{"id":76941,"date":"2020-07-28T07:23:43","date_gmt":"2020-07-28T05:23:43","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=76941"},"modified":"2020-07-23T14:43:59","modified_gmt":"2020-07-23T12:43:59","slug":"kaffeekapseln-holz-statt-aluminium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kaffeekapseln-holz-statt-aluminium\/","title":{"rendered":"Kaffeekapseln: Holz statt Aluminium"},"content":{"rendered":"<p>Alleine in Deutschland werden j\u00e4hrlich etwa drei Milliarden Einweg-Kaffeekapseln aus Aluminium oder Plastik verkauft. Ein gigantisches M\u00fcllproblem, denn die Kapseln haben nur einen geringen Recyclinganteil. Eine L\u00f6sung k\u00f6nnen seit Kurzem vollst\u00e4ndig kompostierbare Kaffeekapseln aus Holz sein, die mit allen g\u00e4ngigen Nespresso\u00ae-Maschinen kompatibel sind. Entwickelt hat sie das Start-up rezemo, das auch noch andere biobasierte Verpackungsl\u00f6sungen in der Pipeline hat.<\/p>\n<p>Mit viel Werbung und George Clooney wurde sie vor gut zehn Jahren bekannt gemacht: die bunte Kaffeekapsel aus Aluminium mit einer Einmal-Portion des Hei\u00dfgetr\u00e4nks in den verschiedensten Geschmacksrichtungen. Seither kamen Portionskaffee-Systeme wie Nespresso\u00ae, Tassimo\u00ae oder Cafissimo\u00ae immer mehr in Mode. Dabei werden praktische Kaffeepads oder \u2013 kapseln eingesetzt, die bereits fertig portioniert sind und die Zubereitung innerhalb k\u00fcrzester Zeit bei sehr einfacher Bedienung erm\u00f6glichen. W\u00e4hrend sich allerdings die guten alten Kaffeefilter aus Filterkaffeemaschinen problemlos kompostieren lassen, k\u00f6nnen die Kaffeekapseln kaum recycelt werden und sind daher eine gro\u00dfe Belastung f\u00fcr die Umwelt. Und dies in gigantischen Mengen: Die Kaffeehersteller selbst sch\u00e4tzen, dass weltweit pro Minute etwa 12.300 Tassen Alu-Kapsel-Kaffee getrunken werden, wodurch alleine bei uns in Deutschland j\u00e4hrlich rund 8.000 Tonnen Verpackungsmaterial anf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Die Idee kommt aus der Fu\u00dfbodenindustrie<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund machten es sich zwei junge Wirtschaftsingenieure aus Stuttgart &#8211; Julian Reitze und Stefan Zender \u2013 zum Anliegen, eine umweltvertr\u00e4gliche Alternative zu entwickeln. \u201eDamals in unserer Studenten-WG haben wir ziemlich viele Kaffeekapseln verbraucht, das hat uns zunehmend besch\u00e4ftigt, dass solche Einwegverpackungen \u2013 wie auch Joghurtbecher und so weiter \u2013 doch eine gro\u00dfe Umweltbelastung sind\u201c, berichtet Reitze. \u201eWir haben dann angefangen, nach Alternativen zu recherchieren, sind aber nicht so recht f\u00fcndig geworden. Es gibt zwar L\u00f6sungen, die als \u00f6kologisch deklariert werden; diese beinhalten aber trotzdem klassische Kunststoffe.\u201c So fingen die beiden damaligen Studenten an, sich in die Materie einzuarbeiten und sich mit potenziellen Materialgattungen aus vollst\u00e4ndig nachwachsenden Ausgangsmaterialien zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Sie wurden f\u00fcndig und gr\u00fcndeten 2016 die Firma rezemo GmbH, die mit mittlerweile neun Mitarbeitern ihren Firmensitz in Waiblingen hat. \u201eNach vielen Versuchen sind wir auf Holzverbundstoffe gesto\u00dfen\u201c, sagt der Firmengr\u00fcnder. \u201eDie Idee stammt aus der Fu\u00dfbodenindustrie, wo Holzfasern mit PVC stabilisiert werden, ist aber grundlegend neu in der Verpackungsbranche &#8211; dazu auch noch f\u00fcr den Lebensmittelkontakt.\u201c Dabei musste sich das Material nicht nur f\u00fcr Lebensmittel eignen, sondern auch so d\u00fcnnwandig und in der Herstellung effizient sein, dass eine gr\u00f6\u00dfere Produktion lohnenswert w\u00fcrde. Nach monatelanger Grundlagenforschung in Kooperation mit dem Institut f\u00fcr Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb IFF der Universit\u00e4t Stuttgart und dem Fraunhofer-Institut f\u00fcr Produktionstechnik und Automatisierung IPA sowie dem Bau zahlreicher Demonstrationswerkzeuge und Prototypenmaschinen konnten diese Vorgaben tats\u00e4chlich erf\u00fcllt werden. Die beiden Ingenieure hatten eine v\u00f6llig neuartige Generation an Kaffeekapseln aus nachwachsenden Rohstoffen entwickelt.