{"id":75272,"date":"2020-05-29T07:32:01","date_gmt":"2020-05-29T05:32:01","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=75272"},"modified":"2021-09-09T21:18:56","modified_gmt":"2021-09-09T19:18:56","slug":"wasserstoff-fabrik-auf-hoher-see","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wasserstoff-fabrik-auf-hoher-see\/","title":{"rendered":"Wasserstoff-Fabrik auf hoher See"},"content":{"rendered":"<p>Deutschlands Windparks k\u00f6nnten viel mehr Strom produzieren, als sie es derzeit tun. Da dieser Strom aber nicht verbraucht werden kann, werden zeitweise ganze Windparks abgeschaltet. Mehr als f\u00fcnf Milliarden Kilowattstunden gehen so pro Jahr verloren, das ist etwa ein Prozent des j\u00e4hrlichen Stromverbrauchs in Deutschland.<\/p>\n<p>Um diesen \u00fcbersch\u00fcssigen Strom k\u00fcnftig zu nutzen, werden in Norddeutschland derzeit drei Gro\u00dfprojekte zur Herstellung von Wasserstoff sowie von Treib- und Brennstoffen aus elektrischer Energie geplant. Die Leistung liegt bei jeweils 100 Megawatt (MW). Eine Anlage soll im Hamburger Hafen installiert werden, eine weitere in der Raffinerie Heide von einem Konsortium aus dem Stromnetzbetreiber Tennet, dem Gasleistungsbetreiber Gasunie und dem Gasversorger Thyssengas. Eine dritte will ein Konsortium aus dem Stromnetzbetreiber Amprion und dem Gaspipeline-Betreiber Open Grid Europe an einem noch nicht festgelegten Standort in Niedersachsen errichten.<\/p>\n<p>Der Windstrom, der in Norddeutschland genutzt werden soll, kommt vor allem aus den Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee. Deren Leistung liegt bei deutlich mehr als 6.000 MW. Der Strom wird, soweit sich Abnehmer finden, per Unterwasserkabel an Land bef\u00f6rdert. Ein niederl\u00e4ndisches Forschungs- und Industriekonsortium, dem sich jetzt der auch in Deutschland t\u00e4tige Erdgas-Netzbetreiber Gasunie angeschlossen hat, geht einen anderen Weg. Er will Wasserstoff offshore produzieren.<\/p>\n<p>Premiere 13 Kilometer vor der K\u00fcste<br \/>\nUm herauszufinden, ob das machbar ist, f\u00e4ngt das Projekt namens Poshydon klein an. Auf Q13a, einer \u00d6lproduktionsplattform, die 13 Kilometer vor der niederl\u00e4ndischen K\u00fcste liegt, soll die komplette Infrastruktur aufgebaut werden. Zun\u00e4chst wird allerdings kein \u00dcberschussstrom genutzt, sondern ganz normaler Netzstrom, denn die Plattform wird per Unterwasserkabel mit Strom vom Festland versorgt.<\/p>\n<p>Wenn der Test erfolgreich verl\u00e4uft, sollen Offshore-Produktionsanlagen f\u00fcr Wasserstoff in der N\u00e4he oft fern der K\u00fcste gelegener Windparks installiert werden. Das Gas wird in vorhandene Erdgaspipelines eingespeist. Der Bau von teuren Unterwasserkabeln wird \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Es ist problemlos m\u00f6glich, Wasserstoff mit Erdgas zu vermischen. Ein Anteil von bis zu 15 Prozent sei machbar, sagt Thomas G\u00f6\u00dfmann, Vorsitzender der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des Dortmunder Erdgasnetzbetreibers Thyssengas im Gespr\u00e4ch mit Golem.de.<\/p>\n<p>Derzeit d\u00fcrfen allerdings nur zwei Prozent Wasserstoff beigemischt werden. Angesichts der gro\u00dfen Mengen an Erdgas, die per Pipeline bef\u00f6rdert werden, k\u00f6nnten Offshore-Produktionsanlagen ihren Wasserstoff problemlos ins Netz einspeisen, selbst wenn die Zwei-Prozent-Beschr\u00e4nkung nicht aufgehoben wird.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/video.golem.de\/wirtschaft\/23068\/refhyne-plant-weltweit-groesste-wasserstoff-raffinerie-firmenvideo.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Video: Refhyne plant weltweit gr\u00f6\u00dfte Wasserstoff-Raffinerie (Firmenvideo) (2:47)<\/a><\/p>\n<p>Wenn die Ausfallarbeit in die Wasserstoffproduktion flie\u00dft, m\u00fcssen Windparks seltener abgeregelt werden. Das Wasserstoff-Erdgas-Gemisch kann man dagegen als Batterie betrachten. Es bleibt so lange in Pipelines und Kavernen, bis Strommangel herrscht. Dann wird es in Gaskraftwerken verbrannt.