{"id":76141,"date":"2018-09-03T07:22:07","date_gmt":"2018-09-03T05:22:07","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=76141"},"modified":"2020-06-20T14:03:28","modified_gmt":"2020-06-20T12:03:28","slug":"papier-und-kartons-aus-grasfasern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/papier-und-kartons-aus-grasfasern\/","title":{"rendered":"Papier und Kartons aus Grasfasern"},"content":{"rendered":"<p>Hemds\u00e4rmelig, voller innovativer Ideen und absolut \u00fcberzeugt von Nutzen und Notwendigkeit einer nachhaltigen und biobasierten Industrie \u2013 daf\u00fcr steht Uwe D\u2019Agnone. Der 53-j\u00e4hrige T\u00fcftler und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Creapaper hat sich der nachhaltigen, ressourcenschonenden Verwendung von Rohmaterialien in der Papierindustrie verschrieben.<\/p>\n<p>F\u00fcr den gelernten Kaufmann mit B\u00fcrositz in Hennef nahe Bonn ist eine \u00f6kologische Industrie jedoch nicht nur der neueste Trend, sondern vielmehr eine Lebenseinstellung und Notwendigkeit: \u201eMein Frau und ich sind begeisterte Hobbytaucher. Leider bekommen wir dadurch auch hautnah mit, wie die Ozeane immer mehr verschmutzt und Korallenriffe zerst\u00f6rt werden\u201c, so D\u2019Agnone.<\/p>\n<p>Und auch beruflich kam er schon fr\u00fch mit umweltschonenden Prozessen in Ber\u00fchrung: \u201eDas Thema Nachhaltigkeit hat mich schon w\u00e4hrend meiner Ausbildung in einer Druckerei interessiert und begleitet.\u201c Bereits kurz nach der Ausbildung hat er sich in der Druckberatung selbstst\u00e4ndig gemacht, um eigene Ideen zum Thema Nachhaltigkeit in der Druck- und Papierindustrie zu entwickeln und zu realisieren.<\/p>\n<p>Alternativer Rohstoff f\u00fcr Papier<br \/>\nVor etwa sechs Jahren dann habe er sich erstmals ernsthaft \u00fcber einen alternativen Rohstoff f\u00fcr die Papierproduktion Gedanken gemacht und schlie\u00dflich auch das Unternehmen CREAPAPER gegr\u00fcndet. \u201eDer schwierigste Schritt in der herk\u00f6mmlichen Papierherstellung ist, die Holzfasern vom Lignin zu trennen. Hierf\u00fcr wird enorm viel Chemie, Energie und Wasser ben\u00f6tigt.\u201c Je h\u00f6her eine Pflanze w\u00e4chst, umso mehr Lignin enth\u00e4lt sie. Also habe er sich nach niedrigwachsendem Material umgeschaut. \u201eWir verwenden getrocknetes Gras, also Heu, damit wir ganzj\u00e4hrig produzieren k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rt D\u2019Agnone.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend man f\u00fcr eine Tonne Zellstoff aus Holz etwa 6.000 Liter Wasser und 5.000 Kilowattstunden Energie verbraucht, ben\u00f6tigt man f\u00fcr dieselbe Menge Zellstoff aus Gras nur etwa zwei Liter Wasser und 137 Kilowattstunden. \u201eUm aus Gras Papier zu gewinnen, gen\u00fcgt ein rein mechanischer Prozess \u2013 die luftgetrockneten Fasern werden gereinigt, auf Faserl\u00e4nge geschnitten, zermahlen und pelletiert\u201c, sagt D\u2019Agnone.<\/p>\n<p>Damit spart er in der Herstellung von Graspapier gegen\u00fcber herk\u00f6mmlichen Papier oder Altpapier enorme Mengen an CO2-Emissionen ein. Und auch preislich ist die Grasfaser mehr als 40% g\u00fcnstiger. Je nach Produkt verwendet D\u2019Agnone in der Herstellung inzwischen bis zu 51% Graspellets. Und obwohl es technisch m\u00f6glich w\u00e4re, wei\u00df gestrichenes Graspapier herzustellen, bevorzugen die meisten Kunden die hellbraun-hellgr\u00fcne F\u00e4rbung, sodass die nachhaltige Herkunft ihres Produktes eindeutig zu erkennbar bleibt.<\/p>\n<p>Mehrfach ausgezeichnete Idee<br \/>\nTats\u00e4chlich m\u00fcssen sich weder das Produkt noch seine Herkunft verstecken: schlie\u00dflich wurde der Gras-Karton aufgrund seines Nachhaltigkeitsaspektes im Jahr 2015 f\u00fcr den Deutschen Verpackungspreis nominiert. Und im Jahr 2016 gewann Creapaper in der Kategorie Start-up sogar den StartGreen Award f\u00fcr die Entwicklung des grasbasierten Ersatzrohstoffes f\u00fcr die Papierherstellung. 2018 erhielt der nachhaltige Verpackungsansatz zudem den KfW-Award. Au\u00dferdem zeichnete das Bundesministerium f\u00fcr Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) die Creapaper GmbH mit dem deutschen Innovationspreis f\u00fcr Klima und Umwelt (IKU) aus.<\/p>\n<p>Papierindustrie zun\u00e4chst skeptisch<br \/>\nDoch bis es soweit kam, mussten einige Schwierigkeiten \u00fcberwunden werden. Denn trotz der \u00e4u\u00dferst positiven Energie- und Preisbilanz f\u00fcr Graspapier und der fr\u00fchen Erfolge mit handgesch\u00f6pften Graspapierb\u00f6gen stand die Papierindustrie dem neuen Material \u00e4u\u00dferst skeptisch gegen\u00fcber: \u201eDie gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde war eigentlich die Papierindustrie selbst, denn da ist schlicht kein Raum f\u00fcr Pilotprojekte mit neuen Rohstoffen\u201c, res\u00fcmiert D\u2019Agnone. Erst mit einem interessierten Gro\u00dfkunden an der Hand \u2013 dem OTTO-Versand \u2013 erhielten er und sein Rohstoff ein Produktionsfenster in einer Papierfabrik. Zudem musste das Material noch auf m\u00f6gliche Allergene getestet und f\u00fcr etliche weitere Zertifizierungen wie beispielsweise f\u00fcr die \u00d6kobilanz oder den Lebensmitteldirektkontakt untersucht werden, bevor es \u00fcberhaupt auf den Markt kommen konnte.