{"id":82658,"date":"2020-12-10T06:54:53","date_gmt":"2020-12-10T05:54:53","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=82658"},"modified":"2021-09-09T21:14:01","modified_gmt":"2021-09-09T19:14:01","slug":"power-to-x-die-sehnsucht-nach-dem-gruenen-kraftstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/power-to-x-die-sehnsucht-nach-dem-gruenen-kraftstoff\/","title":{"rendered":"Power-to-X: Die Sehnsucht nach dem gr\u00fcnen Kraftstoff"},"content":{"rendered":"<p>Wasserstofftechnologien k\u00f6nnten im Zuge der Energiewende eine Alternative zu fossilen Energietr\u00e4gern werden. Fl\u00e4chendeckend sind die sogenannten PtX-Kraftstoffe allerdings noch nicht verf\u00fcgbar. Im Januar stehen richtungsweisende Entscheidungen zur k\u00fcnftigen F\u00f6rderung an.<\/p>\n<p>Deutschland m\u00f6chte weltweit eine F\u00fchrungsrolle \u00fcbernehmen bei Erzeugung, Transport und Nutzung von gr\u00fcnem Wasserstoff als Energietr\u00e4ger \u2013 auch Power-to-X (PtX) genannt. Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) hat dazu im Juni diesen Jahres die nationale Wasserstoffstrategie vorgestellt. In der noch jungen Methode zur Energiespeicherung sieht das Ministerium demnach vor allem eine M\u00f6glichkeit, den Energieverbrauch in Deutschland und global zu dekarbonisieren. Und tats\u00e4chlich kann das gelingen. Denn \u00fcberall dort, wo nachhaltig produzierter Strom nicht direkt verwendet werden kann, bietet Wasserstoff eine M\u00f6glichkeit, die Energie zwischenzuspeichern, zu transportieren oder zu anderen Kraftstoffen weiterzuverarbeiten.<\/p>\n<p>Zu den Weiterverarbeitungsm\u00f6glichkeiten z\u00e4hlt auch die Herstellung synthetischer Kraftstoffe auf Wasserstoffbasis durch Zufuhr von CO2. Diese k\u00f6nnen anschlie\u00dfend von den herk\u00f6mmlichen Verbrennungsantrieben verwendet werden. Power-to-Liquid, also fl\u00fcssige Kraftstoffe wie Diesel oder Kerosin, oder Power-to-Gas sind solche synthetischen Produkte, die derzeit in geringem Umfang im Flug- und Stra\u00dfenverkehr verwendet werden. Zwar kann Wasserstoff auch ohne die vorherige Umwandlung in synthetische Kraftstoffe \u00fcber eine Brennstoffzelle als Energietr\u00e4ger verwendet werden, jedoch ist diese Methode derzeit noch sehr teuer und technologisch noch nicht ausgereift, um klimaneutral zu sein, da die Brennstoffzelle Erdgas oder Methan in geringen Mengen verbrennt und somit Emissionen erzeugt.<\/p>\n<p>Strom muss aus erneuerbaren Energiequellen kommen<\/p>\n<p>Das Problem ist zudem, dass PtX-Kraftstoffe nur dann wirklich klimafreundlich sind, wenn der Strom f\u00fcr den Elektrolysevorgang aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Dementsprechend braucht es eine umfassende Infrastruktur und vor allem den Ausbau erneuerbarer Energien, um die Pl\u00e4ne des BMWi umzusetzen. Auch das CO2, welches bei der Herstellung von synthetischen Kraftstoffen zugef\u00fchrt wird, muss aus der Luft gefiltert werden, um keine zus\u00e4tzlichen Emissionen zu verursachen.<\/p>\n<p>Bei PtX handelt es sich also noch um eine Technologie der Zukunft, bei der sowohl Forschung als auch industrielle Umsetzung notwendig ist. Auch deshalb sind Vertreter des BMWi beim PtX-Summit, der vom 1. bis 3. Dezember virtuell stattfindet, mit von der Partie. Bei dem dreit\u00e4gigen Kongress kommen Wissenschaft, Forschung und Industrie zusammen. Ein zentrales Thema ist die interkontinentale Zusammenarbeit.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngigkeit von Gas und \u00d6l<\/p>\n<p>Weil viele europ\u00e4ische L\u00e4nder nicht die M\u00f6glichkeit haben, erneuerbare Energien in ausreichender Menge selbst zu produzieren, k\u00f6nnten neue Partnerschaften in der weltweiten Energiepolitik entstehen. Zum Beispiel ist die Gewinnung von nachhaltiger Solarenergie aus Photovoltaik-Anlagen in Deutschland nicht gerade effizient. Sinnvoller w\u00e4ren gro\u00dfe Solaranlagen in sonnenreichen L\u00e4ndern. Und so k\u00f6nnten afrikanische Staaten energieunabh\u00e4ngig werden, indem sie zuk\u00fcnftig weder Gas noch \u00d6l importieren m\u00fcssten, sondern selbst zum Energieexporteur werden.