{"id":80940,"date":"2020-11-04T07:26:04","date_gmt":"2020-11-04T06:26:04","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=80940"},"modified":"2021-09-09T19:17:40","modified_gmt":"2021-09-09T17:17:40","slug":"kunststoffe-aus-nachwachsenden-rohstoffen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kunststoffe-aus-nachwachsenden-rohstoffen-2\/","title":{"rendered":"Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen"},"content":{"rendered":"<p>Overview<\/p>\n<p>Kunststoffe sind gro\u00dfartig, aber leider nur in der Anwendung. Bei der Produktion werden die fossilen Rohstoffe \u00d6l, Gas und Kohle in gro\u00dfem Stil eingesetzt. Am oft schon nach Minuten erreichten Lebensende fallen Unmengen von Abfall an, der &#8211; anders als gew\u00fcnscht und f\u00fcr Verpackungen durch hohe Quoten gefordert \u2013 h\u00e4ufig nur schwer zu recyceln ist. Das geht einher mit der Emission von gro\u00dfen Mengen CO2, die unser aufgeheiztes Klima zus\u00e4tzlich belasten. Abhilfe schafft beispielsweise die Verl\u00e4ngerung der Einsatzdauer und das Recycling der Abf\u00e4lle, doch f\u00fcr viele Laborprodukte ist das naturgem\u00e4\u00df nur schwer m\u00f6glich. Was bleibt ist der Einsatz von Rezyklaten und biobasierten Kunststoffen, der bisher kaum stattfindet. Rezyklate sind in hoher Reinheit nicht zu haben, angesichts der Anspr\u00fcche von analytischer Diagnostik und medizinischer Hygiene ist ihr breiter Einsatz im Labor derzeit kaum denkbar. Der Artikel gibt einen \u00dcberblick \u00fcber Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, die solche Anforderungen erf\u00fcllen k\u00f6nnen und dabei vor allem CO2 sparen.<\/p>\n<p>Biobasierte Zellulosewerkstoffe wie Zelluloid, Cellophan oder Zelluloseacetat sind so alt wie die Kunststoffindustrie selbst. In den vergangenen 25 Jahren wurde zudem eine Reihe neuer biobasierter Polymere im Produktionsma\u00dfstab in den Markt eingef\u00fchrt: biobasierte Varianten von Massenkunststoffen wie PE, PP oder PET (\u201eDrop-In Biobasiert\u201c), bioabbaubare Polyester wie PLA und PHA, PBS, PBAT, oder leistungsf\u00e4hige Polymere wie PTT, biobasierte Polyamide oder Polyurethanvarianten. Nicht in allen F\u00e4llen wurden alle Monomertypen durch biobasierte Varianten ersetzt, und auch nicht jedes Monomer konnte entsprechend \u201everwandelt\u201c werden, so dass der biobasierte Gew. %-Anteil zwischen 30 und 100 Prozent schwankt. Viele der bioabbaubaren Polymere werden in Compounds eingesetzt, zum Teil auch in Mischungen mit reiner Pflanzenst\u00e4rke oder Holzbestandteilen. Technisch w\u00e4re es m\u00f6glich heute etwa 90 % der Polymere auf Biomasse-Ressourcen umzustellen. De facto liegt der Marktanteil der neuartigen biobasierten Polymere jedoch bei etwa einem Prozent des globalen Marktes f\u00fcr thermoplastische Kunststoffe in H\u00f6he von ca. 350 Millionen Tonnen. Die Tabelle zeigt einen \u00dcberblick der bekanntesten Bio-Polymere mit zahlreichen weiteren Informationen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-80945\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Bildschirmfoto-2020-10-30-um-13.55.35-1024x681.png\" alt=\"Bildschirmfoto 2020-10-30 um 13.55.35\" width=\"548\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/10\/Bildschirmfoto-2020-10-30-um-13.55.35-1024x681.png 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/10\/Bildschirmfoto-2020-10-30-um-13.55.35-300x200.