{"id":77031,"date":"2020-08-03T07:26:42","date_gmt":"2020-08-03T05:26:42","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=77031"},"modified":"2020-07-30T16:23:30","modified_gmt":"2020-07-30T14:23:30","slug":"qualitativer-bodenduenger-mit-holzaschen-natuerliche-kreislaeufe-schliessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/qualitativer-bodenduenger-mit-holzaschen-natuerliche-kreislaeufe-schliessen\/","title":{"rendered":"Qualitativer Bodend\u00fcnger: Mit Holzaschen nat\u00fcrliche Kreisl\u00e4ufe schlie\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p>Wertstoff statt Abfall: Holzasche ist gut f\u00fcr Boden und Pflanzen \u2013 wenn die Qualit\u00e4t stimmt. F\u00fcr verl\u00e4sslichen Standard sorgt die Bundesg\u00fctegemeinschaft Holzasche mit ihren Zertifizierungen. Das G\u00fctezeichen RAL-D\u00fcnger macht f\u00fcr Aschen aus naturbelassenen H\u00f6lzern den Weg frei in die Kreislaufwirtschaft.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine Verschwendung: fr\u00fcher landete Holzasche aus der energetischen Verwertung von Restholz, zum Beispiel aus der Forstwirtschaft, einfach auf der normalen M\u00fclldeponie. Das ist zum einen seit der Novellierung des Deponierechts 2010 nicht mehr ohne Weiteres m\u00f6glich. Zum anderen offenbart ein Blick auf die Bestandteile der Asche den Frevel. Dr. Rainer Schr\u00e4gle ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Bundesg\u00fctegemeinschaft Holzasche e.V. und nennt drei Merkmale, die Holzasche zu einem hervorragenden D\u00fcnger und Bodenverbesserer machen: \u201eHolzasche enth\u00e4lt basisch wirksame Bestandteile, die der Bodenversauerung entgegenwirken. Au\u00dferdem ist Kalium enthalten, das f\u00fcr die Trockenresistenz von Pflanzen bedeutsam ist. Und Phosphor in Form von Phosphaten ist ohnehin ein klassisches D\u00fcngemittel, das zunehmend knapp wird.\u201c<\/p>\n<p>Phosphate werden \u00fcblicherweise aus Mineralien wie Apatit gewonnen. Die Vorkommen schrumpfen jedoch weltweit und lassen immer mehr an Qualit\u00e4t nach. Hinzu kommt die Umweltbelastung durch den Abbau. Gleichzeitig steigt der Bedarf an D\u00fcnger und auch an anderen Einsatzzwecken f\u00fcr Phosphor, was das Element immer teurer macht. Allein schon der Phosphor macht also Holzasche wirtschaftlich immer attraktiver.<\/p>\n<p>Verwertung geht vor Beseitigung<\/p>\n<p>Die Qualit\u00e4tsfrage stellt sich nat\u00fcrlich auch bei der Holzasche, wie Schr\u00e4gle als Agraringenieur nur zu gut wei\u00df. Ein wichtiger Aspekt sind die Schadstoffgrenzwerte. \u201eDie Asche kann mit Schwermetallen wie Cadmium und Chrom-VI-Verbindungen kontaminiert sein. Bei Cadmium kommt es unter anderem darauf an, wie hoch der Gehalt an Rinde im Substrat war. Je mehr Rinde, desto h\u00f6her ist in der Regel der Cadmium-Gehalt.\u201c In Holzheizkraftwerken kann \u00fcber die Prozesssteuerung, genauer gesagt \u00fcber die Temperatur im Feuerbett, der Cadmium-Gehalt kontrolliert werden. \u201eCadmium hat seinen Siedepunkt bei knapp \u00fcber 760 Grad, dar\u00fcber verdampft es und kann separat abgeschieden werden\u201c, so Schr\u00e4gle. Auch der Gehalt an Chrom-VI-Verbindungen l\u00e4sst sich prozesstechnisch steuern. Am einfachsten bei Anlagen, die nass entaschen. \u201eHier wird die Rostasche nass entascht. Bei trocken entaschenden Anlagen k\u00f6nnen \u00fcber Befeuchtung reduzierende Stoffe wie Eisenverbindungen zugef\u00fchrt werden, die Chrom-VI\u00a0in ungiftige Chrom-III-Verbindungen umwandeln. So k\u00f6nnen die niedrigen Grenzwerte f\u00fcr Chrom-VI in D\u00fcngemitteln eingehalten werden\u201c, sagt Schr\u00e4gle.