{"id":81488,"date":"2020-11-12T07:32:03","date_gmt":"2020-11-12T06:32:03","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=81488"},"modified":"2021-09-09T19:17:09","modified_gmt":"2021-09-09T17:17:09","slug":"biologisch-abbaubar-kompostierbar-biobasiert-das-ist-der-unterschied","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biologisch-abbaubar-kompostierbar-biobasiert-das-ist-der-unterschied\/","title":{"rendered":"Biologisch abbaubar, kompostierbar, biobasiert: Das ist der Unterschied"},"content":{"rendered":"<p>Biologisch abbaubar, kompostierbar, biobasiert \u2013 solchen W\u00f6rtern begegnest du oft auf Einweggeschirr und Plastikverpackungen. Wir erkl\u00e4ren dir, was die drei Begriffe unterscheidet.<\/p>\n<p>Von Verpackungen \u00fcber Klamotten bis hin zu M\u00f6beln: Kunststoffe begegnen dir \u00fcberall im Alltag. Dabei geht es nicht nur um Plastik \u2013 die Gruppe der Kunststoffe ist viel gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Laut dem Deutschen Kunststoffmuseum zeichnen sich Kunststoffe dadurch aus, dass sie aus Polymeren bestehen. Das sind lange Ketten von Atomen und Molek\u00fclen, die sich durch chemische Reaktionen zu den unterschiedlichsten Stoffen zusammenf\u00fcgen lassen. Nicht alle Kunststoffe bestehen aus Erd\u00f6l. Es gibt auch Sorten aus organischem Material, beispielsweise Verpackungen aus St\u00e4rke.<\/p>\n<p>Allgemein lassen sich Kunststoffe in biologisch abbaubare und nicht biologisch abbaubare Sorten einteilen.<\/p>\n<p>Biologisch abbaubar: Definition<\/p>\n<p>Die hierzulande verwendete Definition f\u00fcr \u201ebiologisch abbaubar\u201c kommt vom Deutschen Institut f\u00fcr Normierung (besser bekannt als DIN). Dem Institut zufolge ist ein Stoff biologisch abbaubar, wenn ihn Mikroorganismen wie Bakterien zersetzen k\u00f6nnen. Dabei unterscheidet man laut dem Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags zwei F\u00e4lle:<\/p>\n<p>Wenn der Stoff an der Luft liegt, bauen Mikroorganismen ihn zu CO2, Wasser, Biomasse und Mineralien ab.<\/p>\n<p>Ohne Sauerstoffzufuhr produzieren die Kleinstlebewesen statt CO2 Methan.<\/p>\n<p>Entscheidend ist, dass sich die Mikroorganismen Zeit lassen k\u00f6nnen: Der Stoff muss nicht innerhalb eines bestimmten Zeitraums abgebaut sein. Einer Studie der University of Plymouth zufolge kann es Jahre dauern, bis sich beispielsweise biologisch abbaubare Plastikt\u00fcten zersetzt haben \u2013 vor allem unter der Erde oder im Wasser.<\/p>\n<p>Ob ein Kunststoff biologisch abbaubar ist, h\u00e4ngt nicht davon ab, aus welchen Rohstoffen er besteht. Laut dem Umweltbundesamt ist nur die chemische Struktur des fertigen Kunststoffs entscheidend.<\/p>\n<p>Eine besondere Form von abbaubaren Kunststoffen sind die oxo-abbaubaren Kunststoffe. Sie bestehen dem Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags zufolge aus fossilen Energietr\u00e4gern wie Erd\u00f6l \u2013 genau wie herk\u00f6mmliches Plastik. Allerdings enthalten sie dar\u00fcber hinaus Stoffe, die unter Lichteinfluss ihre chemische Struktur ver\u00e4ndern. Das wiederum f\u00fchrt dazu, dass sich das Material zersetzt. Da dabei jedoch Mikroplastik entsteht, sind solche Stoffe stark in der Kritik. Das EU-Parlament hat f\u00fcr ein Verbot von oxo-abbaubaren Kunststoffen ab 2021 gestimmt.<\/p>\n<p>Warum sind biologisch abbaubare Stoffe problematisch?<\/p>\n<p>Nicht nur oxo-abbaubare Kunststoffe stehen in der Kritik, sondern auch biologisch abbaubare. Das Magazin <a href=\"https:\/\/www.quarks.de\/umwelt\/muell\/darum-hat-biologisch-abbaubares-plastik-keine-vorteile\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Quarks<\/a> nennt diese Probleme:<\/p>\n<p>Wie oben beschrieben, brauchen biologisch abbaubare Kunststoffe teilweise Jahre, um abgebaut zu werden. Wie sie in dieser Zeit auf die Umwelt einwirken \u2013 zum Beispiel unter Wasser \u2013 ist laut dem Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags noch nicht ausreichend erforscht.<\/p>\n<p>Biologisch abbaubare Kunststoffe geh\u00f6ren nicht auf den Kompost oder in die Bio-Tonne. In gro\u00dfen Kompostieranlagen ist die n\u00f6tige Infrastruktur nicht vorhanden, sodass sie aufwendig aussortiert und entsorgt werden m\u00fcssen. Hast du einen eigenen Kompost zu Hause, so erreichst du dort nicht die n\u00f6tigen Temperaturen f\u00fcr den Abbau.