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/10\/Bildschirmfoto-2020-10-30-um-13.55.35-600x399.png 600w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/10\/Bildschirmfoto-2020-10-30-um-13.55.35.png 1042w\" sizes=\"auto, (max-width: 548px) 100vw, 548px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-80949\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Bildschirmfoto-2020-10-30-um-13.56.03-1024x437.png\" alt=\"Bildschirmfoto 2020-10-30 um 13.56.03\" width=\"549\" height=\"234\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/10\/Bildschirmfoto-2020-10-30-um-13.56.03-1024x437.png 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/10\/Bildschirmfoto-2020-10-30-um-13.56.03-300x128.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/10\/Bildschirmfoto-2020-10-30-um-13.56.03-600x256.png 600w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/10\/Bildschirmfoto-2020-10-30-um-13.56.03.png 1036w\" sizes=\"auto, (max-width: 549px) 100vw, 549px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-80946\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Bildschirmfoto-2020-10-30-um-13.56.23-1024x559.png\" alt=\"Bildschirmfoto 2020-10-30 um 13.56.23\" width=\"548\" height=\"299\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/10\/Bildschirmfoto-2020-10-30-um-13.56.23-1024x559.png 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/10\/Bildschirmfoto-2020-10-30-um-13.56.23-300x164.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/10\/Bildschirmfoto-2020-10-30-um-13.56.23-600x328.png 600w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/10\/Bildschirmfoto-2020-10-30-um-13.56.23.png 1036w\" sizes=\"auto, (max-width: 548px) 100vw, 548px\" \/><\/p>\n<p>Der Hauptvorteil des Ersatzes von fossilen durch nachwachsende Ressourcen bei der Kunststoffproduktion liegt in der Einsparung von Klimagasemissionen. Je nach Polymer und Verfahren und dem fossilen Gegen\u00fcber variiert die Einsparung, liegt aber meist in einer signifikant besseren Gr\u00f6\u00dfenordnung von 25-65 % (teilweise deutlich dar\u00fcber). Die Gesamtbilanz im \u00f6kologischen Vergleich &#8211; \u00fcber diverse Indikatoren hinweg &#8211; wird dagegen immer ein gemischtes Bild ergeben: zu unterschiedlich sind die Belastungen aus den Herstellungsverfahren allokiert. F\u00fcr Laborprodukte gilt, dass \u00d6kobilanz-Gutschriften, wie sie die fossilen Massenkunststoffe PE, PP, PVC und PET durch Aufbereitung und Recycling der Abf\u00e4lle erzielen k\u00f6nnen, in vielen F\u00e4llen nicht ohne Weiteres realisierbar sind. Aus Sicherheitsgr\u00fcnden kommt f\u00fcr viele Produkte nur die Verbrennung in Frage. Mechanisches Kunststoffrecycling ist nur nach R\u00fccksprache mit den Entsorgungsunternehmen m\u00f6glich. In der Praxis besteht die M\u00f6glichkeit am ehesten f\u00fcr biologisch sichere PET und HDPE Produkte, denkbar sind zumindest auch PVC oder LDPE und PP Artikel.<\/p>\n<p>Ein Laborbetrieb kann im heute allgemein als \u201eh\u00f6chste Priorit\u00e4t\u201c betrachteten Klimaschutzbereich fast immer durch Emissionseinsparungen punkten, wenn er heute Flaschen und Beh\u00e4lter, zuk\u00fcnftig wom\u00f6glich auch Kan\u00fclenplastik, Pippetier-Caps, Laborbeh\u00e4lter, Beutel, Handschuhe oder sonstige massenhafte Verbrauchsartikel auf biobasierte Kunststoffe umstellt. Das bei der Verbrennung der Abf\u00e4lle emittierte CO2 wurde vorher durch die Pflanze aus der Atmosph\u00e4re geholt, die stoffliche C-Bilanz ist also Null, bei