{"id":74987,"date":"2020-05-22T07:23:11","date_gmt":"2020-05-22T05:23:11","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=74987"},"modified":"2020-05-18T13:54:18","modified_gmt":"2020-05-18T11:54:18","slug":"naturfasern-statt-braunkohle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/naturfasern-statt-braunkohle\/","title":{"rendered":"Naturfasern statt Braunkohle"},"content":{"rendered":"<p>Matthias Kinne und sein Team wollen mit \u00fcberholten Technologien in der Lausitz Schluss machen. Im <a href=\"https:\/\/lander.projekt.hszg.de\/\" target=\"_blank\">Projekt LaNDER3<\/a> setzen die Akteure daher auf regionale Pflanzen zur Herstellung von Hightech-Verbundstoffen.<\/p>\n<p>Die Lausitz steht vor allem f\u00fcr eines: den Braunkohletagebau. Um den Ausstieg aus der Braunkohle wird bis heute hart debattiert. Im Projekt LaNDER3 haben die Akteure um Matthias Kinne eine andere Vision. Sie favorisieren den bio\u00f6konomischen Weg und das Potenzial regionaler Pflanzen. Statt fossiler Rohstoffe sollen Nesseln, Flachs oder Gr\u00fcnschnittabf\u00e4lle zur Herstellung neuer Hightech-Verbundwerkstoffe, aber auch zur Energiegewinnung genutzt werden. Das B\u00fcndnis, das Partner aus Forschung und Industrie vereint, arbeitet seit drei Jahren an Verfahren, um aus der heimischen pflanzlichen Biomasse Naturfasern und Biopolymere f\u00fcr neue Kunststoffe nutzbar und konkurrenzf\u00e4hig zu machen. Haupteinsatzgebiet der neuen naturfaserverst\u00e4rkten Kunststoffe ist die Fahrzeugindustrie. Der an der Hochschule Zittau\/G\u00f6rlitz etablierte Oberlausitzer Forschungsverbund wird dabei vom Bundesforschungsministerium unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Frage<\/p>\n<p>Was verbirgt sich hinter dem Namen LaNDER3?<\/p>\n<p>Antwort<\/p>\n<p>Leben und produzieren auf dem Industrieniveau des 21. Jahrhunderts muss m\u00f6glich sein mit dem, was die Natur hergibt \u2013 Naturfasern, Biopolymere und erneuerbare Energien. Dies wirtschaftlich konkurrenzf\u00e4hig umzusetzen, um \u00fcberholte Technologien abzul\u00f6sen, ist unsere Vision. LaNDER3, das steht f\u00fcr Lausitzer Naturfaser-Verbundwerkstoffe: Dezentrale Energie, Rohstoffe, Ressourcen und Recycling. Die Innovationspartnerschaft besch\u00e4ftigt sich seit 2017 an der Hochschule Zittau\/G\u00f6rlitz (HSZG) und bei Partnern mit dem Gesamtlebenszyklus naturfaserverst\u00e4rkter Kunststoffe (NFK). Wir starten beim Beginn, der Fasergewinnung, und optimieren die NFK und ihre Nebenprodukte bis zum Recycling. Als eine von 10 Kooperationen erhielt der Oberlausitzer Forschungsverbund den F\u00f6rderzuschlag des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms Starke Fachhochschulen \u2013 Impuls f\u00fcr die Region (FH-Impuls). Im Vorhaben entstehen leichte, belastbare Materialien, die energieeffizient in Form gebracht, funktionsgerecht beschichtet und nach Gebrauch recycelt werden.<\/p>\n<p>Frage<\/p>\n<p>Welches Ziel verfolgt die Partnerschaft und wer ist daran beteiligt?<\/p>\n<p>Antwort<\/p>\n<p>Die kunststoffverarbeitende Industrie ist mit vielen kleinen und mittleren Unternehmen in der Oberlausitz fest verwurzelt. Durch den bevorstehenden Braunkohleausstieg kommt der Entwicklung und St\u00e4rkung bereits regional verankerter Industrien eine noch bedeutendere Rolle zu. Der Aufbau eines lebendigen, in der Lausitz verankerten Netzwerkes, rund um eine ganzheitliche Material- und Technologieentwicklung, ist das \u00fcbergeordnete Ziel. Das technologische Alleinstellungsmerkmal der Partnerschaft ist die Betrachtung der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette der NFK: Von der Gewinnung der Naturfaser bis hin zur Verwertung der Bauteile am Ende des Lebenszyklus.\u00a0 Gemeinsam mit rund 25 regionalen Partnern und dem Oberlausitzer Kunststoffzentrum des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Werkzeugmaschinen und Umformtechnik in Zittau werden neue Verfahren und Produkte rund um das Thema entwickelt und zu Marktreife gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Frage<\/p>\n<p>Welche heimischen Pflanzen stehen im Fokus der Forschung und wof\u00fcr k\u00f6nnen diese genutzt werden?