{"id":75930,"date":"2020-06-19T07:29:23","date_gmt":"2020-06-19T05:29:23","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=75930"},"modified":"2020-06-16T13:29:41","modified_gmt":"2020-06-16T11:29:41","slug":"neue-zeiten-neue-antworten-gentechnikrecht-zeitgemaess-regulieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/neue-zeiten-neue-antworten-gentechnikrecht-zeitgemaess-regulieren\/","title":{"rendered":"Neue Zeiten, neue Antworten: Gentechnikrecht zeitgem\u00e4\u00df regulieren"},"content":{"rendered":"<p><strong>2020 geben wir uns ein neues gr\u00fcnes <a href=\"https:\/\/www.gruene.de\/grundsatzprogrammprozess\" target=\"_blank\">Grundsatzprogramm<\/a>. Damit verbinden wir den Anspruch, unsere Positionen auf ihre Tragf\u00e4higkeit f\u00fcr die Zukunft zu pr\u00fcfen und neue Antworten f\u00fcr neue Zeiten zu formulieren. Ma\u00dfstab f\u00fcr neue Antworten sind die jeweiligen Chancen f\u00fcr einen gesunden Planeten und damit zum Wohl von Mensch und Umwelt.<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Ma\u00dfstab gilt f\u00fcr uns auch bei der Anwendung der Biotechnologie, insbesondere der Gentechnik. Es ist unsere Aufgabe als \u00f6kologisch-soziale Partei, Anwendungen der Biotechnologie differenziert nach ihrem Potential und m\u00f6glichen Risiken f\u00fcr eine nachhaltige und gerechte Gesellschaft zu bewerten \u2013 sowohl lokal als auch global. Unter dieser Pr\u00e4misse erscheint uns eine Bewertung der neuen Gentechnik notwendig, die wir in den folgenden sechs Thesen darlegen:<\/p>\n<h3>1. Die politischen Herausforderungen in der Landwirtschaft, egal ob lokal, national oder global, werden sich nicht durch eine einzelne Technologie l\u00f6sen lassen, aber auch nicht ohne Technologiespr\u00fcnge hin zu mehr Nachhaltigkeit und Klimavertr\u00e4glichkeit. Gleiches gilt f\u00fcr das Gesundheitssystem: Eine therapeutische Technologie kann nur eingebettet in ein funktionierendes Gesundheitssystem helfen.<\/h3>\n<p>\u00d6kolandbau, ver\u00e4nderte Anbaumethoden und Fruchtfolgen sowie die Wiederentdeckung alter Sorten bergen weiterhin viel ungenutztes Potenzial f\u00fcr eine nachhaltige Landwirtschaft und stellen teilweise bereits verf\u00fcgbare L\u00f6sungen dar. Dennoch werden die immer k\u00fcrzer getakteten gravierenden Folgen des Klimawandels auch immer rasantere Anpassungsma\u00dfnahmen in der Landwirtschaft notwendig machen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht alleine durch Ver\u00e4nderungen in Anbau und Saatauswahl zu leisten sein werden. Das gegenw\u00e4rtige Innovationstempo reicht mittlerweile zur Rettung von Klima und Umwelt nicht mehr aus.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen daher auf differenzierte L\u00f6sungsans\u00e4tze setzen, die vielversprechende, neue Technologien ebenso wie soziale Innovationen, Wissenschaft und Wirtschaft, Politik und Gesellschaft einbinden. Sie sind Teil des Wegs zu einer nachhaltigen Landwirtschaft und Lebensweise, die die globale Ern\u00e4hrungsfrage ebenso im Blick hat wie klimapolitische Notwendigkeiten der Fl\u00e4chenschonung und der Erhalt der Artenvielfalt.<\/p>\n<p>Das Gleiche gilt f\u00fcr den Bereich Gesundheit. Die Corona-Pandemie zeigt, in welchem Tempo v\u00f6llig neue Herausforderungen auf uns zukommen k\u00f6nnen und wie entscheidend eine schnelle Innovationsf\u00e4higkeit f\u00fcr neue Diagnose- und Therapiemethoden ist. In der therapeutischen Medizin bewerten wir nicht einzelne Technologien, sondern setzen auf medizinischen Fortschritt, der die globale Gesundheit sichert und Menschen selbstbestimmte Entscheidungen \u00fcber ihren K\u00f6rper und ihr Leben erm\u00f6glicht.