{"id":8006,"date":"2005-04-14T00:00:00","date_gmt":"2005-04-13T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20050414-06n"},"modified":"2005-04-14T00:00:00","modified_gmt":"2005-04-13T22:00:00","slug":"biogas-nach-euphorie-folgt-ernuechterung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biogas-nach-euphorie-folgt-ernuechterung\/","title":{"rendered":"Biogas: Nach Euphorie folgt Ern\u00fcchterung"},"content":{"rendered":"<p><b>Mit der Verabschiedung der Novelle des &#8220;Erneuerbare Energien Gesetzes&#8221; (EEG) Mitte letzten Jahres brach ein regelrechter Biogasboom los. Grund daf\u00fcr war die Einf\u00fchrung des sog. &#8220;NAWARO- Bonus&#8221;, wodurch Strom, der aus rein landwirtschaftlichen Produkten wie G\u00fclle oder Energiepflanzen erzeugt und ins \u00f6ffentliche Netz eingespeist wird, mit zus\u00e4tzlich 6 Ct. pro Kilowattstunde (bis 500 kW) verg\u00fctet wird. Die damit verbundene Preisgarantie f\u00fcr 20 Jahre tat ihr \u00fcbriges.<\/b><\/p>\n<p>Mit deutlich gestiegenen Investitionskosten und dem Problem, Gemeinschaftsanlagen im Au\u00dfenbereich als privilegierte Bauvorhaben genehmigt zu bekommen, ist doch etwas Ern\u00fcchterung eingetreten. Auch wenn in Deutschland seit nunmehr \u00fcber 60 Jahren Biogasanlagen gebaut werden, sind auch heute noch zahlreiche Fragen unbeantwortet, auf die es wohl erst in den n\u00e4chsten Jahren gesicherte Antworten geben wird. Da st\u00e4ndig neue Erkenntnisse, h\u00e4ufig nur im Detail, gewonnen werden, sto\u00dfen Fachtagungen auf gro\u00dfes Interesse, lebhafte Diskussionen sind vorprogrammiert. So wurde der derzeitige Stand der Entwicklung auch k\u00fcrzlich w\u00e4hrend einer Tagung der <a href=\"http:\/\/www.fnr.de\/\" >Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR)<\/a> in Berlin dargestellt.<\/p>\n<p>Da die spezifischen Kosten pro kW mit zunehmender Anlagengr\u00f6\u00dfe sinken, ist ein deutlicher Trend zu gr\u00f6\u00dferen Anlagen erkennbar, stellte Prof. Schlagheck, Abteilungsleiter im <a href=\"http:\/\/www.verbraucherministerium.de\/\" >Bundeslandwirtschaftsministerium<\/a>, fest. Er sch\u00e4tzt, dass sich die Anzahl der Biogasanlagen von derzeit 2.000 im Bundesgebiet schon bis zum Jahresende verdoppeln kann, bis 2010 k\u00f6nnen es 10.000 Anlagen werden. Er warnte allerdings vor zu gro\u00dfen Euphorien. Schon heute hat der Biogasboom in manchen Regionen zu Fl\u00e4chenverknappungen mit steigenden Pachtpreisen und Substratkosten gef\u00fchrt. Lag die durchschnittliche Anlagengr\u00f6\u00dfe im Jahr 2000 noch bei 75 kW, so sind wir heute bei 350 kW, mit deutlicher Tendenz zu 500 kW. Zudem ist ein deutlicher Trend weg von &#8220;handgestrickten&#8221; hin zu komfortablen Anlagen mit hohem technischen Standard zu erkennen, was sich u.a. in den deutlich gestiegenen Investitionskosten der vergangenen Monate niederschlug.<\/p>\n<p>Erneuerbare Energien sind heute mit etwa 3% am Prim\u00e4renergiebedarf der Bundesrepublik beteiligt, so Dr. Andreas Sch\u00fctte, FNR. Im Jahre 2030 k\u00f6nnen es etwa 17% sein, die sich nach seinen Sch\u00e4tzungen auf 34% Holz, 59% Energiepflanzen und 7% Biogas aufteilen. Derzeit stehen im Bundesgebiet etwa 2 Mio. Hektar f\u00fcr den Anbau von Energiepflanzen zur Verf\u00fcgung. Die Einbeziehung der \u00d6ffentlichkeit in Biogasprojekte ist f\u00fcr Sch\u00fctte ein wichtiges Thema. So wird derzeit in Zusammenarbeit mit dem Bauernverband eine Informationskampagne gestartet.