{"id":74972,"date":"2020-05-20T07:26:32","date_gmt":"2020-05-20T05:26:32","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=74972"},"modified":"2020-05-15T13:16:03","modified_gmt":"2020-05-15T11:16:03","slug":"insekten-als-rohstoff-und-futterquelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/insekten-als-rohstoff-und-futterquelle\/","title":{"rendered":"Insekten als Rohstoff und Futterquelle"},"content":{"rendered":"<p>Insekten haben als Quelle f\u00fcr Proteine und Fette viele Vorteile. Im Tierfutter k\u00f6nnen sie \u00f6kologisch bedenkliches Soja oder Fischmehl zum Teil ersetzen. Soja wird vielfach in Regenwaldgebieten angebaut, die zuvor gerodet wurden. Massenhafter Fischfang tr\u00e4gt zur \u00dcberfischung der Meere bei. Als Alternative bieten sich nahrhafte Fliegenlarven an. Sie vermehren sich enorm schnell und ern\u00e4hren sich von dem, was Laien \u00fcblicherweise als Abfall bezeichnen. Die Wissenschaftler sprechen indes lieber von Reststoffen im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Zudem \u201everbraucht\u201c die Insektenzucht keine Anbaufl\u00e4chen. Larven-Trockenmasse bestehe zu fast 50 Prozent aus Proteinen und zu 50 Prozent aus Fetten, erkl\u00e4rt der Biotechnologe Harald Wedwitschka vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ). Im Vergleich zum herk\u00f6mmlichen Tierfutter ist Insektenmehl \u201equalitativ \u00e4hnlich und nachhaltiger\u201c. Derzeit gibt es einige Nischenprodukte, zum Beispiel antiallergenes Hundefutter.<\/p>\n<p>Doch aktuell sind Produkte aus Insektenmehl im Gro\u00dfen und Ganzen noch nicht wirtschaftlich, betont Wedwitschka. Genau das m\u00f6chte der Biotechnologe \u00e4ndern. Am DBFZ in Leipzig schafft er die Basis f\u00fcr wettbewerbsf\u00e4hige Insektenprodukte \u2013 insbesondere als Rohstoff f\u00fcr die Industrie. Wedwitschka und sein Team sind Teil des BMBF-Verbundvorhabens <a href=\"https:\/\/www.dbfz.de\/competitive-insect-products-cip\/\" target=\"_blank\">Competitive Insect Products (CIP)<\/a>. Gemeinsam mit einem Fliegenzucht-Betrieb, der Hermetia Baruth GmbH, wollen sie Insekten mit Reststoffen f\u00fcttern und aus den Larven anschlie\u00dfend hochwertige Insektenproteine und -fette gewinnen. Denkbar sind viele Verwertungsm\u00f6glichkeiten, zum Beispiel als Kosmetika oder biologisch abbaubare Waschmittel. Neben der Nutzung von Reststoffen \u2013 etwa aus der Lebensmittelindustrie \u2013 bietet sich noch ein weiterer gro\u00dfer Vorteil: Erd\u00f6lbasierte Produkte lie\u00dfen sich durch biobasierte ersetzen.<\/p>\n<p>Im Fokus steht die Wettbewerbsf\u00e4higkeit<br \/>\nDerzeit sehen die Forscher des CIP-Projektes besonders hochwertige Schmierstoffe als marktf\u00e4hige Produkte an. \u201eUnser Hauptansatz sind derzeit Olefine. Wir fokussieren uns auf biologisch abbaubare Hochleistungsschmierstoffe f\u00fcr Sto\u00dfd\u00e4mpfer oder Leichtlauf\u00f6le\u201c, erl\u00e4utert Projektleiter Wedwitschka. Diese kann man dort einsetzen, wo keine mineral\u00f6lbasierten Stoffe aus Gr\u00fcnden des Gew\u00e4sserschutzes verwendet werden d\u00fcrfen, etwa bei Kettens\u00e4gen im Forstbetrieb. Ebenso unerw\u00fcnscht sind erd\u00f6lbasierte Fette bei technischen Anlagen in der Lebensmittel-Herstellung. \u201eAuch viele Fahrrad- oder Motorradfahrer m\u00f6chten biobasierte und biologisch abbaubare Ketten\u00f6le\u201c, sagt er. Statt wie heute noch vorwiegend in Meisenkn\u00f6deln zu landen, k\u00f6nnen Fette aus Insekten als Basisstoffe f\u00fcr die Industrie dienen.<\/p>\n<p>Der Forschungsverbund mit dem vollst\u00e4ndigen Namen &#8220;Entwicklung einer kosteng\u00fcnstigen Wertsch\u00f6pfungskette f\u00fcr biobasierte Olefine und Komplexn\u00e4hrmedien auf Basis von Insektenbiomasse f\u00fcr die industrielle Anwendung (CIP)\u201c steht unter dem Dach der F\u00f6rderinitiative \u201eMa\u00dfgeschneiderte biobasierte Inhaltsstoffe f\u00fcr eine wettbewerbsf\u00e4hige Bio\u00f6konomie\u201c. Im Oktober 2017 startete das BMBF die dreij\u00e4hrige F\u00f6rderung mit einer F\u00f6rdersumme von knapp 560.000 Mio. Euro.