{"id":75262,"date":"2020-06-02T07:26:02","date_gmt":"2020-06-02T05:26:02","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=75262"},"modified":"2020-05-28T11:47:47","modified_gmt":"2020-05-28T09:47:47","slug":"forstwirte-in-der-krise-holz-verbrennen-in-kohlekraftwerken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/forstwirte-in-der-krise-holz-verbrennen-in-kohlekraftwerken\/","title":{"rendered":"Forstwirte in der Krise &#8211; Holz verbrennen in Kohlekraftwerken?"},"content":{"rendered":"<p>Der Holzpreis sinkt. Vielerorts wird der Wald sich selbst \u00fcberlassen, weil die Verarbeitung von Holz nicht lohnt.\u00a0Ein Vorschlag soll Abhilfe schaffen: Schadholz k\u00f6nnte in Kohlekraftwerken verheizt werden.<\/p>\n<p>Im Wald herrscht momentan Ausnahmezustand. Der Borkenk\u00e4fer zerst\u00f6rt jedes Jahr Tausende von Hektar Fichtenwald, dazu kommen Sturmsch\u00e4den, es ist viel zu trocken, die S\u00e4gewerke sind voll, der Holzpreis im Keller.<\/p>\n<p>F\u00fcr Frischholz zahlen die bayerischen S\u00e4gewerke im Schnitt derzeit unter 50 Euro pro Festmeter. Vor ein paar Jahren war es noch fast doppelt so viel wert. K\u00e4ferholz liegt bei knapp 20 Euro. Mittlerweile kostet das Aufarbeiten der B\u00e4ume mehr als der Holzverkauf am Ende einbringt.<\/p>\n<p>Der Wald wird sich selbst \u00fcberlassen<br \/>\nViele Waldbesitzer lassen die K\u00e4ferb\u00e4ume deshalb einfach stehen, so Forstunternehmer Norbert Harrer aus dem oberbayerischen Landkreis Eichst\u00e4tt. Letzte Woche hatte er einen Termin bei einem Waldbesitzer, der vom Forstamt aufgefordert wurde, vom Borkenk\u00e4fer befallene B\u00e4ume zu f\u00e4llen und schnellstm\u00f6glich aus dem Wald zu bringen. Dazu ist man gesetzlich verpflichtet. Normalerweise r\u00fccken dann Norbert Harrers Harvester und R\u00fcckefahrzeuge an. Dieses Mal nicht: &#8220;Der Waldbauer hat mir klipp und klar gesagt, dass er sich weigert, da kann er noch so viele Briefe vom Amt bekommen. Er l\u00e4sst die B\u00e4ume nicht aufarbeiten, weil er es einfach nicht bezahlen kann.&#8221;<\/p>\n<p>Das hei\u00dft: keine Arbeit mehr f\u00fcr Forstunternehmer wie Norbert Harrer &#8211; und der Borkenk\u00e4fer kann sich ungebremst ausbreiten. Doch das Holz muss raus, denn wenn die K\u00e4ferb\u00e4ume im Wald stehen bleiben, bef\u00e4llt der Sch\u00e4dling auch den gesunden Fichtenbestand.<\/p>\n<p>Riesige Holzmengen belasten den Markt<br \/>\nJohann Stadler ist Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Eichst\u00e4tt, einem Zusammenschluss der Waldbesitzer, und vermarktet das Holz an S\u00e4gewerke. Er macht sich Sorgen um die Zukunft des Waldes. Gro\u00dfe Mengen an Schadholz belasten den Markt, viele Waldbesitzer resignieren. &#8220;Wir stehen kurz vor dem Kollaps&#8221;, sagt Stadler.<\/p>\n<p>Forstunternehmer, Waldbesitzerverb\u00e4nde, Kommunalpolitiker und staatliche F\u00f6rster aus der Region haben deshalb einen Brandbrief an das Bayerische Forstministerium und Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der geschrieben. Ihre Forderung: Der Staat soll K\u00e4ferholz aufkaufen und in Kohlekraftwerken verheizen. Sie erhoffen sich davon eine Entlastung des Marktes. Nur so k\u00f6nne man die Holzpreise wieder auf ein angemessenes Niveau bringen.<\/p>\n<p>Die Idee ist nicht neu, in n\u00f6rdlichen Bundesl\u00e4ndern gibt es solche \u00dcberlegungen schon seit ein paar Jahren. Auch dort hat der Borkenk\u00e4fer gro\u00dfe Sch\u00e4den in den W\u00e4ldern verursacht. Aktive Kohlekraftwerke gibt es noch einige in Deutschland, unter anderem bei Zolling im oberbayerischen Landkreis Freising. Theoretisch kann nach einer Umr\u00fcstung dort auch Holz verfeuert werden.<\/p>\n<p>Doch im Bayerischen Forstministerium wiegelt man ab. Ein Umbau sei zu aufwendig, koste Millionen, das Genehmigungsverfahren k\u00f6nne sich hinziehen und die Kraftwerke br\u00e4uchten dann langfristig gro\u00dfe Mengen an preisg\u00fcnstigem Holz. Was aber, wenn der Holzpreis wieder steigt? Kein vern\u00fcnftig wirtschaftender Waldbesitzer sei dann mehr dazu bereit, das Holz zum Schleuderpreis zum Verheizen zu verkaufen, so Robert Morigl vom Bayerischen Forstministerium in M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Selbst wenn der Staat jetzt in dieser Notsituation aktiv werden w\u00fcrde, k\u00f6nnte er Holz nicht f\u00fcr 80 Euro pro Festmeter von den Waldbesitzern kaufen und f\u00fcr f\u00fcnf Euro wieder an Kohlekraftwerke verkaufen. Da k\u00f6nne man auch gleich Steuergelder verbrennen. Die Idee sei damit in Bayern erstmal vom Tisch.