<\/p>\n<p>Florian Sch\u00f6ne, <a href=\"http:\/\/www.nabu.de\/\" >NABU<\/a>, \u00e4u\u00dferte sich grunds\u00e4tzlich positiv zum Anbau nachwachsender Rohstoffe. Der \u00d6kolandbau muss dabei nicht der K\u00f6nigsweg sein, ein Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel, Anwendung integrierter Verfahren im Pflanzenschutz, Verzicht auf gentechnisch ver\u00e4nderte Organismen und Vielfalt statt Einheitlichkeit sind f\u00fcr seinen Naturschutzverband wichtige Ziele in diesem Zusammenhang.<\/p>\n<p>Nach Ansicht von Dr. Walter Schmidt, <a href=\"http:\/\/www.kws-saat.de\/\" >KWS<\/a> ist ein enges Zusammenspiel von Pflanzenzucht und Pflanzenbau erforderlich, um optimale Biomasseertr\u00e4ge in optimierten Fruchtfolgen zu erreichen. Nach seiner Ansicht ist es m\u00f6glich, den Trockenmasseertrag von Mais z.B. durch Kreuzungen hiesiger und s\u00fcdamerikanischer Sorten innerhalb von 10 Jahren auf 30 t pro ha zu verdoppeln. Dabei wird seines Erachtens auch im Hinblick auf mehrere Fruchtfolgen Wasser der begrenzende Faktor sein. Neben Mais werden andere Pflanzen wie Sonnenblumen, Hirse, vielleicht im Mischanbau mit Mais, Roggen, R\u00fcbsen und Raps erprobt.<\/p>\n<p>Prof. Konrad Scheffer, <a href=\"http:\/\/www.uni-kassel.de\/\" >Uni Kassel<\/a>, favorisiert ein Zweikulturnutzungssystem mit hoher Pflanzenvielfalt. So k\u00f6nnten Fl\u00e4chen im Winter mit C-3-Pflanzen wie Getreide, Raps oder Erbsen, im Sommer mit C-4-Pflanzen wie Mais, Sonnenblumen oder Zuckerhirse bestellt werden. Mischkulturen sind m\u00f6glich, Pflanzen wie Windhalm st\u00f6ren nicht, sollten aber nicht reif werden. Nach seiner Ansicht hilft der Energiepflanzenanbau \u00f6kologische Probleme zu l\u00f6sen: durch mehr Artenvielfalt, geschlossene N\u00e4hrstoffkreisl\u00e4ufe, Biotopverbund, zunehmende Selbstregulierung von Krankheiten und Sch\u00e4dlingen, Grundwasser- und Bodenschutz.<\/p>\n<p>\u00dcber Ergebnisse des Biogas- Messprogrammes berichtete Prof. Dr. Peter Weiland, <a href=\"http:\/\/www.fal.de\/\" >FAL<\/a>. Obwohl eine Biogasanlage h\u00e4ufig mit der Hochleistungskuh verglichen wird, ergeben sich hinsichtlich der zugef\u00fchrten Substrate doch etwas andere Anforderungen. So sollte die Schnittl\u00e4nge beim Mais unterhalb von 4 mm liegen, um durch mechanischen Aufschluss schon bei der Ernte den Abbau durch Bakterien zu erleichtern und ein Aufschwimmen im Fermenter zu reduzieren. <\/p>\n<p>Weitgehend vernachl\u00e4ssigt wurde bisher der Sandeintrag in die Anlagen, der zu Verschlei\u00df der F\u00f6rder- und Pumpaggregate f\u00fchrt und ein kontinuierliches oder periodisches Ausr\u00e4umen der Beh\u00e4lter erforderlich macht. Die Zugabe von Getreide in geschroteter oder gequetschter Form gewinnt zunehmend an Bedeutung. Einfache Lagerung, gute Mechanisierbarkeit, kurze Verweilzeiten und hoher Energiegehalt sind als Vorteile zu nennen. Die m\u00f6gliche Gasausbeute wird allerdings h\u00e4ufig \u00fcbersch\u00e4tzt, sie sollte mit etwa 700 l pro kg OTS (organ. Trockensubstanz) angenommen werden. Raps f\u00fchrt zu hohen Schwefelgehalten (H<sub>2<\/sub>S) im Biogas. Mangelhafte Qualit\u00e4t der Substrate, insbesondere Schimmel, mindern die Gasausbeute.<\/p>\n<p>90% der untersuchten Anlagen arbeiteten mit stehenden Fermentern, die bei NAWARO- Anlagen gr\u00f6\u00dfere Probleme mit Schwimmschichten haben, als liegende Beh\u00e4lter. Allgemein ist ein Trend zu langsam laufenden R\u00fchrwerken, h\u00e4ufigen Beschickungsintervallen und zweistufigen Systemen zu erkennen.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20050414-06\/Bild.