{"id":75098,"date":"2020-05-27T07:26:27","date_gmt":"2020-05-27T05:26:27","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=75098"},"modified":"2020-05-21T14:36:34","modified_gmt":"2020-05-21T12:36:34","slug":"novocarbo-verarbeitet-pflanzenabfaelle-zu-pflanzenkohle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/novocarbo-verarbeitet-pflanzenabfaelle-zu-pflanzenkohle\/","title":{"rendered":"NovoCarbo verarbeitet Pflanzenabf\u00e4lle zu Pflanzenkohle"},"content":{"rendered":"<p>Pflanzenkohle aus pflanzlichen Reststoffen wie Holzhackschnitzeln, Nussschalen oder Mist stellt die NovoCarbo GmbH her. Je nach Ausgangsmaterial und Verarbeitung entstehen dabei Pflanzenkohlen mit unterschiedlichen Eigenschaften, die als Bodenverbesserer, Stalleinstreu oder in Biogasanlagen eingesetzt werden k\u00f6nnen. Ob sie sich auch als Tr\u00e4gerstoff f\u00fcr &#8220;Impfmittel&#8221; im Linsenanbau eignen, wird derzeit im <a href=\"https:\/\/www.bio-pro.de\/OPG-Rhizo-Linse\" target=\"_blank\">Projekt \u201eRhizo-Linse<\/a>\u201c untersucht.<\/p>\n<p>Pflanzenkohle wird aus pflanzlichen Reststoffen hergestellt wie sie in der Landwirtschaft, im Garten- und Weinbau oder in Kommunen anfallen. \u201eWir verarbeiten pro Jahr 3.000 Tonnen pflanzliche Biomasse zu 700 Tonnen Pflanzenkohle\u201c, sagt Florian Lage, Marketing- und Sales-Manager bei NovoCarbo in D\u00f6rth, hundert Kilometer westlich von Frankfurt am Main. Das im Jahr 2015 gegr\u00fcndete Unternehmen stellt die Pflanzenkohle im PYREG-Verfahren her. Dabei werden die chemischen Verbindungen im Pflanzenmaterial bei 500 bis 700 Grad Celsius gespalten. Da der Prozess weitgehend unter Luftabschluss stattfindet, verbrennt das Material nicht, sondern verkohlt. Es entstehen Gase, die schadstoffarm verbrannt werden und stabile, ringf\u00f6rmige Kohlenstoffverbindungen &#8211; die Pflanzenkohle. Abgesehen von etwas externer Startenergie deckt der Prozess seinen Bedarf an thermischer Energie selbst und produziert sogar einen \u00dcberschuss, der von Nachbarunternehmen genutzt oder in Strom umgewandelt wird.<\/p>\n<p>Dabei ist Pflanzenkohle nicht gleich Pflanzenkohle. Je nach Ausgangsmaterial und Prozessparametern entstehen Varianten mit verschiedenen Eigenschaften, die sich f\u00fcr unterschiedliche Anwendungen eignen. Sie unterscheiden sich etwa im Gehalt an Kohlenstoff, in Gr\u00f6\u00dfe und Struktur der inneren Oberfl\u00e4che oder im pH-Wert. Die Pflanzenkohle von NovoCarbo tr\u00e4gt das\u00a0European Biochar Certificate (EBC). Das freiwillige Zertifikat garantiert, dass das Produkt nachhaltig hergestellt wurde und einem der jeweiligen Anwendung entsprechenden Qualit\u00e4tsstandard\u00a0entspricht. Dabei m\u00fcssen Kriterien zu\u00a0verwendeter Biomasse, Produktionstechnik, den Eigenschaften der Pflanzenkohle sowie der Anwendung und Kennzeichnung erf\u00fcllt werden.<\/p>\n<p>Pflanzenkohle verbessert B\u00f6den<br \/>\n\u201e90 Prozent unserer Pflanzenkohle geht in den Agrarbereich und in den Garten- und Landschaftsbau\u201c, sagt Lage, \u201eder gr\u00f6\u00dfte Teil davon wird als Bodenverbesserer eingesetzt.\u201c Dazu wird die Pflanzenkohle mit N\u00e4hrstoffen \u201ebeladen\u201c. Dies ist durch ihre chemische Struktur m\u00f6glich. Sie ist por\u00f6s und hat eine gro\u00dfe innere Oberfl\u00e4che von 300 bis 400 Quadratmetern pro Gramm, sodass sie viel Wasser speichern kann. Die N\u00e4hrstoffe binden an sogenannte funktionelle Gruppen am Rand der Kohle, die entstehen, wenn die Kohle mit Sauerstoff aus der Luft reagiert. Zudem sind im Ascheanteil geringe Mengen an N\u00e4hrstoffen enthalten. In den Boden eingearbeitet, stehen N\u00e4hrstoffe und Wasser Pflanzen und Mikroorganismen zur Verf\u00fcgung. \u201eLandwirte kaufen meist \u201eleere\u201c Pflanzenkohlen, da sie selbst N\u00e4hrstoffe haben\u201c, erkl\u00e4rt Lage. Auf Wunsch wird die Kohle aber auch \u201ebeladen\u201c, dies wird beispielsweise von Gartenbaubetrieben nachgefragt.