{"id":80676,"date":"2020-10-29T07:32:57","date_gmt":"2020-10-29T06:32:57","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=80676"},"modified":"2020-10-26T14:50:58","modified_gmt":"2020-10-26T13:50:58","slug":"diese-innovation-macht-plastikflaschen-ueberfluessig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/diese-innovation-macht-plastikflaschen-ueberfluessig\/","title":{"rendered":"Diese Innovation macht Plastikflaschen \u00fcberfl\u00fcssig"},"content":{"rendered":"<p>Das Problem:<\/p>\n<p>\u00dcber 1,1 Billionen Verpackungen wurden 2018 in der EU verwendet, der Gro\u00dfteil bestand beziehungsweise besteht aus Plastik (die Abbauzeit von Kunststoff betr\u00e4gt bis zu 450 Jahre). Die gesamte Einwegflaschenproduktion in Deutschland reicht gestapelt rund dreizehn Mal bis zum Mond. Aber nicht nur die Produktion selbst, sondern auch die unsachgem\u00e4\u00dfe Entsorgung der Plastikartikel tr\u00e4gt zur Umweltverschmutzung bei.<\/p>\n<p>Laut des 2019 ver\u00f6ffentlichten Plastikatlas der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung und dem Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wurde 2017 nur ein Sechstel der Kunststoffabf\u00e4lle \u00fcberhaupt recycelt. St\u00e4dtische Gro\u00dfveranstaltungen veranschaulichen das Ausma\u00df des allt\u00e4glichen Plastikkonsums: Nach Marathonl\u00e4ufen, Stadtfesten oder Umz\u00fcgen sind die Stra\u00dfen von M\u00fcll \u00fcberflutet.<\/p>\n<p>Um die Plastikproduktion einzud\u00e4mmen, sind alternative Rohstoffe gefragt. Doch obwohl die Entsorgung abbaubarer Bio-Verpackungen weniger CO2 erzeugt als herk\u00f6mmliche Kunststoffe, ist ihre Verwendung umstritten. Zum Einen kann der Fertigungsprozess meist nicht auf die Verwendung von Erd\u00f6l und umweltsch\u00e4dlichem D\u00fcnger verzichten. Zum Anderen greift der Anbau der nachwachsenden Pflanzenstoffe auf wertvolle S\u00fc\u00dfwasserreserveren zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die L\u00f6sung:<\/p>\n<p>Ende April versammelten sich wieder mehrere Tausend ambitionierte Sportler in London, um bei dem ber\u00fchmten Londoner Marathon mitzulaufen. Um sich w\u00e4hrend des Laufes mit Fl\u00fcssigkeit und wichtigen N\u00e4hrstoffen zu versorgen, stehen normalerweise \u00fcber eine halbe Million Plastikwasserflaschen und Energydrinks bereit. Doch in diesem Jahr wollte man die Plastikverschmutzung minimieren und Zuschauer konnten beobachten, wie durchsichtige mit Wasser gef\u00fcllte Beutelchen verteilt wurden, die sich die Teilnehmer in den Mund warfen. M\u00fcll entstand dabei nicht.<\/p>\n<p>Die kleinen Wasserblasen sind eine Erfindung von Notpla. Das Startup aus Gro\u00dfbritannien hat die sogenannten Oohos aus einem der regenerativsten Stoffe der Natur entwickelt \u2013 Der Braunalge. Diese Tangart ist in salzigen Gew\u00e4ssern heimisch und kann nach Angaben des Startups innerhalb von 24 Stunden bis zu einem Meter wachsen. Laut Notpla ist der Anbau der Alge \u00e4u\u00dferst ressourcenschonend, da kein S\u00fc\u00dfwasser oder chemischer D\u00fcnger ben\u00f6tigt wird. Zusammen mit Wasser und Kalzium entsteht ein essbares Material, genannt Notpla.<\/p>\n<p>Wer diese fortschrittliche Verpackungsalternative aus Algenextrakt lieber nicht verzehren will, kann sie nach Angaben des Startups mit Lebensmittelabf\u00e4llen kompostieren. Das Material soll sich innerhalb von vier bis sechs Wochen selbstst\u00e4ndig zersetzen. Das Unternehmen Notpla vermietet die zur Produktanfertigung ben\u00f6tigte Maschine an Unternehmen, um lange Transportwege zu verringern und eine lokale Produktion zu erm\u00f6glichen. Ob die Weiterverwendung der Braunalge auch eine L\u00f6sung f\u00fcr die Massenbl\u00fcte der Algenart sein k\u00f6nnte, bleibt bisher noch unerprobt.<\/p>\n<p>Notpla plant nun zu expandieren und die Anwendungen des gleichnamigen Materials zu diversifizieren, um Plastik in allen m\u00f6glichen Bereichen zu reduzieren. Nach eigenen Angaben entwickelt das Team neue Produkte wie beispielsweise hei\u00dfsiegelf\u00e4hige oder wasserl\u00f6sliche Folien, Abfallt\u00fcten oder Verpackungsmaterial in unterschiedlichen Gr\u00f6\u00dfen, auch f\u00fcr Non-Food-Produkte.<\/p>\n<p>Der Kopf dahinter:<\/p>\n<p>Rodrigo Garcia Gonzalez und Pierre Paslier entwickelten das Konzept zu Notpla w\u00e4hrend sie noch zur Uni gingen. Die Beiden studierten Designtechnik am Imperial College London und am Royal College of Art Innovation. Kurze Zeit sp\u00e4ter gr\u00fcndeten sie das Startup Skipping Rocks Lab. Seither ist ein Team aus Designern, Chemiker, Ingenieuren und Unternehmern ist an der technologischen Umsetzung beteiligt. Im April 2017 ging eine Crowdfunding-Kampagne online, die ihr urspr\u00fcngliches Ziel bei Weitem \u00fcbertraf: Umgerechnet konnten sie fast eine Million Euro sammeln. Das Geld wurde in den Aufbau einer Fertigungsst\u00e4tte in London und die notwendigen Maschinen investiert. Im Sommer 2018 erhieltet Notpla zus\u00e4tzliches Kapital von Sky Ocean Ventures, um die Entwicklung ihres zweiten Produktes zu f\u00f6rdern. Anfang 2019 beschloss das Team den Namen des Unternehmens nach dem urspr\u00fcnglichen Materialstoff zu benennen. Erst k\u00fcrzlich wurde Notpla im Rahmen des Green Tech Festivals in Berlin mit dem \u201eStartup of the Year\u201c-Award ausgezeichnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Problem: \u00dcber 1,1 Billionen Verpackungen wurden 2018 in der EU verwendet, der Gro\u00dfteil bestand beziehungsweise besteht aus Plastik (die Abbauzeit von Kunststoff betr\u00e4gt bis zu 450 Jahre). Die gesamte Einwegflaschenproduktion in Deutschland reicht gestapelt rund dreizehn Mal bis zum Mond. 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