{"id":81249,"date":"2020-11-10T07:29:41","date_gmt":"2020-11-10T06:29:41","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=81249"},"modified":"2020-11-05T12:29:03","modified_gmt":"2020-11-05T11:29:03","slug":"landwende-im-anthropozaen-von-der-konkurrenz-zur-integration","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/landwende-im-anthropozaen-von-der-konkurrenz-zur-integration\/","title":{"rendered":"Landwende im Anthropoz\u00e4n: Von der Konkurrenz zur Integration"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-81245\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/csm_wbgu-hg2020-foto-uebergabe_b5ba4238a9.jpg\" alt=\"csm_wbgu-hg2020-foto-uebergabe_b5ba4238a9\" width=\"542\" height=\"298\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/11\/csm_wbgu-hg2020-foto-uebergabe_b5ba4238a9.jpg 790w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/11\/csm_wbgu-hg2020-foto-uebergabe_b5ba4238a9-300x165.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/11\/csm_wbgu-hg2020-foto-uebergabe_b5ba4238a9-600x330.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 542px) 100vw, 542px\" \/><\/p>\n<p><strong>Der WBGU \u00fcbergibt heute sein neues Gutachten \u201e<a href=\"https:\/\/www.wbgu.de\/de\/publikationen\/publikation\/landwende\" target=\"_blank\">Landwende im Anthropoz\u00e4n: Von der Konkurrenz zur Integration<\/a>\u201c an die Bundesministerinnen Anja Karliczek (Bildung und Forschung) und Svenja Schulze (Umwelt). Nur wenn sich unser Umgang mit Land grundlegend \u00e4ndert, kann Klimaschutz gelingen, der dramatische Verlust der biologischen Vielfalt abgewendet und das globale Ern\u00e4hrungssystem nachhaltig gestaltet werden, so die zentrale Botschaft des Gutachtens.<\/strong><\/p>\n<h3>F\u00fcnf Mehrgewinnstrategien zur \u00dcberwindung von Landnutzungskonkurrenzen<\/h3>\n<p>Die \u00dcberwindung von Landnutzungskonkurrenzen erfordert die Ausrichtung der Politik auf Synergien. Daf\u00fcr hat der WBGU beispielhaft f\u00fcnf Mehrgewinnstrategien entwickelt.<\/p>\n<p>Der WBGU empfiehlt erstens einen massiven Ausbau der Renaturierung von Land\u00f6kosystemen. Das im Rahmen der Bonn Challenge gesteckte Ziel der Renaturierung von 350 Mio. Hektar degradierter Landfl\u00e4che bis 2030 sollte nicht nur erreicht, sondern deutlich erweitert werden. Die Bonn Challenge ist eine Initiative Deutschlands und der Weltnaturschutzunion zur Wiederherstellung von W\u00e4ldern und waldreichen Landschaften weltweit. Hierbei sollte die Wiederherstellung biodiverser und standortgerechter W\u00e4lder, Feuchtgebiete und Graslandschaften im Vordergrund stehen, um gleichzeitig einen Mehrgewinn durch die Entfernung von CO<sub>2<\/sub> aus der Atmosph\u00e4re zu erzielen. 350 Mio. Hektar entsprechen 2% der Landfl\u00e4che der Erde. CO<sub>2<\/sub>-Entfernung aus der Atmosph\u00e4re ist allerdings kein Ersatz f\u00fcr die notwendige massive Reduktion von CO<sub>2<\/sub>-Emissionen und sollte daher in Klimaschutzstrategien nicht in einem pauschalen Klimaneutralit\u00e4tsziel gegen CO<sub>2<\/sub>-Minderung aufgerechnet werden, sondern unabh\u00e4ngig von dieser verfolgt werden.<\/p>\n<p>Effektive, vernetzte Schutzgebietssysteme bilden zweitens das R\u00fcckgrat des \u00d6kosystemschutzes. Ausweitung und Aufwertung der Schutzgebiete sind entscheidende Voraussetzungen daf\u00fcr, die globale Biodiversit\u00e4tskrise zu entsch\u00e4rfen. Die terrestrischen Schutzgebietssysteme sollten auf 30% der Erdoberfl\u00e4che ausgeweitet werden, unter konsequenter Anwendung international vereinbarter Qualit\u00e4tskriterien. Auch dies tr\u00e4gt im Sinne eines Mehrgewinns zum Klimaschutz bei und erh\u00e4lt langfristige Potenziale f\u00fcr die Ern\u00e4hrungssicherung.<\/p>\n<p>Drittens ist die F\u00f6rderung einer auf Vielfalt beruhenden Landwirtschaft eine weitere Mehrgewinnstrategie, mit der die globale Landwende gelingen kann. F\u00fcr die EU-Agrarpolitik empfiehlt der WBGU eine Abkehr von der industriellen Landwirtschaft durch ihre umfassende \u00d6kologisierung. Damit werden gleichzeitig Ern\u00e4hrungssicherung, Klimaschutz und Erhaltung der Biodiversit\u00e4t gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Viertens liegt ein vielversprechendes Potenzial, um den Druck auf die Land\u00f6kosysteme zu entsch\u00e4rfen, in der Transformation der Ern\u00e4hrungsstile in den Industriel\u00e4ndern, insbesondere durch die Verringerung des Anteils an Tierprodukten. Eine Orientierung an der \u201ePlanetary Health Diet\u201c sollte als Grundsatz in Ern\u00e4hrungsleitlinien verankert und auch seitens der Bundesregierung empfohlen werden.