{"id":79498,"date":"2020-10-06T07:26:55","date_gmt":"2020-10-06T05:26:55","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=79498"},"modified":"2020-10-01T12:51:47","modified_gmt":"2020-10-01T10:51:47","slug":"dieser-sarg-lebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/dieser-sarg-lebt\/","title":{"rendered":"Dieser Sarg lebt"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr Bob Hendrikx beginnt Umweltschutz schon bei etwas ganz Grundlegendem: &#8220;Normalerweise nehmen wir Menschen etwas aus der Natur, t\u00f6ten es und verwenden es dann.&#8221; Der Niederl\u00e4nder m\u00f6chte das mit seinem Biotech-Unternehmen Loop \u00e4ndern.<\/p>\n<p>&#8220;Also habe ich mir gedacht: Wie w\u00e4re es, wenn wir mit lebendigen Materialien arbeiten? Wir w\u00e4ren weniger parasit\u00e4r und k\u00f6nnten auch supercoole Materialien erkunden wie lebendige Lichter und selbstheilende W\u00e4nde.&#8221;<\/p>\n<p>Das erste Produkt von Loop ist ein Sarg. Der &#8220;Living Cocoon&#8221; besteht aus Pilzen, Mikroben und Wurzeln und ist nat\u00fcrlich biologisch abbaubar. Er soll nicht nur die Verwesung der Leichen beschleunigen, sondern auch die Erde anreichern.<\/p>\n<p>Die Idee f\u00fcr den lebendigen Sarg kam Hendrikx, als er vergangenes Jahr bei der Dutch Design Week ein Konzept f\u00fcr ein lebendiges Haus f\u00fcr Lebende vorstellte. Am Ende entstand daraus ein lebendiger Sarg f\u00fcr Tote aus Myzellen, den fadenf\u00f6rmigen, vegetativen Zellen von Pilzen.<\/p>\n<p>&#8220;Myzel, das Pilzgeflecht, ist der gr\u00f6\u00dfte Recycler der Natur&#8221;, sagt Hendrikx. &#8220;Es sucht kontinuierlich nach toter organischer Materie, um sie in N\u00e4hrstoffe zu verwandeln.&#8221;<\/p>\n<p>Entwickelt hat Loop den Sarg zusammen mit der Technischen Universit\u00e4t Delft und dem Naturalis Biodiversity Center. Am Boden des Living Cocoon befindet sich ein Moosbett vollgepackt mit Myzellen, Wurzeln und zahlreichen Mikroorganismen. In den Niederlanden ist er bereits auf dem Markt und wurde bei einer Beerdigung in den Den Haag verwendet.<\/p>\n<p>Erste Tests hatten ergeben, dass sich der Sarg innerhalb von 30 bis 45 Tagen in der Erde aufl\u00f6st. Der Leichnam sollte laut Loop nach drei Jahren kompostiert sein. Da Pilze kontaminierte Erde reinigen, sehen Forschende in den S\u00e4rgen dazu noch eine gute M\u00f6glichkeit, verschmutzte B\u00f6den wiederherzustellen.<\/p>\n<p>&#8220;Wir haben den Traum von einem neuen, nat\u00fcrlichen Bestattungskonzept, bei dem wir in verschiedene St\u00e4dte fahren, nach den am meisten verschmutzten B\u00f6den suchen und anfangen, sie zu reinigen&#8221;, sagt Hendrikx.<\/p>\n<p>&#8220;Das Produkt ist bereits auf dem Markt. Jetzt wollen wir wissen, wie lange der Zersetzungsprozess genau dauert, wie die Zersetzungsphase aussieht und \u2013 das ist extrem wichtig \u2013 welche Chemikalien in welcher Menge absorbiert werden&#8221;, so Hendrikx.<\/p>\n<p>Bislang werden S\u00e4rge und Leichname mit Chemikalien behandelt, die mit der Zeit in den Boden gelangen und potenziell das Grundwasser verschmutzen. Der Living Cocoon soll helfen, die Umweltbelastung durch Bestattungen zu reduzieren.<\/p>\n<p>Umweltfreundliche Beerdigungen sind keineswegs ein neues Ph\u00e4nomen. Indigene Kulturen auf der ganzen Welt praktizieren sie seit Tausenden Jahren. In Zentralasien, insbesondere im Himalaya-Gebirge, gibt es bis heute vereinzelt Himmelsbestattungen. Dabei werden die Toten auf einer offenen Fl\u00e4che abgelegt, wo sie von V\u00f6geln und anderen Tieren verspeist werden.<\/p>\n<p>Aber auch im Westen w\u00e4chst das Interesse an naturbelassenen, metallfreien S\u00e4rgen oder neuartigen Technologien wie der &#8220;Wasserkremation&#8221;. Dabei werden Leichen in Wasser und Natriumhydroxid aufgel\u00f6st. Die Fl\u00fcssigkeit kann anschlie\u00dfend gefiltert ins Abwasser geleitet werden, \u00fcbrig bleibt wie bei einer \u00fcblichen Ein\u00e4scherung ein H\u00e4uflein Asche, das dann bestattet werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr Bob Hendrikx beginnt Umweltschutz schon bei etwas ganz Grundlegendem: &#8220;Normalerweise nehmen wir Menschen etwas aus der Natur, t\u00f6ten es und verwenden es dann.&#8221; Der Niederl\u00e4nder m\u00f6chte das mit seinem Biotech-Unternehmen Loop \u00e4ndern. &#8220;Also habe ich mir gedacht: Wie w\u00e4re es, wenn wir mit lebendigen Materialien arbeiten? 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