{"id":78619,"date":"2020-09-14T07:26:18","date_gmt":"2020-09-14T05:26:18","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=78619"},"modified":"2021-09-09T21:16:05","modified_gmt":"2021-09-09T19:16:05","slug":"entfernung-von-klimagas-aus-der-luft-warum-der-co2-staubsauger-keine-wundermaschine-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/entfernung-von-klimagas-aus-der-luft-warum-der-co2-staubsauger-keine-wundermaschine-ist\/","title":{"rendered":"Entfernung von Klimagas aus der Luft: Warum der CO<sub>2<\/sub>-Staubsauger keine Wundermaschine ist"},"content":{"rendered":"<p>Die Sache sollte eigentlich ganz einfach sein. Um die Erderw\u00e4rmung auf zwei, besser anderthalb Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, muss die Menschheit ihren Aussto\u00df an Treibhausgasen in den kommenden Jahren radikal senken. Irgendwann um die Mitte des Jahrhunderts sollte die Marke von null Emissionen erreicht sein. Doch schon seit Jahren warnen Experten, dass das wom\u00f6glich noch nicht einmal ausreicht.<\/p>\n<p>Viele Klimaszenarien basieren bereits heute darauf, dass zus\u00e4tzlich zu den Emissionseinsparungen auch aktiv Kohlendioxid aus der Luft geholt wird. Wichtig ist das auch, um unvermeidliche Emissionen &#8211; etwa durch den Langstreckenflugverkehr &#8211; auszugleichen.<\/p>\n<p>Eine M\u00f6glichkeit besteht darin, das CO2 in bestimmten Gesteinen zu binden. Dazu k\u00f6nnte man gro\u00dffl\u00e4chig Gesteinsmehl auf Ackerfl\u00e4chen verstreuen. Eine andere Option ist es, auf gro\u00dfen Fl\u00e4chen Energiepflanzen wie Mais anzubauen, diese anschlie\u00dfend in Kraftwerken zu verbrennen und das entstehende Kohlendioxid im Boden zu speichern. Dieses Verfahren hei\u00dft &#8220;Bio Energy with Carbon Capture and Storage&#8221;, kurz BECCS.<\/p>\n<p>Leider ziemlich ineffizient<\/p>\n<p>Eine dritte Variante ist, dass Kohlendioxid mit technischen Ger\u00e4ten direkt aus der Luft zu holen. Genannt wird das &#8220;Direct Air Capture&#8221;, abgek\u00fcrzt DAC. Dass so etwas technisch m\u00f6glich ist, zeigen Ger\u00e4te, die unter anderem in der Schweiz, in Kanada und Island stehen. Eine gerade im Fachmagazin &#8220;Nature Climate Change&#8221; ver\u00f6ffentlichte Studie legt nun aber nahe, dass diese Anlagen nicht nur ziemlich ineffizient sind, sondern bei einer weltweiten Verbreitung die Nahrungsmittelsicherheit bedrohen k\u00f6nnten. Letzteres Argument bringen Kritiker auch immer wieder gegen BECCS vor, weil der Anbau von Energiepflanzen mit der Nahrungsmittelproduktion in Konflikt stehen kann.<\/p>\n<p>In Bezug auf DAC haben die Forscher um Studienleiter Andres Clarens von der University of Virginia in Charlottesville vor allem den Wasser- und Energiebedarf der Anlagen als kritischen Faktor ausgemacht. So ben\u00f6tigten die Maschinen bis zum Jahr 2050 eine Wassermenge, die bei einem Drittel derjenigen liegt, die aktuell f\u00fcr die globale Stromerzeugung aufgewendet wird. Auch der Energieaufwand &#8211; gedeckt werden sollte er im Idealfall aus erneuerbaren Quellen &#8211; liegt hoch, bei etwa 115 Prozent des aktuellen Weltverbrauchs an Erdgas.<\/p>\n<p>Eine weit verbreitete Nutzung der Technik, so die Forscher, k\u00f6nnte zu steigenden Lebensmittelpreisen, etwa bei Mais, Weizen und Reis f\u00fchren. Betroffen sei vor allem das subsaharische Afrika, wo sich die Preise bis zur Mitte des Jahrhunderts teilweise versechsfachen k\u00f6nnten. In anderen Teilen der Welt, etwa in Europa und S\u00fcdamerika, sei aber immer noch eine Verdoppelung bis Verdreifachung der Preise zu bef\u00fcrchten.<\/p>\n<p>&#8220;Sehr wichtige Technologie, die entwickelt werden muss&#8221;<\/p>\n<p>Andererseits sei es mit DAC immerhin m\u00f6glich, nennenswerte Mengen CO2 tats\u00e4chlich aus der Luft zu holen, so die Forscher. F\u00fcr 2035 seien etwa drei Gigatonnen pro Jahr realistisch. Das w\u00e4ren, setzt man die Emissionen von 2019 an, etwa sieben Prozent des globalen CO2-Aussto\u00dfes.<\/p>\n<p>&#8220;Ich m\u00f6chte klarstellen, dass wir in keiner Weise versuchen, den Bem\u00fchungen um die Entwicklung von DAC die kalte Schulter zu zeigen&#8221;, stellt Studienleiter Clarens klar. Es handle sich um eine &#8220;sehr wichtige Technologie, die entwickelt werden muss&#8221;. Die Simulationen zeigten aber, dass die Welt nicht einfach zu 100 Prozent auf DAC setzen d\u00fcrfe. Es bleibe immer noch ein gro\u00dfer Bedarf an BECCS &#8211; mit den bereits erw\u00e4hnten Risiken, dass einer einstweilen weiter steigenden Weltbev\u00f6lkerung perspektivisch weniger Anbaufl\u00e4che zur Verf\u00fcgung stehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Hersteller von DAC-Anlagen wie das Unternehmen Climeworks aus der Schweiz kritisierten die Methodik der Studie. So sei nicht ber\u00fccksichtigt worden, dass es mehrere technische Ans\u00e4tze zur CO2-Entnahme aus der Luft gebe. W\u00fcrde man dies ber\u00fccksichtigen, seien die Potenziale der Technik &#8220;wesentlich h\u00f6her und die Risiken geringer&#8221;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Studie<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41558-020-0876-z\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Food\u2013energy\u2013water implications of negative emissions technologies in a +1.5\u2009\u00b0C future<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sache sollte eigentlich ganz einfach sein. Um die Erderw\u00e4rmung auf zwei, besser anderthalb Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, muss die Menschheit ihren Aussto\u00df an Treibhausgasen in den kommenden Jahren radikal senken. Irgendwann um die Mitte des Jahrhunderts sollte die Marke von null Emissionen erreicht sein. 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