{"id":7598,"date":"2004-10-27T00:00:00","date_gmt":"2004-10-26T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20041027-10n"},"modified":"2004-10-27T00:00:00","modified_gmt":"2004-10-26T22:00:00","slug":"diesel-aus-biomasse-firma-choren-will-in-lubmin-neuartige-raffinerie-errichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/diesel-aus-biomasse-firma-choren-will-in-lubmin-neuartige-raffinerie-errichten\/","title":{"rendered":"Diesel aus Biomasse &#8211; Firma Choren will in Lubmin neuartige Raffinerie errichten"},"content":{"rendered":"<p><b>Lubmin\/Hamburg (ddp-nrd). &#8211; Auf dem Gel\u00e4nde des fr\u00fcheren Kernkraftwerks Lubmin bei Greifswald sollen k\u00fcnftig Holzabf\u00e4lle, Stroh und Mais zu synthetischem Dieselkraftstoff verarbeitet werden. Daf\u00fcr will die s\u00e4chsische Firmengruppe <a href=\"http:\/\/www.choren.de\/\" >Choren Industries<\/a> in den n\u00e4chsten drei Jahren die weltweit erste industrielle Raffinerie f\u00fcr so genannten Sundiesel errichten, wie Projektleiter Michael Deutmeyer am Freitag in Lubmin sagte. Das erforderliche Grundst\u00fcck soll noch in diesem Jahr von der Energiewerke Nord GmbH (EWN) erworben werden.<\/b> <\/p>\n<p>In der Raffinerie sollen ab 2008 j\u00e4hrlich etwa 225 Millionen Liter des neuen Dieselkraftstoffs hergestellt werden. Zugleich entstehen in dem rund 400 Millionen Euro teueren Werk nach Choren-Angaben 150 neue Arbeitspl\u00e4tze. Pro Jahr werde rund eine Million Tonnen Biomasse vergast, darunter neben Holzh\u00e4cksel von Baum- und Strauchschnitten auch Stroh und Mais, der im Umkreis von bis zu 50 Kilometern angebaut werden k\u00f6nnte, sagte Deutmeyer.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zum Biodiesel, der aus pflanzlichen \u00d6len zum Beispiel durch Veresterung von Raps\u00f6l gewonnen wird, ist so genannter Sundiesel ein rein synthetischer Kraftstoff. Nach dem von Choren entwickelten und patentrechtlich gesch\u00fctzten Verfahren werden Waldrestholz, Stroh und Energiepflanzen wie Chinaschilf oder Mais in einem dreistufigen Prozess vergast. Das daraus gewonnene Rohgas kann durch Verbrennung energetisch genutzt oder als teerfreies Synthesegas zur Herstellung von Kraftstoffen, Methanol oder Paraffinen genutzt werden.<\/p>\n<p>Im s\u00e4chsischen Freiberg wird bereits seit einem Jahr eine erste Testanlage zur Herstellung von schwefelfreiem Sundiesel gebaut. Mit dem vom <a href=\"http:\/\/www.verbraucherministerium.de\/\" >Bundeslandwirtschaftsministerium<\/a> mit f\u00fcnf Millionen Euro gef\u00f6rderten Prototyp soll ab 2006 die industrielle Herstellung von Sundiesel optimiert werden. Nach ersten Tests der am Projekt beteiligten Autohersteller <a href=\"http:\/\/www.daimlerchrysler.de\/\" >Daimler-Chrysler<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.volkswagen.de\/\" >Volkswagen<\/a> lassen sich mit Sundiesel die Schadstoffemissionen gegen\u00fcber fossilem Diesel um bis zu 90 Prozent verringern.<\/p>\n<p>Mittelfristig will Choren f\u00fcr etwa zwei Milliarden Euro vier weitere Werke in Deutschland errichten. Um entsprechende Standorte sollen sich bereits mehrere Regionen beworben haben. Bis 2010 sollen in Deutschland bis zu einer Million Tonnen Sundiesel produziert werden.<\/p>\n<p>Mehrheitsgesellschafter der Choren Industries GmbH ist der Hamburger Kaufmann Michael Saalfeld. Geplant ist die Gr\u00fcndung einer Lubminer Betreiberfirma mit dem Namen <b>&#8220;Choren Fuel &#038; Co. KG&#8221;<\/b> mit Sitz in Schwerin. Zur <a href=\"http:\/\/www.stadtwerke-saalfeld.de\/\" >Saalfeld Holding<\/a>  geh\u00f6rt auch die vor vier Jahren gegr\u00fcndete Projektentwicklungsgesellschaft Concord Power Lubmin GmbH &#038; Co KG (CPL), die ab Fr\u00fchjahr 2005 ebenfalls am Standort Lubmin ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 1.200 Megawatt bauen lassen will. Daf\u00fcr soll eine Erdgaspipeline aus dem Berliner Raum nach Lubmin gebaut werden.<\/p>\n<p><b>ddp-Interview mit Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe: Synthetische Kraftstoffe auf dem Vormarsch<\/b><\/p>\n<p> <b>G\u00fclzow (ddp-nrd).<\/b> Synthetische Kraftstoffe wie Sundiesel k\u00f6nnten nach Ansicht der <a href=\"http:\/\/www.fnr.de\/\" >Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR)<\/a> in G\u00fclzow mittelfristig 25 bis 30 Prozent des Kraftstoffverbrauchs in Deutschland abdecken. Schon bis Ende 2005 werde der Anteil der Biokraftstoffe am europ\u00e4ischen Kraftstoffverbrauch auf 2 Prozent und bis 2010 auf 5,75 Prozent steigen, sagte Torsten Gabriel von der in Mecklenburg ans\u00e4ssigen Bundesagentur in einem Gespr\u00e4ch mit der Nachrichtenagentur ddp.