{"id":75334,"date":"2020-06-03T07:29:56","date_gmt":"2020-06-03T05:29:56","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=75334"},"modified":"2020-05-28T15:08:08","modified_gmt":"2020-05-28T13:08:08","slug":"technikradar-2020-was-die-deutschen-ueber-die-biooekonomie-denken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/technikradar-2020-was-die-deutschen-ueber-die-biooekonomie-denken\/","title":{"rendered":"TechnikRadar 2020: Was die Deutschen \u00fcber die Bio\u00f6konomie denken"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-75338\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/technikradar-acatech-teaser-1.png\" alt=\"technikradar-acatech-teaser-1\" width=\"551\" height=\"386\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/05\/technikradar-acatech-teaser-1.png 1000w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/05\/technikradar-acatech-teaser-1-300x210.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2020\/05\/technikradar-acatech-teaser-1-600x420.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 551px) 100vw, 551px\" \/><\/p>\n<p><strong>Biokunststoff und Biosprit aus Reststoffen sto\u00dfen bei den Deutschen auf Zuspruch, Laborfleisch und gr\u00fcne Gentechnik werden abgelehnt. Das geht aus dem TechnikRadar 2020 von acatech \u2013 Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und K\u00f6rber-Stiftung hervor. Neben der allgemeinen Einstellung zu Technik fragt die Studie in diesem Jahr ab, wie die Deutschen zu den Zielen und m\u00f6glichen Auswirkungen der Bio\u00f6konomie stehen.<\/strong><\/p>\n<p>70,2 Prozent der Deutschen finden, Deutschland sollte beim Klimaschutz mit gutem Beispiel vorangehen. Dass der Umweltschutz eine Einschr\u00e4nkung des Konsums erfordert, meinen sogar 74,4 Prozent der Befragten. Das zeigt das TechnikRadar 2020 von acatech \u2013 Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und K\u00f6rber-Stiftung. Neben allgemeinen Einstellungen zu Technik, fragt die repr\u00e4sentative Studie 2020 ab, was die Deutschen \u00fcber \u201eBio\u00f6konomie\u201c denken. Der Begriff bezieht sich auf neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen, die fossile durch biologische Ressourcen ersetzen oder biologisches Wissen nutzen, um zu einem nachhaltigeren und zukunftsf\u00e4higen Wirtschaftssystem beizutragen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend allgemeine Ziele zum Umwelt- oder Klimaschutz in Deutschland Zuspruch finden, sind pers\u00f6nliche Einschr\u00e4nkungen und Verbote unter den Befragten wenig popul\u00e4r: H\u00f6here Steuern auf fossile Brennstoffe w\u00fcrde nur ein Drittel begr\u00fc\u00dfen (35 Prozent). \u00c4hnlich wenige bef\u00fcrworten die Einschr\u00e4nkung des privaten Autoverkehrs (33,4 Prozent) \u2013 und fast genauso viele Deutsche (29,5 Prozent) lehnen dies ab.<\/p>\n<p>\u201eDie Corona-Krise wird die Einstellung der Deutschen zu Technik ver\u00e4ndern. Welche Technologien konkret anders bewertet werden, werden wir durch eine Befragung nach dem Abklingen der derzeitigen Infektionswelle gezielt untersuchen und die Ergebnisse Ende des n\u00e4chsten Jahres vorstellen\u201c, erkl\u00e4rt Ortwin Renn, acatech Pr\u00e4sidiumsmitglied und wissenschaftlicher Direktor am IASS Potsdam. \u201eM\u00f6glicherweise werden die Bewertungen zu Themen der Bio\u00f6konomie, wie zum Beispiel Nachhaltigkeit oder Klimaschutz, aufgrund der Krisenerfahrung heute etwas anders ausfallen als zum Zeitpunkt der Befragung, aber dramatische \u00c4nderungen sind in diesen Technikfeldern nicht zu erwarten. Die vorliegenden Studienergebnisse erm\u00f6glichen daher verl\u00e4ssliche Aussagen dar\u00fcber, wie die Deutschen \u00fcber diese Ziele denken\u201c, erg\u00e4nzt Ortwin Renn.<\/p>\n<p>Geht es um die Rolle der Politik beim Umweltschutz, sind die Befragten geteilter Meinung: Die Frage, ob der Staat die Menschen zu umweltgerechtem Handeln zwingen sollte, wird je zu etwa einem Drittel bef\u00fcrwortet (34,7 Prozent) oder abgelehnt (32,2 Prozent), ein weiteres Drittel (33,1 Prozent) ist ambivalent. 59 Prozent sind der Ansicht, die Politik m\u00fcsse f\u00fcr den Klimaschutz Ma\u00dfnahmen ergreifen, auch wenn die Wirtschaft darunter leide. \u201eWir sehen, dass nachhaltiges Wirtschaften den Deutschen grunds\u00e4tzlich ein wichtiges Anliegen ist. Weniger eindeutig ist das Bild, wenn es um die politische Umsetzung oder pers\u00f6nliche Konsequenzen geht\u201c, kommentiert Tatjana K\u00f6nig, Mitglied im Vorstand der K\u00f6rber-Stiftung. \u201eDass eine Meinungsbildung zur Bio\u00f6konomie noch am Anfang steht, bietet auch die Chance, die Menschen mitzunehmen, um die enormen Potenziale, aber auch m\u00f6gliche Nebenwirkungen in den Blick zu nehmen. Daf\u00fcr brauchen wir mehr Wissensvermittlung, aber auch eine Debatte auf Augenh\u00f6he mit denen, die diese Technologien entwickeln\u201c, f\u00fcgt Tatjana K\u00f6nig hinzu.