{"id":82138,"date":"2020-11-27T06:54:36","date_gmt":"2020-11-27T05:54:36","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=82138"},"modified":"2021-09-09T21:14:21","modified_gmt":"2021-09-09T19:14:21","slug":"eu-kommission-aus-atomkraft-produzierter-wasserstoff-ist-co2-arm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/eu-kommission-aus-atomkraft-produzierter-wasserstoff-ist-co2-arm\/","title":{"rendered":"EU-Kommission: Aus Atomkraft produzierter Wasserstoff ist \u201eCO<sub>2<\/sub>-arm\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Europ\u00e4ische Kommission wird aus Atomkraft erzeugten Wasserstoff als \u201eCO<sub>2<\/sub>-arm\u201c betrachten, erkl\u00e4rte eine hochrangige EU-Beamtin am vergangenen Montag (16. November) vor dem Europ\u00e4ischen Parlament.<\/p>\n<p>\u201eDie Elektrolyse kann mit erneuerbarer Elektrizit\u00e4t durchgef\u00fchrt werden. Dann wird der Wasserstoff als erneuerbar eingestuft,\u201c so Paula Abreu Marques, Leiterin des Referats f\u00fcr erneuerbare Energien und CCS-Politik in der Energiedirektion der EU-Kommission. \u201eWenn die Elektrolyseure an Kernkraftwerke angeschlossen werden, w\u00fcrde dies hingegen als CO2-armer Wasserstoff eingestuft werden\u201c, erl\u00e4uterte Marques den EU-Parlamentsabgeordneten im parlamentarischen Ausschuss f\u00fcr Umwelt, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit.<\/p>\n<p>Diese Klarstellung der Europ\u00e4ischen Kommission war offenbar notwendig, denn in der Wasserstoffstrategie der EU, die im Juni dieses Jahres vorgestellt worden war, wird Atomkraft tats\u00e4chlich nicht erw\u00e4hnt.<br \/>\nWasserstoff: Knackpunkt Transport und Infrastruktur<\/p>\n<p>Die Kosten f\u00fcr die Nachr\u00fcstung der Infrastruktur in Verbindung mit den Anforderungen der Endverbraucher auf lokaler Ebene werden bestimmen, ob gemischter oder reiner Wasserstoff letztendlich an den Endverbraucher geliefert wird.<\/p>\n<p>Bei der Nutzung von Kernenergie zur Wasserstofferzeugung wird das Endprodukt als \u201evioletter Wasserstoff\u201c bezeichnet. Sie bietet den Vorteil niedrigerer CO2-Emissionen im Vergleich zur Elektrolyse per Erdgas, sogenannter grauer Wasserstoff. Letztere ist derzeit am weitesten verbreitet.<\/p>\n<p>Als die Kommission ihre Wasserstoffstrategie vorstellte, f\u00fchrte sie das Konzept des \u201esauberen Wasserstoffs\u201c in Bezug auf Herstellungsverfahren ein, bei denen erneuerbare Elektrizit\u00e4t verwendet wird. Diese Art der Wasserstoffproduktion ist die klare Priorit\u00e4t der EU.<\/p>\n<p>Weiter hei\u00dft es im Gesetzestext: \u201eCO2-armer Wasserstoff umfasst fossilen Wasserstoff mit CO2-Abscheidung und strombasierten Wasserstoff, bei dem die \u00fcber den gesamten Lebenszyklus entstehenden Treibhausgasemissionen erheblich geringer sind als bei der derzeitigen Wasserstofferzeugung.\u201c<\/p>\n<p>Atomkraft wird hingegen nicht genannt, obwohl diese \u2013 ungeachtet ihrer anderen Risiken \u2013 durchaus als CO2-arm angesehen werden kann.<\/p>\n<p>Energieintensiver Wasserstoff<\/p>\n<p>Wasserstoff wird als Mittel zur Dekarbonisierung von Schwerindustrien wie der Chemie- und Stahlindustrie oder des Fernverkehrs wie der Luft- und Schifffahrt gesehen. Die Verfahren zu seiner Herstellung selbst sind jedoch recht energieintensiv und ineffizient.<\/p>\n<p>Derzeit werden rund 95 Prozent des Wasserstoffs per Elektrolyse mit Erdgas hergestellt. Laut dem franz\u00f6sischen Energieversorger EDF werden f\u00fcr die Herstellung von 1 kg Wasserstoff 10 kg CO2 ausgesto\u00dfen. Pl\u00e4ne zur Verwendung von Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (carbon capture and storage, CCS) zur Verringerung der Emissionen befinden sich noch in der Entwicklung.<\/p>\n<p>In ihrer neuen, sieben Milliarden Euro schweren nationalen Wasserstoffstrategie k\u00fcndigt die franz\u00f6sische Regierung an, \u201ekohlenstoffarme\u201c Quellen nutzen zu wollen. Atomkraftwerke als Energiequelle f\u00fcr die Elektrolyse d\u00fcrften also genutzt werden. Deutschland hingegen hat angek\u00fcndigt, insbesondere \u201egr\u00fcnen\u201c Wasserstoff aus erneuerbaren Energien wie Offshore-Wind zu produzieren. (Mehr zur \u201eWasserstoff-Farbenlehre\u201c hier)<\/p>\n<p>\u201eIch bin \u00fcberrascht, dass Wasserstoff aus Kernenergie [in der Strategie der Kommission] nicht erw\u00e4hnt wird,\u201c so die franz\u00f6sische Europaabgeordnete Jo\u00eblle M\u00e9lin von der rechtsextremen Fraktion Identit\u00e4t und Demokratie. Sie behauptet: \u201eErneuerbare Energien werden nicht ausreichen. Ich denke, dass wir bei der Definition von sauberem Wasserstoff weiter gehen m\u00fcssen.