{"id":7731,"date":"2005-02-24T00:00:00","date_gmt":"2005-02-23T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20050224-09n"},"modified":"2005-02-24T00:00:00","modified_gmt":"2005-02-23T22:00:00","slug":"enzyme-bleichen-jeans-umweltfreundlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/enzyme-bleichen-jeans-umweltfreundlich\/","title":{"rendered":"Enzyme bleichen Jeans umweltfreundlich"},"content":{"rendered":"<p><b>Biotechnologie in der Industrieproduktion. Es gibt Verfahren, Herstellungsprozesse umweltvertr\u00e4glicher zu machen. Zum Beispiel in der Chemieindustrie. Das ist eine gute Nachricht, denkt sich die Branche. Und gute Nachrichten sollen bekannt gemacht werden. Erfolgsstrategien f\u00fcr eine nachhaltige Chemieindustrie &#8211; so hei\u00dft ein Kongress, der heute in Berlin zu Ende geht. Industrievertreter, Wissenschaftler, Politiker und viele mehr diskutieren \u00fcber die so genannte &#8220;wei\u00dfe Biotechnologie&#8221;. Es geht, wie gesagt, um den Umweltschutz, und es geht auch um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Industriestandorts Deutschland. Bimssteine, Enzyme und wei\u00dfe Biotechnologie &#8211; Markus Rimmele schildert, wo uns all das im Alltag begegnet:<\/b><\/p>\n<p> Jedes Jahr werden weltweit etwa eine Milliarde Jeans-Hosen verkauft &#8211; viele von ihnen mit dem so genannten &#8220;Stonewashed&#8221;-Effekt. Richtige Bimssteine kommen da in einem Waschvorgang zum Einsatz und erzeugen die fleckige Farbstruktur. Doch leider nicht nur die. Das Stonewashed-Verfahren kostet Wasser, Energie und Stoffgewebe, und pro Hose fallen 600 Gramm Steinabrieb an, der die Maschinen sch\u00e4digt und auch noch entsorgt werden muss. Keine gute \u00d6ko-Bilanz. Doch es geht auch anders &#8211; ohne Bimssteine, daf\u00fcr mit Enzymen. Der Stonewashed-Effekt ist der gleiche, doch die umweltrelevanten Kosten sinken um 54 Prozent, Schadstoffe im Abwasser und in der Luft fallen fast gar keine mehr an. Ein Erfolg der so genannten wei\u00dfen Biotechnologie. Rainer Erb von der <a href=\"http:\/\/www.dbu.de\/\" >Deutschen Bundesstiftung Umwelt<\/a> erkl\u00e4rt, was das ist:<\/p>\n<p><i>Es gibt ja die in aller Munde zitierte gr\u00fcne Biotechnologie. Das ist also die Biotechnologie, die sich haupts\u00e4chlich mit Pflanzen besch\u00e4ftigt. Die rote, das ist die mittlerweile schon etwas akzeptiertere Form der Biotechnologie. Die besch\u00e4ftigt sich mit allen medizinischen Applikationen. Und dann die wei\u00dfe, eigentlich gleichzusetzen mit industrieller Biotechnologie, alles was man unter industrieller Anwendung zusammenfasst im Hinblick auf Ressourcenschonung, Umweltentlastung, gesteigerter Produktivit\u00e4t. Das fasst man unter diesem Begriff zusammen.<\/i><\/p>\n<p> Streng genommen ist der Einsatz biologischer Ressourcen in der Industrie nicht Neues. B\u00e4ckereien und Bierbrauer nutzen nat\u00fcrliche Enzyme schon seit hundert Jahren. Neu ist aber der technologische Boom auf diesem Gebiet. Experten sprechen schon von der dritten Biotech-Welle, nach der gr\u00fcnen und der roten jetzt eben die wei\u00dfe. Eine Schl\u00fcsselrolle haben dabei Enzyme inne. Enzyme kommen in der Natur vor und beschleunigen chemische Reaktionen. Ohne