{"id":8143,"date":"2005-07-08T00:00:00","date_gmt":"2005-07-07T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20050708-05n"},"modified":"2005-07-08T00:00:00","modified_gmt":"2005-07-07T22:00:00","slug":"kraftstoffe-bioethanol-mit-anlaufschwierigkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kraftstoffe-bioethanol-mit-anlaufschwierigkeiten\/","title":{"rendered":"Kraftstoffe: Bioethanol mit Anlaufschwierigkeiten"},"content":{"rendered":"<p><b>Nach Biodiesel dr\u00e4ngt mit Bioethanol ein zweiter pflanzlicher Treibstoff an den Markt. Allein in Deutschland gehen dieses Jahr drei neue Gro\u00dfanlagen f\u00fcr den Agraralkohol in Betrieb. Weitere sind geplant. Doch es gibt Probleme bei der Markteinf\u00fchrung.<\/b><\/p>\n<p>&#8220;Bioethanol wird nicht wieder vom Markt verschwinden. Der point of no return ist \u00fcberschritten\u201d, sagt Jan M. Henke, Experte vom Institut f\u00fcr Weltwirtschaft der Universit\u00e4t Kiel. Weil immer mehr L\u00e4nder rund um den Globus Biokraftstoffe f\u00f6rdern, werde auch die Produktion des Agraralkohols im n\u00e4chsten Jahrzehnt m\u00e4chtig zulegen und sich bis 2020 gar vervierfachen.<\/p>\n<p>Anders als in Brasilien, den USA und in einigen europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4ndern ist Ethanol hierzulande ein junges Produkt am Kraftstoffmarkt. Erst dieser Tage nehmen drei Gro\u00dfanlagen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg den Betrieb auf. K\u00fcnftig sollen sie aus 1,4 Mio. t Getreide (vor allem Weizen und Roggen) und aus Zuckerr\u00fcben knapp 600.000 t Bioethanol pro Jahr produzieren. Investitionsvolumen: knapp 300 Mio. \u20ac. Doch trotz der eigentlich guten Rahmenbedingungen f\u00fcr biogene Kraftstoffe steht die Investition auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen. Denn im Rahmen von Verhandlungen \u00fcber eine Neuordnung der internationalen Zuckerm\u00e4rkte stellt die EU den MERCOSUR Staaten Einfuhrgenehmigungen f\u00fcr bis zu 1 Mio. t Ethanol j\u00e4hrlich in Aussicht.<\/p>\n<p>F\u00fcr hiesige Hersteller w\u00e4re das ein ernstes Problem. Denn der global f\u00fchrende Erzeuger Brasilien liefert Ethanol aus Zuckerrohr f\u00fcr 25 cts\/l nach Europa. Noch schl\u00e4gt die EU 25 cts Zoll und Steuern auf, und h\u00e4lt die europ\u00e4ischen Anbieter damit im Wettbewerb. Denn sie produzieren doppelt so teuer wie die S\u00fcdamerikaner. Claus Sauter, Chef der gleichnamigen Unternehmensgruppe, die derzeit in Schwedt und Z\u00f6rbig zwei Bioethanolwerke mit zusammen 260.000 t j\u00e4hrlicher Kapazit\u00e4t in Betrieb nimmt, h\u00e4lt gr\u00f6\u00dfere Zugest\u00e4ndnisse an Brasilien f\u00fcr verfr\u00fcht: &#8220;Wenn wir in 2010 tats\u00e4chlich 16 Mio. t  Marktvolumen erreichen, k\u00f6nnte eine so hohe Importquote vertretbar sein, aber nicht heute\u201d, kritisiert er. Sonst w\u00fcrge man die hiesige Branche ab, bevor sie richtig in Gang komme.<\/p>\n<p>Das bef\u00fcrchtet auch die f\u00fcr Landwirtschaft zust\u00e4ndige stellvertretende Vorsitzende der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion, Gerda Hasselfeldt. &#8220;Wegen der Steuerbefreiung von Bioethanol in Deutschland besteht die Gefahr, dass ein Gro\u00dfteil der Importe dann auf unseren Markt dr\u00e4ngt\u201d, so Hasselfeldt. Das sei auch \u00f6kologisch bedenklich. Schlie\u00dflich k\u00f6nnten hierzulande umwelt- und ressourcenschonend erzeugte Rohstoffe nicht mit dem Output der riesigen Monokulturen S\u00fcdamerikas konkurrieren. &#8220;Die Bundesregierung legt national immer neue und h\u00f6here Standards fest, die dann durch internationale Vereinbarungen unterlaufen werden\u201d, so Hasselfeld. So konterkarriere man aus handelspolitischen Gr\u00fcnden die Entscheidung f\u00fcr den Aufbau einer eigenen Bioethanolindustrie.<\/p>\n<p>Die Argumentation h\u00e4lt einer volkswirtschaftlichen Pr\u00fcfung Henkes nicht stand. Sowohl \u00f6kologisch, \u00f6konomisch und entwicklungspolitisch h\u00e4lt der Wissenschaftler es f\u00fcr geboten, den Bioethanolmarkt global zu koordinieren und so offen wie m\u00f6glich zu gestalten. Vor allem die Vermeidungskosten f\u00fcr Treibhausgase spr\u00e4chen daf\u00fcr. Denn w\u00e4hrend sich eine Tonne Klimagas mit Brasilianischem Ethanol f\u00fcr unter 50 \u20ac\/t vermeiden lasse, koste dies in Europa je nach Verfahren zwischen 200 und 600 \u20ac\/t.    <\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig wirft die junge deutsche Bioethanolbranche noch ein ganz anderes Problem zur\u00fcck. Die urspr\u00fcnglich beabsichtigte Beimischung des Agraralkohols zu Ottokraftstoffen klappt nicht. W\u00e4hrend in Brasilien generell 20 bis 25% des Alkohols beigemischt werden, d\u00fcrfen gem\u00e4\u00df der europ\u00e4ischen Kraftstoffnormen maximal 5% beigemischt werden. Doch gerade die Beimischung geringer Mengen f\u00fchrt zu so genannten Dampfdruck-Anomalien, die den Dampfdruck \u00fcber das erlaubte Ma\u00df treiben. Besonders ausgepr\u00e4gt sind die Anomalien bei Ethnolanteilen unter 2%, unproblematisch werden sie erst bei Anteilen \u00fcber 10%. Deshalb verzichten die meisten Mineral\u00f6lhersteller bisher ganz darauf, reinen Ethanol beizumischen. Nur wo die Logistikketten \u00fcberschaubar sind und sich eine 5-prozentige Beimischung gew\u00e4hrleisten l\u00e4sst, kommt der reine Agraralkohol in den Sprit.<\/p>\n<p>Dr. Lutz Guderjahn, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der S\u00fcdzucker Bioethanol GmbH, setzt deshalb darauf, dass die EU ihre Kraftstoffqualit\u00e4tsrichtlinie zugunsten der Ethanolbeimischung \u00e4ndern wird. Allerdings f\u00fchrt ein Anheben der Dampfdruckgrenzwerte in eine \u00f6kologische Zwickm\u00fchle: wegen ihrer Ozonrelevanz waren die zul\u00e4ssigen Dr\u00fccke erst im Jahr 2000 gesenkt worden. Guderjahn ist sich dessen bewusst und hofft auf einen technischen Ausweg aus dem Dilemma. &#8220;Es gibt vielversprechende Ans\u00e4tze, um den Dampfdruck des Basiskraftstoffs zu senken\u201d, erkl\u00e4rt er. Gelinge das, sei die 5-prozentige Beimischung auch mit der gegenw\u00e4rtigen Norm unproblematisch.<\/p>\n<p>Davon w\u00fcrde auch die Mineral\u00f6lindustrie profitieren. Denn weil Bioethanol mindestens bis 2009 von der Mineral\u00f6lsteuer befreit ist, winken bei einer Beimischung Gewinne, mit denen sich der zus\u00e4tzliche logistische Aufwand z\u00fcgig refinanzieren lie\u00dfe. Selbst bei einem hoch angesetzten Einskaufspreis von 70 cts\/l Ethanol w\u00fcrde ihnen jeder beigemischte Liter ca. 25 cts in die Kassen sp\u00fclen. Bisher liegt der Einkaufspreis aber eher bei 50 cts\/l, was die Gewinnmarge beim Beimischen auf 45 cts\/l steigen lie\u00dfe.<\/p>\n<p>Es w\u00fcrde sich also f\u00fcr Ethanolhersteller und Mineral\u00f6lfirmen lohnen, den Dampfdruck in den Griff zu bekommen. Allerdings pflegen sie schon heute ausgepr\u00e4gte gesch\u00e4ftliche Beziehungen. Denn in vielen Raffinerien wird der fossile Oktanzahlverbesserer MTBE schon gegen ein pflanzliches \u00c4quivalent auf Ethanolbasis namens ETBE (Ethyl-ter-Buthyl-Ether) ersetzt. Laut Kurt D\u00f6hmel, dem Vorsitzenden der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Deutsche Shell Holding GmbH, mischt auch Shell seinen Ottokraftstoffen seit einiger Zeit ETBE bei: &#8220;Wir produzieren ihn in unseren Raffinerien selbst aus zugekauftem Bio-Ethanol\u201d. <\/p>\n<p>Der ETBE Produktion sind jedoch Grenzen gesetzt. Denn der zweite Grundstoff Isobuthen f\u00e4llt nur in begrenzter Menge als Nebenprodukt in den Raffinerien an. Experten sch\u00e4tzen den Bedarf an Ethanol f\u00fcr ETBE deshalb auf max. 350.000 Tonnen. Solange die 5-prozentige Beimischung reinen Ethanols an den EU-Kraftstoffrichtlinien scheitert, m\u00fcssen die Ethanolhersteller also nach zus\u00e4tzlichen Vertriebsm\u00f6glichkeiten fahnden.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/zoerbig-steht-still-schwierigkeiten-bei-bioethanol\/\" >2005-06-29<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nrw-modellversuch-mit-ethanolkraftstoff-e-85\/\" >2005-06-24<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Nach Biodiesel dr&auml;ngt mit Bioethanol ein zweiter pflanzlicher Treibstoff an den Markt. 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