{"id":80555,"date":"2020-06-04T07:21:56","date_gmt":"2020-06-04T05:21:56","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=80555"},"modified":"2021-09-09T19:22:52","modified_gmt":"2021-09-09T17:22:52","slug":"unterwegs-zum-effektiven-plastik-kreislauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/unterwegs-zum-effektiven-plastik-kreislauf\/","title":{"rendered":"Unterwegs zum effektiven Plastik-Kreislauf"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_80557\" aria-describedby=\"caption-attachment-80557\" style=\"width: 229px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  wp-image-80557\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Bildschirmfoto-2020-10-23-um-10.52.55-270x300.png\" alt=\"Bildschirmfoto 2020-10-23 um 10.52.55\" width=\"229\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/06\/Bildschirmfoto-2020-10-23-um-10.52.55-270x300.png 270w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/06\/Bildschirmfoto-2020-10-23-um-10.52.55.png 485w\" sizes=\"auto, (max-width: 229px) 100vw, 229px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-80557\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 S\u00fcdpack<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die Molkerei Zott umh\u00fcllt Mozzarella mit einem innovativen Mehrschichtbeutel. Ein Viertel der enthaltenen Kunststoffmenge wird nicht aus Erd\u00f6l, sondern aus chemisch recyceltem, bis dato nicht\u00a0 wiederverwertbarem Altplastik hergestellt.<\/strong><\/p>\n<p>Die Beutel der 125g-Kugeln und 250g-Rollen des Produkts Zottarella bestehen aus mehreren Schichten der Kunststoffe Polyamid und Polyethylen. Polyamid stellt ein Viertel Gewichtsanteil, Polyethylen drei Viertel. Beide Plastikarten wurden bisher aus fossilen und damit nicht erneuerbaren Rohstoffen hergestellt. Ab sofort produziert der Verpackungslieferant S\u00fcdpack f\u00fcr Zott einen Beutel, dessen Polyamid-Komponente durch chemisches Recycling gewonnen wurde. Dabei wird Plastikabfall mittels eines aufw\u00e4ndigen Prozesses in molekulare Bausteine aufgespalten. Aus dem so gewonnenen Rohmaterial k\u00f6nnen Kunststoffe hergestellt werden, die nicht nur materiell identisch zu den Vorbildern aus fossilen Quellen, sondern auch f\u00fcr den Direktkontakt mit Lebensmitteln zugelassen sind. Aus konventionell recycelten Kunststoffen hingegen k\u00f6nnen\u00a0 bislang \u2013 von recyceltem PET aus Getr\u00e4nkeflaschen abgesehen \u2013 aus Hygiene- und Sicherheitsgr\u00fcnden keine Food-Verpackungen hergestellt werden.<\/p>\n<p>Das von S\u00fcdpack eingesetzte Polyamid stellt der Chemie-Riese BASF aus einem Pyrolyse\u00f6l her, das aus haushaltsnah anfallenden Kunststoffabf\u00e4llen gewonnen wird. Die Ludwigshafener rechnen einem Endprodukt den enthaltenen Rezyklatanteil mit einem sogenannten Massenbilanzverfahrens zu. Das Prinzip funktioniert analog zur Einspeisung von \u00d6kostrom ins allgemeine Stromnetz zumal auch Stromabnehmer nicht wissen, ob exakt diejenige Energie, die sie von dort abzapfen, aus erneuerbaren Quellen stammt. Sind einem bestimmten Kunststoff Rezyklatanteile kalkulatorisch zugeordnet, kann daraus zertifiziertes Verpackungsmaterial wie etwa Folien f\u00fcr den Zottarella-Beutel entstehen.<\/p>\n<p>Der seriellen Produktion ging im vergangenen Jahr (lz 28-19) ein Pilotprojekt voraus, an dem neben Zott, S\u00fcdpack und BASF auch der \u00f6sterreichische Kunststoffhersteller Borealis beteiligt war. Die Wiener haben auf Pilot- Ebene gezeigt, dass prinzipiell auch die zweite Beutelkomponente Polyethylen mit chemischem Recycling hergestellt werden kann. Die Kooperation ist eine von mehreren Umsetzungen des BASF-Projekts \u201eChemcycling\u201c. Mit Verbundverpackungen wie dem Zottarella-Beutel k\u00f6nnen Lebensmittel zwar mit relativ wenig Materialaufwand sicher, hygienisch und ohne Minderung der Haltbarkeit verpackt werden. Allerdings lassen sich Kunststoffverbunde bislang auf konventionellem Weg nur schwer oder gar nicht recyceln und werden daher meist zur Energiegewinnung verbrannt.