<\/p>\n<p>Kapseln aus heimischem Holz plus Pflanzenst\u00e4rke<\/p>\n<p>Als Holzkomponente verwendet das Start-up Hobelsp\u00e4ne, die als Reststoffe in S\u00e4gewerken der Schw\u00e4bischen Alb anfallen. Diese sind v\u00f6llig unbehandelt und m\u00fcssen nicht erst chemisch aufbereitet werden, sondern werden direkt in ihrer nat\u00fcrlichen Form eingesetzt. Das Material wird strikt \u00fcberwacht, ist zertifiziert und generell auch direkt als Lebensmittelzusatz \u2013 etwa in Joghurt \u2013 geeignet. Um die Kapseln zu stabilisieren, erwies sich ein Biokunststoff als Bindemittel besonders geeignet: Polylactat (PLA) aus Pflanzenst\u00e4rke, das eine Matrix f\u00fcr die Holzsp\u00e4ne aus den heimischen W\u00e4ldern bildet. Beide Materialien werden im Spritzgussverfahren in Standardmaschinen erhitzt und unter hohem Druck in speziellen Werkzeugen in Form gebracht. Damit ist die Kaffeekapsel aus Waiblingen zu 100 Prozent biobasiert und dar\u00fcber hinaus auch wieder vollst\u00e4ndig und ohne Reststoffe abbaubar.<\/p>\n<p>Der Kaffee in der Holzverpackung stammt aus fairem und, wann immer m\u00f6glich, aus \u00f6kologischem Anbau und wird von lokalen R\u00f6stereien aus der Region verarbeitet. Bei den Kunden komme das Produkt gut an, sagt Reitze: \u201eWir liefern die Kapseln leer an einen Dienstleister, wo sie bef\u00fcllt werden. Verschlossen werden die Kapseln mit einem d\u00fcnnen Zellulosedeckel aus \u00e4hnlichem Material wie Filterpapier. Man kann sie dann entweder \u00fcber unseren Onlineshop oder in ausgew\u00e4hlten Feinkostl\u00e4den und Superm\u00e4rkten kaufen; eine Kapsel kostet je nach Sorte zwischen 42 und 46 Cent. Wir sind aber kein Discount-Produkt. Das Feedback, das wir bekommen, ist aber sehr positiv. Das klassische Konservendenken l\u00e4sst eben bei vielen Menschen auch nach, und man sucht nach Alternativen.\u201c<\/p>\n<p>Weitere biobasierte Produkte in der Entwicklung<\/p>\n<p>Die rezemo-Kaffeekapseln haben mit neun Monaten ein wenig geringeres Mindesthaltbarkeitsdatum als die Originalkapseln aus Aluminium, passen aber in alle g\u00e4ngigen Nespresso\u00ae-Maschinen f\u00fcr Privathaushalte. Ein weiterer, kleiner Unterschied sei es, dass sich die Kaffeemaschine mit den Holzkapseln unter Umst\u00e4nden etwas schwerer schlie\u00dfen l\u00e4sst, so Reitze: \u201eMan muss vielleicht etwas fester dr\u00fccken, das bringt aber keine Nachteile im Komfort, und die Maschine nimmt dadurch auch keinen Schaden, das haben wir mit vielen Tausend unserer Kapseln getestet.\u201c Vergleichbare Konkurrenzprodukte g\u00e4be es noch keine, meint der Firmengr\u00fcnder: \u201eBisher gibt es keine andere zufriedenstellende L\u00f6sung, die ohne klassisches Plastik auskommt. Manche Kapseln tragen zwar ein Kompostierbarkeitslabel, das ist aber eigentlich nicht korrekt, wenn die Produkte zu 30 Prozent aus fossilem Kunststoff bestehen. Im Moment sind wir der Marktf\u00fchrer, wenn es um eine saubere L\u00f6sung geht.\u201c<\/p>\n<p>Derzeit ist man bei rezemo auf der Suche nach weiteren, \u00e4hnlichen L\u00f6sungen f\u00fcr Einwegverpackungen. \u201eWir \u00fcberlegen, ob man damit auch andere Plattformen bedienen kann\u201c, berichtet Reitze. \u201eTests laufen schon, und wir rechnen damit, dass wir bereits in diesem Jahr etwas \u00c4hnliches f\u00fcr den Kosmetikbereich vorstellen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alleine in Deutschland werden j\u00e4hrlich etwa drei Milliarden Einweg-Kaffeekapseln aus Aluminium oder Plastik verkauft. Ein gigantisches M\u00fcllproblem, denn die Kapseln haben nur einen geringen Recyclinganteil. Eine L\u00f6sung k\u00f6nnen seit Kurzem vollst\u00e4ndig kompostierbare Kaffeekapseln aus Holz sein, die mit allen g\u00e4ngigen Nespresso\u00ae-Maschinen kompatibel sind. 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