{"id":75883,"date":"2020-06-23T06:55:58","date_gmt":"2020-06-23T04:55:58","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=https%3A%2F%2Fwww.euractiv.com%2Fsection%2Fenergy%2Fnews%2Fgermany-plans-to-promote-green-hydrogen-with-e7-billion%2F"},"modified":"2020-06-17T14:30:53","modified_gmt":"2020-06-17T12:30:53","slug":"bundesregierung-verspricht-sieben-milliarden-euro-fuer-gruenen-wasserstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bundesregierung-verspricht-sieben-milliarden-euro-fuer-gruenen-wasserstoff\/","title":{"rendered":"Bundesregierung verspricht sieben Milliarden Euro f\u00fcr gr\u00fcnen Wasserstoff"},"content":{"rendered":"<p>Sie sieht vor, bis 2030 Erzeugungskapazit\u00e4ten von 5 GW und bis 2040 von 10 GW zu schaffen. Dazu sollen sieben Milliarden Euro in Unternehmen und Forschung flie\u00dfen.<\/p>\n<p>Es brauchte eine Pandemie, damit die Bundesregierung sich mit sechsmonatiger Versp\u00e4tung zu einer Wasserstoff-Strategie einig werden konnte. Die \u201egr\u00f6\u00dfte Innovation seit dem EEG\u201c, nannte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) das 28-seitige Dokument, als er es heute, zusammen mit gleich drei anderen Ministern, der Presse in Berlin vorstellte. Mit diesem \u201eQuantensprung\u201c wolle Deutschland zum Weltf\u00fchrer in Sachen Wasserstoff-Technologien werden.<\/p>\n<p>Die Bundesrepublik setzt sich damit zum ersten Mal quantitative Ziele f\u00fcr die Produktion von Wasserstoff: Bis 2030 sollen Erzeugungsanlagen mit bis zu 5 GW Gesamtleistung entstehen. Dies entspricht etwa einer Wasserstoffproduktion von 14 TWh. Bis 2040 soll die Kapazit\u00e4t dann auf 10 GW gesteigert werden.<\/p>\n<p>Die ben\u00f6tigte Energie soll gr\u00f6\u00dftenteils in Offshore-Windparks entstehen, f\u00fcr die 14 TWh w\u00e4ren in etwa 20 TWh gr\u00fcner Strom erforderlich. Lange war \u00fcber die Ausbaumenge gestritten worden, die SPD hatte doppelt so viel gefordert. Doch als die Bundesregierung vergangene Woche ihr Konjunkturpaket vorstellte, ging die Einigung im Kabinett pl\u00f6tzlich ganz schnell.<\/p>\n<p>Sieben Milliarden Euro f\u00fcr die Marktreife<\/p>\n<p>Von den 130 Milliarden Euro im Konjunkturpaket versprochenen Mitteln sollen nun sieben Milliarden Euro in die F\u00f6rderung von Wasserstoff flie\u00dfen, um ihn marktreif zu machen und einen Bedarfsmarkt zu schaffen. Bislang ist die Herstellung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien nur in kleinen Mengen m\u00f6glich, in sogenannten Reallaboren wird derzeit getestet, wie sich die Elektrolyse hochskalieren l\u00e4sst. Zus\u00e4tzlich stellt die Bundesregierung zwei Milliarden Euro f\u00fcr internationale Partnerschaften zum Beispiel mit Nordafrika bereit, wo sie bereits mehrere Abkommen geschlossen hat, um sich an dortigen Produktionsanlagen zu beteiligen.<\/p>\n<p>Weiterhin in der Strategie vorgesehen ist die Schaffung eines 25-k\u00f6pfigen nationalen Wasserstoff-Rates aus Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.<\/p>\n<p>Die Wasserstoff-Strategie wird begleitet von einem Aktionsplan mit 38 Ma\u00dfnahmen. Sie sehen unter anderem vor, bessere Bedingungen f\u00fcr erneuerbare Energien und attraktivere Konditionen f\u00fcr den Bau von Offshore-Windparks zu schaffen. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) betonte heute: \u201eWer Ja sagt zu Wasserstoff, muss auch Ja sagen zu Windenergie. Deswegen m\u00fcssen und werden wir die erneuerbaren Energien konsequent ausbauen.\u201c<\/p>\n<p>Quoten f\u00fcr alternative Kraftstoffe werden gepr\u00fcft<\/p>\n<p>Da das gr\u00fcne Gas zuerst dort verwendet werden soll, wo sich Prozesse nicht elektrisieren lassen \u2013 zum Beispiel im Schwerlastverkehr, in der Stahlproduktion, der Chemieindustrie sowie der Luftfahrt \u2013 sollen Unternehmen in diesem Bereich finanzielle Hilfen erhalten, wenn sie in Elektrolyseanlagen und die Umr\u00fcstung ihrer Maschinen investieren. Dazu soll auch ein Pilotprogramm f\u00fcr sogenannte Carbon Contracts for Difference (CfD) lanciert werden, das auf die Stahl- und Chemieindustrie abzielt.