<\/p>\n<p>Antwort<\/p>\n<p>Neben klassischen Faserpflanzen stehen auch jene im Blickpunkt, die in gro\u00dfen Mengen als Abfallstoff bisher meist ungenutzt sind. Dazu z\u00e4hlen Gr\u00fcnschnitt oder auch Feldabf\u00e4lle wie Spreu, Stroh, Maispflanzen der regionalen Landwirtschaft. Die in der Biomasse enthaltenen Naturfasern werden mithilfe spezieller Faseraufschlussverfahren extrahiert und biotechnologisch aufbereitet. Anfallende organische Reststoffe werden separiert und in einem speziellen Reaktor in Biogas umgewandelt. Anorganische Reste wie Phosphat werden ebenfalls separiert, aufgearbeitet und weiterverwertet. Haupteinsatzgebiet der NFK ist bisher die Fahrzeugindustrie, aber sie k\u00f6nnen beispielsweise auch als innovative Filtermaterialien f\u00fcr die Reinigung von Wasser und Luft Karriere machen.<\/p>\n<p>Frage<\/p>\n<p>Worauf konzentrieren sich die aktuellen Vorhaben der LaNDER3-Partnerschaft?<\/p>\n<p>Antwort<\/p>\n<p>Im Fokus steht die Technologieentwicklung aller Prozesse rund um die NFK. Derzeit werden Prozesse zur Verarbeitung von Naturfasern entwickelt, genauso wie neue Methoden der Oberfl\u00e4chenveredlung oder auch des Recyclings. In angedockten Projekten werden aber auch neue Erntetechnologien oder Faseraufbereitungsverfahren mit kombinierter Biogasgewinnung vorangebracht. In den n\u00e4chsten Monaten werden wir in Kooperation mit unseren Industriepartnern Alltags- und Gebrauchsgegenst\u00e4nde \u2013 vom Kinderwagen bis zur Smartphone-Halterung \u2013 auf Basis von NFK weiterentwickeln. Auch voll biologisch abbaubare Einwegprodukte ohne Polylactid werden in Zusammenarbeit mit einem eigens gegr\u00fcndeten Start-up entwickelt.<\/p>\n<p>Frage<\/p>\n<p>Das Vorhaben l\u00e4uft seit nunmehr drei Jahren. Auf welche Erfolge kann die Partnerschaft zur\u00fcckblicken?<\/p>\n<p>Antwort<\/p>\n<p>Neben der Entwicklung neuer Technologien und Produkte wurden weitere Wegmarken erreicht. Eine ist das neue Partnerschaftslabor, welches mit Unterst\u00fctzung des Freistaates Sachsen in Zittau errichtet wurde. In ihm finden Personal und Technik aus allen Teilprojekten Platz. Im Sinne einer shared-factory beherbergt die weitr\u00e4umige Halle auch Maschinen von Industriepartnern. Ein gemeinsamer kreativer Arbeitsraum f\u00fcr neue Ideen und innovative Produkte ist entstanden. Weiterhin wurden diverse Drittmittelprojekte in Zusammenarbeit mit unseren Industriepartnern rund um die Partnerschaft etabliert. Durch die Integration der Partnerschaft LaNDER3 in regionale und \u00fcberregionale Netzwerke ist es auch gelungen, einen Lausitzer Forschungsverein zu gr\u00fcnden und den Vorteil unserer Lage im Dreil\u00e4ndereck f\u00fcr Kooperationen zu polnischen und tschechischen Partnern zu nutzen.<br \/>\nFrage<\/p>\n<p>Was sind die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen bei der Umsetzung des Vorhabens?<\/p>\n<p>Antwort<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte technische und wissenschaftliche Herausforderung besteht vermutlich im Umgang mit der Natur selbst. Naturfasern sind keine genormten Produktionsteile und ver\u00e4ndern sich permanent. Hier gilt es Produktionsverfahren zu entwickeln, die bei variierenden Eingangsparametern stets Produkte in gleicher Qualit\u00e4t liefern. Die gr\u00f6\u00dfte strategische Herausforderung war und ist der Aufbau eines neuen Forschungs- und Innovationsnetzwerkes. Dies bedeutet in erster Linie den Aufbau von Vertrauen zueinander und die Etablierung einer effektiven zielorientieren Organisation. Durch die enge Verzahnung mit unseren industriellen Partnern sind wir als Partnerschaft gefordert, schnelle technische und organisatorische L\u00f6sungen zu finden. Eine Produktentwicklung darf keine f\u00fcnf Jahre dauern und Teilprojekte m\u00fcssen innerhalb weniger Monate Ergebnisse liefern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matthias Kinne und sein Team wollen mit \u00fcberholten Technologien in der Lausitz Schluss machen. Im Projekt LaNDER3 setzen die Akteure daher auf regionale Pflanzen zur Herstellung von Hightech-Verbundstoffen. 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