<\/p>\n<p>Neben einem geringen Schadstoffgehalt ist ein hoher N\u00e4hrstoffgehalt entscheidend f\u00fcr die Qualit\u00e4t der Holzasche als D\u00fcnger. Und es gibt physikalische Parameter, die dar\u00fcber entscheiden, wie gut der Holzasched\u00fcnger ausgebracht werden kann. Dabei spielen die K\u00f6rnung und der Feuchtegehalt eine Rolle, der eine staubfreie Ausbringung gew\u00e4hrleisten soll. All diese Merkmale bestimmen, ob und wie gut sich Holzasche als D\u00fcnger eignet. Die Bundesg\u00fctegemeinschaft Holzasche (BGH) hat einen detaillierten Anforderungskatalog und Pr\u00fcfalgorithmen entwickelt, nach deren Kriterien Holzasche zertifiziert wird. In Kooperation mit der Bundesg\u00fctegemeinschaft Kompost, der die BGH als Sparte angeh\u00f6rt, wurde ein G\u00fctesicherungsverfahren entwickelt. Holzaschehersteller, die ihre Produkte damit erfolgreich pr\u00fcfen lassen, erhalten das G\u00fctezeichen RAL-D\u00fcnger. Neben der Zertifizierung als alleiniger D\u00fcnger ist auch eine Zertifizierung als D\u00fcngemittel-Komponente m\u00f6glich. \u201eDie Anforderungen bez\u00fcglich Schadstoffgrenzwerten und N\u00e4hrstoffwerten sind bei beiden Verfahren gleich, lediglich die physikalischen Anforderungen m\u00fcssen Stand heute als Komponente nicht eingehalten werden\u201c, erkl\u00e4rt Schr\u00e4gle.<\/p>\n<p>Zertifiziert wird im \u00dcbrigen nur Holzasche aus der Verbrennung naturbelassenen Holzes, wobei es sich hier h\u00e4ufig um Rest- und Abfallstoffe handelt, die stofflich nicht verwertet werden k\u00f6nnen. Der mengenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte Anteil stammt aus der Forstwirtschaft. Geschredderte Astreste oder Borkenk\u00e4ferholz sind geeignete Rohstoffe, aber auch holzige Fraktionen, die bei M\u00e4harbeiten an B\u00f6schungen oder in Gr\u00fcnschnitt-Sammelstellen anfallen, kommen infrage. Wenn das Material in Anlagen zur energetischen Verwertung landet, zum Beispiel in Blockheizkraftwerken, k\u00f6nnen diese mit der Asche ihr Portfolio vergr\u00f6\u00dfern. Neben W\u00e4rme, beziehungsweise W\u00e4rme und Strom, wird dann als weiteres Standbein auch Holzasche produziert. Es geh\u00f6rt mit zu den Leistungen der Bundesg\u00fctegemeinschaft, die Anlagenbetreiber verfahrenstechnisch zu beraten und sie dabei zu unterst\u00fctzen, in Sachen Holzasche das Beste aus ihren Substraten herauszuholen.<br \/>\nKreislaufwirtschaft par excellence<\/p>\n<p>F\u00fcr die Holzasche schlie\u00dft sich der Kreislauf, wenn sie mit ihren N\u00e4hrstoffen f\u00fcr neues Pflanzenwachstum sorgt. Das kann sie als alleiniges D\u00fcngemittel, als Komponente in komplexen D\u00fcngemittel-Mischungen oder als Beimischung zu Kompost. Aber nicht nur bei herk\u00f6mmlichen D\u00fcngemitteleins\u00e4tzen ist Holzasche gefragt. Sie wird auch zum Schutz von Pflanzenbest\u00e4nden wie dem Wald eingesetzt. Gro\u00dffl\u00e4chige Waldkalkungen sollen der Bodenversauerung entgegenwirken, und Holzasche ist aufgrund ihrer basisch wirksamen Bestandteile eine passende Komponente. Bis zu 30 Prozent Asche aus Waldrestholz sind im Rahmen einer Bodenschutzkalkung gestattet. Damit wird die Holzasche also auf Forstfl\u00e4chen zur\u00fcckgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Um das gesamte Potenzial der stofflichen Verwertung