{"id":81214,"date":"2020-11-09T07:26:27","date_gmt":"2020-11-09T06:26:27","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=81214"},"modified":"2020-11-04T12:49:15","modified_gmt":"2020-11-04T11:49:15","slug":"neue-studie-gruener-wasserstoff-aus-deutschland-befluegelt-klimaschutz-und-volkswirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/neue-studie-gruener-wasserstoff-aus-deutschland-befluegelt-klimaschutz-und-volkswirtschaft\/","title":{"rendered":"Neue Studie: Gr\u00fcner Wasserstoff aus Deutschland befl\u00fcgelt Klimaschutz und Volkswirtschaft"},"content":{"rendered":"<p><strong>Deutschlands Klimaschutzstrategie baut auf den Einsatz von gr\u00fcnem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien. Doch wo soll der Wasserstoff herkommen, aus heimischer Produktion oder importiert aus dem Ausland? Eine neue Studie des Wuppertal Instituts und DIW Econ schafft einen \u00dcberblick \u00fcber die aktuelle Datenlage und ermittelt Wertsch\u00f6pfungs- und Besch\u00e4ftigungseffekte beider Strategien. Das Res\u00fcmee: Es trifft nicht zu, dass importierter Wasserstoff allgemein g\u00fcnstiger ist, entscheidend sind je nach Herkunftsland die tats\u00e4chlich realisierbaren Strom- und Transportkosten. Wird der gr\u00fcne Wasserstoff stattdessen im eigenen Land produziert, wird dies zudem eine positive Besch\u00e4ftigungswirkung und Wertsch\u00f6pfung entfalten. Mit der Erreichung der Klimaziele 2050 betr\u00fcge die zus\u00e4tzliche Wertsch\u00f6pfung bei einer stark auf die heimische Erzeugung ausgerichtete Strategie bis zu 30 Mrd. Euro im Jahr 2050 und es k\u00f6nnten bis zu 800.000 Arbeitspl\u00e4tze geschaffen werden.<\/strong><\/p>\n<p>Die Studie zur \u201eBewertung der Vor- und Nachteile von Wasserstoffimporten im Vergleich zur heimischen Produktion\u201c wurde vom Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) und vom Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) in Auftrag gegeben.<\/p>\n<p>Christian Mildenberger, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des LEE NRW: <em>\u201eIm Energieland NRW sind die Unternehmen auf die Verf\u00fcgbarkeit von gr\u00fcnem Wasserstoff angewiesen, um ihre Produktion klimaneutral zu machen. Die Studie zeigt durch ihre Gesamtbetrachtung eindr\u00fccklich auf, dass dieser besser im eigenen Land erzeugt werden sollte. Es wird zudem klar, dass H<sub>2<\/sub>-Importe nicht automatisch g\u00fcnstiger sind und die Wertsch\u00f6pfungseffekte bei heimischer Produktion ein neues Wirtschaftswunder in Deutschland ausl\u00f6sen k\u00f6nnten mit Blick auf die potenziellen Arbeitspl\u00e4tze. Und die Erneuerbare-Energien-Potenziale daf\u00fcr sind da.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dr. Simone Peter, Pr\u00e4sidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE): <em>\u201eMit der Nationalen Wasserstoffstrategie haben wir in Deutschland bisher nur beschlossen, gr\u00fcnen Wasserstoff in gro\u00dfem Stil zu konsumieren. Jetzt muss auf die Agenda, ausschlie\u00dflich gr\u00fcnen Wasserstoff zu f\u00f6rdern und ihn dann auch hier zu produzieren! Die Bundesregierung muss die Blockaden l\u00f6sen und entsprechende Anreize setzen, um die entsprechende Zahl von Elektrolyseuren f\u00fcr gr\u00fcnen Wasserstoff, die Infrastruktur und vor allem ausreichend Strom aus Erneuerbaren Energien im eigenen Land zu erzeugen. So werden Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz in der modernen Energieversorgung vereint.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ausgangspunkt der Untersuchung ist die neue Wasserstoffstrategie der Bundesregierung, die vor allem auf den Import des viel diskutierten Energietr\u00e4gers setzt. Mit dem Import sind allerdings nicht nur hohe Unsicherheiten verbunden, auch k\u00f6nnte dies in den produzierenden L\u00e4ndern zu unerw\u00fcnschten Effekten f\u00fchren, wie einer verschleppten Energiewende, wenn nicht von Anfang an die Transformation des Energiesystems vor Ort mitgedacht wird. Die Folge: Deutschland importiert gr\u00fcnen Wasserstoff, aber im Produktionsland fachen fossile Energietr\u00e4ger weiterhin den Klimawandel an. Auch besteht die Gefahr, dass wasserstoffnutzende Produktionszweige wie die Stahl- und Chemieindustrie zunehmend dahin abwandern, wo der Wasserstoff produziert wird.