{"id":82408,"date":"2020-12-07T07:29:37","date_gmt":"2020-12-07T06:29:37","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=82408"},"modified":"2020-12-02T12:59:24","modified_gmt":"2020-12-02T11:59:24","slug":"nachhaltige-verpackungen-die-tuecke-steckt-im-detail","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nachhaltige-verpackungen-die-tuecke-steckt-im-detail\/","title":{"rendered":"Nachhaltige Verpackungen \u2013 die T\u00fccke steckt im Detail"},"content":{"rendered":"<p>Moderne Verpackungen wollen mit biogener Herkunft und\/oder biologischer Abbaubarkeit punkten. Umfassende nachhaltige Verpackungskonzepte brauchen aber mehr. Spezielle Barriere-Eigenschaften sind zum Beispiel bei sensiblen Lebensmitteln gefragt. Die Hochschule Albstadt-Sigmaringen forscht unter dem Nachhaltigkeitsaspekt an Konzepten daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Jeder kennt sie: durchsichtige Folien umh\u00fcllen \u2013 oft kombiniert mit Halbschalen \u2013 die vielf\u00e4ltigsten Lebensmittel von Fleisch- und Wurstwaren \u00fcber Molkereiprodukte bis hin zur ganzen Breite an Obst- und Gem\u00fcsesorten. Solche Verpackungen bieten gro\u00dfe Vorteile in puncto Haltbarkeit und machen das Produkt f\u00fcr den Verbraucher gut sichtbar. Grunds\u00e4tzlich sind sie also eine gute Sache, wenn nur das erd\u00f6lbasierte Verpackungsmaterial nicht w\u00e4re. Biogene Ersatzstoffe so zu entwickeln, dass sie einen ad\u00e4quaten, nachhaltigen Ersatz bieten, ist eine besondere Herausforderung. Und die geht das Sustainable Packing Institute SPI der Hochschule Albstadt-Sigmaringen an. Unter Leitung von Prof. Dr. Markus Schmid entwickelt das Forscherteam mit Partnern in mehreren nationalen und internationalen Verbundprojekten innovative Verpackungskonzepte f\u00fcr sensible Lebensmittel.<\/p>\n<p>\u201eDie Verpackungen sollen einerseits eine hohe Schutzfunktion bieten und andererseits schnell und vollst\u00e4ndig biologisch abbaubar sein. Diesen Zielkonflikt wollen wir l\u00f6sen\u201c, so Schmid. F\u00fcr die Folie selbst ist ein geeignetes Ausgangsmaterial bereits gefunden: Polymilchs\u00e4ure PLA. Sie kann alleine, als Co-Polymer oder als Mischung mit anderen Biopolymeren zu transparenten, flexiblen Folien verarbeitet werden, die sich kompostieren lassen. \u201eDie gew\u00fcnschten Abbaueigenschaften bietet das Material, jedoch nicht die zum Beispiel bei Wurst- und K\u00e4seaufschnitt geforderten Barriereeigenschaften\u201c, erkl\u00e4rt Schmid. Genau daran arbeitet er im Rahmen des von der EU gef\u00f6rderten Projekts \u201e<a href=\"https:\/\/biontop.eu\/\" target=\"_blank\">BIOnTop<\/a>\u201c. Dabei haben sich 21 Partner aus acht EU-L\u00e4ndern unter Federf\u00fchrung des spanischen AIMPLAS &#8211; Instituto Tecnol\u00f3gico del Pl\u00e1stico zusammengetan, um kosteneffiziente, biobasierte Kunststoffkonzepte zu entwickeln, die auch f\u00fcr sensible Lebensmittel ausreichend Barriereeigenschaften bieten und gleichzeitig kreislauff\u00e4hig sind. Basis ist hier ein PLA-Co-Polymer.<\/p>\n<p>Mit wenig Material so viel wie m\u00f6glich erreichen<\/p>\n<p>Um ihre Schutzwirkung voll entfalten zu k\u00f6nnen, muss die Folie vor allem gegen Sauerstoff und Wasserdampf eine Barriere bieten. K\u00f6nnte beides in zu gro\u00dfen Mengen hindurchtreten, w\u00fcrde das zu einem fr\u00fchzeitigen Verfall des Lebensmittels f\u00fchren. \u201eDas PLA-basierte Co-Polymer alleine bietet keine ausreichende Barriere, deshalb wollen wir die Folie funktionalisieren\u201c, sagt Schmid. F\u00fcr die Sauerstoff-Barriere soll eine Proteinbeschichtung sorgen. Dabei arbeitet das Team mit bereits gut erforschten, tierischen Proteinen aus Molke. So gut die Proteinschicht vor Sauerstoff sch\u00fctzt, hat sie jedoch leider den Nachteil, empfindlich gegen Feuchtigkeit zu sein. Deshalb wollen die Forscher in einem zweiten Prozessschritt eine nanoskalige Schicht aus Fetts\u00e4uren aufbringen. Fetts\u00e4uren sind von Natur aus hydrophob, also wasserabweisend, und sorgen so f\u00fcr die gew\u00fcnschte Wasserdampfbarriere. Aber das ist noch nicht alles. Die Nanobeschichtung verbessert auch die Restentleerbarkeit der Verpackung. Es haftet weniger Produkt an, was ein weiterer Pluspunkt auf der Nachhaltigkeitsliste ist.