dass wir es wissen, profitieren wir alle schon t\u00e4glich davon, zum Beispiel beim W\u00e4schewaschen. Neuartige Enzyme in Waschmitteln beseitigen Fett und Schmutz noch besser. Dadurch sinkt der Waschpulververbrauch, und die W\u00e4sche wird bei niedrigerer Temperatur sauber, der Energieverbrauch sinkt. Oder bei der Herstellung des Vitamins B2. Wo bisher sechs chemische Schritte notwendig waren, reicht nun ein biologischer Prozess. Das ist \u00f6kologisch gut und \u00f6konomisch sinnvoll. Die Firma BASF konnte ihre Herstellungskosten bei dem Vitamin um 40% senken. Rainer Erb:<\/p>\n<p><i>Diese ganzen \u00f6kologischen Effekte m\u00fcssen immer dann, wenn sie dann auch eine Chance haben sollen implementiert zu werden, einhergehen mit ganz klaren \u00f6konomischen Vorteilen. Das hei\u00dft, jeder Unternehmer wird sich das angucken und wird dann feststellen: Das schont nicht nur die Umwelt, das rechnet sich f\u00fcr mich. Also da gibt&#8217;s dann auch wieder ein sehr sch\u00f6nes Beispiel aus unserer F\u00f6rdert\u00e4tigkeit. Ein mittelst\u00e4ndisches Textilveredelungsunternehmen konnte dann beispielsweise durch Einsatz eines enzymatischen Verfahrens alleine in einem Jahr 650.000 Euro an Einsparungen erzielen, und das gepaart mit ganz erheblichen Umweltentlastungen.<\/i><\/p>\n<p> Enzyme kommen mittlerweile in der Pharma-, Textil-, Lebensmittel-, Papier-, Druck- und Kosmetikindustrie zum Einsatz. Rund 150 Enzyme werden derzeit kommerziell genutzt, etwa 3.000 sind aber bekannt. Das Potenzial ist also noch gro\u00df. Nach einer Studie von McKinsey k\u00f6nnten bis zum Jahr 2010 rund 20% der Ums\u00e4tze der gesamten Chemieindustrie auf der wei\u00dfen Biotechnologie beruhen. Deutschland ist in dieser Zukunftsbranche gut aufgestellt, sagt J\u00fcrgen Eck von dem kleinen s\u00fcdhessischen Biotech-Unternehmen <a href=\"http:\/\/www.brain-biotech.de\/\" >Brain<\/a>. Es sei allerdings noch eine bessere Vernetzung der Akteure notwendig:<\/p>\n<p><i>Durch die Einbindung von kleinen und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen in den Innovationsprozess der gro\u00dfen Industrien. Das hie\u00dft hier, die kleinen Biotech-Unternehmen als Innovations- und auch Ideenlieferanten einzubinden und eine Art Arbeitsteiligkeit zu generieren. Das hei\u00dft, wir haben auf der einen Seite immer mehr zu den Anwendungen sich hinverschiebende Gro\u00dfindustrien, Partner, und eine mehr in diesen Innovationszuliefer-Part hineinwachsende Biotech-Industrie. Und durch diese Arbeitsteiligkeit, glaube ich, werden wir insgesamt schneller und auch effizienter, was diese Umsetzung dieser Anwendungen angeht.<\/i><\/p>\n<p>Der Berliner Kongress soll dabei helfen, das Thema Wei\u00dfe Biotechnologie bekannter zu machen und alle Beteiligten zusammenzuf\u00fchren: Industrie, Wissenschaft, Kapitalmarkt und Politik.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/vorstellung-von-enzymprodukten-auf-der-itma\/\" >2004-06-16<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Biotechnologie in der Industrieproduktion. Es gibt Verfahren, Herstellungsprozesse umweltvertr&auml;glicher zu machen. Zum Beispiel in der Chemieindustrie. 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