{"id":80057,"date":"2020-10-16T07:26:14","date_gmt":"2020-10-16T05:26:14","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=80057"},"modified":"2020-10-13T11:42:02","modified_gmt":"2020-10-13T09:42:02","slug":"kohlenstoffspeicher-aus-dem-labor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kohlenstoffspeicher-aus-dem-labor\/","title":{"rendered":"Kohlenstoffspeicher aus dem Labor"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_80052\" aria-describedby=\"caption-attachment-80052\" style=\"width: 168px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  wp-image-80052\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Bildschirmfoto-2020-10-13-um-11.22.26.png\" alt=\"Bildschirmfoto 2020-10-13 um 11.22.26\" width=\"168\" height=\"112\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-80052\" class=\"wp-caption-text\">Ein Laborstamm des Torfmooses Sphagnum centrale w\u00e4chst auf festem Medium. (Foto: Melanie Heck)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Mit ihren zahlreichen Torfmoosarten haben Moore etwa 30 Prozent des weltweit im Boden gespeicherten Kohlenstoffs gebunden. Damit steckt in ihnen etwa doppelt so viel Kohlenstoff wie in allen W\u00e4ldern der Erde zusammen. Sowohl Torfabbau als auch der Klimawandel bedrohen diese langfristigen Kohlenstoffspeicher, f\u00fcr den gro\u00dffl\u00e4chigen Anbau von Torfmoosen fehlt es derzeit an Saatgut. Zusammen mit Forschenden der Universit\u00e4t Greifswald ist es einem Team um den Biotechnologen Prof. Dr. Ralf Reski von der Fakult\u00e4t f\u00fcr Biologie der Universit\u00e4t Freiburg gelungen, die weltweit gr\u00f6\u00dfte Laborsammlung an Moosarten der Gattung <em>Sphagnum<\/em> zu erstellen. Damit schaffen sie eine Grundlage, um Torfmoose nachhaltig und wirtschaftlich zu vermehren. <a href=\"https:\/\/nph.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/abs\/10.1111\/nph.16922\" target=\"_blank\">Ihre Ergebnisse<\/a> haben sie in der Fachzeitschrift <em>New Phytologist<\/em> ver\u00f6ffentlicht. Erstautorin ist die Doktorandin Melanie Heck.<\/strong><\/p>\n<p>In dem Projekt \u201eMOOSzucht\u201c sammelten die Forschenden Sporophyten, die Sporen bildende Generation von Moosen, von 19 <em>Sphagnum<\/em>-Arten aus \u00d6sterreich, Deutschland, Lettland, Russland, Schweden und den Niederlanden. Am 2010 gegr\u00fcndeten Ressourcenzentrum <a href=\"https:\/\/www.moss-stock-center.org\/\" target=\"_blank\">\u201eInternational Moss Stock Center\u201c (IMSC)<\/a> der Universit\u00e4t Freiburg lagern sie damit nun die gr\u00f6\u00dfte Sammlung von <em>Sphagnum<\/em>-Kulturen weltweit. Im Labor erstellten sie aus den Sporen der Torfmoose Reinkulturen, die durch keine Bakterien,\u00ad Pilze,\u00ad Algen oder\u00ad dergleichen verunreinigt sind. Manche der Arten vermehren sich im Labor 50- bis 100-mal schneller als im Moor. Ihr Wachstum ma\u00dfen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in fl\u00fcssigen N\u00e4hrmedien, so genannten Suspensionskulturen. Au\u00dferdem bestimmten sie, wie viele Chromosomens\u00e4tze die Zellkerne der Kulturen aufwiesen und verglichen sie mit der Genomgr\u00f6\u00dfe des bereits etablierten Modellmooses <em>Physcomitrella patens<\/em>. Dabei identifizierten die Forschenden haploide sowie diploide <em>Sphagnum<\/em>-Arten, also solche mit einem einfachen beziehungsweise einem doppelten Chromosomensatz. Einen Zusammenhang zum Wachstum der Moose konnten sie nicht nachweisen, so dass die Frage offenbleibt, warum es in der Natur auch diploide Moose gibt.<\/p>\n<p>In gro\u00dfen Mengen wird Torf f\u00fcr den Anbau von Gem\u00fcse und Zierpflanzen im Gew\u00e4chshaus, aber auch f\u00fcr den heimischen Garten abgebaut. Im Rahmen des Klimawandels auftretende, anhaltende D\u00fcrreperioden und erh\u00f6hte Temperaturen f\u00fchren dazu, dass Torfmoose schlechter wachsen, schneller zerfallen und weniger Kohlenstoff binden. Die Freiburger Wissenschaftler wollen den dringend ben\u00f6tigten Torf durch erneuerbare Biomasse ersetzen. Gro\u00dfe Mengen des daf\u00fcr ben\u00f6tigten Saatguts k\u00f6nnen sie jedoch nur in Bioreaktoren herstellen. Die Laborst\u00e4mme der Torfmoose verteilen Reski und sein Team vom IMSC aus an Forschungseinrichtungen und Unternehmen im Bereich der biologischen Grundlagenforschung, der Biotechnologie und der nachhaltigen Torfwirtschaft.<\/p>\n<p>Reski forscht mit seiner Arbeitsgruppe Pflanzenbiotechnologie von 2017 bis Mai 2021 in dem vom Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) gef\u00f6rderten Projekt \u201eMOOSzucht\u201c, an dem zwei Gruppen der Universit\u00e4t Greifswald, das Karlsruher Institut\u00ad f\u00fcr\u00ad Technologie (KIT) und das Unternehmen Nieders\u00e4chsische Rasenkulturen NIRA\u00ad beteiligt\u00ad sind. Reski ist Gr\u00fcndungsmitglied der Freiburger Exzellenzcluster CIBSS \u2013 \u00a0Centre for Integrative Biological Signalling Studies und livMatS \u2013 Living, Adaptive and Energy-autonomous Materials Systems.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Originalpublikation<\/h3>\n<p>Heck, M., L\u00fcth, V.M., van Gessel, N., Krebs, M., Kohl, M., Prager, A., Joosten, H., Decker, E. L., Reski, R. (2020): <a href=\"https:\/\/nph.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/abs\/10.1111\/nph.16922\" target=\"_blank\">Axenic <em>in-vitro<\/em> cultivation of 19 peat-moss <em>(Sphagnum L.)<\/em> species as a resource for basic biology, biotechnology and paludiculture<\/a>. In: <em>New Phytologist<\/em>. DOI: 10.1111\/nph.16922<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit ihren zahlreichen Torfmoosarten haben Moore etwa 30 Prozent des weltweit im Boden gespeicherten Kohlenstoffs gebunden. Damit steckt in ihnen etwa doppelt so viel Kohlenstoff wie in allen W\u00e4ldern der Erde zusammen. 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