<\/p>\n<p>Biologisch abbaubare Stoffe geh\u00f6ren also in den gelben Sack, so Quarks. Doch auch dort kann es Probleme geben, wenn gewisse chemische Zus\u00e4tze das Recycling erschweren und im schlimmsten Fall die Wertstoffmischung nutzlos machen. Damit sind sie weniger nachhaltig als Kunststoffe, die zwar nicht biologisch abbaubar sind, aber recycelbar.<\/p>\n<p>Tipp: Da du f\u00fcr den Biom\u00fcll also keine kompostierbaren Beutel verwenden solltest, kannst du Biom\u00fcllbeutel aus Zeitungspapier selber machen und benutzen.<\/p>\n<p>Kompostierbare Kunststoffe: Biologisch abbaubar unter kontrollierten Bedingungen<\/p>\n<p>Kompostierbar bedeutet: Biologisch abbaubar unter bestimmten Bedingungen und in einem festen Zeitraum. Konkret vergibt das DIN laut dem Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags zwei verschiedene <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;ved=2ahUKEwiphJ_36vfsAhUJfBoKHREFBgIQFjAAegQIAxAC&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.bundestag.de%2Fresource%2Fblob%2F410104%2F34eca17202ee9d7380e1df34946335c8%2Fwd-8-028-15-pdf-data.pdf&amp;usg=AOvVaw2JgYDJ1eeAVbSGvAP9LcCU\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zertifikate f\u00fcr kompostierbare Materialien<\/a>:<\/p>\n<p>Kompostierbar in industrieller Kompostanlage: Solche Kunststoffe m\u00fcssen in einer industriellen Kompostanlage bei etwa 60 Grad in h\u00f6chstens zw\u00f6lf Wochen zersetzt sein. Konkret m\u00fcssen die Reste durch ein Zwei-Millimeter-Sieb passen \u2013 h\u00f6chstens zehn Prozent der Menge d\u00fcrfen zur\u00fcckbleiben. Theoretisch kannst du eine solche T\u00fcte in der Bio-Tonne entsorgen. Doch die meisten Kompostieranlagen kommen damit nicht klar.<br \/>\nKompostierbar auf dem Gartenkompost: Materialien mit diesem Zertifikat darfst du auf deinen Kompost tun. Sie m\u00fcssen sich dort bei etwa 30 Grad innerhalb eines Jahres zersetzen. Das hei\u00dft nicht, dass du kompostierbare Kunststoffe einfach in die Natur werfen kannst \u2013 dort l\u00e4uft die Zersetzung nicht unbedingt in diesem Zeitraum und vollst\u00e4ndig ab.<\/p>\n<p>Allerdings ist fraglich, ob kompostierbare Stoffe deinem Kompost nutzen: Dem wissenschaftlichen Dienst des Bundestags zufolge entstehen bei der Zersetzung kaum N\u00e4hrstoffe, sondern \u00fcberwiegend CO2 und Wasser.<\/p>\n<p>Ein Begriff, der im Zusammenhang mit biologisch abbaubaren Kunststoffen ebenfalls oft f\u00e4llt, ist \u201ebiobasiert\u201e. Das ist aber nicht das Gleiche: Biobasiert bedeutet dem Umweltbundesamt zufolge, dass das Material ganz oder teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen wie zum Beispiel Maisst\u00e4rke oder Holz besteht. Herk\u00f6mmliche Kunststoffe basieren dagegen auf fossilen Energietr\u00e4gern wie Erd\u00f6l.<\/p>\n<p>Wie oben beschrieben, entscheidet die chemische Struktur dar\u00fcber, ob ein Stoff biologisch abbaubar ist. Dementsprechend bedeutet \u201ebiobasiert\u201c nicht \u201ebiologisch abbaubar\u201c. Das Umweltbundesamt nennt zwei Beispiele f\u00fcr biobasierte Kunststoffe:<\/p>\n<p>Die M\u00f6belindustrie verwendet h\u00e4ufig Kunststoffe, die aus Holzsplittern und Verbundstoffen bestehen. Diese Kunststoffe sind biobasiert, aber meistens nicht biologisch abbaubar.<\/p>\n<p>Biobasiert und biologisch abbaubar ist dagegen Einweggeschirr aus St\u00e4rke.<\/p>\n<p>Biobasierte Kunststoffe haben dem Umweltbundesamt zufolge eine bessere <a href=\"https:\/\/utopia.de\/sponsored-content\/co2-bilanzierung-wichtig\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CO2-Bilanz<\/a> als herk\u00f6mmliche Kunststoffe, da sie ohne Erd\u00f6l auskommen. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags merkt dazu an, dass vor allem Kunststoffe aus nat\u00fcrlichen Abfallprodukten eine gute Klimabilanz haben. Wie biobasierte Kunststoffe in der Umwelt wirken, ist laut Umweltbundesamt aber noch nicht ausreichend erforscht. Ein h\u00e4ufiges Problem in dem Zusammenhang ist, dass Hersteller oft nicht alle verwendeten Verbundstoffe angeben.<\/p>\n<p>Insgesamt kommt das Umweltbundesamt zu diesem Fazit: Materialien, die sich lange halten und die du mehrfach verwenden kannst, sind am nachhaltigsten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biologisch abbaubar, kompostierbar, biobasiert \u2013 solchen W\u00f6rtern begegnest du oft auf Einweggeschirr und Plastikverpackungen. Wir erkl\u00e4ren dir, was die drei Begriffe unterscheidet. Von Verpackungen \u00fcber Klamotten bis hin zu M\u00f6beln: Kunststoffe begegnen dir \u00fcberall im Alltag. Dabei geht es nicht nur um Plastik \u2013 die Gruppe der Kunststoffe ist viel gr\u00f6\u00dfer. 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