zu erschlie\u00dfen, wurde das ZIM-Netzwerk \u201eStoffliche Holz- und Pflanzenaschenverwertung (SAV)\u201c ins Leben gerufen. Unter dem Dach des Bundesverbands Bioenergie e.V. wollen die Mitgliedsunternehmen die Wertsch\u00f6pfungskette der Aschen optimieren. Im Fokus stehen innovative und wirtschaftliche L\u00f6sungen zur Holzascheseparierung und -aufbereitung. Die BGH ist assoziiertes Mitglied im Netzwerk und bringt ihr Know-how mit ein. Das Netzwerk SAV wird vom Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen des ZIM-Programms (Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand) gef\u00f6rdert. \u201eInnerhalb des SAV-Netzwerks analysieren wir zum Beispiel, ob eine Aschenachzerkleinerung f\u00fcr Kalkzwecke sinnvoll ist, und welche die beste Methode daf\u00fcr ist. Und wir untersuchen, ob es sinnvoll ist, direkt am Kraftwerk D\u00fcngemittel herzustellen. Auch Konzepte f\u00fcr die Einsammellogistik der Aschen aus kleinen Kraftwerken stehen auf der Agenda\u201c, fasst Netzwerkmanagerin Yvonne Bosch zusammen. Auch alternative Verwertungen wie der Einsatz zur Bodenstabilisierung im Stra\u00dfenbau oder die Verwendung bei der Betonherstellung werden untersucht, denn auch nicht als RAL-D\u00fcnger zertifizierbare Aschen sollen noch einer sinnvollen Verwertung zugef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\nSteckbrief Bundesg\u00fctegemeinschaft Holzasche e.V. (BGH)<\/p>\n<p>Gr\u00fcndungsjahr: 2011<br \/>\nMitglieder sind unter anderem Anlagenbetreiber, Aufbereiter, Anlagenbauer, Energieversorger, Fachverb\u00e4nde, Labore und Recyclingwerke.<br \/>\nZentrale Aufgabe der BGH ist es, Holzaschen zum RAL-G\u00fctezeichen zu f\u00fchren.<br \/>\nDazu dienen unter anderem Anlagenbegehungen, Lehrg\u00e4nge, Mitarbeiterschulungen und andere Beratungsdienstleistungen (f\u00fcr Mitglieder kostenfrei, ansonsten gegen Geb\u00fchr).<br \/>\nDie BGH beteiligt sich zudem an technischen Arbeitsgruppen der Kreislaufwirtschaft und begleitet Gesetzgebungsprozesse.<br \/>\nAlle zwei Jahre organisiert die BGH den europ\u00e4ischen Holzaschekongress; der n\u00e4chste Kongress findet im Herbst 2021 statt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wertstoff statt Abfall: Holzasche ist gut f\u00fcr Boden und Pflanzen \u2013 wenn die Qualit\u00e4t stimmt. F\u00fcr verl\u00e4sslichen Standard sorgt die Bundesg\u00fctegemeinschaft Holzasche mit ihren Zertifizierungen. Das G\u00fctezeichen RAL-D\u00fcnger macht f\u00fcr Aschen aus naturbelassenen H\u00f6lzern den Weg frei in die Kreislaufwirtschaft. Was f\u00fcr eine Verschwendung: fr\u00fcher landete Holzasche aus der energetischen Verwertung von Restholz, zum Beispiel [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[12423,10608,14457,11841],"supplier":[17259],"class_list":["post-77031","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-baumaterial","tag-biooekonomie","tag-duengemittel","tag-kreislaufwirtschaft","supplier-bundesguetegemeinschaft-holzasche"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77031","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=77031"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77031\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=77031"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=77031"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=77031"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=77031"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}