<\/p>\n<p>\u201eDa die Beschichtung nanoskalig ist, beeintr\u00e4chtigt sie nicht die mechanischen Eigenschaften der Verpackung und zeigt zudem eine hohe Materialeffizienz, was sie umso nachhaltiger macht\u201c, erg\u00e4nzt Schmid. Nat\u00fcrlich muss das Ganze nicht nur im Labor-, sondern auch im industriellen Ma\u00dfstab funktionieren, noch dazu kosteneffizient. Dieser Aspekt soll ebenso wie die Eignung zur Heimkompostierbarkeit von Industriepartnern im Konsortium untersucht werden.<\/p>\n<p>Auch im Projekt \u201e<a href=\"https:\/\/www.ivv.fraunhofer.de\/de\/verpackung\/verpackungsentwicklung\/ecoat.html\" target=\"_blank\">PLA4MAP<\/a>\u201c geht es um nachhaltige Lebensmittelverpackungen. Das Projekt wird seit Mai 2020 f\u00fcr drei Jahre vom Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) gef\u00f6rdert. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut f\u00fcr Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in Freising entwickeln Schmid und sein Team PLA-Schalen f\u00fcr sensible Lebensmittel, die unter Schutzatmosph\u00e4re verpackt werden. Das MAP im Projekttitel steht f\u00fcr \u201eModified Atmosphere Packaging\u201c. Das Verfahren verlangsamt die Alterung von Lebensmitteln wie Fisch, Fleisch, Br\u00f6tchen sowie anderen Backwaren und macht sie l\u00e4nger haltbar. Als Verpackungsmaterial wird hier marktverf\u00fcgbares PLA eingesetzt. Die Sauerstoff-Barriere soll durch eine pflanzenbasierte Proteinschicht erh\u00f6ht werden, und eine Beschichtung aus Wachsen aus der Entwicklungsschmiede des IVV soll f\u00fcr die Wasserdampfbarriere sorgen.<\/p>\n<p>Das Besondere an diesem Projekt: Der Materialverbund soll durch quervernetzende Elektronenstrahlbehandlung (eBeam) gest\u00e4rkt werden, um seine mechanische Widerstandsf\u00e4higkeit zu erh\u00f6hen. \u201eMit der Anwendung des eBeam bei diesem Mehrschichtsystem betreten wir wissenschaftliches Neuland\u201c, sagt Schmid. Auch beim weiteren Schicksal der Verpackung nach Gebrauch werden neue Pfade beschritten: Es ist erkl\u00e4rtes Projektziel, das stoffliche Recycling zu erm\u00f6glichen \u2013 mit der Trennung der Schichten als besonderer Herausforderung.<\/p>\n<p>Das bio\u00f6konomische Profil als Ganzes bewerten<br \/>\nDas rege Hochschulteam hat auch die Welt der \u201esmarten\u201c Verpackungen als Forschungsthema f\u00fcr sich entdeckt. \u201e18 Millionen Tonnen Lebensmittel werden j\u00e4hrlich allein in Deutschland weggeworfen. Dagegen wollen wir etwas tun durch Entwicklung intelligenter Verpackungen, die anzeigen, wann ein Lebensmittel verdorben ist\u201c, sagt Schmid. Damit k\u00f6nne man sich am tats\u00e4chlichen Zustand eines Lebensmittels statt an seiner Mindesthaltbarkeit orientieren. \u201eDie Metaboliten bei Abbauprozessen sind bekannt. Das k\u00f6nnen beispielsweise biogene Amine oder Sulfide sein. Geeignete Indikatorsubstanzen k\u00f6nnen als chemische Sensoren in Form kleiner \u201aDots\u2018 oder \u201aPatches\u2018 in die Deckelfolie integriert werden\u201c, so Schmid weiter. Er will das Verfahren so sensitiv wie n\u00f6tig und so kosteneffizient wie m\u00f6glich machen. Dabei wird das fakult\u00e4ts\u00fcbergreifende Forscherteam von der Carl-Zeiss-Stiftung gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Das Projekt f\u00fcgt sich gut in die Mission des SPI ein, innovative Verpackungskonzepte f\u00fcr eine nachhaltige und kreislauforientierte Bio\u00f6konomie zu entwickeln. Insgesamt laufen am SPI mit Stand September 2020 Forschungsprojekte im Umfang von rund drei Mio. Euro, die sich allesamt mit innovativen nachhaltigen Verpackungskonzepten befassen.<\/p>\n<p>\u201eWir wollen einen echten Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten\u201c, bekr\u00e4ftigt Schmid. \u201eDeshalb erforschen wir gemeinsam mit unseren Partnern nicht nur Materialien und Prozesse, sondern auch die Konsumentenwahrnehmung und -akzeptanz.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Moderne Verpackungen wollen mit biogener Herkunft und\/oder biologischer Abbaubarkeit punkten. Umfassende nachhaltige Verpackungskonzepte brauchen aber mehr. Spezielle Barriere-Eigenschaften sind zum Beispiel bei sensiblen Lebensmitteln gefragt. Die Hochschule Albstadt-Sigmaringen forscht unter dem Nachhaltigkeitsaspekt an Konzepten daf\u00fcr. 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