{"id":78967,"date":"2020-09-22T07:26:10","date_gmt":"2020-09-22T05:26:10","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=78967"},"modified":"2020-09-17T13:33:25","modified_gmt":"2020-09-17T11:33:25","slug":"carl-zeiss-foerderung-baumaterialien-wie-insektenpanzer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/carl-zeiss-foerderung-baumaterialien-wie-insektenpanzer\/","title":{"rendered":"Carl-Zeiss-F\u00f6rderung: Baumaterialien wie Insektenpanzer"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_78976\" aria-describedby=\"caption-attachment-78976\" style=\"width: 170px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-78976 \" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Bild2.jpg\" alt=\"Bild2\" width=\"170\" height=\"170\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/09\/Bild2.jpg 220w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/09\/Bild2-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 170px) 100vw, 170px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-78976\" class=\"wp-caption-text\">Bild: Universit\u00e4t Stuttgart\/Dahy]<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Chitin ist Hauptbestandteil des Exoskeletts von Insekten, Spinnen- und Krebstieren und sorgt zum Beispiel bei einem Insektenpanzer daf\u00fcr, dass dieser robust und zugleich biegsam ist. Eine Forschungsgruppe um Prof. Sabine Laschat an der Universit\u00e4t Stuttgart m\u00f6chte aus Chitin und seinen Derivaten in einem wasser-basierten Prozess Werkstoffe entwickeln, die f\u00fcr Spezialanwendungen im Bauwesen geeignet sind und dort den Energieverbrauch nachhaltig senken sollen. Die Carl-Zeiss-Stiftung f\u00f6rdert das Projekt im Rahmen ihrer F\u00f6rderlinie \u201ePerspektiven\u201c mit rund zwei Millionen Euro.<\/strong><\/p>\n<p>Das Polymer Chitin ist in der Natur weit verbreitet und besitzt faszinierende mechanische und optische Eigenschaften, die man gerne auch technisch nutzbar machen w\u00fcrde. Attraktiv w\u00e4ren Chitin-basierte Werkstoffe insbesondere deshalb, weil sie hydrophob sind und daher im Gegensatz zu Cellulose-basierten Materialien kein Wasser aufnehmen k\u00f6nnen, was sie resistent gegen Schimmel macht. Zudem werden sie durch chemische Modifikation feuerfest, sind mechanisch sehr robust und anders als synthetische Polymere kompostierbar.<\/p>\n<p>Die technische Nutzung von Chitin steht jedoch noch am Anfang, da das Polymer bisher nur unter Schwierigkeiten in einer L\u00f6sung modifiziert (prozessiert) werden kann. Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt \u201eChitinfluid \u2013 Chitin als Ressource f\u00fcr multifunktionale Werkstoffe via wasser-basierter komplexer Fluide\u201c das Ziel, eine einfache wasserbasierte Prozessierung von Chitin und seinen Derivaten zu intelligenten Werkstoffen zu entwickeln. Eingesetzt werden diese zun\u00e4chst in Spezialanwendungen im Bausektor, die den enormen Energie- und Ressourcenverbrauch sowie die hohen CO<sub>2<\/sub>-Emissionen in dieser Branche eind\u00e4mmen sollen. Dar\u00fcber hinaus sind Chitin-haltige Hybridwerkstoffe als photonische Materialien (z.B. als Ersatz von Effektpigmenten) oder bei Faserverbundwerkstoffen als Ersatz von Carbonfasern denkbar. Hiervon k\u00f6nnten die Automobilindustrie und viele andere Bereiche profitieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_78972\" aria-describedby=\"caption-attachment-78972\" style=\"width: 582px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-78972\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/53_2020-chitinfluide-herstellungsschema.jpg\" alt=\"53_2020-chitinfluide-herstellungsschema\" width=\"582\" height=\"249\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/09\/53_2020-chitinfluide-herstellungsschema.jpg 1000w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/09\/53_2020-chitinfluide-herstellungsschema-300x128.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/09\/53_2020-chitinfluide-herstellungsschema-600x257.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 582px) 100vw, 582px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-78972\" class=\"wp-caption-text\">Schematische Darstellung der Prozessierung von Chitin-Werkstoffen. Foto: Universit\u00e4t Stuttgart\/Institute<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Schrittweises Vorgehen<\/h3>\n<p>Eine zentrale Herausforderung f\u00fcr die technische Nutzung von Chitin ist dessen \u00dcberf\u00fchrung in eine auf der Nanoskala geordnete, aber fluide prozessierbare Form. Dies soll \u00fcber mehrere Schritte untersucht werden: Zun\u00e4chst wollen die Forschenden den Rohstoff Chitin mit Hilfe von Mikroorganismen \u201eumprogrammieren\u201c, damit modifizierte Zucker-Monomere in die wachsende Polymerkette eingebaut und ma\u00dfgeschneiderte Chitin-Copolymere mit ver\u00e4nderbaren strukturellen und mechanischen Eigenschaften erzeugt werden.