<\/p>\n<h3>2. Neue Gentechnik in der Landwirtschaft steht nicht per se f\u00fcr weniger oder mehr Nachhaltigkeit, sondern kann potentiell f\u00fcr beides genutzt werden.<\/h3>\n<p>Technologien sind ein Instrument, es kommt auf die Zwecke an. Zu Recht kl\u00e4ren wir als Gr\u00fcne seit Jahrzehnten dar\u00fcber auf, dass vor allem gro\u00dfe Konzerne zur Gewinnmaximierung gezielt Pflanzen z\u00fcchten, die resistent gegen Herbizide sind, und so am Ende zu mehr Belastungen der \u00c4cker f\u00fchren statt zu weniger. Unbestritten hat ebenfalls der gro\u00dffl\u00e4chige Einsatz von Herbiziden in Deutschland, auch ohne den hierzulande verbotenen Anbau gentechnisch ver\u00e4nderter Pflanzen, massive Auswirkungen auf die \u00d6kosysteme. Egal mit welcher Methode dies geschieht, stehen solche Z\u00fcchtungen klar im Widerspruch zu unseren Zielen einer innovativen wie nachhaltigen Landwirtschaft.<\/p>\n<p>Zu nachhaltiger Landwirtschaft geh\u00f6rt f\u00fcr uns: Wir wollen Gift auf unseren \u00c4ckern vermeiden, den intensiven Einsatz von D\u00fcnger \u2013 und damit Nitrateintrag in Boden und Gew\u00e4ssern \u2013 reduzieren. Wir haben die sich ver\u00e4ndernden klimatischen Bedingungen im Blick und wollen Artenvielfalt erhalten und st\u00e4rken. Das ist unser Ma\u00dfstab, wir sehen Organismen im Kontext.<\/p>\n<p>Die Z\u00fcchtung neuer oder weiterentwickelter Pflanzensorten spielt f\u00fcr diese Ziele seit jeher eine entscheidende Rolle. Pflanzen, die gegen Pilze resistent sind, k\u00f6nnen zu weniger Fungizideinsatz f\u00fchren. Pflanzen, die mehr Ertrag bringen, k\u00f6nnen Fl\u00e4chen schonen und Monokulturen reduzieren. Wenn diese Ziele durch neue Methoden und Verfahren, wie CRISPR\/Cas9, leichter und schneller erreicht werden k\u00f6nnen, liegt darin eine gro\u00dfe Chance f\u00fcr eine nachhaltige Landwirtschaft. Die Zahl der Beispiele f\u00fcr gentechnische Erfolge steigt in den letzten Jahren deutlich an. [1]<\/p>\n<p>Viele Forschende \u2013 gerade an unseren \u00f6ffentlichen Forschungseinrichtungen \u2013 teilen unsere Ziele einer nachhaltigen und global verantwortlichen Landwirtschaft. Sie z\u00e4hlen bei diesem Thema vor allem auf uns GR\u00dcNE und brauchen genau deshalb gute Rahmenbedingungen, um bei uns Innovationen im Bereich der Pflanzenz\u00fcchtung voranzubringen. Wir brauchen mittlerweile Sprunginnovationen, um den Planeten zu retten. Zu Sprunginnovationen geh\u00f6rt auch eine grunds\u00e4tzliche Haltung zur Technologieoffenheit. Mit den heutigen Technologien werden wir zu langsam vorankommen.<\/p>\n<h3>3. Die aktuelle Regulierung von genver\u00e4nderten Organismen (GVO) bef\u00f6rdert Monopolstrukturen in der Landwirtschaft; f\u00fcr faire M\u00e4rkte, die f\u00fcr alle zug\u00e4nglich sind, brauchen wir neue Regeln.<\/h3>\n<p>Die zunehmende wirtschaftliche Konzentrierung zementiert das agrarindustrielle System und arbeitet gegen die dringend notwendige Agrarwende. Das spricht nicht gegen Gentechnik, sondern f\u00fcr eine Anpassung ihrer Rahmenbedingungen. Durch die derzeitige Rechtslage im Bereich des Patentschutzes und der Biotechnologie werden gro\u00dfindustrielle Strukturen gest\u00e4rkt. Zulassungsverfahren kosten nicht nur sehr viel Geld, sie sind auch extrem aufwendig sowie langwierig und k\u00f6nnen derzeit nur von wenigen Gro\u00dfunternehmen geleistet werden. Dadurch gibt es hohe Markteintrittsbarrieren.