{"id":77481,"date":"2020-08-26T06:55:14","date_gmt":"2020-08-26T04:55:14","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.innovations-report.de%2Fhtml%2Fberichte%2Fumwelt-naturschutz%2Fkleidung-aus-baumwolle-effizient-recyceln-neues-t-shirt-aus-alter-jeans.html"},"modified":"2020-08-25T21:07:07","modified_gmt":"2020-08-25T19:07:07","slug":"neues-t-shirt-aus-alter-jeans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/neues-t-shirt-aus-alter-jeans\/","title":{"rendered":"Neues T-Shirt aus alter Jeans"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kleidung aus Baumwolle zu recyceln war bislang technisch nicht m\u00f6glich. Einem Forscherteam des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Angewandte Polymerforschung IAP ist es jetzt erstmals gemeinsam mit einem schwedischen Unternehmen gelungen, aus recycelter Baumwolle ein Viskose-Filamentgarn herzustellen. Die Textilfaser eignet sich sogar f\u00fcr die Fertigung in Gro\u00dfserie.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_78019\" aria-describedby=\"caption-attachment-78019\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-78019\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/baumwolle-recycling-fraunhofer-iap-300x200.jpg\" alt=\"\u00a9 Fraunhofer IAP Das aufgespulte Viskose-Filamentgarn wurde aus recycelter Baumwolle gefertigt, die in Form von Zellstoffplatten vorliegt. Forscherinnen und Forscher am Fraunhofer IAP haben einen Weg gefunden, aus Baumwollkleidung wie Jeans hochwertige neue Kleidungsst\u00fccke herzustellen, anstatt wie bisher nur Putzlappen.\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/08\/baumwolle-recycling-fraunhofer-iap-300x200.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/08\/baumwolle-recycling-fraunhofer-iap-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/08\/baumwolle-recycling-fraunhofer-iap-600x400.jpg 600w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/08\/baumwolle-recycling-fraunhofer-iap.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-78019\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Fraunhofer IAP<br \/>Das aufgespulte Viskose-Filamentgarn wurde aus recycelter Baumwolle gefertigt, die in Form von Zellstoffplatten vorliegt. Forscherinnen und Forscher am Fraunhofer IAP haben einen Weg gefunden, aus Baumwollkleidung wie Jeans hochwertige neue Kleidungsst\u00fccke herzustellen, anstatt wie bisher nur Putzlappen.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nicht wenige Kleiderschr\u00e4nke quellen \u00fcber. Dabei werden viele Hosen, R\u00f6cke und Oberteile kaum oder gar nicht getragen, so das Ergebnis einer Umfrage von Greenpeace zum Kaufverhalten der B\u00fcrger. Selbst nicht besch\u00e4digte Kleidung wird aussortiert und landet in der M\u00fclltonne oder Altkleidersammlung. Umweltfreundlich ist das nicht \u2013 Unmengen an Ressourcen, Chemikalien und Wasser fallen f\u00fcr die Herstellung von Kleidung an. Zwar werden Altkleider hierzulande wiederverwertet \u2013 zu minderwertigen Produkten wie Reinigungst\u00fcchern, aber nicht zu neuen Kleidungsst\u00fccken. Der Grund: Hosen, Hemden und Co. sind selten sortenrein, sondern bestehen aus Mischgewebe. Die miteinander verwobenen Fasern zu trennen, ist bislang nicht m\u00f6glich gewesen. \u00bbTextilien bestehen selten aus reiner Baumwolle. Eine Jeans etwa enth\u00e4lt immer einen Anteil an Chemiefasern wie Polyester oder Elasthan\u00ab, sagt Andr\u00e9 Lehmann, Wissenschaftler am Fraunhofer IAP in Potsdam. Im Auftrag des schwedischen Unternehmens re:newcell ist es dem Chemiker und seinem Team nun gelungen, Zellstoff aus recycelter Baumwolle zu Viskosefasern aus reiner Cellulose weiterzuverarbeiten.