<\/p>\n<p>Diese Chitin-Derivate sollen \u00fcber komplexe Fluide (kolloidaler Chitin-L\u00f6sungen, lyotrop fl\u00fcssigkristalline L\u00f6sungen oder Hydrogele) prozessierbar gemacht werden. Die dabei entstehenden komplexen Fluide sollen durch kontrollierten Wasserentzug, Mineralisation oder Treibmittel zu festen Sch\u00e4umen, Verbundwerkstoffen oder Beschichtungen verarbeitet werden, die einstellbare Biegesteifigkeiten aufweisen f\u00fcr die additive Fertigung geeignet sind. Schlie\u00dflich sollen erste Prototypen innovativer Baumaterialien und Komponenten entwickelt und Optimierungsregeln zum Beispiel f\u00fcr die akustische Absorption, W\u00e4rmed\u00e4mmung und Kompostierbarkeit definiert werden.<\/p>\n<h3>Sieben Wissenschaftler*innen aus sechs Instituten<\/h3>\n<p>Da diese Forschungsziele nur interdisziplin\u00e4r umgesetzt werden k\u00f6nnen, bringen gleich sieben Wissenschaftler*innen aus sechs Instituten der Universit\u00e4t Stuttgart ihre Kernkompetenzen in das Projekt ein:<\/p>\n<ul>\n<li>Prof. Sabine Laschat (Sprecherin, Institut f\u00fcr Organische Chemie): Chemoenzymatische Synthese organischer Funktionsmolek\u00fcle (ionische Fl\u00fcssigkristalle, Kohlenhydrate)<\/li>\n<li>Prof. Hanaa Dahy (Institut f\u00fcr Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen): Baumaterialien, Komponentenentwicklung, Nachhaltigkeit<\/li>\n<li>Prof. Harald Garrecht (Institut f\u00fcr Werkstoffe im Bauwesen &amp; Materialpr\u00fcfungsanstalt): Werkstoffe im Bauwesen, Spezialbetone<\/li>\n<li>Prof. Frank Giesselmann (Institut f\u00fcr Physikalische Chemie, IPC): Soft Matter, Lyotrope Fl\u00fcssigkristalle<\/li>\n<li>Apl. Prof.\u00a0Dr. Thomas Sottmann (IPC): Komplexe Fluide, Herstellung por\u00f6ser biobasierter Materialien.<\/li>\n<li>Dr. Linus Stegbauer (Institut f\u00fcr Grenzfl\u00e4chenverfahrenstechnik und Plasmatechnologie, IGVP): Chemie bioinspirierter Strukturmaterialien.<\/li>\n<li>Prof. Ingrid Weiss (Institut f\u00fcr Biomaterialien und biomolekulare Systeme): Chitin-Biosynthese &amp; Biomodifikation.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Charakterisierung und anwendungsorientierten Aspekte werden vom Forschungsverbund AMICA (Advanced Materials Innovation and Characterization), ein Zentrum f\u00fcr Multiskalen-Materialcharakterisierung und Visualisierung an der Universit\u00e4t Stuttgart, bearbeitet.<\/p>\n<p>Bei der aktuellen Ausschreibung der Carl-Zeiss-Stiftung haben in einem zweistufigen Gutachterverfahren vier Forschungsprojekte der Universit\u00e4ten Stuttgart, Konstanz, Mainz und Jena \u00fcberzeugt und werden mit jeweils zwei Millionen Euro gef\u00f6rdert. Alle Projekte untersuchen, wie durch neue Stoffverbindungen herk\u00f6mmliche Werkstoffe \u201eintelligenter\u201c werden k\u00f6nnen, sich an neue Situationen anpassen und gew\u00fcnschte \u201eVerhaltensweisen\u201c entwickeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>\u00dcber die Carl-Zeiss-Stiftung<\/h3>\n<p>Die Carl-Zeiss-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Freir\u00e4ume f\u00fcr wissenschaftliche Durchbr\u00fcche zu schaffen. Als Partner exzellenter Wissenschaft unterst\u00fctzt sie sowohl Grundlagenforschung als auch anwendungsorientierte Forschung und Lehre in den MINT-Fachbereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). 1889 von dem Physiker und Mathematiker Ernst Abbe gegr\u00fcndet, ist die Carl-Zeiss-Stiftung eine der \u00e4ltesten und gr\u00f6\u00dften privaten wissenschaftsf\u00f6rdernden Stiftungen in Deutschland. Sie ist alleinige Eigent\u00fcmerin der Carl Zeiss AG und SCHOTT AG. Ihre Projekte werden aus den Dividendenaussch\u00fcttungen der beiden Stiftungsunternehmen finanziert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Kontakt<\/h3>\n<p>Prof. Dr. Sabine Laschat<br \/>\nUniversit\u00e4t Stuttgart<br \/>\nInstitut f\u00fcr Organische Chemie<br \/>\nTel.: +49 711 685 64268<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:sabine.laschat@oc.uni-stuttgart.de\" target=\"_blank\">sabine.laschat@oc.uni-stuttgart.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chitin ist Hauptbestandteil des Exoskeletts von Insekten, Spinnen- und Krebstieren und sorgt zum Beispiel bei einem Insektenpanzer daf\u00fcr, dass dieser robust und zugleich biegsam ist. 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