<\/p>\n<p>F\u00fcnftens bietet das Bauen mit Holz effektive M\u00f6glichkeiten, langfristig Kohlenstoff zu speichern. Das Holz daf\u00fcr muss aber aus standortgerechter, nachhaltiger Waldwirtschaft stammen, die weder Biodiversit\u00e4t noch Ern\u00e4hrungssicherung gef\u00e4hrdet. Dazu sollte mit internationalen Partnern eine weltweite \u201eMission nachhaltiges Bauen\u201c initiiert und mit der EU-Initiative f\u00fcr ein \u201eneues europ\u00e4isches Bauhaus&#8221; verkn\u00fcpft werden.<\/p>\n<h3>F\u00fcnf Governance-Strategien f\u00fcr die globale Landwende<\/h3>\n<p>Zur Umsetzung der globalen Landwende schl\u00e4gt der WBGU f\u00fcnf Governance-Strategien vor:<\/p>\n<p>Erstens wird die Anwendung neuer Formen der multilateralen Zusammenarbeit durch die Errichtung von Kooperationsgemeinschaften durch gleichgesinnte Staaten und\/oder subnationale Regionen empfohlen.<\/p>\n<p>Zweitens sollte die internationale Zusammenarbeit beim Umgang mit Land verbessert und ein \u201eGlobal Land Summit\u201c als gemeinsame Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konventionen zu Klima, Biodiversit\u00e4t und Desertifikation einberufen werden.<\/p>\n<p>Drittens sollte die Europ\u00e4ische Union im Rahmen des European Green Deal neben der Klimaneutralit\u00e4t bis 2050 auch eine Landwende zur Nachhaltigkeit vorantreiben.<\/p>\n<p>Viertens sollten Staaten Rahmenbedingungen schaffen, negative Auswirkungen der Landnutzung auf \u00d6kosysteme konsequent einzupreisen oder etwa durch Standards einzuhegen. Schutz oder Renaturierung von \u00d6kosystemen sollten gesellschaftlich honoriert werden.<\/p>\n<p>F\u00fcnftens sollten Pionier*innen des Wandels unterst\u00fctzt werden, die neue landbasierte Schutz- und Nutzungspraktiken erproben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Hintergrund: Land\u00f6kosysteme in der Krise<\/h3>\n<p>Die Bilanz der internationalen Nachhaltigkeitspolitik Anfang der 2020er Jahre f\u00e4llt ern\u00fcchternd aus. Die Klimaschutzziele des Pariser \u00dcbereinkommens scheinen nur noch erreichbar, wenn Landfl\u00e4chen verst\u00e4rkt genutzt werden, um der Atmosph\u00e4re Kohlendioxid zu entziehen, was au\u00dfer mit Chancen auch mit erheblichen Risiken verbunden ist. Das globale Ern\u00e4hrungssystem ist in einer Krise: F\u00fcr ein Viertel der Menschheit ist die Ern\u00e4hrungssicherung gef\u00e4hrdet, ein weiteres Viertel leidet an gesundheitssch\u00e4dlichem \u00dcberkonsum. Zudem bedrohen die externen Effekte der industriellen Landwirtschaft die nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen. Nicht zuletzt erlebt die Biodiversit\u00e4t derzeit weltweit ein dramatisches Massenaussterben.<\/p>\n<p>All dies geschieht in einer Situation, wo sich der Multilateralismus in einer tiefgreifenden Krise befindet und die Covid-19-Pandemie die Lage zus\u00e4tzlich erschwert. Die Knappheit des Gemeinguts Land und die Gemengelage der nicht l\u00e4nger tragbaren Konflikte um terrestrische \u00d6kosysteme zeigen einen dringenden Handlungsbedarf. Insofern stellen der kommenden Vertragsstaatenkonferenzen der Biodiversit\u00e4tskonvention und der Klimarahmenkonvention sowie die UN-Dekade zur Wiederherstellung von \u00d6kosystemen wichtige Foren dar, um einem nachhaltigen Umgang mit Land wertvollen politischen R\u00fcckenwind zu geben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Weitere Informationen<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wbgu.de\/de\/publikationen\/publikation\/landwende\" target=\"_blank\">Hauptgutachten: Landwende im Anthropoz\u00e4n: Von der Konkurrenz zur Integration <\/a><\/p>\n<p>Nur wenn sich unser Umgang mit Land grundlegend \u00e4ndert, k\u00f6nnen die Klimaschutzziele erreicht, der dramatische Verlust der biologischen Vielfalt abgewendet und das globale Ern\u00e4hrungssystem nachhaltig gestaltet werden. Der WBGU schl\u00e4gt f\u00fcnf exemplarische Mehrgewinnstrategien vor, um Konkurrenzen zwischen Nutzungsanspr\u00fcchen zu \u00fcberwinden. Diese sollten durch f\u00fcnf Governance-Strategien vorangetrieben werden, darunter insbesondere die Setzung geeigneter Rahmenbedingungen, eine Neuorientierung der EU-Politik und die Errichtung von Gemeinschaften gleichgesinnter Staaten.<\/p>\n<p>(Dies ist eine vorl\u00e4ufige Fassung, die endg\u00fcltige wird 2021 erscheinen)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der WBGU \u00fcbergibt heute sein neues Gutachten \u201eLandwende im Anthropoz\u00e4n: Von der Konkurrenz zur Integration\u201c an die Bundesministerinnen Anja Karliczek (Bildung und Forschung) und Svenja Schulze (Umwelt). 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