\u201c<br \/>\nBr\u00fcssel wird neuen AKWs &#8220;nicht im Weg stehen&#8221;<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Kommission werde L\u00e4ndern, die sich f\u00fcr den Bau neuer Atomkraftwerke entscheiden, \u201enicht im Weg stehen\u201c, so EU-Klimachef Frans Timmermans.<\/p>\n<p>Die Forschung im Bereich der Kernkraft zur Wasserstofferzeugung hat in letzter Zeit an Dynamik gewonnen. Anfang des Jahres teilte der franz\u00f6sische Energieversorger EDF mit, man hege Pl\u00e4ne f\u00fcr die Erzeugung von Wasserstoff mit Energie aus britischen Kernkraftwerken. Ein von der Gruppe angef\u00fchrtes Konsortium erkl\u00e4rte, dies w\u00fcrde einen erheblichen Teil des prognostizierten Energiebedarfs des Landes decken.<\/p>\n<p>In den Vereinigten Staaten hat die Regierung bereits 2003 die \u201eNukleare Wasserstoff-Initiative\u201c ins Leben gerufen, in der detailliert beschrieben wird, wie Kernkraftwerke durch die Produktion von Wasserstoff als zweite Einnahmequelle zu \u201ehybriden Energiesystemen\u201c werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Kommission w\u00fcnscht sich ihrerseits, dass sauberer Wasserstoff eine Erg\u00e4nzung zu einer auf erneuerbaren Energien basierenden Energiewirtschaft wird, betonte Marques. Die EU-Exekutive geht davon aus, dass sauberer Wasserstoff bis 2050 rund 24 Prozent des weltweiten Energiebedarfs decken k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Man wolle die Installation von Wasserstoff-Elektrolyseure mit Kapazit\u00e4ten von mindestens 6 GW zur Erzeugung von bis zu einer Million Tonnen Wasserstoff unterst\u00fctzen. Bis 2030 soll diese Kapazit\u00e4t auf 40 GW steigen und sp\u00e4testens 2050 in gro\u00dfem Ma\u00dfstab eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Unterschiedliche Meinungen<\/p>\n<p>Wie sauber Wasserstoff ist, h\u00e4ngt in jedem Fall von der Energiequelle ab, mit der er hergestellt wird. W\u00e4hrend der Debatte im Umweltausschuss des Parlaments sprachen sich die gr\u00fcnen Europaabgeordneten klar f\u00fcr erneuerbaren Wasserstoff (\u201egr\u00fcn\u201c) gegen\u00fcber dem derzeit am meisten verwendeten Erdgas (\u201egrau\u201c) aus.<\/p>\n<p>\u201eWir haben noch viel zu tun, um sicherzustellen, dass wir uns mit unserer Strategie nicht selbst ins Knie schie\u00dfen. Wir d\u00fcrfen nicht zulassen, dass dies zu einer \u201eGreenwashing\u201c-Aktion wird, die uns in eine weitere Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Brennstoffen f\u00fchrt,\u201c warnte der schwedische Gr\u00fcnen-Abgeordnete P\u00e4r Holmgren.<br \/>\nParis und Berlin streiten: Ist Atomenergie gr\u00fcn?<\/p>\n<p>Es ist ein neuer Streitpunkt im Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich beim Thema Energiewende: Sollte Atomenergie als \u201egr\u00fcne\u201c Energiequelle angesehen werden?<\/p>\n<p>Hildegard Bentele, eine deutsche CDU-Abgeordnete sowie Berichterstatterin des Parlaments \u00fcber die Wasserstoffstrategie der EU, sprach sich f\u00fcr Wasserstoff im Allgemeinen aus und betonte, dieser verspreche ein nachhaltigeres Energiesystem: \u201eWir m\u00fcssen die M\u00f6glichkeiten des Wasserstoffs so schnell wie m\u00f6glich nutzen, um uns selbst den Weg zur Klimaneutralit\u00e4t zu erleichtern.\u201c Sie warnte jedoch, dass es Zeit brauchen werde, die Produktion hochzufahren und Finanzierungsmechanismen einzurichten, um den Prozess zu beschleunigen.<\/p>\n<p>Tiemo W\u00f6lken, ebenfalls deutscher Europaabgeordneter der sozialdemokratischen S&amp;D, warnte hingegen, er sei skeptisch gegen\u00fcber Verfahren zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung. Au\u00dferdem sei die Nutzung von Kernenergie oder gar Kohle zur Wasserstofferzeugung keine gute Alternative.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite der Debatte sprach sich Alexandr Vondra, ein konservativer tschechischer Europaabgeordneter (EKR), f\u00fcr den sofortigen Ausbau der Wasserstoffproduktion aus, insbesondere durch den weiteren Einsatz von Erdgas: \u201eDie Verwendung von aus Erdgas hergestelltem Wasserstoff kann gewichtige Vorteile haben. Er kann lokal produziert werden, wodurch die \u00f6kologischen und finanziellen Kosten des Transports vermieden werden k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Vondra glaubt auch: \u201eAu\u00dferdem kann dies bei einer [sozial] gerechten Energiewende helfen: Sie k\u00f6nnen die gleichen Leute weiter besch\u00e4ftigen, die bereits bei den Unternehmen f\u00fcr fossile Brennstoffe arbeiten.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Europ\u00e4ische Kommission wird aus Atomkraft erzeugten Wasserstoff als \u201eCO2-arm\u201c betrachten, erkl\u00e4rte eine hochrangige EU-Beamtin am vergangenen Montag (16. November) vor dem Europ\u00e4ischen Parlament. \u201eDie Elektrolyse kann mit erneuerbarer Elektrizit\u00e4t durchgef\u00fchrt werden. 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