<\/p>\n<p>Das Steinkohlekraftwerk Farge in Bremen geh\u00f6rt wie das Kraftwerk bei Freising dem Betreiber Onyx. Dort wird gerade die Nutzung von Biomasse, zum Beispiel Schadholz, getestet. Da der Kohleausstieg ohnehin bevorsteht, pr\u00fcft der Kraftwerksbetreiber verschiedene Konzepte, den Standort auch ohne Kohle nutzen zu k\u00f6nnen. Testweise wurden dort bereits 1.000 Tonnen Holzpellets verfeuert. Um das m\u00f6glich zu machen, wurde eine der Steinkohlem\u00fchlen f\u00fcr eine Viertel Million Euro aufwendig umger\u00fcstet.<\/p>\n<p>Sollte die Testphase gut laufen, komme eine generelle Umr\u00fcstung in Frage, best\u00e4tigt der Kraftwerksbetreiber. Der n\u00e4chste Schritt w\u00e4re dann der Genehmigungsprozess. Auch f\u00fcr ein Steinkohlekraftwerk in Wilhelmshaven laufen \u00e4hnliche \u00dcberlegungen. Die positiven Nebeneffekte: Die Arbeitspl\u00e4tze vor Ort k\u00f6nnen trotz Kohleausstieg erhalten bleiben.<\/p>\n<p>Was ist mit der \u00d6kobilanz?<br \/>\nZwar ist ein bestimmter Anteil von Totholz gut f\u00fcr die Natur. Aber eine thermische Nutzung als Brennstoff sei besser, als gro\u00dfe Mengen an B\u00e4umen im Wald verfaulen zu lassen, so die Meinung der Forstbranche. Der Vorteil f\u00fcr das Kraftwerk: Laut Onyx w\u00e4re durch die Energieerzeugung mit Biomasse eine planbare und verl\u00e4ssliche Erzeugung von gr\u00fcnem Strom m\u00f6glich. Auch Braunkohlekraftwerke kommen f\u00fcr den Umbau in Frage. Deren Umr\u00fcstung soll sogar weniger komplex sein.<\/p>\n<p>Kritiker aber f\u00fcrchten, dass Kraftwerksbetreiber auf Importholz zur\u00fcckgreifen, wenn der Holzpreis in Deutschland wieder steigt. Sie zweifeln, ob das \u00f6kologisch sinnvoll ist oder man damit einen Raubbau in den W\u00e4ldern forciere.<\/p>\n<p>Alternativen zur Marktentlastung<br \/>\nIm Bayerischen Forstministerium setzt man als L\u00f6sung des Problems auf sogenannte Nasslager. Solche gibt es bereits. Auf Lagerpl\u00e4tzen werden die Baumst\u00e4mme gestapelt und mit Wasser bespr\u00fcht, um sie zu konservieren. Weder Bakterien, noch Pilze oder Insekten k\u00f6nnen so die Baumst\u00e4mme sch\u00e4digen, die Qualit\u00e4t des Holzes bleibt auf Jahre erhalten. Wenn der Preis dann wieder steigt, kann das Holz verkauft werden. Die Nasslagerung aber kostet Geld und setzt voraus, dass sich der Holzpreis wirklich wieder erholt.<\/p>\n<p>Fest steht: Irgendwann muss das K\u00e4ferholz, das jetzt in den n\u00e4chsten Wochen deutschlandweit in riesigen Mengen auf den Markt dr\u00fccken wird und auch aus Tschechien in bayerische S\u00e4gewerke gefahren wird, verkauft und verwertet werden. &#8220;Jetzt ist die Zeit, dass die Politik uns hilft, wir stehen mit dem R\u00fccken zur Wand&#8221;, sagt Johann Stadler, der Vorsitzende der <a href=\"https:\/\/www.fbg-eichstaett.de\/\" target=\"_blank\">Waldbesitzer in Eichst\u00e4tt<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Holzpreis sinkt. Vielerorts wird der Wald sich selbst \u00fcberlassen, weil die Verarbeitung von Holz nicht lohnt.\u00a0Ein Vorschlag soll Abhilfe schaffen: Schadholz k\u00f6nnte in Kohlekraftwerken verheizt werden. Im Wald herrscht momentan Ausnahmezustand. Der Borkenk\u00e4fer zerst\u00f6rt jedes Jahr Tausende von Hektar Fichtenwald, dazu kommen Sturmsch\u00e4den, es ist viel zu trocken, die S\u00e4gewerke sind voll, der Holzpreis [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[10681,10608,14051,13536],"supplier":[214],"class_list":["post-75262","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-biomasse","tag-biooekonomie","tag-energie","tag-forstwirtschaft","supplier-bayerisches-staatsministerium-fuer-ernaehrung-landwirtschaft-und-forsten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/75262","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=75262"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/75262\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=75262"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=75262"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=75262"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=75262"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}