<\/p>\n<h3>Neues Viskose-Filamentgarn so gut wie holzbasierte Cellulosefasern<\/h3>\n<p>\u00dcblicherweise wird Zellstoff von der Textilindustrie als Ausgangsmaterial verwendet, um daraus k\u00fcnstliche Celluloseregeneratfasern wie Viskose, Modal oder Lyocell herzustellen. Da der Zellstoff nicht schmelzbar ist, muss dieser zu einer Spinnl\u00f6sung aufgel\u00f6st und zu cellulosischen Spinnfasern umgeformt werden. Der Zellstoff wird in der Regel aus Holz gewonnen. \u00bbWir haben von re:newcell jedoch Zellstoffplatten aus recycelter Baumwolle erhalten und sollten pr\u00fcfen, ob sie sich zu Viskosefasern weiterverarbeiten lassen. Durch Einstellen der richtigen Parameter im L\u00f6sungs- als auch Spinnprozess, wie effektive Filtrationsstufen, konnten wir die im Zellstoff enthaltenen Fremdfasern herausl\u00f6sen\u00ab, so der Forscher. Das Ergebnis: Ein Filamentgarn, also eine mehrere Kilometer lange Endlosfaser, die zu 100 Prozent aus Cellulose besteht und qualitativ vergleichbar ist mit holzbasierten Celluloseregeneratfasern. Aus dem Baumwoll-Zellstoff konnten im Spinnverfahren neue Fasern hergestellt werden, die sich f\u00fcr die Massenfertigung im industriell etablierten Viskoseprozess eignen. \u00bbWir konnten den hohen Anspruch von re:newcell an die Reinheit der neuen Faser erf\u00fcllen\u00ab, sagt Lehmann, der das ent-standene Filamentgarn als baumwollbasierte cellulosische Regeneratfaser bezeichnet. Im Vergleich mit markt\u00fcblichen Viskosefasern konnte diese \u00fcberzeugen und wies dieselben Eigenschaften auf.<\/p>\n<p>Das war keine leichte Aufgabe, denn das Viskoseverfahren ist komplex: Zun\u00e4chst muss der Zellstoff mit Lauge aktiviert und anschlie\u00dfend chemisch derivatisiert werden. Auf diese Weise erh\u00e4lt man eine hochreine alkalische Viskose-L\u00f6sung, die mittels Spinnd\u00fcsen, die mehrere tausend Spinnl\u00f6cher mit Durchmessern von 55 \u03bcm aufweisen, in ein saures Spinnbad ausgesponnen wird. Aus den jeweils zu tausenden sich bildenden Fl\u00fcssigkeitsf\u00e4dchen der polymeren L\u00f6sung regeneriert sich die derivatiserte Cellulose und f\u00e4llt kontinuierlich in Fadenform im Spinnbad aus. Im weiteren laufenden Prozess wird die chemische Derivatisierung best\u00e4ndig r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht und der Faden weitergewaschen, bevor man ihn getrocknet aufspult. Er besteht dann aus reiner Cellulose. Damit ist er umweltfreundlich, denn Cellulose verrottet und tr\u00e4gt nicht zu den Bergen an Mikroplastik bei, die die Weltmeere verschmutzen. Ein gro\u00dfer Vorteil gegen\u00fcber erd\u00f6l-basierten Polyesterfasern, die noch mit einem Anteil von rund 60 Prozent auf dem Weltmarkt dominieren.<\/p>\n<h3>Mehr Nachhaltigkeit in der Mode<\/h3>\n<p>\u00bbIn der Regel wird Baumwoll-Kleidung verbrannt oder sie landet auf der Deponie. K\u00fcnftig kann sie mehrfach wiederverwertet werden und so zu mehr Nachhaltigkeit in der Mode beitragen\u00ab, sagt Lehmann. Dar\u00fcber hinaus ist es so m\u00f6glich, die Rohstoffbasis f\u00fcr die Zellstoffgewinnung der Textilindustrie zu erweitern. \u00bbBisher ist die holzbasierte Cellulose der Ausgangsstoff f\u00fcr Viskosefasern. Durch das Optimieren der Trenn-prozesse und die Intensivierung der Filtration der Fremdfasern im Spinnverfahren k\u00f6nnen wir langfristig die rezyklisierte Naturfaser-Baumwolle als alternative Zellstoffquelle und ernst zu nehmende Rohstoffbasis etablieren.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kleidung aus Baumwolle zu recyceln war bislang technisch nicht m\u00f6glich. Einem Forscherteam des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Angewandte Polymerforschung IAP ist es jetzt erstmals gemeinsam mit einem schwedischen Unternehmen gelungen, aus recycelter Baumwolle ein Viskose-Filamentgarn herzustellen. Die Textilfaser eignet sich sogar f\u00fcr die Fertigung in Gro\u00dfserie. Nicht wenige Kleiderschr\u00e4nke quellen \u00fcber. 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