{"id":80019,"date":"2020-10-15T07:26:00","date_gmt":"2020-10-15T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=80019"},"modified":"2020-10-12T12:28:46","modified_gmt":"2020-10-12T10:28:46","slug":"shell-bp-total-das-ende-des-oelzeitalters-naht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/shell-bp-total-das-ende-des-oelzeitalters-naht\/","title":{"rendered":"Shell, BP, Total: Das Ende des \u00d6lzeitalters naht"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr Shell-Vorstand Huibert Vigeveno steht das \u00d6lzeitalter kurz vor seinem Ende. \u201eWir haben bereits vor drei Jahren gesagt, dass die Nachfrage nach \u00d6l in diesem Jahrzehnt ihren H\u00f6hepunkt erreichen k\u00f6nnte\u201c, sagt Vigeveno im Interview mit dem Handelsblatt. \u00d6l und Gas werden in Zukunft durch Wind, Solar und Wasserstoff ersetzt. Zwar seien unterschiedliche L\u00e4nder an unterschiedlichen Punkten dieses Prozesses. Aber \u201edie Bedeutung des \u00d6l- und Gassektors wird weltweit abnehmen, und andere Energieformen werden sie ersetzen\u201c.<\/p>\n<p>Die Entwicklung ist eine historische Z\u00e4sur. Denn die sinkende Nachfrage, die ohnehin niedrigen Preise und der Aufstieg erneuerbarer Energien ver\u00e4ndern die gesamte Branche. Shell-Konkurrent BP sieht das Ende des \u00d6lbooms sogar schon erreicht. In seinem aktuellen Energy Outlook warnt der britische Konzern, dass die Nachfrage absolut gesehen sogar sinken k\u00f6nnte. Deshalb bauen die \u00d6lmultis ihr Gesch\u00e4ftsmodell um: Sie streichen Tausende Stellen und investieren Milliarden in erneuerbare Energien.<\/p>\n<p>F\u00fcr die neue Zeit stellt auch Shell sein Gesch\u00e4ft neu auf. Erst vor wenigen Tagen k\u00fcndigte der britisch-niederl\u00e4ndische Konzern den Abbau von bis zu 9000 Jobs an. Gleichzeitig sollen bei der F\u00f6rderung und Produktion von \u00d6l und Gas die Kosten gesenkt werden. Das Geld soll stattdessen in den Ausbau des Gesch\u00e4fts mit erneuerbaren Energien und Strom investiert werden. \u201eWir m\u00fcssen sukzessive neue Gesch\u00e4ftsmodelle entwickeln und kosteneffizienter werden\u201c, erkl\u00e4rt Vigeveno die Neuausrichtung des Milliardenkonzerns.<\/p>\n<p>Es scheint, als wollten sich die \u00d6lkonzerne in Sachen Nachhaltigkeit gegenseitig \u00fcbertrumpfen. Erst verk\u00fcndete der britische BP-Konzern das Ende des \u00d6lbooms. Dann legte Konkurrent Shell nach und beschloss, deutlich weniger Geld in die F\u00f6rderung und Produktion von \u00d6l und Gas zu stecken und stattdessen mehr in erneuerbare Energien zu investieren.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich steht die Branche, die seit Jahrzehnten zu den m\u00e4chtigsten und reichsten der Welt geh\u00f6rt, vor ihrer gr\u00f6\u00dften Herausforderung: Die fossilen Energieriesen m\u00fcssen die Wende hin zu den Erneuerbaren schaffen, wenn sie nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken wollen.<\/p>\n<p>\u201eIn den letzten Jahren wurde immer deutlicher, dass das alte Gesch\u00e4ftsmodell der \u00d6lkonzerne nicht mehr funktioniert. Jetzt versuchen sie, sich breiter aufzustellen\u201c, erkl\u00e4rt \u00d6lexperte Paul Stevens vom Oxford Institute for Energy Studies in England im Gespr\u00e4ch mit dem Handelsblatt. Dabei sieht der \u00d6konom nur ein Problem: \u201eDie Rendite, die die Unternehmen mit dem Gesch\u00e4ft mit \u00d6l und Gas gemacht haben, werden sie mit den Erneuerbaren nicht erreichen.\u201c Dass die \u00d6lkonzerne den Wandel in alter Gr\u00f6\u00dfe \u00fcberstehen, h\u00e4lt Stevens deswegen f\u00fcr ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Die Coronakrise versch\u00e4rft die hausgemachten Probleme<br \/>\nNiedrige Rohstoffpreise und der Druck, st\u00e4rker auf erneuerbare Energien zu setzen, belasteten die Branche schon lange vor der Coronakrise. Unternehmen wie Saudi Aramco, Exxon Mobil, Chevron, Shell oder BP f\u00f6rdern mehr \u00d6l und Gas, als auf der Welt verbraucht wird.<\/p>\n<p>Hinzu kam ein Streit zwischen den beiden \u00d6lf\u00f6rdergiganten Nordamerika und Saudi-Arabien. In der Folge brachen die \u00d6lpreise ein. Im April rutschte der Preis f\u00fcr ein Barrel der US-Sorte WTI sogar kurzzeitig ins Minus. Zwar haben sich die Preise mittlerweile bei knapp 40 Dollar je Barrel eingependelt. Die Zeiten der gro\u00dfen Gewinne sind aber erst einmal vorbei.