{"id":78635,"date":"2020-09-14T07:32:54","date_gmt":"2020-09-14T05:32:54","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=78635"},"modified":"2020-09-10T08:26:32","modified_gmt":"2020-09-10T06:26:32","slug":"hoffnungstraeger-der-energiewende-wo-der-gruene-wasserstoff-herkommt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/hoffnungstraeger-der-energiewende-wo-der-gruene-wasserstoff-herkommt\/","title":{"rendered":"Hoffnungstr\u00e4ger der Energiewende \u2013 wo der gr\u00fcne Wasserstoff herkommt"},"content":{"rendered":"<p>Seit zwei Jahren diskutiert die Energiewelt immer wieder \u00fcber eine Frage: Welche Rolle spielt der Einsatz von gr\u00fcnem Wasserstoff f\u00fcr eine erfolgreiche Energiewende? Die Antwort ist mittlerweile fast einstimmig: eine gro\u00dfe.<\/p>\n<p>Viele sehen in dem\u00a0alternativen Energietr\u00e4ger beinahe das Allheilmittel f\u00fcr alle Probleme \u2013 ob in der Industrie, im Verkehr, in der Luft oder im W\u00e4rmesektor.\u00a0Eine <a href=\"https:\/\/www.auroraer.com\/insight\/hydrogen-in-the-northwest-european-energy-system\/\" target=\"_blank\">neue Studie des Londoner Thinktanks Aurora Energy Research<\/a> warnt jetzt allerdings vor einem Hype um das beliebte Molek\u00fcl. Denn der k\u00f6nnte den Preis hochtreiben.<\/p>\n<p>\u201eWenn wir gr\u00fcnen Wasserstoff f\u00fcr alle Sektoren nutzen, wird sein Marktpreis doppelt so hoch sein, wie wenn wir ihn nur in den essenziellen Sektoren einsetzen\u201c, erkl\u00e4rt Studienautor Alexander Esser im Gespr\u00e4ch mit dem Handelsblatt.\u00a0\u201eWenn man viel erneuerbare Energie im System hat, gibt es Perioden mit g\u00fcnstigen Preisen, zu denen man Wasserstoff produzieren kann. Diese Zeitr\u00e4ume werden aber umso k\u00fcrzer und seltener, je mehr Wasserstoff man braucht\u201c, analysiert der Energieexperte.<\/p>\n<p>Die sogenannte Power-to-X-Technologie (PtX) gilt als wichtiger Baustein f\u00fcr den Wandel von einer fossilen zu einer erneuerbaren Energiewelt. Mithilfe des strombasierten Elektrolyseverfahrens wird Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten.\u00a0Der Wasserstoff kann dann in vielen Teilen der Industrie direkt eingesetzt oder auch gespeichert werden.<\/p>\n<p>Er l\u00e4sst sich aber auch wieder in Strom umwandeln oder zu Gas (f\u00fcr die W\u00e4rme) und synthetischem Kraftstoff (E-Fuels) weiterverarbeiten. Wird f\u00fcr die Elektrolyse \u00d6kostrom verwendet, ist auch das Endprodukt entsprechend gr\u00fcn. Noch arbeiten PtX-Projekte allerdings ausschlie\u00dflich im kleinen Ma\u00dfstab, meist in Pilotversuchen und alles andere als rentabel.<\/p>\n<p>Kaum Vertrauen in den Durchbruch<br \/>\nGr\u00fcner Wasserstoff ist noch zu teuer. Experten rechnen jedoch damit, dass die Erzeugung der gr\u00fcnen Alternative deutlich g\u00fcnstiger wird, wenn erste Projekte jetzt den Schritt in die industrielle Massenfertigung gehen.<\/p>\n<p>\u201eWenn man ihn nur in den essenziellen Sektoren einsetzt, kann gr\u00fcner Wasserstoff die Nachfrage zu akzeptablen Kosten decken\u201c, ist auch Esser \u00fcberzeugt. Trotzdem sei die Elektrifizierung gerade bei Pkws und im W\u00e4rmesektor eindeutig die g\u00fcnstigere Alternative. Dann k\u00f6nne der Wasserstoffbedarf auch allein aus Europa gedeckt werden, betont Esser und spielt damit auf die gro\u00dfe Debatte um die potenziellen globalen Importm\u00f6glichkeiten rund um das Thema Wasserstoff an.<\/p>\n<p>Viele glauben auch deshalb noch nicht an den gro\u00dfen Durchbruch f\u00fcr den gr\u00fcnen Energietr\u00e4ger, weil Deutschland nicht so viel Strom produzieren k\u00f6nne, um seinen eigenen Wasserstoffbedarf zu decken \u2013 ein Import des Molek\u00fcls \u00fcber weite Strecken jedoch zu viele Effizienzverluste mit sich bringe.