<\/p>\n<p><em>\u201eAktuell wird zu sehr \u00fcber die Kosten und zu wenig \u00fcber die Notwendigkeiten und positiven Effekte der heimischen Wasserstoffproduktion aus erneuerbaren Energien gesprochen. Wir brauchen sie als flexibles Speicherelement f\u00fcr die Integration von erneuerbarem Strom sowie als Grundlage f\u00fcr die Dekarbonisierung der heimischen Schwerindustrie. Dadurch bieten sich f\u00fcr Deutschland gro\u00dfe Chancen, sich als Vorreiter und Spezialist auf dem k\u00fcnftigen Weltmarkt f\u00fcr gr\u00fcnen Wasserstoff zu positionieren\u201c<\/em>, sagt Frank Merten, Co-Leiter des Forschungsbereichs Systeme und Infrastrukturen in der Abteilung Zuk\u00fcnftige Energie- und Industriesysteme am Wuppertal Institut und Projektkoordinator der Studie.<\/p>\n<p><em>Dr. Yann Girard, Co-Autor der Studie und Manager beim DIW Econ, betont: \u201eAus Klimaschutzgr\u00fcnden muss der zuk\u00fcnftig genutzte Wasserstoff ausschlie\u00dflich aus Strom aus erneuerbarer Energie gewonnen werden und damit gr\u00fcn sein. Die heimische Produktion von gr\u00fcnem Wasserstoff hat zudem ein enormes volkswirtschaftliches Potenzial mit Blick auf Wertsch\u00f6pfung und Besch\u00e4ftigung und sollte bei der Entscheidung, wie viel Wasserstoff aus dem Ausland importiert wird, nicht au\u00dfer Acht gelassen werden.\u201c<\/em><\/p>\n<h3>Kernergebnisse der Studie<\/h3>\n<p>Im optimistischen Szenario eines heimischen Wasserstoff-Produktionsanteils von 90% sind Wertsch\u00f6pfungseffekte von bis zu maximal 30 Mrd. Euro im Jahr 2050 und bis zu mehr als 800.000 zus\u00e4tzlichen Arbeitspl\u00e4tzen m\u00f6glich, die im direkten und indirekten Zusammenhang mit der gr\u00fcnen Wasserstoffproduktion stehen.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Synergien ergeben sich vor allem dort, wo mit zunehmendem Einsatz fluktuierender Energietr\u00e4ger \u00dcberschussmengen in Wasserstoff umgewandelt werden. Strom aus Onshore-Windenergieanlagen erm\u00f6glichen im Vergleich zum H<sub>2<\/sub>-Import zudem eine konkurrenzf\u00e4hige H<sub>2<\/sub>-Erzeugung.<\/p>\n<p>Wasserstoffimporte via Schiffstransport sind aus \u00f6konomischen Gr\u00fcnden nicht sinnvoll, da diese eine energieintensive Verfl\u00fcssigung voraussetzen. Die Kosten f\u00fcr den Transport per Schiff sind drei Mal so hoch wie beim Transport per Pipeline und rechnen sich erst ab 4.000 km Entfernung zum Produktionsland.<\/p>\n<p>Viele potenzielle Exportl\u00e4nder sind selbst stark abh\u00e4ngig von fossilen Energietr\u00e4gern. In Marokko etwa machen fossile Energietr\u00e4ger derzeit rund 90% des Prim\u00e4renergiemix aus und werden auch in 2030 noch tragende Rollen einnehmen. In solchen Regionen birgt eine stark exportorientierte Wasserstoffwirtschaft das Risiko, die Energiewende vor Ort zu verschleppen mit negativen Effekten f\u00fcr den Klimaschutz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Weitere Informationen<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/wupperinst.org\/fa\/redaktion\/downloads\/projects\/LEE-H2-Studie.pdf\" target=\"_blank\">Studie:Bewertung der Vor- und Nachteile von Wasserstoffimporten im Vergleich zur heimischen Produktion <\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/wupperinst.org\/p\/wi\/p\/s\/pd\/932\/\" target=\"_blank\">Projekt:Bewertung der Vor- und Nachteile von Wasserstoffimporten im Vergleich zur heimischen Erzeugung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschlands Klimaschutzstrategie baut auf den Einsatz von gr\u00fcnem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien. Doch wo soll der Wasserstoff herkommen, aus heimischer Produktion oder importiert aus dem Ausland? 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