<\/p>\n<p>Zu den aussichtsreichsten Kraftstoffen geh\u00f6rten die so genannten BTL-Kraftstoffe (Biomass-To-Liquid), die im Unterschied zum Biodiesel aus einer breiten Materialpalette wie Holz, Energiepflanzen und Abfallprodukten der Forst- und Landwirtschaft gewonnen werden. Allein in Deutschland st\u00fcnden etwa 4,4 Millionen Hektar zum Anbau von Energiepflanzen zur Verf\u00fcgung, sagte Gabriel. Zudem zeichneten sich synthetische Kraftstoffe durch ihre anpassbaren Zusammensetzungen als ideale Motorkraftstoffe mit schadstoffarmen Abgasen aus.<\/p>\n<p>Neben der s\u00e4chsischen Choren-Gruppe arbeiteten derzeit auch die nieders\u00e4chsische Firma Cutec und die Universit\u00e4t Freiberg an der Entwicklung eigener BTL-Kraftstoffe, sagte der Spezialist (vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/brandenburg-und-niedersachsen-vereinbaren-zusammenarbeit-mit-volkswagen\/\" >2003-07-18<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/niedersachsen-1-mio-eur-zuschuss-fuer-synthesekraftstoff-projekt\/\" >2003-01-14<\/a>). Die Agentur rechne damit, dass Sundiesel und Co. in etwa zehn Jahren marktf\u00e4hig sind. Noch ungel\u00f6st seien jedoch Lieferprobleme f\u00fcr die neuen Raffinerien, da die Energiepflanzen nur saisonal verf\u00fcgbar seien, die Anlagen jedoch ganzj\u00e4hrig laufen m\u00fcssten (vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/btl-kraftstoffe-in-der-diskussion\/\" >2004-10-26<\/a>). Damit soll sich Anfang November auch eine internationale <a href=\"http:\/\/www.fnr.de\/btl-symposium\/\" >Fachtagung in Wolfsburg<\/a> befassen.<\/p>\n<p> <b>ddp-Interview mit VW-Experte: Erfolgreiche Tests mit neuem Sundiesel <\/b><\/p>\n<p><b>Wolfsburg (ddp-nrd).<\/b> Der aus Biomasse gewonnene Sundiesel hat im Wolfsburger <a href=\"http:\/\/www.volkswagen.de\/\" >Volkswagen<\/a>-Konzern erste Tests erfolgreich bestanden. &#8220;Versuche mit diversen Motoren ergaben, dass mit dem neuartigen Kraftstoff die Schadstoffemissionen der ab 2006 geltenden Euro-4-Norm eingehalten werden&#8221;, sagte der Leiter des VW-Forschungsbereichs Energieumwandlung, Wolfgang Steiger, der Nachrichtenagentur ddp. Der synthetische Kraftstoff m\u00fcsse daher schnellstm\u00f6glich in den Markt eingef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Steigers Angaben zufolge enthalten die Abgase im Vergleich zu herk\u00f6mmlichen Dieselkraftstoffen 30 Prozent weniger Ru\u00dfpartikel, 2 bis 8 Prozent weniger Stickoxide sowie 60 bis 80 Prozent weniger Kohlenwasserstoffe und Kohlenmonoxid. Wenn die Pilotanlage in Freiberg wie vorgesehen ab 2006 gen\u00fcgend Sundiesel liefere, w\u00fcrden deshalb sowohl Volkswagen als Daimler-Chrysler alle neuen Fahrzeuge mit dem neuen Sprit als Erstbef\u00fcllung ausliefern. (Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/sundiesel-sauberster-biokraftstoff-mit-potenzial\/\" >2004-09-24<\/a>.)<\/p>\n<p>Die Homogenit\u00e4t des synthetisch hergestellten Kraftstoffes erm\u00f6gliche zugleich die Entwicklung verbrennungsoptimierter Motoren, sagte Steiger. Der bei Volkswagen auf dem Pr\u00fcfstand befindliche CCS-Motor (Combined Combustion System) zum Beispiel werde vollkommen schadstofffrei sein und damit den nach 2015 erwarteten Umweltstandards entsprechen.<\/p>\n<p>Der Volkswagen-Konzern koordiniere derzeit das EU-Projekt RENEW, bei dem mehrere Herstellverfahren von synthetischen Kraftstoffen \u00fcber Jahre untersucht w\u00fcrden, sagte Steiger. Mit Herstellungskosten von derzeit etwa 50 Cent pro Liter sei der Designer-Kraftstoff zwar noch vergleichsweise teuer. Das werde sich aber mit der weiteren Verteuerung von Roh\u00f6l und den steigenden Umweltanforderungen relativieren.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/revolution-holz-im-tank\/\" >2004-07-09<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Lubmin\/Hamburg (ddp-nrd). &#8211; Auf dem Gel&auml;nde des fr&uuml;heren Kernkraftwerks Lubmin bei Greifswald sollen k&uuml;nftig Holzabf&auml;lle, Stroh und Mais zu synthetischem Dieselkraftstoff verarbeitet werden. 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