<\/p>\n<h3>Plastik durch Biokunststoffe ersetzen<\/h3>\n<p>Bisher wurden Kunststoffe aus Erd\u00f6l hergestellt. Biokunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen zeigen, dass es auch anders geht. Eine deutliche Mehrheit der Deutschen (88,4 Prozent) h\u00e4lt es f\u00fcr sinnvoll, herk\u00f6mmliches Plastik durch solche bio\u00f6konomischen Produkte zu ersetzen. Jede bzw. jeder zweite Befragte (49,7 Prozent) sch\u00e4tzt die neuen Wertstoffe auch, weil sie helfen, Deutschland von den internationalen \u00d6lm\u00e4rkten unabh\u00e4ngig zu machen und Wettbewerbsvorteile versprechen. Durch den Anbau der hierf\u00fcr erforderlichen Rohstoffe erwartet allerdings mehr als die H\u00e4lfte der Befragten (64,2 Prozent) massive Auswirkungen auf das Landschaftsbild, Monokulturen (62,6 Prozent) und den vermehrten Einsatz von gentechnisch ver\u00e4nderten Pflanzen (61,1 Prozent).<\/p>\n<h3>Gr\u00fcne Gentechnik wird abgelehnt<\/h3>\n<p>Im Zusammenhang mit der Bio\u00f6konomie wird auch \u00fcber Gr\u00fcne Gentechnik diskutiert. Bei dieser Z\u00fcchtung werden Gene der eigenen oder einer fremden Art in das Erbgut eingeschleust, um Pflanzen widerstandsf\u00e4higer zu machen und Ertr\u00e4ge zu verbessern. Dies lehnen 57,5 Prozent der Deutschen ab. Den Nutzen solcher gentechnischen Nutzungsverfahren erkennen nur 20,9 Prozent der Befragten, 66,4 Prozent bewerten die dadurch entstehenden Risiken als hoch oder eher hoch.<\/p>\n<h3>Zustimmung f\u00fcr Biosprit aus Reststoffen<\/h3>\n<p>Biologische Abfall- und Reststoffe wie G\u00fclle, Restholz, Kompost und Abf\u00e4lle aus der Gastronomie lassen sich mit Hilfe biotechnischer Verfahren in Kraftstoffe verwandeln \u2013 wenn auch bisher nur im kleinen Ma\u00dfstab. Eine Mehrheit der Deutschen (76,8 Prozent) h\u00e4lt dies f\u00fcr eine gute Sache. 62,8 Prozent sprechen sich f\u00fcr eine staatliche F\u00f6rderung des vielversprechenden Verfahrens aus. Rund die H\u00e4lfte (53,4 Prozent) meint, dass das f\u00fcr die Herstellung notwendige Know-how die Wirtschaft st\u00e4rken wird. \u201eDie Aussagen zu Kraftstoff aus Bioabfall sind ein gutes Beispiel daf\u00fcr, wie sehr Anspruch und Wirklichkeit beim Umweltschutz auseinanderklaffen\u201c, kommentiert Cordula Kropp, wissenschaftliche Projektleiterin und Soziologin vom Zentrum f\u00fcr Interdisziplin\u00e4re Risiko- und Innovationsforschung der Universit\u00e4t Stuttgart die Ergebnisse. \u201eDas Verfahren selbst wird \u00fcberaus positiv beurteilt \u2013 aber viele w\u00e4ren gegen eine gro\u00dftechnische Anlage zur Biomasseverfl\u00fcssigung in der eigenen Umgebung\u201c, f\u00fchrt Cordula Kropp aus. Denn fast die H\u00e4lfte (42,1 Prozent) der Befragten gibt an, dass Anlagen zur Gewinnung von Biosprit in der N\u00e4he von Wohngebieten nicht zumutbar sind.<\/p>\n<h3>Kein Fleischverzicht, kein Laborfleisch<\/h3>\n<p>Anders ist die Meinung bei der Ern\u00e4hrung: Nur vier von zehn Personen (40 Prozent) sind der Ansicht, dass die Weltern\u00e4hrung sich sicherstellen l\u00e4sst, wenn wir auf Fleisch aus der umweltbelastenden industriellen Tierhaltung verzichten. Am st\u00e4rksten glauben dies Frauen \u00fcber 65 Jahren (51,3 Prozent), am wenigsten M\u00e4nner in der mittleren Altersgruppe zwischen 35 und 65 Jahren (32,3 Prozent). Eine M\u00f6glichkeit, auf konventionelle Tierhaltung zu verzichten und gleichzeitig die Ern\u00e4hrung der wachsenden Weltbev\u00f6lkerung zu sichern, ist Fleisch aus dem Labor. Aus tierischen Stammzellen werden dabei mit N\u00e4hrl\u00f6sung Muskelfasern gez\u00fcchtet. Als geeigneten Ansatz, um die globale Ern\u00e4hrung zu sichern, sieht dies nur etwas mehr als die H\u00e4lfte (57,8 Prozent) der Befragten. Den Verzehr solchen Fleisches k\u00f6nnen sich nur 24,1 Prozent der Deutschen vorstellen. 64,8 Prozent f\u00fcrchten, dass dieses Verfahren zu einer weiteren Entfremdung der Menschen von der Erzeugung ihrer Nahrungsmittel f\u00fchrt und mit 47,1 Prozent h\u00e4lt fast jede oder jeder Zweite Fleisch aus dem Labor f\u00fcr risikoreicher als Fleisch aus konventioneller Tierzucht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biokunststoff und Biosprit aus Reststoffen sto\u00dfen bei den Deutschen auf Zuspruch, Laborfleisch und gr\u00fcne Gentechnik werden abgelehnt. Das geht aus dem TechnikRadar 2020 von acatech \u2013 Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und K\u00f6rber-Stiftung hervor. 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