{"id":7671,"date":"2004-12-16T00:00:00","date_gmt":"2004-12-15T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20041216-02n"},"modified":"2004-12-16T00:00:00","modified_gmt":"2004-12-15T22:00:00","slug":"nokia-toyota-basf-novamont-biokunststoffe-haben-groes-potenzial","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nokia-toyota-basf-novamont-biokunststoffe-haben-groes-potenzial\/","title":{"rendered":"Nokia, Toyota, BASF &amp; Novamont: Biokunststoffe haben gro&szlig;es Potenzial"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Tragetasche sieht edel aus. Das leicht transparente Material schimmert silbrig-grau, ist angenehm weich und so robust, dass sich leicht drei gef\u00fcllte Saftflaschen darin transportieren lassen. Der Clou: Die vermeintliche Plastikt\u00fcte ist aus Maisst\u00e4rke hergestellt und biologisch abbaubar. &#8220;In einer Kompostierungsanlage&#8221;, sagt Harald K\u00e4b von der <a href=\"http:\/\/www.ibaw.org\/\" >Interessengemeinschaft Biologisch Abbaubarer Werkstoffe (IBAW)<\/a>, &#8220;ist die T\u00fcte nach sp\u00e4testens zw\u00f6lf Wochen verrottet.&#8221;<\/b> <\/p>\n<p>Eine neue Technologie w\u00e4chst heran. Fieberhaft arbeiten Chemiker in aller Welt an der Produktion biologisch abbaubarer Kunststoffe. Sie werden nicht wie bisher auf der Basis von Roh\u00f6l, sondern im Wesentlichen aus so genannten nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. St\u00e4rke aus Kartoffeln, Mais oder Weizen z\u00e4hlt ebenso zu den nat\u00fcrlichen Favoriten wie Zellulose und Pflanzen\u00f6l. Ihr Vorteil: Sie sind unbegrenzt verf\u00fcgbar und entlasten die M\u00fclldeponien. <\/p>\n<p>In Zeiten steigender Roh\u00f6lkosten und strengerer Umweltstandards suchen die Hersteller nach neuen, nachhaltigen Verfahren. Mit Erfolg: Das biologisch abbaubare Material, das noch bis vor wenigen Jahren allenfalls als F\u00fcllstoff f\u00fcr Verpackungen oder zum Bioabfallsack taugte, hat sich zum strapazierf\u00e4higen Hightech-Produkt entwickelt. Das <a href=\"http:\/\/www.umsicht.fraunhofer.de\/\" >Fraunhofer Institut f\u00fcr Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik<\/a> in Oberhausen arbeitet an einem kompostierbaren Klebeband. Auf dem Markt sind Joghurtbecher und Pflanzt\u00f6pfe aus Bioplastik ebenso wie Einweggeschirr, Kinderspielzeug und Babywindeln. <\/p>\n<p>L\u00e4ngst gehen die Anwendungen \u00fcber den Bereich der &#8220;Ex-und-hopp-Artikel&#8221; hinaus. Der japanische Autofabrikant <a href=\"http:\/\/www.toyota.de\/\" >Toyota<\/a> etwa produziert f\u00fcr die Innenausstattung seines neuen Fabrikats &#8220;Raum&#8221; Kunststoffe aus Kartoffelst\u00e4rke. Der finnische Telefonriese <a href=\"http:\/\/www.nokia.de\/\" >Nokia<\/a> t\u00fcftelt an Handygeh\u00e4usen aus \u00e4hnlichem Material. Das italienische Unternehmen <a href=\"http:\/\/www.novamont.com\/\" >Novamont<\/a>, Entwicklungspionier und mit rund hundert Mitarbeitern einer der Marktf\u00fchrer der neuen Technologie in Europa, stellt neben biologisch abbaubaren Granulaten f\u00fcr Hightech-Folien sogar Bio-F\u00fcllstoffe f\u00fcr Autoreifen her. <\/p>\n<p>&#8220;Die verringern den Rollwiderststand und reduzieren damit den Treibstoffverbrauch&#8221;, erkl\u00e4rt Friedrich von Hesler, Vertriebsleiter der deutschen Novamont-Niederlassung in Eschborn. L\u00e4ngst hat auch die Chemieindustrie die gr\u00fcne Nische entdeckt. Die <a href=\"http:\/\/www.basf.de\/\" >BASF AG<\/a> erforscht beispielsweise in Kooperation mit dem US-amerikanischen Bioplastikhersteller <a href=\"http:\/\/www.metabolix.com\/\" >Metabolix<\/a> Polyesterkunststoffe auf der Basis von Zucker. <\/p>\n<p>&#8220;Mittel- bis langfristig k\u00f6nnen nachwachsende Rohstoffe eine attraktive Alternative zu den petrochemischen Grundstoffen darstellen&#8221;, ist der Polymerforscher Dietrich Scherzer von BASF \u00fcberzeugt, &#8220;auch in wirtschaftlicher Hinsicht.