<\/p>\n<p>Durch die Coronakrise versch\u00e4rfen sich die hausgemachten Probleme und stellen \u201eBig Oil\u201c auf den Pr\u00fcfstand. Das Gesch\u00e4ftsmodell der \u00d6lkonzerne fiel mit dem Einbruch der Nachfrage \u00fcber Nacht in sich zusammen. Im zweiten Quartal verbuchten die f\u00fcnf gr\u00f6\u00dften b\u00f6rsennotierten \u00d6lkonzerne teilweise Verluste im zweistelligen Milliardenbereich.<\/p>\n<p>Mittlerweile sind sich die \u00d6lmultis einig, dass die Pandemie das schleichende Ende der eigenen \u00c4ra deutlich schneller bringen k\u00f6nnte als gedacht. Experten gingen bislang von einer stetig steigenden Nachfrage nach dem schwarzen Rohstoff bis mindestens zum Jahr 2035 aus, manche sogar bis 2040. Die globale Pandemie und ihre Folgen k\u00f6nnten den \u00d6l-Boom laut der franz\u00f6sischen Total nun aber um mehr als zehn Jahre fr\u00fcher beenden.<\/p>\n<p>Der Londoner \u00d6lriese BP geht in seinem neuesten Energy Outlook sogar davon aus, dass die Hochphase des \u00d6lbooms schon l\u00e4ngst \u00fcberschritten sein k\u00f6nnte. \u201eIn der modernen Energiegeschichte gab es noch nie einen absoluten Nachfrager\u00fcckgang der fossilen Rohstoffe. Das \u00e4ndert sich jetzt\u201c, verk\u00fcndete BP-Chef\u00f6konom Spencer Dale mit achtungsheischender Miene bei der Vorstellung der Studie. Jetzt beginne das Zeitalter der Erneuerbaren.<\/p>\n<p>Und zumindest die europ\u00e4ischen Granden der fossilen Industrie sehen sich gezwungen, die Flucht nach vorn anzutreten. W\u00e4hrend US-Rivalen wie Exxon Mobil und Chevron weiter auf fossile Energien wetten, geben sich Shell, BP, Total, Equinor und Eni gel\u00e4utert, stellen Klimaziele auf und wollen mehr Geld in den Ausbau von Erneuerbaren stecken. Der Ernst der Lage scheint den meisten klar. \u201eDas ist kein Greenwashing mehr. Die Konzerne richten ihr Kerngesch\u00e4ft neu aus\u201c, sieht auch Experte Stevens.<\/p>\n<p>BP und Total haben ambitionierte Ziele<br \/>\nDie radikalsten Ziele hat sich \u00fcberraschenderweise der ewige Nachz\u00fcgler BP gesteckt. Bis 2030 sollen die Investitionen in erneuerbare Energien schrittweise auf f\u00fcnf Milliarden Dollar pro Jahr wachsen. So will BP innerhalb der n\u00e4chsten zehn Jahre 50 Gigawatt gr\u00fcnen Strom produzieren und gleichzeitig seine \u00d6l- und Gasproduktion um 40 Prozent senken.<\/p>\n<p>Bis 2030 sollen 25 Milliarden Dollar an fossilen Projekten abgeschrieben werden. Und auch Shell zieht das Tempo an und macht Deutschland zu einer Art Testobjekt f\u00fcr den Umbau des globalen Milliardenkonzerns. Mehr Wasserstoff, mehr Windenergie und mehr Lades\u00e4ulen. \u201e2050 werden wir hier in Deutschland keine fossilen fl\u00fcssigen Brennstoffe mehr verkaufen\u201c,\u00a0k\u00fcndigte Shell-Deutschlandchef Fabian Ziegler an.<\/p>\n<p>Vorreiter unter den \u00d6lkonzernen d\u00fcrfte allerdings die franz\u00f6sische Total sein. Der Pariser \u00d6lmulti investiert schon l\u00e4nger kr\u00e4ftig in wichtige Zukunftsm\u00e4rkte wie Solar, Wind, E-Mobilit\u00e4t oder Wasserstoff und plant, bis 2025 mehr als 25 Gigawatt Bruttoerzeugungskapazit\u00e4t f\u00fcr erneuerbare Energien zu haben. Au\u00dferdem kamen Zuk\u00e4ufe im Stromsektor in Spanien, Indien und Katar hinzu sowie ein erstes Investment im Bereich Offshore-Wind in der Nordsee.<\/p>\n<p>Vielen Klimasch\u00fctzern und aktivistischen Investoren reichen die Ank\u00fcndigungen der \u00d6lmultis jedoch nicht. Denn die \u00d6l- und Gasf\u00f6rderung soll trotzdem weiterlaufen. Und ob sich so das Erbe von Big Oil retten l\u00e4sst, ist ebenfalls nicht gesagt. \u201eWir werden auch weiterhin \u00d6l brauchen\u201c, stellt Stevens zwar klar. Aber eine R\u00fcckkehr zu den goldenen Zeiten werde es f\u00fcr die \u00d6lindustrie nicht geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr Shell-Vorstand Huibert Vigeveno steht das \u00d6lzeitalter kurz vor seinem Ende. \u201eWir haben bereits vor drei Jahren gesagt, dass die Nachfrage nach \u00d6l in diesem Jahrzehnt ihren H\u00f6hepunkt erreichen k\u00f6nnte\u201c, sagt Vigeveno im Interview mit dem Handelsblatt. \u00d6l und Gas werden in Zukunft durch Wind, Solar und Wasserstoff ersetzt. 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