<\/p>\n<p>Produziert wird der Wasserstoff mit einem sogenannten Elektrolyseur. Das ist ein Ger\u00e4t, das Wasser mit Hilfe von Strom in Wasser- und Sauerstoff aufspaltet. Meerwasser einfach per Elektrolyse in Wasser- und Sauerstoff zu zerlegen, ist zwar m\u00f6glich. Wegen des hohen Salzgehalts w\u00fcrde Korrosion den Elektrolyseur jedoch schnell au\u00dfer Gefecht setzen.<\/p>\n<p>Meerwasser wird entsalzt und zerlegt<\/p>\n<p>Aus diesem Grund ist die erste Station eine Entsalzungsanlage. Das demineralisierte Wasser landet dann im Elektrolyseur. Er befindet sich in einem Normcontainer und hat eine Leistung von einem Megawatt. Pro Stunde wird er 200 Kubikmeter Wasserstoff erzeugen.<\/p>\n<p>Er wird \u00fcber eine bestehende Pipeline zur Plattform P15 im s\u00fcdlichen Sektor der niederl\u00e4ndischen Nordsee transportiert. Sie fungiert als eine Art Sammel- und Umschlagplatz der fossilen Rohstoffe \u00d6l und Gas, die auf mehreren benachbarten Plattformen gef\u00f6rdert werden. 2021 soll die Anlage erstmals Wasserstoff produzieren.<\/p>\n<p>Schon vor ein paar Jahren haben US-Forscher gezeigt, dass man Wasserstoff mit auf Schiffen verf\u00fcgbaren Rohstoffen herstellen kann. Im Auftrag der US-Marine produzierten sie Kerosin aus Meerwasser, Kohlendioxid, das sie ebenfalls aus Meerwasser gewannen, und Strom.<\/p>\n<p>Zeitweise plante das Milit\u00e4r, derartige Anlagen auf Flugzeugtr\u00e4gern einzusetzen, um Treibstoff f\u00fcr Kampfflugzeuge herzustellen. Statt \u00d6kostrom sollte allerdings Atomstrom genutzt werden.<\/p>\n<p>Niederlande bereiten die Wasserstoff-Wirtschaft vor<br \/>\nAndere L\u00e4nder haben da andere Ans\u00e4tze. Die Niederlande streben etwa den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft an, also einen Verzicht auf fossile Brennstoffe, sogar auf Erdgas. Mehrere niederl\u00e4ndische Erdgaspipelines sind bereits f\u00fcr den Transport von Wasserstoff aufger\u00fcstet worden.<\/p>\n<p>&#8220;Die Niederlande sind gut positioniert, um den \u00dcbergang zu einer Wasserstoffwirtschaft voranzutreiben&#8221;, sagte Gasunie-Chef Han Fennema. &#8220;Wir haben die Nordsee f\u00fcr die Wind- und Wasserstoffproduktion, H\u00e4fen als Logistikzentren, Industriecluster, die auf gr\u00fcne Produktion umsteigen m\u00f6chten, und eine hervorragende Transport- und Speicherinfrastruktur.&#8221;<\/p>\n<p>Vorbild f\u00fcr Deutschland<br \/>\nAll das gilt auch f\u00fcr Deutschland. Hans-Martin Henning vom Fraunhofer-Institut f\u00fcr Solare Energiesysteme in Freiburg geh\u00f6rt zu den Bef\u00fcrwortern einer Speicherung von \u00d6kostrom in Form von Wasserstoff oder daraus in Verbindung mit Kohlendioxid hergestelltem synthetischen Methan. Bei den Berliner Energietagen im Mai 2019 setzte er sich f\u00fcr diese Art von \u00d6kostrom-Speicherung ein.<\/p>\n<p>Das vorhandene Erdgasnetz einschlie\u00dflich der Kavernen, in denen Vorr\u00e4te gespeichert sind, ist auf den j\u00e4hrlichen Transport von 800 bis 1.000 Terawattstunden (TWh) ausgelegt. Das ist deutlich mehr Energie, als in den Stromnetzen flie\u00dft, die auf 600 TWh kommen. Es ist noch reichlich Platz f\u00fcr synthetisches Gas, das aus \u00d6kostrom gewonnen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschlands Windparks k\u00f6nnten viel mehr Strom produzieren, als sie es derzeit tun. Da dieser Strom aber nicht verbraucht werden kann, werden zeitweise ganze Windparks abgeschaltet. Mehr als f\u00fcnf Milliarden Kilowattstunden gehen so pro Jahr verloren, das ist etwa ein Prozent des j\u00e4hrlichen Stromverbrauchs in Deutschland. 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