{"id":8028,"date":"2005-06-14T00:00:00","date_gmt":"2005-06-13T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20050614-02n"},"modified":"2005-06-14T00:00:00","modified_gmt":"2005-06-13T22:00:00","slug":"polysaccharide-rohstoff-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/polysaccharide-rohstoff-der-zukunft\/","title":{"rendered":"Polysaccharide &#8211; Rohstoff der Zukunft"},"content":{"rendered":"<p><b>Polysaccharide sind die in der Natur am h\u00e4ufigsten vorkommenden makromolekularen Stoffe: Sie werden in gro\u00dfen Mengen unter anderem von Meerestieren, Spinnen und Insekten produziert. Ihre F\u00e4higkeit, Wasser bzw. Oberfl\u00e4chen zu strukturieren, macht sie sowohl f\u00fcr die Wissenschaft als auch f\u00fcr die Industrie interessant.<\/b><\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich attraktiv werden Polysaccharide durch ihre problemlose Verf\u00fcgbarkeit unter anderem auch als Energietr\u00e4ger und Nahrungsreserve. Im Gegensatz zu Erd\u00f6l, der Rohstoffbasis von Kunststoffen, kommen Polysaccharide in der Natur in unbegrenzten Mengen vor und sind deshalb auch extrem billig: So werden pro Jahr mehr als 200 Gigatonnen Polysaccharide in Holz, Pflanzen, Algen und von Krustentieren gebildet. <\/p>\n<p>Die amerikanische Chemical Society geht davon aus, dass die multifunktionalen Polysaccharide eine wichtige Rolle als Basis unz\u00e4hliger Hightech-Materialien der Zukunft spielen k\u00f6nnten: &#8221;Polysaccharide sollen k\u00fcnftig vor allem im industriellen Umfeld als Ersatz f\u00fcr herk\u00f6mmliche Kunststoffe verwendet werden: etwa f\u00fcr Verpackungsmaterial, Textilien, Papier oder Hygiene-Artikel&#8221;, so Paul Kosma vom <a href=\"http:\/\/www.chemie.boku.ac.at\/3058.html\" >Christian Doppler Labor f\u00fcr Zellstoffreaktivit\u00e4t<\/a> an der Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur Wien. <\/p>\n<p> Aufgrund ihrer Kompatibilit\u00e4t mit lebenden Systemen richten sich auch im medizinischen Bereich gro\u00dfe Hoffnungen auf die Polysaccharide: So k\u00f6nnten sie etwa f\u00fcr die Optimierung k\u00fcnstlicher Gelenke oder als Gewebeersatz genutzt werden. Biokompatibles Material f\u00fcr die Mikrochirurgie wird zum Teil bereits aus bakteriell gebildeter Zellulose hergestellt. In technisch modifizierter Form findet Polysaccharid zunehmende Anwendung in Form von Hydroxyethylst\u00e4rke als Blutersatzstoff oder aber bei der Herstellung von Spritzbeton, um den Trocknungsprozess zu verz\u00f6gern. <\/p>\n<p>Diesen zahlreichen Vorteilen und der enormen Bandbreite von Einsatzm\u00f6glichkeiten der Polysaccharide steht allerdings ein gravierender Nachteil gegen\u00fcber: Sie sind sehr variantenreich gebaut, und obwohl man sie seit den Anf\u00e4ngen der modernen Chemie kennt, haben die Wissenschafter ihre Funktionsweise noch l\u00e4ngst nicht vollst\u00e4ndig durchschaut.  &#8221;Wir haben hier einen Goldschatz vor uns liegen, wissen aber nicht, wie wir ihn vom Begleitmaterial befreien sollen, ohne seine Qualit\u00e4ten zu verlieren&#8221;, so Anton Huber vom Chemie-Institut der Grazer Universit\u00e4t. <\/p>\n<p>Eine wenig befriedigende Situation, aus der das k\u00fcrzlich eingerichtete europ\u00e4ische <a href=\"http:\/\/www.epnoe.org\/\" >Exzellenznetzwerk Polysaccharides (EPNOE)<\/a>  herausf\u00fchren soll. &#8221;Grunds\u00e4tzlich geht es darum&#8221;, so Paul Kosma, &#8221;Struktur und Eigenschaften der Polysaccharide zu charakterisieren und zu modellieren, um auf dieser Basis ihre Eigenschaften besser steuern zu k\u00f6nnen.&#8221; Die n\u00f6tigen strukturellen Voraussetzungen daf\u00fcr sollen durch die Vernetzung und B\u00fcndelung der gesamten europ\u00e4ischen Forschungsbem\u00fchungen auf diesem Gebiet geschaffen werden. <\/p>\n<p> F\u00fcnf Millionen Euro stehen in den kommenden vier Jahren f\u00fcr 17 Forschergruppen aus neun L\u00e4ndern zur Verf\u00fcgung. Konkret sollen mit diesem Geld der Wissenschafter-Austausch forciert, Meetings organisiert, Datenbanken eingerichtet und Ger\u00e4te f\u00fcr spezialisierte Zentren finanziert werden. &#8221;Eine zentrale Aufgabe des Netzwerks ist es auch, interessierte Industrieunternehmen mit aktuellen wissenschaftlichen Informationen zu versorgen&#8221;, erl\u00e4utert Paul Kosma. <\/p>\n<p> Das Interesse seitens der Wirtschaft ist jedenfalls gro\u00df, immerhin geht es um einen umweltvertr\u00e4glichen, billigen und \u00fcberall verf\u00fcgbaren Zukunftswerkstoff, der so ziemlich alles kann, was man sich von einem Rohstoff w\u00fcnscht. Au\u00dferdem werde schon jetzt in einigen Industriesparten &#8211; vor allem der Nahrungsmittel-, Textil-, Papier- und Zellstoffindustrie &#8211; mit Polysacchariden gearbeitet: &#8221;Die Forstwirtschaft und die gesamte nachgelagerte industrielle Verwertung&#8221;, so Kosma, &#8221;haben in \u00d6sterreich eine h\u00f6here Wertsch\u00f6pfung als der Tourismus &#8211; dementsprechend wichtig wird auch die Kooperation mit der Forschung genommen.&#8221;<\/p>\n<p>(Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/eu-foerderung-drei-mio-eur-fuer-polysaccharid-netzwerk\/\" >2003-11-19<\/a>.) <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Polysaccharide sind die in der Natur am h&auml;ufigsten vorkommenden makromolekularen Stoffe: Sie werden in gro&szlig;en Mengen unter anderem von Meerestieren, Spinnen und Insekten produziert. 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