{"id":79251,"date":"2020-09-30T07:26:26","date_gmt":"2020-09-30T05:26:26","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=79251"},"modified":"2021-09-09T19:19:36","modified_gmt":"2021-09-09T17:19:36","slug":"neues-recyclingverfahren-fuer-gebrauchte-windeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/neues-recyclingverfahren-fuer-gebrauchte-windeln\/","title":{"rendered":"Neues Recyclingverfahren f\u00fcr gebrauchte Windeln"},"content":{"rendered":"<p>Windeln haben eine kurze Funktionszeit: F\u00fcnf bis siebenmal am Tag werden sie gewechselt und landen anschlie\u00dfend im M\u00fcll. Wertvolle, wiederverwertbare Ressourcen gehen damit unwiederbringlich verloren anstatt sie wiederzuverwerten. Forscher des Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) suchten daher nach einem Weg, den M\u00fcllberg zu verkleinern und aus dem Abfall wichtige Rohstoffe f\u00fcr die Industrie zur\u00fcckzugewinnen.<\/p>\n<p>Die rund 20 Milliarden Einwegwindeln, die j\u00e4hrlich alleine in der EU produziert werden, bestehen aus mehreren unterschiedlichen Schichten aus Polyethylen-, Polypropylen sowie Cellulose- und saugstarken Kunststofffasern. Letztere sind haupts\u00e4chlich aus einem k\u00f6rnigem chemischen Verbundstoff (Natriumpolyacrylat) gefertigt, der das Hundertfache der Masse einer Windel absorbieren bzw. aufnehmen kann. Alle diese Materialien gelten als wertvolle, wieder verwendbare Ressourcen.<\/p>\n<p>Die Forscher setzen auf einen biotechnologischen Ansatz im Recycling des Windelm\u00fclls: Im Zentrum steht der Einsatz von speziellen Enzymen. Sie werden als Biokatalysatoren verwendet, die biologische und chemische Prozesse steuern und in Gang bringen. &#8220;Die Enzyme die wir einsetzen &#8211; das sind unter anderem Cellulasen &#8211; sind in der Lage, die Windelfasern zu trennen und zu recyceln, woraufhin Cellulosefasern zum Grundstoff Glukose abgebaut und folglich als N\u00e4hrstoffquelle fermentativ genutzt werden k\u00f6nnen&#8221;, erkl\u00e4rte acib-Wissenschafterin Sara Vecchiato vom Institut f\u00fcr Umweltbiotechnologie am IFA Tulln der BOKU Wien.<\/p>\n<p>Die enzymatischen Abbauprodukte sind wertvolle Grundbausteine f\u00fcr chemische Verfahren oder der Herstellung von Bioethanol und neuen Polymeren. Der Vorteil der Technologie sei laut den Forschern, dass sie einfach und in reiner Form r\u00fcckgewonnen werden k\u00f6nnen. Zudem k\u00f6nne Erd\u00f6l eingespart werden, das nach wie vor als Grundbaustein f\u00fcr die in Windeln verarbeiteten Polymere herangezogen wird.<\/p>\n<p>&#8220;Anders als bei der thermischen Verwertung des Windelm\u00fclls entsteht beim acib-Verfahren au\u00dferdem kein CO2. W\u00e4hrend des gesamten Prozesses ben\u00f6tigen wir auch keinerlei gef\u00e4hrliche Chemikalien. Das Recyclingverfahren findet bei Raumtemperatur statt, ben\u00f6tigt keine aufw\u00e4ndige und kostspielige Infrastruktur und stellt damit eine umweltfreundliche Ma\u00dfnahme dar, die Effekte des Klimawandels einzubremsen&#8221;, hob Vecchiato die Vorteile hervor.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Laborma\u00dfstab gebe es schon vielversprechende Ergebnisse. Nun wird das enzymatische Verfahren zu einem industrietauglichen Prozess weiterentwickelt, wie Matthias Slatner vom acib in Tulln erkl\u00e4rte. &#8220;Wir gehen davon aus, dass etwa drei Jahre an weiteren Forschungs- und Entwicklungst\u00e4tigkeiten im Labor n\u00f6tig sein werden, bis wir so weit sind&#8221;, sch\u00e4tzte Vecchiato den weiteren Handlungsbedarf ein. Die Forscher sind auf der Suche nach einem Wirtschaftspartner f\u00fcr die Umsetzung des Verfahrens.<\/p>\n<p>Das im Jahr 2010 in Graz gegr\u00fcndete Austrian Centre of Industrial Biotechnology &#8211; acib GmbH &#8211; b\u00fcndelt als \u00f6sterreichisches K2-Zentrum f\u00fcr industrielle Biotechnologie die Kompetenz zahlreicher \u00f6sterreichischer Universit\u00e4ten und Forschungseinrichtungen sowie Industriepartner. Es hat sich u.a. darauf spezialisiert, traditionelle chemische Verfahren f\u00fcr die Biotech-, Pharma- und chemische Industrie durch neue, umweltfreundlichere und \u00f6konomische Prozesse zu ersetzen, in dem es sich Methoden der Natur zum Vorbild nimmt. Speziell sucht man nach Wegen, mithilfe von &#8220;biokatalytischer Synthese&#8221; die Prozesse zu vereinfachen und umweltschonender zu gestalten.<\/p>\n<p>Am acib arbeiten derzeit rund 250 Besch\u00e4ftigte an mehr als 175 Forschungsprojekten. Eigent\u00fcmer sind die Universit\u00e4ten Innsbruck und Graz, die TU Graz, die Wiener Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur sowie die steirische Joanneum Research. Gef\u00f6rdert wird das K2-Zentrum im Rahmen von COMET &#8211; Competence Centers for Excellent Technologies.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Windeln haben eine kurze Funktionszeit: F\u00fcnf bis siebenmal am Tag werden sie gewechselt und landen anschlie\u00dfend im M\u00fcll. 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