{"id":7742,"date":"2005-02-22T00:00:00","date_gmt":"2005-02-21T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20050222-02n"},"modified":"2005-02-22T00:00:00","modified_gmt":"2005-02-21T22:00:00","slug":"kenaf-natur-aus-bangladesh-im-ford-mondeo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kenaf-natur-aus-bangladesh-im-ford-mondeo\/","title":{"rendered":"Kenaf: Natur aus Bangladesh im Ford Mondeo"},"content":{"rendered":"<p> <img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20050222-02\/showbin.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"showbin\"\/> K\u00d6LN, 21. Februar 2005 \u2013 Wer einen Ford Mondeo f\u00e4hrt, hat auch ein St\u00fcck Natur aus Bangladesh im Auto. Denn in der Innenverkleidung der Ford Mondeo-T\u00fcren wird f\u00fcr das Mittelteil Polypropylen (PP) verwendet, das mit rund zwei Kilogramm Kenaf-Fasern pro Fahrzeug verst\u00e4rkt wird. Kenaf ist eine bis zu drei Meter gro\u00dfe Pflanze aus der Familie der Malvengew\u00e4chse, die sehr robuste Fasern liefert. Der Kenaf f\u00fcr die Ford Mondeo-T\u00fcren w\u00e4chst in Bangladesh. Fasermatten aus Kenaf eignen sich ideal f\u00fcr Anwendungen in der Fahrgastzelle &#8211; sie sind leichter als vergleichbare Matten aus Kunststoff, k\u00f6nnen im Falle eines Seitenaufpralls Energie sehr gut absorbieren, brechen und splittern nicht.<\/p>\n<p> Ford verwendet gegenw\u00e4rtig in seinen europ\u00e4ischen Fahrzeugmodellen \u00fcber 290 unterschiedliche Bauteile aus nachwachsenden Rohstoffen im Gesamtgewicht von 27.000 Tonnen. So besteht zum Beispiel die Hutablage des Ford Mondeo aus einem Verbundmaterial aus Polypropylen (PP) und Holzfasern. Rezyklierte Baumwolle wird unter anderem zur Ger\u00e4uschd\u00e4mmung der Fahrgastzelle und des Motorraums verwendet. Dar\u00fcber hinaus werden in den Ford-Modellreihen Naturmaterialien wie Baumwolle, Holz, Hanf, Jute, Naturkautschuk &#8211; und eben Kenaf &#8211; verbaut.<\/p>\n<p> <b>Kenaf: Langfasern aus dem rauhaarigen St\u00e4ngel<\/b><br \/> Kenaf ist mit Baumwolle verwandt und stellt hohe Anspr\u00fcche an den Standort. Kenaf braucht zum Wachstum viel Wasser und W\u00e4rme (mindestens 16 Grad Celsius). Die Blattform \u00e4hnelt den Fingerbl\u00e4ttern des Hanfs. Als Fahrzeugmaterial gefragt sind vor allem die Langfasern aus dem rauhaarigen Kenaf-St\u00e4ngel (Bastfasern), w\u00e4hrend sich die Bl\u00e4tter und die \u00e4u\u00dfere Bastschicht als Werkstoff nicht eignen. Kenaf stammt urspr\u00fcnglich aus Afrika, ist mittlerweile jedoch weit verbreitet. Der Anbau konzentriert sich insbesondere auf die Tropen und Subtropen, \u00fcber Bangladesh hinaus vor allem auf L\u00e4nder wie China, Indien, Indonesien und S\u00fcdafrika. In Deutschland werden seit 1994 im Versuchsanbau spezielle Kenaf-Sorten auf ihre Eignung erprobt.<\/p>\n<p> <b>Wie kommt der Kenaf in den Ford Mondeo?<\/b><br \/> <img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20050222-02\/Kenaf.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Kenaf\"\/> Der Kenaf f\u00fcr den Ford Mondeo w\u00e4chst in Bangladesh auf Feldern, die Kooperativen geh\u00f6ren. Sie verkaufen ihre Ernten an Repr\u00e4sentanten zum Beispiel der Firma Funder Isowood, die die Qualit\u00e4ten vor Ort pr\u00fcfen. Noch in Bangladesh werden die St\u00e4ngel zu Fasern aufgearbeitet und zu circa ein Meter langen und 50 Zentimeter hohen Ballen von je 140 Kilogramm verpackt. Per Schiff geht die Fracht von Bangladesh nach Rotterdam und von dort per Lkw ins Werk Rudolfstadt\/Th\u00fcringen der Funder Isowood GmbH. Das Ford-Zulieferunternehmen hat sich auf die Produktion von Fasermatten aus Naturmaterialien spezialisiert.<\/p>\n<p> In Rudolfstadt werden die Kenaf-Ballen maschinell ge\u00f6ffnet und &#8211; nach der Reinigung der Fasern von Staub und groben Partikeln &#8211; zu feinen, einzelnen Fasern aufbereitet. Anschlie\u00dfend werden diese Fasern zusammen mit Polypropylen-Fasern maschinell zu einem Vlies geformt. Diesem wird auf Ober- und Unterseite ein zugekaufter Synthesevlies aus Polypropylen und Polyester hinzugef\u00fcgt. Danach wird das lockere Gelege mit langen Nadeln, die kleine Widerhaken haben, zu einer festen Endlos-Fasermatte mit einer Dicke von rund einem Zentimeter verfestigt. Dabei erh\u00e4lt das Kenaf-Naturmaterial die f\u00fcr den weiteren Verarbeitungsprozess notwendige Struktursteife und Rissfestigkeit. Die Fasermattenbahnen werden zu rund 100 Meter langen und 80 Zentimeter breiten Rollen aufgewickelt.