<\/p>\n<p>Deshalb tr\u00e4gt der derzeitige Rechtsrahmen von GVO zu einer Monopolisierung von Marktkonzentration bei, indem z.B. in Europa \u00f6ffentliche Forschungseinrichtungen unter den derzeitigen Rahmenbedingungen de facto keine neuen Arten erforschen und z\u00fcchten k\u00f6nnen. Unter anderem, weil zum Forschungsprozess zwingend die Erprobung auf dem freien Feld geh\u00f6rt, die derzeit in Deutschland nicht stattfindet. Diese Rahmenbedingungen f\u00fchren dazu, dass die neuen gentechnischen Verfahren vorrangig bei Gro\u00dfunternehmen zur profitorientierten Entwicklung, kaum aber bei \u00f6ffentlichen Forschungseinrichtungen zur gemeinwohlorientierten Entwicklung in der Landwirtschaft Anwendung finden. Wir wollen mit einer Neuregelung des Rechtsrahmens auch eine Chance f\u00fcr \u00f6ffentliche Forschungseinrichtungen und kleine sowie mittelst\u00e4ndischen Unternehmen bieten, die sich an der \u00f6kologischen und nachhaltigen Landwirtschaft von morgen beteiligen \u2013 egal, welche Instrumente sie einsetzen, sofern diese wissenschaftlich als unbedenklich bewertet wurden.<\/p>\n<h3>4. Die grunds\u00e4tzlich akzeptierte Rote Gentechnik f\u00fchrt schon heute vor Augen, dass auch das Unterlassen der Anwendung nicht von Verantwortung gegen\u00fcber der Gegenwart und Zukunft entbindet.<\/h3>\n<p>Es gibt keine gute oder schlechte Gentechnik \u2013 wir als Gesellschaft m\u00fcssen Anwendungsbereiche anhand von Risiken und Chancen diskutieren und definieren. Die Rote Gentechnik besch\u00e4ftigt sich mit der Entschl\u00fcsselung und\/oder Ver\u00e4nderung von Erbmaterial in der Medizin und der biomedizinischen Forschung z.B. mit dem Ziel, Menschen mit Hilfe von Gentherapie oder Genscheren zu heilen. In Deutschland sind aktuell bereits ca. 280 Arzneimittel mit 232 Wirkstoffen zugelassen, die gentechnisch hergestellt sind[2]. Dies zeigt: Rote Gentechnik findet bereits breite Anwendung. Durch die neuen gentechnischen Verfahren wird die Anwendung in absehbarer Zeit explodieren. Wie ein Brennglas zeigt die dringliche Entwicklung eines Impfstoffs gegen das neuartige Coronavirus mit Hilfe von gentechnischen Verfahren, wie relevant innovative Technologien f\u00fcr die globale Gesundheit sind.<\/p>\n<p>Wie bei der Gr\u00fcnen Gentechnik ist auch bei der Roten Gentechnik f\u00fcr uns klar, dass die Grenzen der Anwendung durch unsere Grundwerte gesetzt werden. Wie bei der Gr\u00fcnen Gentechnik, die durch Nachhaltigkeitskriterien zu bewerten ist, darf die Anwendung von Roter Gentechnik nicht mit unseren Werten von Menschenw\u00fcrde, Freiheit und Verantwortung gegen\u00fcber den nachfolgenden Generationen kollidieren. Wir wollen, dass die Menschen selbstbestimmt Entscheidungen \u00fcber ihren K\u00f6rper und ihr Leben treffen k\u00f6nnen. Unsere Grundwerte sind unser Ma\u00dfstab bei Zulassung von neuen Technologien sowie bei der Unterlassung ihrer Anwendung. Es kann daher nicht um prinzipiellen Verbote gehen, sondern um eine Anwendung oder Unterlassung auf der Basis breiter gesellschaftlicher Diskussion.