&#8221; In der Tat: Der Kunststoffverbrauch liegt weltweit bei 200 Millionen Tonnen. <\/p>\n<p>Allein die Deutschen verbrauchen rund acht Millionen Tonnen Plastik pro Jahr. Rund 1,8 Millionen Tonnen davon, so der Unternehmensberater J\u00fcrgen L\u00f6rcks, werden zu kurzlebigen Kunststoffverpackungen wie Folien, Tragetaschen oder Plastikgeschirr verarbeitet \u2013 &#8220;zu Produkten also&#8221;, schreibt L\u00f6rcks in einer Brosch\u00fcre der <a href=\"http:\/\/www.fnr.de\/\" >Fachagentur f\u00fcr nachwachsende Rohstoffe<\/a>, &#8220;die aus St\u00e4rkekunststoffen und Polylactiden (Polyester aus Milchs\u00e4ure auf der Basis von St\u00e4rke oder Zucker, Anm. d. Red.) hergestellt werden k\u00f6nnten.&#8221; Der Automobilkonzern Toyota etwa sch\u00e4tzt den globalen Umsatz von Biokunststoffen im Jahr 2020 auf rund 38 Milliarden US-Dollar. Im M\u00e4rz 2004 hat das Unternehmen erkl\u00e4rt, dass es die wachsende Nachfrage mit eigenen Produkten bedienen werde.<\/p>\n<p>&#8220;Nachwachsende Rohstoffe k\u00f6nnen auf l\u00e4ngere Sicht die Rolle der heute noch dominierenden fossilen Ressourcen \u00fcbernehmen&#8221;, sagt Harald K\u00e4b von der IBAW. Doch gr\u00fcn Ding will Weile haben: Seit 15 Jahren sei das Thema in Forschung und Entwicklung pr\u00e4sent, so K\u00e4b. Erst seit dem Jahr 2000 gebe es nennenswerte Produktionsanlagen.<\/p>\n<p>&#8220;So was braucht Zeit.&#8221; Vor allem die vergleichsweise hohen Kosten bremsen bislang die massenhafte Produktion. Bioplastik, so kalkulieren die Experten, ist ungef\u00e4hr dreimal so teuer wie aus Roh\u00f6l hergestellte klassische Kunststoffe, Tendenz fallend. Denn bei steigenden \u00d6lpreisen schwindet mit der Zeit auch der Wettbewerbsvorteil, zumal niemand wei\u00df, wann die \u00d6lvorr\u00e4te der Erde ersch\u00f6pft sein werden. Zudem m\u00fcsse man die einzelnen Produkte miteinander vergleichen, so K\u00e4b. <\/p>\n<p>Eine Frischhaltefolie auf St\u00e4rkebasis, wie sie beispielsweise f\u00fcr Salat-Snacks oder Teigwaren auf dem europ\u00e4ischen Markt ist, sei atmungsaktiv und brauche deshalb im Gegensatz zu konventionellen Kunststoffh\u00e4uten nicht perforiert zu sein. &#8220;Das spart Kosten.&#8221; Biologisch abbaubare Mulchfolien, die in der Landwirtschaft den Unkrautwuchs unterdr\u00fccken, machen den Einsatz von Unkrautvernichtungs- und D\u00fcngemitteln \u00fcberfl\u00fcssig. &#8220;Die Folie wird nachher einfach untergepfl\u00fcgt und gibt dem Boden durch ihre Kompostierung N\u00e4hrstoffe zur\u00fcck&#8221;, sagt Harald K\u00e4b. &#8220;Das muss man dagegenrechnen.&#8221; <\/p>\n<p>Auch auf dem deutschen Markt sieht sich die Branche kurz vor dem Durchbruch. Die Voraussetzung daf\u00fcr sei allerdings eine Anpassung der gesetzlichen Bestimmungen. Anders als in den Niederlanden oder in Italien, wo vor allem im Norden die Entsorgung der Biokunststoffe \u00fcber die Biotonne reibungslos funktioniert, d\u00fcrfen Verpackungen und Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen bei uns bislang nicht in der Biotonne oder auf dem Komposthaufen landen. Sie m\u00fcssen wie herk\u00f6mmliche Kunststoffe mit dem gr\u00fcnen Punkt markiert und \u00fcber das duale System entsorgt werden. <\/p>\n<p>Das, beklagen die Hersteller, sei nicht im Sinne des Erfinders. Es verursacht zus\u00e4tzliche Kosten und hemmt Investitionen in diesem Bereich. Sie machen sich daher f\u00fcr eine \u00c4nderung der Bioabfall- und der Verpackungsverordnung stark. Derweil haben die Anbieter von Biokunststoffen ein  Zertifizierungs- und Kennzeichnungssystem etabliert, das die Kompostierbarkeit garantiert. Den nach DIN-Norm geregelten Materialtest bestehen nur solche Produkte, die vollst\u00e4ndig biologisch abbaubar sind.<\/p>\n<p>Background: Das Bundesforschungsministerium f\u00f6rdert die Suche nach L\u00f6sungen im Bereich der nachhaltigen Entwicklung j\u00e4hrlich mit rund 650 Millionen Euro. Schwerpunkte sind die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft, effektives Ressourcenmanagement und die Erforschung nachhaltiger Produkte. Weitere Infos unter: <a href=\"http:\/\/www.fona.de\/\" >www.fona.de<\/a><\/p>\n<p>&#8220;1stein&#8221; k\u00f6nnen Sie kostenlos abonnieren und direkt bestellen unter:<\/p>\n<p><b>Kontakt:<\/b><br \/>Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung<br \/>Hannoversche Stra\u00dfe 28-30<br \/>10115 Berlin<br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:1stein@bmbf.bund.de\">1stein@bmbf.bund.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die Tragetasche sieht edel aus. 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