<\/p>\n<p><b> Aus der Presse kommen die Vor-Formlinge<\/b> <br \/> <img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20050222-02\/Form.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Form\"\/>Im n\u00e4chsten Verarbeitungsprozess entstehen aus den Matten sogenannte Vor-Formlinge, indem die Fasermattenbahnen durch eine Hydraulik-Stanze gef\u00fchrt werden, die parallelogrammf\u00f6rmige Zuschnitte produziert. Diese werden auf Euro-Paletten gestapelt und per Lkw mehrmals t\u00e4glich just-in-time ins Visteon-Werk Berlin-Zehlendorf geliefert.<\/p>\n<p><b> Visteon: Schmelzende Fasern, kalte Umformung<\/b><br \/> So, wie die Mattenzuschnitte bei Visteon ankommen, bestehen sie aus drei Lagen: einer Mittellage aus 50 Prozent Kenaf \/ 50 Prozent Polypropylen und aus zwei Au\u00dfenlagen (jeweils 70 Prozent Polypropylen und 30 Prozent Polyester). Bei Visteon werden die Zuschnitte auf \u00fcber 200 Grad Celsius aufgeheizt, so dass die Polypropylenfasern der Matte schmelzen. Beim anschlie\u00dfenden Umformen in einem mit kaltem Wasser gek\u00fchlten Werkzeug erstarrt das Polypropylen und schlie\u00dft die unver\u00e4ndert gebliebenen Kenaf-Fasern (die jetzt als Verst\u00e4rkung dienen) in die dreidimensional verformte T\u00fcr-Innenverkleidung fest ein \u2013 dadurch sind die Kenaf-Fasern vor Wasseraufnahme und Geruchsentwicklung gesch\u00fctzt. Denn wie alle organischen Werkstoffe ist auch Kenaf anf\u00e4llig gegen Feuchtigkeit.<\/p>\n<p> Die Enddicke dieses Produkts betr\u00e4gt nur noch circa 2,5 Millimeter. Durch die in das Polypropylen eingelagerten Kenaf-Fasern ist nun ein Bauteil entstanden, das sehr steif und leicht ist \u2013 und das im Vergleich zu reinem Polypropylen auch bei tiefen Temperaturen nicht splittert.<\/p>\n<p> Von Berlin aus treten die fertigen T\u00fcr-Innenverkleidungen mehrmals t\u00e4glich per Lkw und Bahn ihre Reise ins Werk Genk\/Belgien der Ford-Werke GmbH an, wo der Ford Mondeo produziert wird.<\/p>\n<p> <b>Strenge Qualit\u00e4tsanforderungen<\/b><br \/> F\u00fcr jedes neue Ford-Modell werden den Entwicklern Ziele vorgegeben, um den Anteil von Bauteilen aus nachwachsenden Rohstoffen kontinuierlich zu erh\u00f6hen. Allerdings muss die Verwendung der Naturmaterialien klare \u00f6kologische Vorteile haben. Dies ist unter anderem dann der Fall, wenn durch die Verwendung der Bio-Werkstoffe ein Bauteil leichter wird oder sich etwaige als unangenehm empfundene Ausd\u00fcnstungen eines Bauteils vermeiden lassen. F\u00fcr die Naturprodukte gelten die gleichen strengen Qualit\u00e4tsanforderungen wie f\u00fcr synthetische Materialien. Interne Vorgaben stellen sicher: Auch solche Bauteile, die Rohstoffe aus der Natur enthalten, sind absolut zuverl\u00e4ssig &#8211; sie beeintr\u00e4chtigen weder die Gesundheit der Fahrzeug-Insassen, noch die Sicherheit, noch die Qualit\u00e4t der Autos.<\/p>\n<p> <b>Autos, die &#8220;auf dem Acker wachsen&#8221;<\/b><br \/> Die Verwendung nachwachsender Rohstoffe hat lange Tradition bei Ford: Bereits in Henry Ford\u2019s legend\u00e4rem Modell T kam 1915 Leim auf Weizenbasis zum Einsatz. 1940 stellte Ford einen Kofferraumdeckel aus Sojabohnen-Plaste her. 1941 pr\u00e4sentierte Ford das erste, noch handgefertigte &#8220;Bio&#8221;-Fahrzeug &#8211; ein Auto, das buchst\u00e4blich &#8220;auf dem Acker wuchs&#8221;: gebaut aus Holzfasern, Hanf, Sisal und Weizenstroh, betrieben mit Hanf\u00f6l, die Karosserie leichter als Stahl und doch belastbarer.<\/p>\n<p> Was heutzutage in Sachen nachwachsende Rohstoffe alles machbar ist, hat Ford mit der Studie &#8220;Model U&#8221; gezeigt, die Anfang 2003 pr\u00e4sentiert wurde. Das &#8220;Model U&#8221;, ein besonders innovatives und umweltgerechtes Hybridfahrzeug, besteht konsequent aus Materialien, die entweder aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt oder komplett rezyklierbar sind.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/ford-verwendet-immer-mehr-bauteile-aus-nachwachsenden-rohstoffen\/\" >2004-08-13<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/ford-modell-u-160-bauteile-aus-naturmaterialien\/\" >2003-09-29<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K&Ouml;LN, 21. Februar 2005 &ndash; Wer einen Ford Mondeo f&auml;hrt, hat auch ein St&uuml;ck Natur aus Bangladesh im Auto. 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