<\/p>\n<p>Verpackungen f\u00fcr Online-Handel und Bio-Obst<br \/>\nZwar ist der Verbrauch an grafischen Papieren in B\u00fcros vielerorts stark gesunken, doch durch den boomenden Online-Handel ist die Nachfrage nach Kartonagen und Verpackungsmaterial gleichzeitig enorm gestiegen. Dementsprechend fokussieren sich auch D\u2019Agnone und seine mittlerweile 16 Mitarbeiter bei Creapaper mehr und mehr auf Verpackungspappen. Doch nicht nur f\u00fcr den Online-Handel produziert sein Team das nachhaltige Verpackungsmaterial, auch f\u00fcr zwei gro\u00dfe Supermarktketten wurden bereits Verpackungsschalen f\u00fcr Bio-Obst entwickelt. \u201eMan merkt langsam wirklich ein Umdenken in der Industrie. Und seit einem knappen Jahr sind wir sogar Mitglied des Papierverbandes\u201c, so D\u2019Agnone stolz.<\/p>\n<p>Regionale Produktion<br \/>\nTats\u00e4chlich eignen sich die Graspellets inzwischen f\u00fcr die Herstellung von 90% aller aktuell hergestellten Papierprodukte. Doch nicht nur durch den Ersatz von Holzfasern will D\u2018Agnone den CO2-Aussto\u00df in der Papierindustrie senken. Er setzt sich zudem f\u00fcr eine lokale und regionale Produktion ein. Die Graspellet-Produktionsst\u00e4tten k\u00f6nnen mit lokal gem\u00e4htem Gras versorgt werden und sollen ihrerseits jeweils m\u00f6glichst nah an Papierfabriken gelegen sein. So k\u00f6nnen Graspapier und Graskartons zwar in ganz Deutschland produziert, die Lieferwege und -ketten aber m\u00f6glichst kurz gehalten werden. Bislang arbeiten bereits 14 Papierfabriken mit Grasfasern und haben unterschiedliche Sorten Papier hergestellt.<\/p>\n<p>Und selbst au\u00dferhalb von Deutschland findet der neue Rohstoff Anklang: D\u2019Agnone konnte bereits eine holl\u00e4ndische und eine italienische Papierfabrik daf\u00fcr begeistern. Doch trotz der Auszeichnungen und dem positiven internationalen Feedback zu seinem Produkt steht f\u00fcr ihn selbst nach wie vor der \u00f6kologische Mehrwert an erster Stelle: \u201eWenn nur ein Bruchteil der internationalen Papierindustrie auf den neuen Rohstoff umsteigen w\u00fcrden, w\u00fcrden wir einen deutlich messbaren positiven Effekt auf das globale Klima sehen.\u201c<\/p>\n<p>Kaskadennutzung angestrebt<br \/>\nEbenfalls ganz im Sinne einer nachhaltigen Verwertung ist auch D\u2019Agnones n\u00e4chstes Vorhaben: Er will die Proteine aus dem Heu entfernen, bevor es zu Pellets verarbeitet wird. \u00dcber einen vorgeschalteten Arbeitsschritt erhofft er sich eine Kaskadennutzung des Rohmaterials. \u201eUnser Papier ben\u00f6tigt die Fasern, nicht aber die Proteine. Diese werden eigentlich im Papier verschwendet. Also wollen wir sie vorher isolieren und in die Industrie abgeben, wo diese beispielsweise f\u00fcr Tiernahrung weiterverarbeitet werden k\u00f6nnten\u201c, skizziert D\u2019Agnone.<\/p>\n<p>Die Erfolgsaussichten sch\u00e4tzt er durchaus optimistisch ein, bisher habe er sehr viel positive R\u00fcckmeldung aus der Industrie erhalten. \u201eDie Bio\u00f6konomie und vor allem der nachhaltige Umgang mit unseren Rohstoffen ist eines der Kernthemen unserer Zeit. Da kann sich niemand mehr vor verschlie\u00dfen \u2013 im Gegenteil: es ist Zeit etwas zu tun!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hemds\u00e4rmelig, voller innovativer Ideen und absolut \u00fcberzeugt von Nutzen und Notwendigkeit einer nachhaltigen und biobasierten Industrie \u2013 daf\u00fcr steht Uwe D\u2019Agnone. Der 53-j\u00e4hrige T\u00fcftler und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Creapaper hat sich der nachhaltigen, ressourcenschonenden Verwendung von Rohmaterialien in der Papierindustrie verschrieben. F\u00fcr den gelernten Kaufmann mit B\u00fcrositz in Hennef nahe Bonn ist eine \u00f6kologische Industrie jedoch [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[10608,13618,12344,13197],"supplier":[13617],"class_list":["post-76141","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-biooekonomie","tag-papier","tag-verpackungen","tag-zellstoff","supplier-creapaper-gmbh"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76141","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=76141"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76141\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=76141"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=76141"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=76141"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=76141"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}