{"id":76114,"date":"2019-10-11T07:22:06","date_gmt":"2019-10-11T05:22:06","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=76114"},"modified":"2020-06-20T12:19:49","modified_gmt":"2020-06-20T10:19:49","slug":"wie-aus-lebensmitteln-kleidung-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wie-aus-lebensmitteln-kleidung-wird\/","title":{"rendered":"Wie aus Lebensmitteln Kleidung wird"},"content":{"rendered":"<p>Synthetische Fasern wie Polyester und Polyamid sind aus vielen Textilien nicht wegzudenken. Gerade im Outdoor- und Sportbereich geht es kaum ohne. Doch die Branche sucht nach nat\u00fcrlichen Alternativen.<\/p>\n<p>Die Modebranche sucht nach neuen Wegen, nachhaltig zu produzieren. Ein Ansatz: Lebensmittelreste wie Maisabf\u00e4lle, Kokosnussschalen oder getrockneter Kaffeesatz werden in der Polymer-Produktion eingesetzt.<\/p>\n<p>Das Ziel ist unter dem Strich, weg vom Erd\u00f6l zu kommen. Der Weg ist allerdings noch weit. Und selbst diese neuen Produktionsans\u00e4tze sind nicht zwangsl\u00e4ufig nachhaltig.<\/p>\n<p>Welche Ans\u00e4tze gibt es f\u00fcr Lebensmittel in Kleidung? Maisabf\u00e4lle haben sich in Membranen bew\u00e4hrt und ersetzen Polyester-Fasern. \u201eSie sorgen f\u00fcr gutes Feuchtigkeitsmanagement\u201c, erkl\u00e4rt der Fachjournalist Ralf Stefan Beppler. Sie leiten Feuchtigkeit wie Schwei\u00df von der Haut nach drau\u00dfen, so dass sie an der Au\u00dfenseite der Textilien verdampft.<\/p>\n<p>Polylactid<\/p>\n<p>Aus dem Pflanzenzucker der Maispflanze wird Polylactid hergestellt. Das ist ein Sammelbegriff f\u00fcr biologisch abbaubare Plastikstoffe aus Milchs\u00e4ure. Polylactid ist der aus Erd\u00f6l hergestellten Polyester-Faser \u00e4hnlich, erkl\u00e4rt Klaus Opwis vom Deutschen Textilforschungszentrum Nord-West. Die Faser hat einen Nachteil, der zugleich ein Vorteil ist: Ihre Ketten gehen unter bestimmten klimatischen Bedingungen kaputt.<\/p>\n<p>Das ist etwa f\u00fcr die Haltbarkeit einer Outdoor-Jacke nicht w\u00fcnschenswert. \u201eAber unter bestimmten Bedingungen sind die Fasern kompostierbar\u201c, sagt Opwis. Jedoch auf einem Komposthaufen im Garten. \u201eEs braucht schon mehr Temperatur daf\u00fcr.\u201c<\/p>\n<p>Ein gefragter Rohstoff sind Beppler zufolge Kokosnussschalen. Aus ihnen l\u00e4sst sich Aktivkohle herstellen, welche in der Kleidung unter anderem eine geruchsabweisende Wirkung hat. Die Technologie der US-Firma 37.5 nutzen bereits viele Sport- und Outdoormarken. Auch Fasern aus getrocknetem Kaffeesatz sorgen f\u00fcr einen \u00e4hnlichen Effekt, Vaude setzt unter anderem auf sie.<\/p>\n<p>Milch<\/p>\n<p>Zudem nutzt Vaude Milch, die nicht mehr als Lebensmittel genutzt werden darf, f\u00fcr die Herstellung von Filz. Die Textilfasern der Firma QMilk werden aus alter Kuhmilch hergestellt. \u201eEin cooler Ansatz\u201c, findet Textilforscher Klaus Opwis. Auch Farben lassen sich aus Lebensmittel-Resten gewinnen: Bestandteile von Walnussschalen, Orangenschalen oder Roter Bete setzen verschiedene Firmen ein, zum Beispiel die Outdoor-Hersteller Patagonia und Kathmandu.<\/p>\n<p>Alle Ans\u00e4tze klingen gut. Doch wie nachhaltig sind sie unterm Strich? \u201eAlles, was tats\u00e4chlich aus Resten gemacht wird, ist toll\u201c, bewertet Viola Wohlgemuth von Greenpeace. Sie h\u00e4lt es f\u00fcr einen wichtigen Schritt, der aber noch in der Nische steckt. 70 Prozent aller eingesetzten Polymere seien immer noch erd\u00f6lbasiert.<\/p>\n<p>Allerdings geht es hier um die Details: Werde ein Lebensmittel lediglich in gro\u00dfen Mengen f\u00fcr die Produktion der Klamotten hergestellt, k\u00f6nne das aus \u00f6kologischen Gesichtspunkten wieder kritisch sein. Und dass Lebensmittel in Kleidung verarbeitet sind, hei\u00dft nicht automatisch, dass die St\u00fccke biologisch abbaubar sind.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem k\u00f6nnen die Biostoffe mit anderen Polymeren vermischt sein, was unter Umst\u00e4nden dazu f\u00fchrt, dass sie nicht mehr recycelt werden k\u00f6nnen. Sortenreine Produkte sind hier besser. Wohlgemuth betont: Es sei wichtig, Nachhaltigkeit zu Ende zu denken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Synthetische Fasern wie Polyester und Polyamid sind aus vielen Textilien nicht wegzudenken. Gerade im Outdoor- und Sportbereich geht es kaum ohne. Doch die Branche sucht nach nat\u00fcrlichen Alternativen. Die Modebranche sucht nach neuen Wegen, nachhaltig zu produzieren. Ein Ansatz: Lebensmittelreste wie Maisabf\u00e4lle, Kokosnussschalen oder getrockneter Kaffeesatz werden in der Polymer-Produktion eingesetzt. 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