<\/p>\n<p>Im Mai 2019 hat der Deutsche Ethikrat zu molekularbiologischen Instrumenten zur gezielten Genom-Ver\u00e4nderung von Lebewesen, insbesondere zu Eingriffen in die Keimbahn, Stellung genommen und ein Anwendungsmoratorium gefordert[3], auch eine gemeinsame Stellungnahme der Ethikr\u00e4te aus Deutschland, Frankreich und Gro\u00dfbritannien hat dies best\u00e4tigt[4]. Auf der Basis solch differenzierter Positionen kann die Politik den Forscherinnen und Forscher gesellschaftlich definierte ethische Rahmenbedingungen bieten.<\/p>\n<p>Es ist wichtig, auf Basis einer breiten gesellschaftlichen Diskussion die Chancen und Risiken differenziert abzuw\u00e4gen und die Forschung an bzw. Anwendung von gentechnischen Therapiem\u00f6glichkeiten an K\u00f6rperzellen und in der Keimbahn transparent und eindeutig zu regulieren.<\/p>\n<p>Den Grundsatz, in jeder Risikoabw\u00e4gung die Last der Erkrankung und das Risiko der Behandlung zu ber\u00fccksichtigen, wollen wir auf gentechnische Therapieverfahren der K\u00f6rperzellen \u00fcbertragen.[5]<\/p>\n<h3>5. Inkoh\u00e4rente Anwendung schw\u00e4cht das Vorsorgeprinzip \u2013 wir m\u00fcssen eine faktenbasierte Antwort geben, wann eine Technologie ausreichend erforscht ist, um als sicher zu gelten.<\/h3>\n<p>Europa sorgt vor und betreibt eine umfangreiche Risikoabsch\u00e4tzung, bevor neue Technologien in die breite Anwendung gelangen. Das muss so bleiben. Als Gr\u00fcne haben wir einen wesentlichen Anteil zur Entwicklung der Technikfolgenabsch\u00e4tzung beigetragen und wollen diese weiter verbessern. Das Vorsorgeprinzip wird jedoch langfristig gef\u00e4hrdet, wenn es \u2013 je nach Gegenstand \u2013 unterschiedlich angewendet wird. Wir m\u00fcssen deshalb eine Antwort liefern, durch welche nachpr\u00fcfbaren Kriterien dem Vorsorgeprinzip Gen\u00fcge getan ist. Um das Vorsorgeprinzip zu st\u00e4rken, bedarf es eines klaren gr\u00fcnen Verst\u00e4ndnisses davon, welche Belege f\u00fcr Risiken allgemein anerkannt werden k\u00f6nnen. Diese Bewertungsschemata m\u00fcssen dann in allen Bereichen gleicherma\u00dfen transparent angewandt werden.<\/p>\n<p>Zwischen 1985 und 2010 sind allein in der EU 130 Forschungsprojekte durchgef\u00fchrt worden, um die Risiken der (alten) Gentechnik in der Landwirtschaft einzusch\u00e4tzen.[6] Sie sind zu dem Urteil gekommen, dass \u201eBiotechnologie und insbesondere die GVO per se nicht riskanter sind als z.B. konventionelle Pflanzenz\u00fcchtungstechnologien.\u201c[7] Wenn wir solche wissenschaftliche Aussagen bezweifeln, reichen abstrakte Erw\u00e4gungen nicht aus.<\/p>\n<p>Ungerichtete Mutagenese ist vom Europ\u00e4ischen Gerichtshof ebenfalls als Gentechnik eingeordnet und durch die jahrelange Erfahrung mit ihr als \u201esicher\u201c eingestuft worden. Sie ist von der GVO-Regulierung ausgenommen. Warum dies bei zielgerichteter Mutagenese, wie bei CRISPR, nicht gelten soll, bleibt offen. Das m\u00f6gliche Innovationstempo und deren Effektivit\u00e4t ist f\u00fcr uns zumindest kein hinreichendes Argument gegen die Gentechnik, sondern f\u00fcr sie \u2013 sofern sie zugunsten der Umwelt eingesetzt wird.<\/p>\n<h3>6. Aktuelle Regulierung von GVO entspricht teilweise nicht mehr dem wissenschaftlichen Stand \u2013 entscheidend ist nicht die Technologie, sondern das Ergebnis<\/h3>\n<p>Die meisten Wissenschaftler*innen sehen keinen Unterschied allein aufgrund der Tatsache und hinsichtlich der Risiken, ob ein Organismus durch radioaktive Strahlung, Chemikalien, oder der Natur entlehnter CRISPR\/Cas9-Verfahren genetisch ver\u00e4ndert wurde. Entscheidend sind vielmehr die Eigenschaften des Organismus und deren Folgen f\u00fcr Mensch und Umwelt.