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Bild\"\/> <i>Liegende Fermenter mit horizontalen R\u00fchrwerken werden mit Schwimmschichten besser fertig als stehende Beh\u00e4lter. So wird versucht, mit \u00fcber 30% OTS im Input den &#8220;Technologiebonus&#8221; (2 Ct\/kWh) \u00fcbers EEG zu bekommen.<\/i><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Anlagen mit einer Raumbelastung (t\u00e4gliche Zugabe) von 1 \u2013 3 kg OTS pro m<sup>3<\/sup> Fermentervolumen und Tag haben sich gut bew\u00e4hrt, die Anlagen laufen dann recht stabil mit geringen Prozessst\u00f6rungen. Selbst bei Verweilzeiten von 60 \u2013 90 Tagen ist das Substrat (Mais und G\u00fclle) noch nicht vollst\u00e4ndig ausgefault. 5 \u2013 10% Biogas wird auch nach dem Prozess noch frei. So sind abgedeckte Lagerbeh\u00e4lter zu empfehlen, die dann als Gasspeicher genutzt werden k\u00f6nnen. Bisher sind nur etwa 10% der Beh\u00e4lter der untersuchten Anlagen abgedeckt, berichtete Prof. Weiland.<\/p>\n<p>Torsten Fischer, <a href=\"http:\/\/www.kriegfischer.de\/\" >Krieg und Fischer Ingenieure GmbH<\/a>, berichtete \u00fcber Bau und Probleme reiner NAWARO-Anlagen. Er wies darauf hin, dass bei Substraten, die zu Schwimmschichten neigen, in der Fermenterbauweise m\u00f6glichst ein Durchmesser-\/ H\u00f6henverh\u00e4ltnis von 1:1 angestrebt werden sollte. R\u00fchrwerke geh\u00f6ren bei den NAWARO- Anlagen mit zu den wichtigsten Bauteilen. So sollte gro\u00dfer Wert auf starke Getriebe der R\u00fchrwerke gelegt und die Daten gepr\u00fcft werden. Auch wenn Fischer den Bau reiner NAWARO- Anlagen ohne G\u00fclle als relativ unproblematisch darstellte war zu erkennen, dass der Betrieb derartiger Anlagen doch erheblich schwieriger ist und h\u00f6heres Fingerspitzengef\u00fchl des Betreibers erfordert als bei G\u00fclleanlagen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Martin Schulze, der in Ostbrandenburg eine Biogasanlage f\u00fcr Nachwachsende Rohstoffe (NAWARO) betreibt, ist es wichtig, dass die Anlagen auf das zu verarbeitende Substrat ausgelegt werden. So sollte man sich vor dem Bau als Biogastourist m\u00f6glichst viele Anlagen ansehen, um der f\u00fcr den Betrieb optimalen Auslegung und Bauweise m\u00f6glichst nahe zu kommen.<\/p>\n<p>In der Diskussion, geleitet von Nuse Lack, Fachberaterin f\u00fcr Biogas bei der FNR, wurden u.a. die unterschiedlichen Gasausbeuten und Methangehalte diskutiert, die bei falschen Annahmen zu erheblichen Fehleinsch\u00e4tzungen der Wirtschaftlichkeit f\u00fchren k\u00f6nnen. So wurde deutlich darauf hingewiesen, dass Futteranalysen wohl Hilfsmittel sein k\u00f6nnen, aber h\u00e4ufig nicht ausreichen. Bei Substraten, f\u00fcr die aus der Praxis keine gesicherten Ergebnisse vorliegen, sollten m\u00f6gliche Gasausbeuten durch G\u00e4rtests ermittelt werden.<\/p>\n<p>Tenor der Veranstaltung:\u00a0&#8220;Es gibt noch viel zu tun!&#8221; So wurde u.a. die Gaseinspeisung ins \u00f6ffentliche Erdgasnetz als Herausforderung f\u00fcr die Zukunft formuliert. Hier ist eine Vorrangregelung mit einem Einspeisegesetz erforderlich, damit wie beim Strom entsprechende Mindestpreise gezahlt werden.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biogas-fachtagung-auf-der-gruenen-woche-in-berlin-fnr-und-fachverband-biogas-informieren-ueber-energiepflanzenvergaerung\/\" >2004-11-20<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Mit der Verabschiedung der Novelle des &#8220;Erneuerbare Energien Gesetzes&#8221; (EEG) Mitte letzten Jahres brach ein regelrechter Biogasboom los. 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