fossilen Rohstoffen steht dann ein deutliches Plus. Gleiches gilt f\u00fcr das mechanische Recycling, dazu muss der rezyklierte Anteil aber als Substitut f\u00fcr Neuware eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Bisher sind nur wenige Anbieter von Laborkunststoffartikeln in der Lage biobasierte Produkte anzubieten. Es gibt aber inzwischen eigenst\u00e4ndige \u201e\u00d6koserien\u201c, die in der Regel auf anteilig biobasiertem PET und weitgehend biobasiertem (HD-) PE basieren. Premiumanbieter haben daraus hergestellte Serien von Laborflaschen in unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfe im Angebot. Auch Tablettenr\u00f6hrchen aus Bio-PE sind lieferbar. Die Produkte aus solchen Drop-In Biokunststoffen entsprechen 1:1 den markt\u00fcblichen Produkten aus fossil-basierten Kunststoffen. Sie sind genauso handhabbar, beispielsweise sterilisierbar, und besitzen die gleiche Lebensdauer. Vor kurzem wurden auch bioabbaubare Einweghandschuhe aus einem Polyester-Compound mit biobasierten Anteilen vorgestellt. In Abh\u00e4ngigkeit von der Nachfrage und den Nachhaltigkeitsanstrengungen des Marktes kann aus diesen Anf\u00e4ngen ein breiteres Sortiment entstehen. Die Recherche nach solchen Produkten ist im Internet mit den \u00fcblichen Stichwortkombinationen einfach und zielf\u00fchrend.<\/p>\n<h3>Ausblick<\/h3>\n<p>Drei grundlegende Faktoren werden auf Kunststoffm\u00e4rkte der Zukunft massiven Einfluss aus\u00fcben: Das Gebot der Langlebigkeit, oft alternativ ausgedr\u00fcckt als Mehrweg- und Recyclingf\u00e4higkeit (&#8220;Kreislaufwirtschaft &amp; M\u00fcllvermeidung&#8221;), die minimierten Treibhausgasemissionen (&#8220;Klimaschutz&#8221;), sowie die Minimierung von Gesundheits- und Umweltrisiken (&#8220;Sicherheit&#8221;). Damit ist sofort klar, dass trotz der schleppenden Entwicklung das Potenzial von biobasierten Kunststoffen ein gro\u00dfes Potenzial bescheinigt werden darf.<\/p>\n<p>Drop-In Biokunststoffe wie Bio-PE, -PP oder -PET k\u00f6nnten von zuk\u00fcnftigen CO<sub>2<\/sub>-bezogenen Minderungsma\u00dfnahmen wie Steuern und Emissionshandel profitieren. Dar\u00fcber hinaus haben sich viele Unternehmen selber Klimaschutzziele gesetzt und wollen dies auch in Produktform zeigen.<\/p>\n<p>Die Vorgaben zur Kreislaufwirtschaft sind im Verpackungsbereich in Deutschland mit einer stofflichen Verwertungsquote von 58,5% (danach 63%) heute auf einem ganz anderen Level als noch vor kurzem (22,5%). Auch andere Anwendungssegmente d\u00fcrften zuk\u00fcnftig in die Kunststoffsammlung und Verwertung (-squoten) einbezogen werden. Auch auf mittlere Sicht sind ausschlie\u00dflich PE, PP und PET in der Praxis stofflich gut recycelbar &#8211; dieser Vorteil d\u00fcrfte ihre Marktposition positiv beeinflussen. Wo nichts recycelt und keine Regranulat eingesetzt werden kann, k\u00f6nnten Forderungen nach reduzierten Umweltlasten umso lauter t\u00f6nen.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Kontakt<\/h3>\n<p>Harald K\u00e4b<br \/>\nNaracon Innovationsberatung<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:Kaeb@narocon.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kaeb@narocon.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Overview Kunststoffe sind gro\u00dfartig, aber leider nur in der Anwendung. Bei der Produktion werden die fossilen Rohstoffe \u00d6l, Gas und Kohle in gro\u00dfem Stil eingesetzt. 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