{"id":7907,"date":"2005-03-04T00:00:00","date_gmt":"2005-03-03T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20050304-12n"},"modified":"2005-03-04T00:00:00","modified_gmt":"2005-03-03T22:00:00","slug":"der-leinenmarkt-in-deutschland-eine-einfache-abschaetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/der-leinenmarkt-in-deutschland-eine-einfache-abschaetzung\/","title":{"rendered":"Der Leinenmarkt in Deutschland &#8211; eine einfache Absch\u00e4tzung"},"content":{"rendered":"<p>Immer wieder wird aus Gespr\u00e4chen und Ver\u00f6ffentlichungen deutlich, dass die Auffassungen \u00fcber die aktuelle wirtschaftliche Bedeutung von Flachs und Leinen bzw. deren Potenzial au\u00dferordentlich weit auseinander gehen und h\u00e4ufig eher irrationalen Glaubenss\u00e4tzen denn fundierten Erhebungen gleichen. <\/p>\n<p>Ein Grund daf\u00fcr ist der von seinen Strukturen, Rythmen und Produktgruppen au\u00dferordentlich komplizierte Marktaufbau von Flachs bzw. Leinen sowie die, sofern \u00fcberhaupt vorhanden, sehr heterogenen statistischen Daten und deren national sehr individuelle Kategorisierung. Hinzu kommen mengenm\u00e4\u00dfige j\u00e4hrliche Schwankungen im Leinenverbrauch, die leicht bei +\/- 50% liegen k\u00f6nnen. Zudem befinden sich aufgrund der langen Vorlaufzeiten gro\u00dfe Mengen an Leinenvorprodukten &#8211; oft von keiner gemeinsamen Statistik erfassbar &#8211; in den L\u00e4gern der Produzenten.<\/p>\n<p>Es gibt nun eine Reihe sehr aufw\u00e4ndiger Rechnungen, um die globalen Warenstr\u00f6me in ihrer stufenweisen Wertsteigerung und zeitlichen Abfolge abzubilden und zu bewerten. Um sich jedoch lediglich ein Bild von den Dimensionen des inl\u00e4ndischen Leinenmarktes zu machen, reicht eine einfache Absch\u00e4tzung auf Basis des j\u00e4hrlichen Textilverbrauchs sicherlich aus: <\/p>\n<p>Unter den Naturfasern nimmt Flachs in den letzten Jahren mit Werten von etwa 0,3 Mio t bis 0,5 Mio t Jahresproduktion (f\u00fcr textile Zwecke) innerhalb der Naturfasern (ca. 26 Mio t) nach Baumwolle und Wolle die mengenm\u00e4\u00dfig drittwichtigste Stellung &#8211; weit vor Seide oder Hanf &#8211; ein. Daraus ergibt sich ein Leinenanteil an allen textilen Fasern von etwa 0,8%. <\/p>\n<p>Unterstellt man, dass die rohstoffspezifische Zusammensetzung der Welttextilproduktion hierzulande aliquot abgebildet w\u00fcrde, so ergibt sich bei einem j\u00e4hrlichen Pro-Kopf-Verbrauch von mehr als 20 kg p.a. ein entsprechender Flachsverbrauch von etwa 160 g p.a. (entsprechend 1 Leinengeschirrtuch oder einem 1\/2 Leinenhemd oder 1\/3 Leinenkleid je Kopf) mithin etwa 13.000 t p.a. In Jahren mit starkem Leinenangebot kann dieser Wert leicht auf 20.000 t p.a. steigen.<\/p>\n<p>Da Leinenartikel immer hochpreisiger sind als Baumwoll- oder Synthetikprodukte, muss auf der Umsatzseite ein Faktor eingef\u00fchrt werden, der diesen Preisunterschied ber\u00fccksichtigt: kumuliert man diese &#8220;Premiumzuschl\u00e4ge\u201d \u00fcber die verschiedenen Produktionsstufen, so erh\u00e4lt man selbst bei sehr konservativer Betrachtung einen relativen Mehrpreis von 80% bis 100% im Vergleich zu funktional gleichen, hinsichtlich Zusammensetzung jedoch alternativen Produkten.<\/p>\n<p>Unterstellt man, dass einschlie\u00dflich staatlichem bzw. \u00f6ffentlichen Verbrauch etwa 70 Mrd. Euro p.a. f\u00fcr Textilien in jedweder Form ausgegeben werden, so w\u00fcrde allein bei einer aliquoten Ber\u00fccksichtigung von Leinen (d.h. 0,8% der Gesamtmenge) ein inl\u00e4ndischer Verkaufswert von 560 Mio Euro resultieren. Nimmt man den h\u00f6heren Preis je Gewichtseinheit hinzu, so kommt man zu einem Verkaufswert von etwa 1 Mrd. Euro im Jahr. Dies entspricht etwa dem Zweifachen des inl\u00e4ndischen Biodieselumsatzes oder dem Wert von mehr als 1 Mio. ha Weizen; durchaus also sowohl gesamtwirtschaftlich als auch landwirtschaftlich\/industriell interessante Dimensionen.<\/p>\n<p>Allerdings wird von diesem gewaltigen Umsatz nur ein Bruchteil von im Inland versteuernden Unternehmen generiert. Wesentlich sind hier der Handel sowie die passive Lohnveredelung. Aufgrund der Auslagerung des Gro\u00dfteils textiler Aktivit\u00e4ten in Niedriglohnl\u00e4nder tragen inl\u00e4ndische Spinnereien, Webereien oder F\u00e4rberei nur in geringem Umfang zu dem Umsatz bei. <\/p>\n<p>Die inl\u00e4ndische Rohstoffproduktion liegt gerade mal bei 1-2% der verkauften Menge. Dies hat zwar auch mit dem hohen Kostenniveau in Deutschland zu tun, ist aber besonders den ung\u00fcnstigen Erntebedingungen hierzulande geschuldet. Die westeurop\u00e4ischen Nachbarn Belgien und Frankreich dominieren bei zumindest vergleichbaren Kosten den Weltmarkt absolut hinsichtlich Qualit\u00e4tsflachs und liefern rein zahlenm\u00e4\u00dfig mehr als die H\u00e4lfte des deutschen Leinenverbrauchs in Gestalt der Rohstoffe an die Produktionsvorstufen in alle Welt. <\/p>\n<p>Dies entspricht einer Anbaufl\u00e4che von etwa 10.000 ha bis 20.000 ha und einer nachgeschalteten Erstaufbereitungsstufe mit einem Umsatz von etwa 30 bis 60 Mio \u20ac. Grunds\u00e4tzlich ist die Qualit\u00e4t des Aufwuchses in Deutschland von Boden und Klima bedingt absolute Weltspitze, es hapert lediglich an der Ernte &#8211; zumindest beim gegenw\u00e4rtig praktizierten Taur\u00f6stverfahren &#8211; irgendwie schade.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder wird aus Gespr&auml;chen und Ver&ouml;ffentlichungen deutlich, dass die Auffassungen &uuml;ber die aktuelle wirtschaftliche Bedeutung von Flachs und Leinen bzw. deren Potenzial au&szlig;erordentlich weit<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[],"class_list":["post-7907","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7907","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7907"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7907\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7907"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7907"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7907"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=7907"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}