<\/p>\n<p>Deutschland arbeitet bereits eng mit Marokko zusammen, um Solaranlagen im Land zu bauen, die die Menschen in Marokkos W\u00fcste mit gr\u00fcnem Strom versorgen. Auch die Planung f\u00fcr eine Wasserstoffanlage sind laut Angaben des Bundesministerium f\u00fcr wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) bereits im Gange. Bis Deutschland von dieser Kooperation profitiert d\u00fcrfte es allerdings noch eine Weile dauern, glaubt Oliver Powalla, wissenschaftlicher Mitarbeiter und PtX-Experte beim Bund f\u00fcr Umwelt- und Naturschutz (BUND).<\/p>\n<p>\u201cEs braucht ein politisches Rahmenszenario\u201d<\/p>\n<p>Der BUND ist Teil des vom Bundesforschungsministerium gef\u00f6rderten Kopernikus-Projekts und besch\u00e4ftigt sich auf der Forschungsseite mit der Frage, wie PtX-Energietr\u00e4ger in Zukunft effizient und umweltschonend eingesetzt werden k\u00f6nnen. Ausgehend von der vorangegangenen Grundlagenforschung werden im Rahmen des Projekts mittlerweile erste Demonstrationsanlagen gebaut. Zum Beispiel hat das Projekt die weltweit erste Power-to-Liquid-Anlage in Containergr\u00f6\u00dfe entwickelt, welche aus Luft und erneuerbarem Strom Kraftstoff herstellt. Allerdings schafft die Anlage gerade einmal zehn Liter Kraftstoff pro Tag.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Schritt w\u00e4re die Hochskalierung der Produktion, um PtX marktreif und verf\u00fcgbar zu machen, erkl\u00e4rt Powalla, daf\u00fcr brauche es allerdings ein \u201cpolitisches Rahmenszenario\u201d. Denkbar sind zum Beispiel Quoten f\u00fcr bestimmte Bereiche, die festlegen welchen Anteil des Gesamt-Energiebedarfs PtX-Energietr\u00e4ger haben m\u00fcssen. Daf\u00fcr fehlen jedoch bislang klar definierte Bedarfsmengen, bem\u00e4ngelt der Wissenschaftler die Wasserstoffstrategie Deutschlands. \u201cEs sind zwar Schritte bis 2030 aufgeschrieben, aber es fehlt eine Zielrichtung, wie viel in welchem Sektor gebraucht wird, da Quoten relativ sind.\u201d<\/p>\n<p>Flugverkehr auch in Zukunft mit fl\u00fcssigem Treibstoff<\/p>\n<p>Powalla nennt als Beispiel den Flugverkehr. Dort ist der Bedarf nach nachhaltigen Kraftstoffen gewaltig. Aufgrund der Energiedichte von fl\u00fcssigen Energietr\u00e4gern sind diese besonders bei Langstreckenfl\u00fcgen beinahe alternativlos. Wasserstoff oder durch Power-to-Liquid hergestelltes Kerosin k\u00f6nnten langfristig also die einzige M\u00f6glichkeit sein, den Flugverkehr klimaschonender zu gestalten. Politisch m\u00fcsste jedoch erst einmal abgesteckt werden, wieviel Flugverkehr man in Zukunft \u00fcberhaupt m\u00f6chte, bevor man \u00fcber eine Quote redet, fordert Powalla.<\/p>\n<p>Im Flugverkehr ist diese Quote allerdings schon im Gespr\u00e4ch. Die Gesetzesinitiative der EU-Kommission \u201cReFuelEU\u201d sieht solche Quoten vor. Auch die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat im September erst angek\u00fcndigt, dass synthetisch hergestelltes Kerosin bis 2030 zwei Prozent des Kerosinverbrauchs in Deutschland ausmachen soll.<\/p>\n<p>Um diese Ziele zu erreichen stellt die Bundesregierung insgesamt neun Milliarden Euro f\u00fcr die F\u00f6rderung von Wasserstofftechnologien bereit. Anfang des kommenden Jahres werden die F\u00f6rderzusagen f\u00fcr verschiedene Projekte aus Industrie und Forschung gemacht. An diesen wird man ablesen k\u00f6nnen, in welche Richtung die deutsche Wasserstoffstrategie in der Praxis gehen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wasserstofftechnologien k\u00f6nnten im Zuge der Energiewende eine Alternative zu fossilen Energietr\u00e4gern werden. Fl\u00e4chendeckend sind die sogenannten PtX-Kraftstoffe allerdings noch nicht verf\u00fcgbar. Im Januar stehen richtungsweisende Entscheidungen zur k\u00fcnftigen F\u00f6rderung an. 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