<\/p>\n<p>Wenn wir als Gr\u00fcne die naturwissenschaftlichen Risiken von Neuer Gentechnik im Gegensatz zu der gro\u00dfen Mehrheit der Wissenschaftler*innen und nach zahlreichen Studien zur Technikfolgeabsch\u00e4tzung allein aufgrund der Technologie (also aufgrund des Verfahrens) bewerten, brauchen wir naturwissenschaftlich nachvollziehbare Argumente.<\/p>\n<p>Es ist nicht ausreichend, eine Technologie als die \u201enat\u00fcrlichere\u201c oder \u201esicherere\u201c zu bezeichnen, wenn sich dies nicht durch konkrete Fakten belegen l\u00e4sst. Die Gentechnik hat sich in den letzten zehn Jahren grundlegend ver\u00e4ndert (was z. B. zu fehlenden Nachweismethoden f\u00fchrt). Die Risiken laufen nicht mehr entlang der Technologien, sondern entlang ihrer Anwendungen: In der Landwirtschaft kann die Biodiversit\u00e4t auch mit Bio-Produkten genauso gesch\u00e4digt werden wie mit Gentechnik.<\/p>\n<p>Wir wollen unsere alten Forderungen von R\u00fcckholbarkeit und Wahlfreiheit grundlegend \u00fcberarbeiten, damit sie weiterhin sinnvoll sind. Wir brauchen eine technologieoffene Ausrichtung der Regulierung auf konkrete Risiken, die unseren Planeten heute schon akut bedrohen. Ob Gentechnik oder Biolandbau: In beiden F\u00e4llen m\u00fcssen wir mit der Regulierung Eingriffe ins \u00d6kosystem in den Blick nehmen. Am Ende soll u. a. ein \u00fcberarbeitetes Zulassungsverfahren von Gr\u00fcner Gentechnik stehen, das seinem Namen gerecht wird. Das ist heute nicht der Fall.<\/p>\n<h3>Blick in die Zukunft: Wir d\u00fcrfen den Handlungsbedarf nicht l\u00e4nger ignorieren, sondern m\u00fcssen unsere St\u00e4rke einer ausgewogenen und sorgf\u00e4ltigen Technologiebewertung im Dialog mit der Wissenschaft auch auf neue Gentechnik in der Landwirtschaft anwenden.<\/h3>\n<p>Gentechnikfreiheit ist kein Wert an sich. Wir brauchen einen zeitgem\u00e4\u00dfen Katalog zentraler Fragen bei der Beurteilung von Chancen und Risiken neuer Technologien. Einige davon haben wir hier bereits genannt: Welche gesundheitlichen, sozialen oder \u00f6kologischen Folgen (Chancen wie Risiken) sind wissenschaftlich fundiert erkennbar? Welche M\u00e4rkte mit welchen Folgen entstehen durch neue Technologien? Wie ist deren (globale) Zug\u00e4nglichkeit und was sind\u2013 wie hier im Falle der Landwirtschaft \u2013 die Konsequenzen f\u00fcr B\u00e4uerinnen und Bauern?<\/p>\n<p>Eine Technologie ist ein Mittel und deren Regulierung h\u00e4ngt von den Zwecken ab. Zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben Regulierungsvorschl\u00e4ge vorgelegt[8]. Diese wollen wir im n\u00e4chsten Schritt anhand unserer Kriterien pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Wenn europaweit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler f\u00fcr eine \u00dcberarbeitung der derzeitigen Rechtslage pl\u00e4dieren[9], da sie nicht mehr dem aktuellen Stand der Technikfolgenabsch\u00e4tzung entspricht und die Chancen nicht genutzt werden k\u00f6nnen, sollten wir dies ernst nehmen und mit der Wissenschaft dringend den Dialog suchen, insbesondere mit jenen, die unsere \u00f6kologischen und nachhaltigen Ziele teilen.<\/p>\n<p>Aber wenn wir uns nicht konstruktiv in den Diskurs \u00fcber einen neuen Umgang mit Gentechnik einbringen, wird ohne uns die Zukunft diskutiert \u2013 in Europa und dar\u00fcber hinaus. Bereits heute ist Europa gegen\u00fcber den USA und China bei der Forschung in einigen Gebieten weit abgeh\u00e4ngt. Wir sind in Deutschland und Europa keine Insel, sondern m\u00fcssen unseren Gestaltungsanspruch auch durch fundierte Vorschl\u00e4ge untermauern.