<\/p>\n<p>Das sehen die Experten der Unternehmensberatung Arthur D. Little allerdings anders. Zeitgleich mit Aurora Energy Research hat das Londoner Unternehmen ebenfalls <a href=\"https:\/\/www.adlittle.de\/sites\/default\/files\/viewpoints\/adl_the_future_of_hydrogen_and_e-fuels_modifiedvp-compresse_1.pdf\" target=\"_blank\">eine Studie zum Thema Wasserstoff<\/a> ver\u00f6ffentlicht.\u00a0\u201eDie Diskussion, wo Wasserstoff am besten eingesetzt wird, ist unn\u00f6tig, weil man au\u00dferhalb Europas beliebig viel gr\u00fcnen Wasserstoff erzeugen kann\u201c, ist Energieexperte Klaus Schmitz von Arthur D. Little \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Wasserstoff aus Afrika<br \/>\nDie Rechnung ist relativ simpel: Ein Solarmodul, das an einem guten Standort in\u00a0Afrika steht, erzeugt aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung im Schnitt doppelt so viel Energie wie ein Solarmodul in Deutschland. Wird der Solarstrom noch vor Ort in Afrika in gr\u00fcnen Wasserstoff umgewandelt und mithilfe eines Tanklasters oder einer Pipeline nach Deutschland importiert und hier wieder in Strom zur\u00fcckgewandelt wird, w\u00fcrden\u00a0sich die Effizienzverluste im Vergleich zur heimischen Produktion auf zwei\u00a0Prozent begrenzen, rechnen die Autoren vor.<\/p>\n<p>\u201eBei dem Transport von Wasserstoff,\u00a0zum Beispiel aus Afrika,\u00a0geht zwar Energie verloren, aber das ist ja Energie, die wir sonst nicht gewonnen h\u00e4tten\u201c, sagt Schmitz. \u201eWir mussten schon lange Energie importieren. Das wird auch so bleiben, und das ist auch sinnvoll.\u201c\u00a0Gerade Deutschland m\u00fcsse sich durch den Atom- und Kohleausstieg der Frage stellen, wie und aus welchen Quellen die Energienachfrage\u00a0gedeckt werden kann.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist der Traum vom gr\u00fcnen Wasserstoff aus der W\u00fcste Afrikas lediglich die Weiterentwicklung einer\u00a0schon lange gehegten Vision: Desertec. Mit\u00a0einem Bruchteil der W\u00fcstenfl\u00e4chen sollte fast ein Viertel des europ\u00e4ischen Strombedarfs gedeckt werden.\u00a0RWE,\u00a0Eon,\u00a0Siemens, die\u00a0Deutsche Bank,\u00a0ABB\u00a0und andere witterten ein Milliardengesch\u00e4ft. Gemeinsam bildeten sie die Desertec Industrial Initiative (DII). Doch das Vorhaben verlief sprichw\u00f6rtlich im Sande. Man war sich uneins \u00fcber Richtung, Kosten und Ziel des Projekts.<\/p>\n<p>Nun spricht auch die Bundesregierung in ihrer \u201eNationalen Wasserstoffstrategie\u201c von \u201einternationalen Energiepartnerschaften\u201c.\u00a0Bundesentwicklungsminister Gerd M\u00fcller\u00a0hat mit Marokko schon eine erste Partnerschaft beschlossen: \u201eWir entwickeln jetzt gemeinsam mit Marokko\u00a0die erste industrielle Anlage f\u00fcr gr\u00fcnen Wasserstoff in Afrika.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit zwei Jahren diskutiert die Energiewelt immer wieder \u00fcber eine Frage: Welche Rolle spielt der Einsatz von gr\u00fcnem Wasserstoff f\u00fcr eine erfolgreiche Energiewende? Die Antwort ist mittlerweile fast einstimmig: eine gro\u00dfe. Viele sehen in dem\u00a0alternativen Energietr\u00e4ger beinahe das Allheilmittel f\u00fcr alle Probleme \u2013 ob in der Industrie, im Verkehr, in der Luft oder im W\u00e4rmesektor.\u00a0Eine [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[10608,14051,15938,13255],"supplier":[17439,17440],"class_list":["post-78635","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-biooekonomie","tag-energie","tag-powertox","tag-wasserstoff","supplier-arthur-d-little","supplier-aurora-energy-research"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78635","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78635"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78635\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78635"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78635"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78635"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=78635"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}