<\/p>\n<p>Auch im Verkehrsbereich soll Wasserstoff seinen Einsatz finden, eine Idee, die urspr\u00fcnglich vom Umweltministerium abgelehnt worden war. Um die Herstellung von erneuerbaren Kraftstoffen zu unterst\u00fctzen, soll unter anderem eine Infrastruktur f\u00fcr die Wasserstofftankung aufgebaut werden. Au\u00dferdem m\u00f6chte die Bundesregierung pr\u00fcfen, ob sich eine Quote f\u00fcr erneuerbare Treibstoffe im Flugverkehr von 20 Prozent bis zum Jahr 2030 umsetzen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr den Fraktionsvize der Gr\u00fcnen, Oliver Krischer, ist dieser Punkt essentiell: \u201eDa sollen gro\u00dfe Kapazit\u00e4ten in der Produktion aufgebaut werden, ohne dass klar ist, wer diesen Wasserstoff \u00fcberhaupt abnimmt\u201c. Es brauche verpflichtende Beimischungsquoten etwa im Luftverkehr oder im Erdgasnetz. Im Automobilsektor dagegen sei Wasserstoff fehlplatziert: \u201eDas eingeplante Geld f\u00fcr Wasserstofftankstellen ist rausgeschmissenes Geld, weil Elektroautos viel g\u00fcnstiger sind und von der Effizienz nicht mehr einholbar sind.\u201c<\/p>\n<p>F\u00f6rderung nur f\u00fcr gr\u00fcnen Wasserstoff<\/p>\n<p>Ganz besonders umstritten war die Frage gewesen, inwiefern Deutschland nur \u201egr\u00fcnen\u201c, also aus erneuerbaren Energien hergestellten Wasserstoff f\u00f6rdern m\u00f6chte, oder ob auch Wasserstoff eine Rolle spielen soll, der unter der Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff produziert wurde (blauer und t\u00fcrkiser Wasserstoff). Das Ergebnis ist eine Zwischenl\u00f6sung: Zwar f\u00f6rdert die Bundesregierung stark auf gr\u00fcnen Wasserstoff, doch sie schlie\u00dft die Verwendung von teils fossilem Wasserstoff nicht aus. \u201eWir werden nat\u00fcrlich erleben, dass es \u00dcbergangsschritte geben wird, wenn wir grauen Wasserstoff durch gr\u00fcnen ersetzen\u201c, sagte Altmaier heute.<\/p>\n<p>In der Strategie hei\u00dft es weiterhin, man rechne damit, dass in den kommenden zehn Jahren ein europaweiter Wasserstoffmarkt entstehen wird, auf dem auch blauer oder t\u00fcrkiser Wasserstoff gehandelt werden. Da Deutschland in die Energienetze der EU eingebunden ist, werde \u201eauch in Deutschland CO2-neutraler Wasserstoff eine Rolle spielen und, wenn verf\u00fcgbar, auch \u00fcbergangsweise genutzt werden.\u201c<\/p>\n<p>Deutschland hatte die Schaffung einer europ\u00e4ischen Infrastruktur f\u00fcr Wasserstoff als eine der gr\u00f6\u00dften Priorit\u00e4ten seiner Ratspr\u00e4sidentschaft erkl\u00e4rt, in der Hoffnung, sich in den kommenden Jahren als Exportmeister zu etablieren. \u201eAuf gr\u00fcnen Wasserstoff-Technologien soll bald das Siegel \u201aMade in Germany\u2018 stehen\u201c, sagte Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU).<\/p>\n<p>Deutschland \u00fcberreicht endlich nationalen Klimaplan an EU<\/p>\n<p>Vertreter der Wirtschaft und Zivilgesellschaft haben die vorgestellte Strategie \u00fcberwiegend positiv aufgenommen und den starken Fokus auf gr\u00fcnen Wasserstoff gelobt. \u201eDie deutsche Wasserstoffstrategie zeigt, dass sich einer der weltweit gr\u00f6\u00dften fossilen Gasverbraucher auf eine Zukunft ohne sie vorbereitet\u201c, schreibt Felix Heilmann, Forscher beim Klima Think Tank E3G.<\/p>\n<p>Gleichzeitig verdeutlichten die langen Verhandlungen innerhalb der Regierung die Schwierigkeiten, wenn Wasserstoff als alleinige Wunderl\u00f6sung f\u00fcr die Energiewende gesehen werde. Daher m\u00fcssten parallel die Elektrifizierung und Energieeffizienz vorangetrieben werden, so Heilmann.<\/p>\n<p>Und es gab heute noch mehr Nachrichten: Nicht nur die finale Wasserstoff-Strategie wurde vorgestellt \u2013 nach \u00fcber sechs Monaten Versp\u00e4tung nutzte die Bundesregierung die Gelegenheit, ihren nationalen Energie- und Klimaplan bei der EU-Kommission einzureichen. Die hat derweil bereits die Pl\u00e4ne der meisten anderen Mitgliedsstaaten analysiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie sieht vor, bis 2030 Erzeugungskapazit\u00e4ten von 5 GW und bis 2040 von 10 GW zu schaffen. Dazu sollen sieben Milliarden Euro in Unternehmen und Forschung flie\u00dfen. Es brauchte eine Pandemie, damit die Bundesregierung sich mit sechsmonatiger Versp\u00e4tung zu einer Wasserstoff-Strategie einig werden konnte. 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