered":"Phytomining: Metalle gewinnen mit Pflanzen"},"content":{"rendered":"<p>Seit einigen Jahren bereits arbeiten Wissenschaftler an M\u00f6glichkeiten zum Einsatz von Pflanzen wie Mauer-Steinkraut oder Schaumkresse zur Gewinnung von Metallen. Ob Platin, Palladium, Zink oder Nickel: All diese f\u00fcr eine Vielzahl von Industrien sehr wichtigen Metalle k\u00f6nnen in den Wurzeln mancher Pflanzen gespeichert werden. Obwohl das Konzept des so genannten &#8220;Phytomining&#8221; bereits vor mehr als 40 Jahren vom britischen Botaniker Alan Baker und amerikanischen Biochemiker Rufus Chaney entwickelt wurde, wird die Methoden bislang nur in Ans\u00e4tze genutzt. Seit dem Ablauf einiger grundlegender Patente machen Forschungsprojekte in Deutschland und Frankreich Mut, dass sich das &#8220;Phytomining&#8221; zu einem spannenden Zukunftsthema f\u00fcr die umweltschonende Metallgewinnung entwickelt.<\/p>\n<p>Hyperakkumulator-Pflanzen zeigen hohe Konzentrationen an Schwermetallen<\/p>\n<p>Bislang hatte das texanische Unternehmen &#8220;Viridian Environmental&#8221; sehr erfolgreich in die Erforschung der M\u00f6glichkeiten des Phytomining investiert. Sie unterst\u00fctzten Baker und Chaney bereits fr\u00fch und sicherten sich mit Patenten die wirtschaftliche Verwertung der besonderen Methode. Doch nachdem am 6. Juni 1995 eine umfassende Patentanmeldung erfolgte, lie\u00df das Unternehmen seine Aktivit\u00e4ten ruhen und untersagte jegliche kommerzielle Nutzung, zum Nachteil der Erfinder und zum Nachteil der Umwelt. Denn mit Pflanzen lie\u00dfe sich kontaminierter Boden entgiften, der aufgrund seiner hohen Belastung f\u00fcr die Nahrungsmittelproduktion nicht genutzt werden kann.<\/p>\n<p>&#8220;In Deutschland gibt es in der N\u00e4he von alten Bergwerken Zehntausende verseuchte Felder, die durch solche Pflanzen wieder nutzbar gemacht werden k\u00f6nnen&#8221;, erkl\u00e4rt Ute Kr\u00e4mer, Professorin f\u00fcr Pflanzenphysiologie an der Ruhr-Universit\u00e4t in Bochum, das Potenzial der Pflanzen. Allein in Deutschland sind 20% aller B\u00f6den betroffen. Das liegt vor allem an der \u00dcberd\u00fcngung der B\u00f6den und am industriellen Bergbau. Um die Metalle dann wieder aus den Pflanzen herauszuholen, werden diese zun\u00e4chst getrocknet und dann verbrannt. Aus der Asche k\u00f6nnen die Metalle in einem chemischen Prozess extrahiert werden. Ein Verfahren zur Gewinnung von Germanium wurde dazu an der TU Bergakademie in Freiberg entwickelt.<\/p>\n<p>Die Ernte von Hyperakkumulator-Pflanzen w\u00fcrde sich vor allem dort lohnen, wo Schwermetalle sehr verstreut im Boden vorzufinden sind. So haben Wissenschaftler errechnet, dass bereits ab einer Konzentration von 0,1 Prozent die pflanzliche Nickelernte Gewinn versprechen w\u00fcrde. Dies k\u00f6nnte man sich zum Beispiel auch bei der Senfpflanze vorstellen, denn mit ihr w\u00e4re die Extraktion von Gold sogar m\u00f6glich. Einige Landwirte in Albanien verdienen bereits mit Phytomining einen Teil ihres Lebensunterhalts. Im Rahmen eines franz\u00f6sisch-albanischen Forschungsprojekts wird die Nickelgewinnung durch den Anbau des Mauer-Steinkrauts untersucht. 80 Dollar pro Tonne des getrockneten Krauts k\u00f6nnen sich die Bauern dabei dazuverdienen.<\/p>\n<p>Die Designerin Annalena Manz hat sich in einem Projekt an der HAWK in Hildesheim mit der pflanzlichen Metallgewinnung im Meer besch\u00e4ftigt. Vor allem der geplante und umstrittene Abbau von Manganknollen in der Tiefsee lag ihr besonders am Herzen, der durch Phytomining verhindert werden k\u00f6nnte. Manganknollen enthalten eine Vielzahl begehrter Rohstoffe, ein Abbau im Meer wird derzeit unter Nutzung von Robotern diskutiert. Durch Kreuzung verschiedener Pflanzen k\u00f6nnte jedoch eine &#8220;Spezies geschaffen werden, die in der Lage ist, die Metalle aus den Manganknollen an die Oberfl\u00e4che zu bringen&#8221;, erkl\u00e4rt Manz die Ergebnisse ihres Projekts. Man darf gespannt sein, in welche Richtungen sich dieser hochspannende Forschungsbereich in den n\u00e4chsten Jahren entwickeln wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einigen Jahren bereits arbeiten Wissenschaftler an M\u00f6glichkeiten zum Einsatz von Pflanzen wie Mauer-Steinkraut oder Schaumkresse zur Gewinnung von Metallen. Ob Platin, Palladium, Zink oder Nickel: All diese f\u00fcr eine Vielzahl von Industrien sehr wichtigen Metalle k\u00f6nnen in den Wurzeln mancher Pflanzen gespeichert werden. 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