{"id":8196,"date":"2005-06-24T00:00:00","date_gmt":"2005-06-23T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20050624-03n"},"modified":"2005-06-24T00:00:00","modified_gmt":"2005-06-23T22:00:00","slug":"nrw-modellversuch-mit-ethanolkraftstoff-e-85","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nrw-modellversuch-mit-ethanolkraftstoff-e-85\/","title":{"rendered":"NRW-Modellversuch mit Ethanolkraftstoff &#8221;E-85&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><b>Bioethanol als Kraftstoff kann helfen, den Aussto\u00df von Kohlendioxid (CO<sub>2<\/sub>) zu senken. Nordrhein-Westfalen plant einen Flottenversuch, um &#8220;Ethanol-85&#8221; den Markteintritt zu erleichtern. Doch in Deutschland bietet derzeit nur Ford mit dem Focus 1.6 FFV ein daf\u00fcr ausger\u00fcstetes &#8220;Flexible Fuel Vehicle&#8221; (FFV) an.<\/b> <\/p>\n<p> Pflanzliche Kraftstoffe dr\u00e4ngen auf den Markt. Nach Rapsmethylester (RME), landl\u00e4ufig Biodiesel benannt, soll nun auch Bioethanol an die Tankstellen kommen. Das Produktionsvolumen f\u00fcr biogene Kraftstoffe liegt hierzulande \u00fcber Plan einer EU-Richtlinie, die dieses Jahr 2% des europ\u00e4ischen Kraftstoffbedarfs mit pflanzlichen Kraftstoffen gedeckt sehen will. 2010 sollen biogene Kraftstoffe 5,75% des Bedarfs decken, 2020 ein Zehntel. <\/p>\n<p> Das sei erst der Anfang, rechnet Helmut Lamp, CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Bundesverbandes Bioenergie, im aktuellen Jahrbuch Nachwachsende Rohstoffe vor. In einem Jahrzehnt st\u00e4nden in der erweiterten EU 196 Mio. ha Agrarfl\u00e4che f\u00fcr 485 Mio. B\u00fcrger zur Verf\u00fcgung. &#8221;Das sind 50 Mio. ha mehr, als zur Nahrungsmittelproduktion ben\u00f6tigt werden. W\u00fcrden wir darauf Bioenergie erzeugen, lie\u00dfen sich damit ca. 40% des EU-Kraftstoffbedarfs decken&#8221;, so Lamp. <\/p>\n<p> Das Szenario verspricht mehr Unabh\u00e4ngigkeit vom Erd\u00f6l, und zugleich lie\u00dfe sich der Kohlendioxid(CO<sub>2<\/sub>)-Aussto\u00df des Verkehrs deutlich senken. &#8221;Gerade moderne Produktionsanlagen f\u00fcr Bioethanol weisen deutlich verbesserte Energie- und CO<sub>2<\/sub>-Bilanzen auf&#8221;, hat Norbert Schmitz vom K\u00f6lner <a href=\"http:\/\/www.meo-consulting.com\/\" >me\u00f3-Consulting<\/a> Team jetzt in einer gro\u00df angelegten Studie f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/www.fnr.de\/\" >Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe<\/a> ermittelt. <\/p>\n<p> Analysen neun unterschiedlicher Anlagenkonzepte zeigten, dass der Nettoenergiegewinn von 7 MJ\/l in Altanlagen auf Werte zwischen 15,7 MJ\/l und 21,3 MJ\/l steigen k\u00f6nnte. Je nach Produktionsverfahren lie\u00dfen sich je 1 l Bioethanol 1,1 kg bis 1,8 kg CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quivalent einsparen. M\u00f6glich w\u00fcrde dies durch besseres Energiemanagement und Koppelprodukte wie Biogas und Tierfutter. &#8221;Zwar gibt es im station\u00e4ren Bereich Optionen mit geringeren CO<sub>2<\/sub>-Vermeidungskosten&#8221;, bilanzierte Schmitz, &#8221;doch wenn wir es mit Klimaschutz im Verkehr ernst meinen, dann ist Bioethanol das geeignete Mittel&#8221;. <\/p>\n<p> Auch aus motorischer Sicht bekommt der Pflanzensprit gute Zeugnisse. So bescheinigt Cornel Stan, Professor f\u00fcr Technische Thermodynamik, Verbrennungsmotoren und alternative Antriebskonzepte an Hochschulen in Paris, Pisa, Perugia, Berkeley und Zwickau, Bioethanol &#8221;beste Verbrennungseigenschaften &#8211; gerade bei Direkteinspritzung&#8221;. Es sei auch in variablen Mischungsverh\u00e4ltnissen