<\/p>\n<p>Die besondere kreislaufwirtschaftliche\u00a0Relevanz des chemischen Recyclings liegt darin, dass damit auch Verbunde und sogar stark verschmutzte Kunststoffgemische in den Wertstoffkreislauf zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. \u201eDurch Innovationen wie Chemcycling kommen wir der L\u00f6sung der Probleme der Recycelbarkeit von flexiblen Verpackungen n\u00e4her\u201c, so der bei S\u00fcdpack in der Pilotphase verantwortliche gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Gesellschafter Johannes Remmele. Stefan Gr\u00e4ter, spannt den Bogen noch etwas weiter. Erst einmal zur Marktreife entwickelt, kann Chemcycling aus Sicht des BASF-Projektleiters zur L\u00f6sung des weltweiten Plastikm\u00fcllproblems beitragen.<\/p>\n<p>Von der Pilotphase bis zur Marktreife m\u00fcssen jedoch noch verschiedene Aspekte gekl\u00e4rt werden. Die existierenden Technologien zur Umwandlung von Kunststoffabf\u00e4llen in Recycling-Rohstoffe m\u00fcssen weiterentwickelt und f\u00fcr die Nutzung im gro\u00dfindustriellen Ma\u00dfstab angepasst werden, um eine durchg\u00e4ngig hohe Qualit\u00e4t des Ausgangsprodukts \u201ePyrolyse\u00f6l\u201c sicherzustellen. BASF pr\u00fcft derzeit verschiedene Optionen, wie der Produktionsverbund des Unternehmens langfristig mit kommerziellen Mengen an Pyrolyse\u00f6l versorgt werden kann. Dabei spielen neben technologischen auch wirtschaftliche Aspekte eine Rolle.<\/p>\n<p>Damit chemisches Recycling im Markt Akzeptanz findet, m\u00fcssen dar\u00fcber hinaus Regulierungsbeh\u00f6rden das Verfahren offiziell als Recycling anerkennen. In diesem Rahmen m\u00fcssen sie definieren, wie chemisches Recycling und Massenbilanzans\u00e4tze zur Erf\u00fcllung von gesetzlichen Recyclingquoten beitragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dem Food-Pionier Zott will in K\u00fcrze die Zur M\u00fchlen-Gruppe mit der Marke Gutfried folgen. Die Schleswig-Holsteiner lassen die Kunststoffverpackung ihrer neuen Bio-H\u00e4hnchen-Fleischwurst zu zwei Dritteln aus\u00a0 chemisch recycelten Rohstoffen fertigen, ebenfalls aus abfallbasiertem Pyrolyse\u00f6l und einmal mehr vom Folienhersteller S\u00fcdpack. Neben der BASF ist als zweiter Kunststoffspezialist der Petrochemie-Konzern Sabic im Boot.<\/p>\n<p>\u201eGutfried steht f\u00fcr qualitativ hochwertige Produkte und Genuss ohne Reue. Deshalb unterst\u00fctzen wir das umweltfreundliche Verpackungsdesign mit der Einf\u00fchrung des ersten Bio-Artikels unter der Marke Gutfried\u201c, so Zur M\u00fchlen-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Maximilian T\u00f6nnies. Auf der Verpackung der Bio-Wurst, die im Juni im Lebensmittelhandel gelauncht werden soll, f\u00fchrt ein QR-Code-Herz zu mehr Informationen \u00fcber die Herstellung der nachhaltigen Umh\u00fcllung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Molkerei Zott umh\u00fcllt Mozzarella mit einem innovativen Mehrschichtbeutel. Ein Viertel der enthaltenen Kunststoffmenge wird nicht aus Erd\u00f6l, sondern aus chemisch recyceltem, bis dato nicht\u00a0 wiederverwertbarem Altplastik hergestellt. Die Beutel der 125g-Kugeln und 250g-Rollen des Produkts Zottarella bestehen aus mehreren Schichten der Kunststoffe Polyamid und Polyethylen. Polyamid stellt ein Viertel Gewichtsanteil, Polyethylen drei Viertel. 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