<\/p>\n<p>Biologogisch abbaubares \u00d6l f\u00fcr Fahrradketten<br \/>\nF\u00fcr wettbewerbsf\u00e4hige Insektenprodukte m\u00fcssen als wichtige Voraussetzung die Produktionskosten niedrig sein. Daher setzen die Wissenschaftler auf die Schwarze Soldatenfliege (Hermetia Illucens). Anders als die heimische Stubenfliege ben\u00f6tigt die erwachsene Soldatenfliege keinerlei Futter \u2013 ihr Leben dient nur der Erzeugung von gro\u00dfen Mengen an Nachwuchs. Dies hat auch den Vorteil, dass die Fliegen keine Krankheiten \u00fcbertragen k\u00f6nnen, da sie sich nicht wie Stubenfliegen abwechselnd auf Exkremente und Nahrungsmittel niederlassen. Die Larven der Soldatenfliege ern\u00e4hren sich dagegen von nahezu allem totem organischen Material \u2013 egal ob Pflanzenreste oder tierische Abf\u00e4lle. An dieser Stelle setzte das CIP-Projekt ein: Das Team ging als ersten Schritt die \u201esubstratseitige Kostenreduktion\u201c an, erkl\u00e4rt Wedwitschka. \u201eWie sehr m\u00f6gen Insekten etwa Agrarreststoffe, Maissilage, Biertreber oder Reststoffe aus der Biokraftstoffherstellung?\u201c Silage sind vergorene Reste von Pflanzen. Bislang wird meist \u2013 vergleichsweise teures \u2013 Schweinefutter zur Insektenzucht eingesetzt.<\/p>\n<p>H\u00fchnerkot und Biertreber als Futter<br \/>\nNeben den optimalen Wachstumsbedingungen der Larven untersuchte das Forschungsprojekt die Einkaufpreise der verschiedenen Futterquellen sowie Lagerungs- und Transportkosten. Wedwitschkas Fazit: \u201eVielversprechend erscheinen H\u00fchnertrockenkot, Maissilage und Reststoffe der Bioethanol-Herstellung\u201c. In einem anderen Teil des Projektes untersucht das CIP-Team gemeinsam mit Forschern der Pilot Pflanzen\u00f6ltechnologie Magdeburg e.V. wie Produkte m\u00f6glichst kosteng\u00fcnstig hergestellt werden k\u00f6nnen. In der Versuchsanlage zur Gewinnung und Verarbeitung von Pflanzen\u00f6len und -proteinen entwickelten sie erste Raffinationsschritte f\u00fcr Schmier\u00f6le.<\/p>\n<p>Im Zuge der Prozessoptimierung \u00fcberpr\u00fcfte Wedwitschka auch, ob es sich lohnt, die Larvenzucht an Biogasanlagen zu koppeln: \u201eDas unverdaute Material, die H\u00e4ute der Larven und die Exkremente eigen sich sehr gut als Co-Substrat f\u00fcr Biogasanlagen\u201c, lautet seine Schlussfolgerung. Zudem liefert eine Biogasanlage quasi frei Haus die notwendige W\u00e4rme f\u00fcr die Insekten. Die Reststoffe aus der Insektenzucht k\u00f6nnten als \u201eweitere Optionen als Material f\u00fcr Bioheizwerke, D\u00fcngemittel oder als Kultursubstrate f\u00fcr die Pilzzucht dienen\u201c.<\/p>\n<p>In Folgeprojekten m\u00f6chten sich Wedwitschka und seine Partner verst\u00e4rkt Langzeittests widmen. Dabei geht es etwa um die Haltbarkeit der Schmierfette. Ebenso wichtig sind Fragen der Vermarktung oder die Nachfrage-Erforschung. Bis zu wettbewerbsf\u00e4higen Produkten im Sinne der Bio\u00f6konomie sind viele Schritte notwendig. Einen guten Teil der Wegstrecke haben die Forscher im Rahmen des CIP-Projektes aber schon zur\u00fcckgelegt und so die Basis geschaffen, dass Kunden und Verbraucher in Zukunft die Vorz\u00fcge von nachhaltigen Insektenprodukten honorieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Insekten haben als Quelle f\u00fcr Proteine und Fette viele Vorteile. Im Tierfutter k\u00f6nnen sie \u00f6kologisch bedenkliches Soja oder Fischmehl zum Teil ersetzen. Soja wird vielfach in Regenwaldgebieten angebaut, die zuvor gerodet wurden. Massenhafter Fischfang tr\u00e4gt zur \u00dcberfischung der Meere bei. Als Alternative bieten sich nahrhafte Fliegenlarven an. 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