<\/p>\n<p>Am Anfang steht f\u00fcr uns die Bewertung neuer Technologien im Hinblick auf die jeweilige Anwendung zum Nutzen von Mensch, Tier und Umwelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Referenzen<\/h3>\n<p>[1] Siehe u.a. Modrzejewski et al. Environ Evid (2019) 8:27 &#8211; <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1186\/s13750-019-0171-5\" target=\"_blank\">https:\/\/doi.org\/10.1186\/s13750&#8230;<\/a> &#8211; oder <a href=\"https:\/\/progressive-agrarwende.org\/advent_calendar\/?lang=de\" target=\"_blank\">https:\/\/progressive-agrarwende&#8230;<\/a><\/p>\n<p>[2] Stand: 28.1.2020, Quelle: <a href=\"https:\/\/www.vfa.de\/de\/arzneimittel-forschung\/datenbanken-zu-arzneimitteln\/amzulassungen-gentec.html\" target=\"_blank\">https:\/\/www.vfa.de\/de\/arzneimi&#8230;<\/a><\/p>\n<p>[3] <a href=\"https:\/\/www.ethikrat.org\/fileadmin\/Publikationen\/Stellungnahmen\/deutsch\/stellungnahme-eingriffe-in-die-menschliche-keimbahn.pdf\" target=\"_blank\">https:\/\/www.ethikrat.org\/filea&#8230;<\/a><\/p>\n<p>[4] <a href=\"https:\/\/www.ethikrat.org\/mitteilungen\/2020\/gemeinsame-erklaerung-der-ethikraete-deutschlands-frankreichs-und-grossbritanniens-zur-ethik-von-eingriffen-in-die-menschliche-keimbahn\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.ethikrat.org\/mitte&#8230;<\/a><\/p>\n<p>[5] <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-lehre.de\/forschung\/die-buechse-der-pandora-2369\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.forschung-und-lehr&#8230;<\/a><\/p>\n<p>[6] siehe gemeinsame Stellungnahme von Leopoldina, DFG und Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften vom 4.12.2019<\/p>\n<p>[7] Europ\u00e4ische Union (2010): A decade of EU-funded GMO research. Publication Office of The European Union, Luxemburg.<\/p>\n<p>[8] siehe u.a. erneut die Stellungnahme von Leopoldina, DFG und Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften vom 4.12.2019 und die Stellungnahme des Deutschen Ethikrats: <a href=\"https:\/\/www.ethikrat.org\/filea...\" target=\"_blank\">https:\/\/www.ethikrat.org\/filea&#8230;<\/a><\/p>\n<p>[9] https:\/\/www.mpg.de\/13748381\/wissenschaftler-fordern-modernisierung-des-europaeischen-gentechnik-gesetzes <a href=\"https:\/\/www.mpg.de\/13748381\/wissenschaftler-fordern-modernisierung-des-europaeischen-gentechnik-gesetzes\" target=\"_blank\">https:\/\/www.mpg.de\/13748381\/wissenschaftler-fordern-modernisierung-des-europaeischen-gentechnik-gesetzes<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.gruene.de\/grundsatzprogrammprozess\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-75933\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Bildschirmfoto-2020-06-16-um-13.23.07.png\" alt=\"Bildschirmfoto 2020-06-16 um 13.23.07\" width=\"543\" height=\"252\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/06\/Bildschirmfoto-2020-06-16-um-13.23.07.png 655w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/06\/Bildschirmfoto-2020-06-16-um-13.23.07-300x139.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/06\/Bildschirmfoto-2020-06-16-um-13.23.07-600x278.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 543px) 100vw, 543px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2020 geben wir uns ein neues gr\u00fcnes Grundsatzprogramm. 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