<\/p>\n<p>Zahlreiche Studien zeigen die positive Wirkung von Pflanzenkohle als Bodenverbesserer: Sie f\u00f6rdert das Pflanzenwachstum, erh\u00f6ht die mikrobielle Biomasse, bindet N\u00e4hrstoffe, reduziert klimasch\u00e4dliche Lachgas-Emissionen und h\u00e4lt Wasser im Boden. Zudem wird Kohlenstoff im Boden gespeichert, was langfristig den Humusgehalt steigert. \u201eIn einer Tonne Pflanzenkohle sind 3,5 Tonnen Kohlendioxid gespeichert \u2013 das ist aktiver Klimaschutz\u201c, sagt der Manager stolz. Denn Pflanzenkohle besteht aus sehr stabilen Kohlenstoffverbindungen, die nur langsam abgebaut werden. Der Kohlenstoff wird also langfristig gespeichert und nicht wie beim Verbrennen oder Kompostieren als Kohlendioxid in die Atmosph\u00e4re freigesetzt. Wie lange Pflanzenkohle im Boden erhalten bleibt, h\u00e4ngt vom Ausgangsmaterial, der Pyrolysetemperatur, dem Klima und der Bodennutzung ab und kann hundert bis einige tausend Jahre betragen. Am Amazonas gibt es von Menschen gemachte n\u00e4hrstoffreiche B\u00f6den, die auf Pflanzenkohle basieren und durch die Verrottung organischer Abf\u00e4lle mit Holzkohle entstanden sind. Manche dieser B\u00f6den sind \u00fcber 7.000 Jahre alt.<\/p>\n<p>Neben dem Bodenverbesserer produziert die NovoCarbo noch weitere Pflanzenkohlearten: Als Futterzusatz reguliert sie die Verdauung und steigert die Futtereffizienz. Als Einstreu in St\u00e4llen verbessert sie Stallklima und Stallhygiene, da sie Feuchtigkeit und N\u00e4hrstoffe aufnimmt und Ammoniak- und Methanemission reduziert, sodass weniger Ger\u00fcche entstehen und sich weniger Krankheitserreger entwickeln. Die so mit N\u00e4hrstoffen \u201ebeladene\u201c und mit Mikroorganismen besiedelte Pflanzenkohle kann direkt als Bodenverbesserer auf die Felder ausgebracht werden. In Biogasanlagen ist Pflanzenkohle Lebensraum f\u00fcr Bakterien, sodass G\u00e4rungsprozesse stabilisiert und die Leistung gesteigert werden k\u00f6nnen. Das Unternehmen arbeitet zudem an verschiedenen Forschungsprojekten mit, da zahlreiche weitere Einsatzm\u00f6glichkeiten denkbar sind, etwa in Baumaterialien, Kunststoffen, Textilien oder zur Reinigung kontaminierter B\u00f6den.<\/p>\n<p>Mit Pflanzenkohle &#8220;Impfmittel&#8221; ausbringen<br \/>\nSo ist NovoCarbo auch am Projekt \u201eRhizo-Linse\u201c beteiligt, mit dem der Linsenanbau in Deutschland gef\u00f6rdert werden soll. Mit daran arbeiten die\u00a0nadicom GmbH in Karlsruhe, die Universit\u00e4t Hohenheim, das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg und die BIOPRO Baden-W\u00fcrttemberg GmbH.\u00a0Denn in den letzten Jahrzenten wurden immer weniger Linsen und andere Eiwei\u00dfpflanzen angebaut, und inzwischen legen viele Verbraucher wieder mehr Wert auf regionale, nachhaltig produzierte Nahrungsmittel.