{"id":7809,"date":"2005-04-14T00:00:00","date_gmt":"2005-04-13T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20050414-03n"},"modified":"2005-04-14T00:00:00","modified_gmt":"2005-04-13T22:00:00","slug":"hessen-warum-nicht-getreide-statt-heizoel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/hessen-warum-nicht-getreide-statt-heizoel\/","title":{"rendered":"Hessen: Warum nicht Getreide statt Heiz\u00f6l?"},"content":{"rendered":"<p><b>So wie der \u00d6lpreis steigt, so anhaltend ist die Preistalfahrt von Getreide festzustellen. Nicht verwunderlich, dass die Landwirte ihr schlecht bezahltes Korn als Heizmittel verkaufen m\u00f6chten. &#8220;So k\u00f6nnten sich neue Perspektiven f\u00fcr die Landwirtschaft und den gesamten l\u00e4ndlichen Raum bieten&#8221;, prognostiziert Herbert Enders, Vorsitzender im Kreisbauernverband Rheingau-Taunus und amtierender Kreislandwirt.<\/b><\/p>\n<p> Mit zweieinhalb Kilo Getreide l\u00e4sst sich ein Liter Heiz\u00f6l ersetzen, so Enders traurige Kenntnis. So w\u00fcrde bei einem angenommenen \u00d6lpreis von 0,35 Euro je Liter ein Getreidebauer pro Doppelzentner einen Umsatz von 14 Euro erzielen &#8211; ein lukratives Gesch\u00e4ft auf dem konventionellen Markt, wo der Doppelzentner bislang mit nur ca. 10 Euro gehandelt wird.<\/p>\n<p> &#8220;Nach geltendem Recht ist Getreide aber kein zul\u00e4ssiger Brennstoff&#8221;, erkl\u00e4rt Enders. Die hessische Landesregierung versucht derzeit im Bundesrat eine Gesetztes\u00e4nderung zu erreichen, damit speziell in kleinen Heizungen von weniger als 100 Kilowatt Leistung k\u00fcnftig auch Korn verbrannt werden darf. Der Bauernvorsitzende f\u00fchrt ein Beispiel an: &#8220;Holzhackschnitzelheizungen k\u00f6nnen zumindest zu 30 Prozent mit Getreide befeuert werden.&#8221;<\/p>\n<p>Neben \u00f6konomischen Vorteilen f\u00fcr seine Branche verweist der Hennethaler auf den Klimaschutz. Dem sei immerhin auch gedient, sobald nachwachsende Rohstoffe der Energieerzeugung dienten. Vor allem der schlecht vermarktbare Roggen sollte als Heizmaterial dienen, denn im Untertaunus gedeiht der Roggen auch auf eher durchschnittlichen B\u00f6den ausgezeichnet.<\/p>\n<p> Doch neue Z\u00fcchtungen, die sich besser als die Traditionssorten zur Verbrennung eignen, w\u00e4ren nach Enders w\u00fcnschenswert: &#8220;Wenn das Getreide genetisch bedingt weniger Eiwei\u00df besitzt, entsteht beispielsweise auch nicht so viel Ru\u00df&#8221;, wei\u00df er. Aber zumindest in Schlechtwetterperioden geerntetes Getreide von schlechter Qualit\u00e4t sei in den \u00d6fen sinnvoll zu verwerten.<\/p>\n<p> Bekannterweise geraten immer wieder massive ethische Bedenken gegen diese Pl\u00e4ne in die Diskussion. So monieren beispielsweise die Kirchen das Paradoxum, dass in Industriel\u00e4ndern mit Lebensmitteln geheizt werden soll, w\u00e4hrend ein Gro\u00dfteil der Menschheit nach wie vor mit dem Hunger k\u00e4mpfe.<\/p>\n<p> &#8220;Wenn es nur ein Verteilungsproblem g\u00e4be, w\u00e4re die Ern\u00e4hrungsfrage l\u00e4ngst gel\u00f6st, kann der Kreislandwirt gegen halten. Es sei kontraproduktiv, wenn die Agrarexporteure, zu denen beim Getreide auch Deutschland geh\u00f6rt, ihre \u00dcbersch\u00fcsse einfach in den Entwicklungsl\u00e4ndern &#8220;abladen&#8221; wollten. &#8220;Damit wird die Produktion vor Ort zur\u00fcck geworfen, der Grad der Eigenversorgung nimmt ab und es entsteht eine dauerhafte Abh\u00e4ngigkeit&#8221;, stellt der Kreislandwirt das ebenfalls bekannte Dilemma dar.<\/p>\n<p> &#8220;Fr\u00fcher musste das Getreide ins Meer gekippt werden, um die \u00dcbersch\u00fcsse zu regulieren. Da erscheint mir die Verbrennung vern\u00fcnftiger&#8221;, so Enders logisches Res\u00fcmee.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/hessen-will-getreide-als-bio-brennstoff-verwenden\/\" >2005-03-23<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/hessen-will-stroh-und-getreide-als-bio-brennstoffe\/\" >2005-01-06<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>So wie der &Ouml;lpreis steigt, so anhaltend ist die Preistalfahrt von Getreide festzustellen. 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