{"id":7797,"date":"2005-01-28T00:00:00","date_gmt":"2005-01-27T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20050128-03n"},"modified":"2005-01-28T00:00:00","modified_gmt":"2005-01-27T22:00:00","slug":"griechische-baumwollsubventionen-in-der-kritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/griechische-baumwollsubventionen-in-der-kritik\/","title":{"rendered":"Griechische Baumwollsubventionen in der Kritik"},"content":{"rendered":"<p>In der ersten Woche des neuen Jahres versammelten sich in Larissa\/Griechenland ca. 2.000 Farmer, Funktion\u00e4re und Verbandsvertreter zu einem Treffen der Farm-Kooperativen. Die Versammlung fordert von der griechischen Regierung eine weitere Subvention zwischen EUR 23 und 30 Millionen zus\u00e4tzlich zu der bereits von der EU gew\u00e4hrten Unterst\u00fctzung von EUR 690 Millionen. Das teilweise tumultartige Treffen gipfelte in der Drohung, wie bereits vor f\u00fcnf Jahren die Nationalstra\u00dfe zwischen Athen und Thessaloniki mit Traktoren zu blockieren. Hintergrund der Aktivit\u00e4ten ist die gemeinsame Agrarpolitik der EU (Common Agricultural Policy = CAP), die in diesem Jahr die Subvention f\u00fcr Griechenland auf eine Produktion von 1.060.000 Tonnen begrenzt. Da aber auf der &#8220;legalen&#8221;, genehmigten Anbaufl\u00e4che 1.134.000 Tonnen produziert werden, verlangen die Farmer und Unionsvertreter nach der Devise &#8220;All the kilos, all the money, without restrictions&#8221;, die Differenz von bis zu EUR 30 Millionen von der eigenen Regierung.<\/p>\n<p>Der Konflikt offenbart erneut die absurde EU-Subventionspraxis. Seit dem Beitritt Griechenlands zur Europ\u00e4ischen Gemeinschaft im Jahre 1981 werden die Landwirte, die in Griechenland mit 13% den h\u00f6chsten Bev\u00f6lkerungsanteil von allen L\u00e4ndern der Gemeinschaft stellen, mit \u00fcppigen Unterst\u00fctzungszahlungen versorgt. Besonders die Baumwollsubventionen haben dazu gef\u00fchrt, dass der Rohstoff ohne die St\u00fctzung nicht mehr wettbewerbsf\u00e4hig angebaut und produziert werden k\u00f6nnte. Investitionen und Produktivit\u00e4tsverbesserungen wurden kontinuierlich vernachl\u00e4ssigt. Die Subventionspraxis st\u00f6\u00dft deshalb auch innerhalb des Landes immer mehr auf Kritik. Die Absurdit\u00e4t liegt vor allem darin, dass vor Beginn der St\u00fctzungszahlungen Qualit\u00e4tsbaumwolle immer zu wettbewerbsf\u00e4higen Preisen in Griechenland produziert wurde. F\u00fcr die Produktion wurden aber nur die geeignetesten Felder mit den h\u00f6chsten Ertr\u00e4gen und infolgedessen niedrigsten Kosten bestellt.<\/p>\n<p>Staatliche Protektion und EU-Funds haben zu einer Ausweitung der Anbaugebiete auf ungef\u00e4hr 400.000 Hektar gef\u00fchrt. Die Subventionen sichern den Farmern auch noch die Bebauung von eigentlich ungeeigneten Fl\u00e4chen und f\u00fchren zu erheblichen Kostensteigerungen und Qualit\u00e4tseinbu\u00dfen und insbesondere bei Baumwolle und Getreide auch zur Monokultur. Die durchschnittliche Unterst\u00fctzung lag in Griechenland laut ICAC in der Saison 2003\/04 bei 97 US-cents\/lb und damit weit \u00fcber dem Preis, f\u00fcr den Baumwolle am Weltmarkt gekauft werden konnte. Die mit der Subventionierung verbundenen Absichten, schrittweise die Baumwollernten zu verbessern und den Produzenten bei Qualit\u00e4tssicherung und Kostenreduzierung zu unterst\u00fctzen sowie den Anbau auf geeignete und profitable B\u00f6den zu konzentrieren, wurde de facto ins Gegenteil verkehrt. Die Baumwollanbaufl\u00e4che expandierte unkontrolliert, die Qualit\u00e4t hat sich verschlechtert und die durchschnittlichen Kosten sind so hoch, dass griechische Baumwolle ohne Subsidien nicht mehr wettbewerbsf\u00e4hig ist. Dazu gibt es erhebliche \u00f6kologische R\u00fcckschl\u00e4ge. Baumwolle ben\u00f6tigt bekanntlich f\u00fcr den Anbau erhebliche Mengen von Wasser und D\u00fcngemitteln. Wasserbohrungen in der Ebene von Thessaly werden nach griechischen Quellen zum Teil illegal vorgenommen und die Bohrl\u00f6cher erreichen unbekannte Tiefen. Der Grundwasserspiegel ist teilweise so weit gefallen, dass selbst 800 Meter tief gehende Bohrungen nur noch Brackwasser hervorbringen. Der Boden soll so mit D\u00fcngemitteln und anderen Chemikalien verseucht sein, dass die Einheimischen nur noch Wasser aus Flaschen trinken k\u00f6nnen. Einige Abgeordnete in Thessaly verlangen bereits zur Abrundung dieser \u00f6kologischen Katastrophe eine Umleitung des Flusses Acheloos. <\/p>\n<p>Obwohl die EU-F\u00f6rderung auch die Reinigung des Bodens und die Entwicklung von Wasserkonservierungssystemen vorsieht, soll bisher nicht ein Euro f\u00fcr derartige Projekte ausgegeben worden sein. Im Zusammenhang mit der Auszahlungspraxis der F\u00f6rdergelder wurden in der Vergangenheit auch immer wieder Betrugsvorw\u00fcrfe laut. Selbst von offiziellen Stellen wurden vielen Farmer Manipulationen vorgeworfen, die darauf abzielten, das Gewicht der abgelieferten Baumwolle und damit auch die Subventionszahlungen zu erh\u00f6hen. Erste \u00c4nderungen der EU-CAP-Politik treten am 01. Januar 2006 in Kraft und sollen 65% der produktionsabh\u00e4ngigen Zahlungen an EU-Baumwollfarmer in abgekoppelte Farmeinkommen-Unterst\u00fctzung \u00fcberf\u00fchren. Es bleibt abzuwarten, wie diese ge\u00e4nderte Politik in Griechenland umgesetzt werden kann.<\/p>\n<p>Vgl. auch Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/baumwollproduktion-und-verarbeitung-im-jahr-2004\/\" >2004-04-12<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der ersten Woche des neuen Jahres versammelten sich in Larissa\/Griechenland ca. 2.000 Farmer, Funktion&auml;re und Verbandsvertreter zu einem Treffen der Farm-Kooperativen. 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