<\/p>\n<p>Das Projekt \u201eRhizo-Linse\u201c\u00a0hat zwei Ziele: Zum einen sollen f\u00fcr das Anbausystem\u00a0neue Wertsch\u00f6pfungsketten im Sinne der Bio\u00f6konomie identifiziert werden, denn die rankenden Linsenpflanzen werden zusammen mit einer St\u00fctzfrucht angebaut, damit sie aufrecht wachsen. Dadurch wird das Risiko f\u00fcr Pilzkrankheiten gesenkt und die Ernte erleichtert. Zum anderen soll ein &#8220;Impfstoff&#8221;\u00a0f\u00fcr Linsen entwickelt werden. Denn die Leguminosen gehen eine Symbiose mit bestimmten, im Boden lebenden Bakterien ein, den Rhizobien. Diese binden Luftstickstoff und wandeln ihn in Stickstoffverbindungen um, die die Pflanze verwerten kann. Das &#8220;Impfmittel&#8221; enth\u00e4lt Rhizobienst\u00e4mme, die besonders effektiv Stickstoff fixieren und wird bei der Aussaat so mit ausgebracht, dass jeder\u00a0Samen Kontakt zu einem Bakterium hat. Da der Pflanze mehr Stickstoff zur Verf\u00fcgung steht, sind die Ertr\u00e4ge h\u00f6her und eine zus\u00e4tzliche Stickstoffd\u00fcngung ist nicht n\u00f6tig.<\/p>\n<p>An dieser Stelle kommt NovoCarbo ins Spiel, denn das &#8220;Impfmittel&#8221; soll\u00a0mit Hilfe von Pflanzenkohle ausgebracht werden. \u201eWir besch\u00e4ftigen uns mit der Fragestellung, welches Ausgangsmaterial sich am besten\u00a0f\u00fcr eine Pflanzenkohle eignet, die einerseits das &#8220;Impfmittel&#8221; effektiv aufnehmen und andererseits\u00a0bei der Aussaat gut verarbeitet werden kann\u201c, sagt Lage. Ein Vorteil k\u00f6nnte sein, dass die Bakterien auf der Pflanzenkohle l\u00e4nger \u00fcberleben. Auch das werden die Forscher untersuchen. \u201eWir fanden das Projekt gleich spannend\u201c, antwortet Lage auf die Frage nach seiner Motivation, \u201evielleicht kann der Linsenanbau so wieder etabliert werden.\u201c<\/p>\n<p>Das Projekt \u201eRhizo-Linse\u201c wurde im M\u00e4rz 2019 gestartet und l\u00e4uft noch bis Anfang 2022. Gef\u00f6rdert wird es vom Europ\u00e4ischen Landwirtschaftsfonds f\u00fcr die Entwicklung des l\u00e4ndlichen Raums (ELER) und vom Ministerium f\u00fcr L\u00e4ndlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-W\u00fcrttemberg mit einer Summe von 655.500 Euro im Rahmen der Europ\u00e4ischen Innovationspartnerschaft \u201eLandwirtschaftliche Produktivit\u00e4t und Nachhaltigkeit\u201c (EIP-AGRI).<\/p>\n<p>Das Projekt wird von M\u00e4rz 2019 bis Anfang 2022 im Rahmen der Europ\u00e4ischen Innovationspartnerschaft \u201eLandwirtschaftliche Produktivit\u00e4t und Nachhaltigkeit\u201c (EIP-AGRI) mit einer Summe von 655.500 \u20ac vom Europ\u00e4ischen Landwirtschaftsfonds f\u00fcr die Entwicklung des l\u00e4ndlichen Raums (ELER) und vom Ministerium f\u00fcr L\u00e4ndlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-W\u00fcrttemberg gef\u00f6rdert.<br \/>\nLiteratur:<\/p>\n<p>Glaser, Bruno (2018) Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg: Pflanzenkohle \u2013 Stand der Forschung. Vortrag auf Tagung CarboTip:\u00a0www.geo.fu-berlin.de\/geog\/fachrichtungen\/physgeog\/geooekologie\/medien\/download\/Vortraege_Workshop_CarboTIP_2018\/7_Stand_Pflanzenkohleforschung_GLASER.pdf<\/p>\n<p>Richtlinien des Europ\u00e4ischen Pflanzenkohle-Zertifikats &#8211; Version 8.4 (vom 12. Februar 2020) www.european-biochar.org<\/p>\n<p>Umweltbundesamt (2016): Chancen und Risiken des Einsatzes von Biokohle und anderer \u201ever\u00e4nderter\u201c Biomasse als Bodenhilfsstoffe oder f\u00fcr die C-Sequestrierung in B\u00f6den.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pflanzenkohle aus pflanzlichen Reststoffen wie Holzhackschnitzeln, Nussschalen oder Mist stellt die NovoCarbo GmbH her. Je nach Ausgangsmaterial und Verarbeitung entstehen dabei Pflanzenkohlen mit unterschiedlichen Eigenschaften, die als Bodenverbesserer, Stalleinstreu oder in Biogasanlagen eingesetzt werden k\u00f6nnen. Ob sie sich auch als Tr\u00e4gerstoff f\u00fcr &#8220;Impfmittel&#8221; im Linsenanbau eignen, wird derzeit im Projekt \u201eRhizo-Linse\u201c untersucht. 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