mit Benzin ein zukunftsf\u00e4higer Kraftstoff. <\/p>\n<p> Einzig die EU-Kraftstoffrichtlinien lassen die variable Beimischung von Bioethanol bisher nicht zu. Deshalb plant das Landesumweltministerium Nordrhein-Westfalen nun einen Modellversuch, um dem so genannten Ethanol-85 (E-85), eine Mischung aus 15% Benzin und 85% Bioethanol, in Deutschland einen Weg an die Zapfs\u00e4ule zu bahnen. <\/p>\n<p> In Brasilien, Schweden und in den USA gibt es schon l\u00e4nger Kraftstoffe mit hohen Ethanolanteilen, f\u00fcr die allerdings speziell ausger\u00fcstete &#8221;Flexible Fuel Vehicles&#8221; (FFV) n\u00f6tig sind. Die Fahrzeuge k\u00f6nnen wahlweise auch normales Benzin tanken und sind deshalb unabh\u00e4ngig von E-85-Tankstellen. <\/p>\n<p> FFV haben einen speziellen Kraftstoffsensor, der das jeweilige Mischungsverh\u00e4ltnis von Ethanol und Benzin ermittelt. Seine Daten nutzt das Motormanagement, um den Motorbetrieb an den Kraftstoff anzupassen. Au\u00dferdem sind Einlassventile, Einspritzsystem, Tank und Kraftstoffleitungen der FFV auf den Ethanolbetrieb abgestimmt. Vor allem in den USA erfreuen sich diese Fahrzeuge st\u00e4ndig wachsender Beliebtheit; inzwischen sind dort mehr als 3 Mio. Ethanolfahrzeuge zugelassen. <\/p>\n<p> Im NRW-Modellversuch wird voraussichtlich nur der Ford Focus 1,6 l FFV zum Einsatz kommen. Er ist bisher das einzig verf\u00fcgbare FFV-Modell auf dem europ\u00e4ischen Markt. Allerdings wollen Volvo und Saab dieses Jahr mit je einem Fahrzeugtyp nachziehen. Die Hersteller planen die Einf\u00fchrung ohne Aufpreis, was die FFV-Technik gerade f\u00fcr Flottenbetreiber interessant macht. Denn weil die Mineral\u00f6lsteuer f\u00fcr den Ethanolanteil entf\u00e4llt, kostet E-85 nur 65 ct\/l bis 70 ct\/l. <\/p>\n<p> Das Angebot sto\u00dfe bei den angesprochenen Kommunen auf reges Interesse, war von Schmitz zu h\u00f6ren, der an der Planung des Flottenversuchs beteiligt ist. Allerdings soll der Versuch zun\u00e4chst auf wenige gro\u00dfe Kommunen begrenzt bleiben, um dort ein vern\u00fcnftiges Angebot an E-85-Zapfs\u00e4ulen mit entsprechenden Ums\u00e4tzen einzurichten. Das ist vor allem wichtig, weil E-85 nur drei Monate lagerbar ist. Das Land will bis zu 70% der Kosten f\u00fcr die Tankstelleninfrastruktur \u00fcbernehmen und technische Beratungen zu 80% f\u00f6rdern. Insgesamt st\u00fcnden 2 Mio. \u20ac F\u00f6rdermittel bereit, hei\u00dft es. <\/p>\n<p> Schmitz rechnet dennoch damit, dass E-85 in Deutschland ein Nischenprodukt bleiben wird. &#8221;Es ist aber jedoch richtig, diesen Kraftstoff anzubieten. Denn Autofahrer k\u00f6nnen damit einen bewussten Beitrag zum Klimaschutz leisten&#8221;, erkl\u00e4rt er. Im Vergleich zum reinen Benzinbetrieb fielen mit E-85 bis zu 80% weniger CO<sub>2<\/sub>-Emissionen an, ohne dass Autofahrer auf Fahrleistung verzichten m\u00fcssten. Im Gegenteil: Wegen der hohen Oktanzahl von Bioethanol stiege laut Schmitz die Motorleistung um 5%. Mit E-85 leistet der Ford Focus 1.6 FFV \u00fcber 77 kW, im Benzinbetrieb sind es rund 3,7 kW weniger. <\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"http:\/\/%2020050620-02\/\" >2005-06-20<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/fnr-veroeffentlicht-neue-ethanolstudie\/\" >2005-05-02<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/schweden-saab-startet-verkauf-des-ersten-flexible-fuel-vehicle\/\" >2005-04-22<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Bioethanol als Kraftstoff kann helfen, den Aussto&szlig; von Kohlendioxid (CO<sub>2<\/sub>) zu senken. 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